Angioide Streifen: Wenn die Netzhaut Risse zeigt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Angioide Streifen sind feine, rissartige Linien in einer dünnen Schicht unterhalb der Netzhaut (der Bruch-Membran). Diese Linien sehen auf Bildern aus wie Blutgefäße, sind aber keine Gefäße, sondern Risse, die das Gewebe brüchig machen. Sie können das Sehen beeinträchtigen, wenn sie die Stelle des schärfsten Sehens (die Makula) betreffen.
Wichtige Fakten
- Angioide Streifen sind keine Blutgefäße, sondern Risse in einer dünnen Schicht unter der Netzhaut.
- Viele Menschen bemerken anfangs keine Beschwerden; Sehprobleme entstehen meist erst, wenn die Netzhautmitte betroffen ist.
- Die Risse können mit bestimmten Grunderkrankungen zusammenhängen, zum Beispiel mit Pseudoxanthoma elasticum (kurz PXE, eine Bindegewebserkrankung).
Nein, angioide Streifen sind selten. Sie werden am häufigsten bei Menschen mit bestimmten Erbkrankheiten oder Grunderkrankungen beobachtet.
Betroffen sind meist Erwachsene zwischen 20 und 50 Jahren. Männer und Frauen sind ungefähr gleich häufig betroffen. Wenn eine Grunderkrankung wie PXE vorliegt, können die Streifen auch früher entstehen.
Symptome
- Plötzlicher, stark verschwommener Blick wie durch einen Schleier.
- Vollständiger Verlust des Sehvermögens auf einem Auge.
- ⚠Neu aufgetretenes verzerrtes Sehen (wellige Linien).
- ⚠Ein dunkler Fleck, der im Gesichtsfeld bleibt.
- ⚠Wiederholte Blitze oder ein neuer Schatten im Sichtfeld.
Häufige Symptome
- Oft gar keine Beschwerden zu Beginn.
- Unscharfes Sehen, besonders beim Lesen oder Erkennen von Gesichtern.
- Verzerrtes Sehen: gerade Linien erscheinen wellig oder verbogen.
- Ein grauer oder dunkler Fleck in der Mitte des Gesichtsfeldes.
Ursachen
Hauptursachen
- Angioide Streifen entstehen, wenn die Bruch-Membran – eine dünne Schicht zwischen Netzhaut und Aderhaut – brüchig wird und reißt.
- Die häufigste Ursache ist eine Erbkrankheit namens Pseudoxanthoma elasticum (PXE), bei der die elastischen Fasern des Bindegewebes gestört sind.
- Auch andere Erkrankungen können zu angioiden Streifen führen, wie zum Beispiel Sichelzellanämie (eine Blutkrankheit), Morbus Paget (eine Knochenerkrankung) oder eine Störung des Kalzium-Stoffwechsels.
Risikofaktoren
- Familiäre Veranlagung, zum Beispiel wenn ein Familienmitglied an PXE erkrankt ist.
- Bestehende Grunderkrankungen wie Bindegewebs- oder Blutkrankheiten.
- Erhöhte Kalziumwerte im Blut über einen längeren Zeitraum.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichem Sehverlust, starkem Schmerz im Auge oder einem neuen großen Schatten im Sichtfeld sofort den Notruf 112 rufen oder die nächste Augenklinik aufsuchen.
- Bei plötzlich beginnendem verzerrtem Sehen noch am selben Tag einen Augenarzt kontaktieren.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie an PXE oder einer anderen mit angioiden Streifen verbundenen Grunderkrankung leiden, lassen Sie Ihre Augen regelmäßig, mindestens einmal jährlich, kontrollieren.
- Wenn Sie neu merken, dass Sie beim Lesen oder bei der Arbeit unscharf sehen, machen Sie einen Termin beim Augenarzt.
Diagnose
Der Augenarzt stellt die Diagnose. Er schaut mit einer besonderen Linse in Ihr Auge und kann die feinen Streifen im Augenhintergrund erkennen. Zusätzlich werden bildgebende Untersuchungen gemacht, um die Tiefe und Ausdehnung zu beurteilen.
Mögliche Untersuchungen
- Augenhintergrunduntersuchung (Ophthalmoskopie): Der Arzt betrachtet die Netzhaut mit einem beleuchteten Vergrößerungsglas.
- Optische Kohärenztomographie (OCT): Ein schmerzfreies Schnittbildverfahren, das die Schichten der Netzhaut hochauflösend zeigt.
- Fluoreszenzangiographie: Ein Farbstoff wird in eine Armvene gespritzt; danach werden Fotos vom Augenhintergrund gemacht, um austretende Flüssigkeit oder krankhafte Gefäße zu erkennen.
- Um eine Grunderkrankung zu finden, kann der Augenarzt Sie an einen Internisten oder Hautarzt überweisen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die augenärztliche Untersuchung dauert in der Regel nur 15 bis 30 Minuten. Sie bekommen Augentropfen, die die Pupille weiten. Damit können Sie für einige Stunden leicht verschwommen sehen und sind lichtempfindlich. Es ist daher besser, nicht selbst Auto zu fahren und eine Sonnenbrille mitzubringen.
Behandlung
Die Risse selbst können nicht wieder 'zukleben'. Es gibt auch keine Medikamente, die angioide Streifen verschwinden lassen. Die Behandlung zielt darauf ab, Folgeschäden wie Blutungen oder das Wachstum krankhafter Blutgefäße unter der Netzhaut frühzeitig zu erkennen und zu stoppen. Ihr Augenarzt wird den Behandlungsplan individuell mit Ihnen besprechen.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie regelmäßige Kontrolltermine beim Augenarzt wahr, auch wenn Sie keine Beschwerden bemerken.
- Tragen Sie bei Sport oder handwerklicher Arbeit eine Schutzbrille, um Verletzungen zu vermeiden.
- Achten Sie auf Veränderungen Ihres Sehens und warten Sie nicht, bis der nächste geplante Termin kommt.
Medizinische Behandlungen
Wenn sich unter der Netzhaut krankhafte Blutgefäße ausbreiten (choroidale Neovaskularisation), kann der Augenarzt eine Lasertherapie oder Injektionen ins Auge anbieten. Dabei werden Medikamente in das Auge gespritzt, die das Wachstum dieser Gefäße bremsen. Welches Verfahren infrage kommt, hängt von Größe, Lage und Aktivität der Veränderung ab. Ihr Arzt erklärt Ihnen die Vor- und Nachteile im Detail.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur in seltenen Fällen nötig, zum Beispiel bei einer Blutung unter der Netzhaut oder einer Netzhautablösung. Ihr Augenarzt wird Ihnen dann genau erklären, warum ein Eingriff empfohlen wird und was Sie erwartet.
Leben mit der Erkrankung
Mit angioiden Streifen können Sie in der Regel ein normales Leben führen. Wenn das Sehen nachlässt, gibt es viele Helfer: Lupen, spezielle Bildschirmvergrößerungen, Apps oder Hörbücher. Lassen Sie sich von einer Beratungsstelle für Sehbehinderte unterstützen – das entlastet und hilft, Lösungen zu finden.
Tipps für den Alltag
- Vermeiden Sie starkes Pressen und ruckartige Belastungen (zum Beispiel beim Heben schwerer Gewichte), weil dies Druck auf die Augen ausüben und Blutungen begünstigen könnte.
- Wenn Sie rauchen, sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt über eine Rauchentwöhnung. Rauchen schädigt die Gefäße und kann die Netzhaut zusätzlich belasten.
- Wenn Sie eine Grunderkrankung wie PXE haben, ist es wichtig, dass diese von Internistin oder Hausarzt regelmäßig mitbehandelt wird.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten gibt dem Auge wichtige Nährstoffe. Besonders grünes Blattgemüse wie Spinat oder Grünkohl enthält Lutein – ein Stoff, der die Netzhaut schützt. Bewegung ist grundsätzlich gut, vermeiden Sie aber Sportarten mit hohem Verletzungsrisiko für die Augen, zum Beispiel Boxen. Besprechen Sie Ihre Bewegungsgewohnheiten mit Ihrem Augenarzt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Sehbeeinträchtigung kann Ängste auslösen, besonders wenn Sie plötzlich auftritt. Es ist wichtig, sich nicht zu isolieren. Sprechen Sie mit engen Vertrauten, und holen Sie sich bei Bedarf professionelle Hilfe. Auch psychotherapeutische Angebote können Ihnen helfen, mit der Diagnose besser umzugehen. Wenn Sie Gedanken an Suizid haben – auch das kann in einer Krise vorkommen –, wenden Sie sich bitte sofort an die Telefonseelsorge (0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222) oder wählen Sie den Notruf 112.
Vorbeugung
Die Streifen selbst lassen sich nicht verhindern, weil sie meist auf Veranlagung oder Grunderkrankungen zurückgehen. Sie können jedoch Folgeschäden vorbeugen, indem Sie Grunderkrankungen konsequent behandeln lassen und sich regelmäßig augenärztlich kontrollieren lassen.
Früherkennungsprogramme
Wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören – zum Beispiel bei bekannter PXE, Sichelzellanämie oder Morbus Paget – lassen Sie Ihre Augen einmal im Jahr vom Augenarzt untersuchen. Eine frühe Erkennung von Komplikationen ist der beste Schutz.
Komplikationen
Unbehandelt
- Es können krankhafte Blutgefäße unter der Netzhaut wachsen (choroidale Neovaskularisation), die Flüssigkeit austreten lassen und die Netzhautmitte schädigen.
- Es kann zu Blutungen unter der Netzhaut kommen, die das Sehen plötzlich verschlechtern.
- In fortgeschrittenen Fällen entstehen Narben, die zu einem dauerhaften Verlust des scharfen Sehens in der Mitte führen können.
Langzeitprognose
Die Zukunft ist nicht vorhersehbar – das ist bei angioiden Streifen so. Manche Betroffene haben ein Leben lang keine Beschwerden. Bei anderen treten Komplikationen auf, doch heute gibt es gute Behandlungsmöglichkeiten gegen das krankhafte Gefäßwachstum. Entscheidend sind regelmäßige Kontrollen und eine rechtzeitige Therapie. So lässt sich die Sehkraft in vielen Fällen lange erhalten.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 2. August 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.