Amputation: Was Sie wissen sollten
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Amputation ist eine Operation, bei der ein Körperteil wie zum Beispiel ein Teil des Fußes, der Unterschenkel oder ein Arm entfernt wird. Das ist nötig, wenn dieses Körperteil nicht mehr gerettet werden kann – etwa weil es zu schlecht durchblutet, zu schwer verletzt oder gefährlich infiziert ist. Nach der Amputation können viele Menschen mit einer Prothese, also einem künstlichen Ersatz, wieder vieles selbstständig tun.
Wichtige Fakten
- Amputationen kommen in Deutschland häufiger vor, als viele denken. Oft sind Diabetes oder Durchblutungsstörungen die Ursache.
- Nach der Operation folgt eine Rehabilitation, in der Betroffene lernen, mit der veränderten Situation umzugehen.
- Viele Menschen führen mit einer Prothese ein aktives und selbstbestimmtes Leben.
Amputationen sind keine Seltenheit in Deutschland. Besonders bei älteren Menschen mit Gefäßerkrankungen oder Diabetes kommt es dazu.
Häufig sind Menschen über 60 Jahre betroffen, deren Blutgefäße durch Diabetes oder Arterienverkalkung geschädigt sind. Auch jüngere Menschen können nach schweren Unfällen oder seltenen Tumoren eine Amputation benötigen.
Symptome
- Wenn ein Körperteil durch einen Unfall abgetrennt wurde – sofort den Notruf 112 anrufen und das abgetrennte Teil kühl und sauber mit ins Krankenhaus nehmen
- Wenn eine Blutung sehr stark ist und nicht aufhört
- ⚠Eine Wunde mit starkem Geruch, Fieber oder plötzlich zunehmender Rötung – das kann auf eine gefährliche Infektion hinweisen
- ⚠Ein Körperteil wird plötzlich blass, kalt und sehr schmerzhaft – das kann auf einen Gefäßverschluss hindeuten
Häufige Symptome
- Eine Wunde, die über Wochen nicht heilt
- Starke Schmerzen in einem Bein oder Arm, auch in Ruhe
- Bläuliche, graue oder schwarze Verfärbung der Haut
- Kälte- oder Taubheitsgefühl in einem Körperteil
Symptome bei Kindern
- Nach einer Verletzung: starke Schmerzen, blasse Haut oder Gefühllosigkeit in einem Körperteil sind Warnzeichen.
- Bei Kindern kann eine Amputation durch einen schweren Unfall nötig werden. Auch angeborene Fehlbildungen spielen manchmal eine Rolle.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Schlecht heilende Wunden an den Füßen, besonders bei Diabetes, sind ein wichtiges Warnzeichen.
- Wenn sich ein Zeh oder Fuß dunkel verfärbt und kalt anfühlt, sollte das sofort ärztlich abgeklärt werden.
Ursachen
Hauptursachen
- Durchblutungsstörungen der Beine, auch Schaufensterkrankheit oder periphere arterielle Verschlusskrankheit genannt
- Diabetes mellitus – dauerhaft erhöhter Blutzucker schädigt Gefäße und Nerven
- Schwere Unfallverletzungen, bei denen ein Körperteil zerquetscht wird
- Schwere Infektionen, die sich nicht mehr mit Medikamenten behandeln lassen
- Bösartige Tumore im Knochen oder in den Weichteilen
Risikofaktoren
- Rauchen
- Bluthochdruck
- Erhöhte Blutfettwerte
- Diabetes mit schlecht eingestelltem Blutzucker
- Übergewicht und wenig Bewegung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn eine Wunde nicht heilt und sich dunkel verfärbt – noch am selben Tag zum Hausarzt oder in die Notaufnahme
- Wenn ein Bein plötzlich kalt, blass und stark schmerzhaft wird – sofort ärztliche Hilfe suchen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn eine Wunde nach zwei Wochen nicht besser geworden ist, sollten Sie einen Termin beim Hausarzt machen.
- Bei Diabetes ist es wichtig, die Füße regelmäßig untersuchen zu lassen – am besten einmal im Jahr.
Diagnose
Vor einer Amputation wird sehr sorgfältig und gründlich untersucht. Ärztinnen und Ärzte prüfen, wie gut das Gewebe durchblutet ist, ob Nerven funktionieren und ob eine Infektion vorliegt. Sie besprechen auch alle Möglichkeiten, die Gliedmaße zu retten. Erst wenn keine Behandlung mehr Aussicht auf Erfolg hat, wird eine Amputation empfohlen.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung und Abtasten der Pulse an den Gliedmaßen
- Ultraschall oder Blutdruckmessung am Knöchel, um die Durchblutung zu messen
- Angiographie – eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel, die Blutgefäße sichtbar macht
- Blutuntersuchungen zur Kontrolle von Entzündungswerten und Blutzucker
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Ihr Arzt oder Ihre Ärztin nimmt sich Zeit für ein ausführliches Gespräch. Sie dürfen und sollen Fragen stellen – auch zum Alltag nach der Amputation, zu Prothesen und zur Rehabilitation.
Behandlung
Eine Amputation wird in einem Krankenhaus unter Narkose durchgeführt. Das erkrankte Gewebe wird entfernt und ein gut heilender Stumpf geformt. Danach beginnen Schmerzbehandlung, Wundpflege und Rehabilitation. Ziel ist es, dass Betroffene so schnell wie möglich wieder sicher und selbstständig leben können.
Selbsthilfe zu Hause
- Den Stumpf sauber und trocken halten
- Die Wunde regelmäßig vom Arzt kontrollieren lassen
- Bewegungsübungen genau nach Anleitung der Krankengymnastinnen und -gymnasten machen
Medizinische Behandlungen
Nach der Operation erhalten Patientinnen und Patienten Medikamente gegen Schmerzen und bei Bedarf gegen Infektionen. Eine wichtige Rolle spielt die Krankengymnastik, um Muskeln, Gleichgewicht und Beweglichkeit zu erhalten. Je nach Heilungsverlauf kann eine Prothese angepasst werden. Die Behandlung folgt in Deutschland den Empfehlungen der Fachgesellschaften, unter anderem der AWMF-Leitlinie.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Amputation ist nur dann nötig, wenn das Körperteil nicht mehr durchblutet werden kann, eine lebensbedrohliche Infektion vorliegt oder schwere Verletzungen oder Tumore das Glied nicht mehr rettbar machen.
Leben mit der Erkrankung
Nach einer Amputation müssen viele alltägliche Dinge neu erlernt werden – zum Beispiel Anziehen, Treppensteigen oder Einkaufen. Ergotherapeutinnen und -therapeuten unterstützen dabei. Mit einer guten Prothese und gezieltem Training können die meisten Menschen ihren Alltag selbstständig bewältigen.
Tipps für den Alltag
- Bewegen Sie sich regelmäßig, so wie es Ihr Gesundheitszustand erlaubt
- Hören Sie mit dem Rauchen auf, denn Nikotin verschlechtert die Durchblutung
- Halten Sie regelmäßige Kontrolltermine beim Hausarzt ein, auch für das gesunde Bein
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Eiweiß und Vitaminen unterstützt die Wundheilung. Ein gesundes Körpergewicht entlastet Herz und Gefäße. Krankengymnastik hilft, Kraft aufzubauen und Stürze zu vermeiden.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Amputation ist ein großer Verlust und belastet oft die Seele. Trauer, Wut, Angst oder Scham sind normal. Psychologische Unterstützung und Gespräche mit anderen Betroffenen können sehr helfen. Wenn Sie sich längere Zeit niedergeschlagen fühlen oder Gedanken an Selbstverletzung haben, suchen Sie sofort Hilfe in Ihrer Hausarztpraxis oder rufen Sie den Notruf 112 an.
Vorbeugung
Nicht jede Amputation ist vermeidbar, aber die häufigste Ursache – Durchblutungsstörungen bei Diabetes – lässt sich beeinflussen. Wer den Blutzucker gut einstellt, sich gesund ernährt, sich regelmäßig bewegt und nicht raucht, kann das Risiko deutlich senken. Auch tägliche Kontrolle der Füße, gute Pflege und gut sitzende Schuhe schützen vor kleinen Wunden, die sich verschlimmern können.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wenn eine schwere Durchblutungsstörung unbehandelt bleibt, kann das Gewebe absterben – das nennt man Gangrän oder Gewebetod.
- Eine unbehandelte Infektion kann sich im Körper ausbreiten und zu einer Blutvergiftung (Sepsis) führen, die lebensbedrohlich ist.
Langzeitprognose
Eine Amputation ist eine tiefgreifende Veränderung, aber kein Ende eines erfüllten Lebens. Viele Menschen finden durch die Rehabilitation, eine gut angepasste Prothese und soziale Unterstützung wieder zurück in einen aktiven Alltag. Die medizinische Versorgung und die Hilfsmittel in Deutschland sind sehr gut – und es gibt Hoffnung und Wege, mit der Veränderung leben zu lernen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 1. August 2026
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