Engwinkelglaukom: Wenn der Augeninnendruck plötzlich steigt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Das Engwinkelglaukom (auch „akuter Glaukomanfall“ genannt) ist eine Augenerkrankung, bei der das Kammerwasser im Auge nicht mehr richtig abfließen kann. Dadurch steigt der Augeninnendruck innerhalb kurzer Zeit stark an. Das kann den Sehnerv schädigen – und im schlimmsten Fall zu Erblindung führen. Ein solcher Anfall ist ein Notfall und muss sofort behandelt werden.
Wichtige Fakten
- Beim Engwinkelglaukom ist der Abfluss des Kammerwassers im Auge blockiert – der Druck steigt schnell und stark.
- Ein akuter Anfall ist ein medizinischer Notfall. Rufen Sie sofort den Notruf 112 oder gehen Sie in die nächste Augenklinik.
- Mit schneller Behandlung lässt sich der Sehnerv meist schützen – die richtige Nachsorge ist dann aber wichtig.
Das Engwinkelglaukom ist vergleichsweise selten. In Deutschland sind nur etwa 1 von 100 Erwachsenen betroffen. Ein akuter Anfall kommt sogar noch seltener vor – ist aber gefährlich und wird häufig als Notfall behandelt.
Besonders gefährdet sind Menschen über 60 Jahre, Frauen, Personen mit Weitsichtigkeit (Hyperopie) und Menschen, bei denen im Familienkreis schon ein Engwinkelglaukom aufgetreten ist. Auch bestimmte ethnische Gruppen (zum Beispiel Menschen asiatischer Herkunft) haben ein höheres Risiko.
Symptome
- Plötzlich auftretende, sehr starke Augenschmerzen
- Plötzliche Sehverschlechterung oder Sehverlust an einem Auge
- Übelkeit und Erbrechen zusammen mit Augenschmerzen
- Rotes Auge mit starkem Kopfschmerz, das wie eine „verklemmte Iris“ wirkt
- ⚠Wiederkehrendes verschwommenes Sehen, Halos oder leichte Augenschmerzen – zum Beispiel beim Aufhalten in dunklen Räumen
- ⚠Bekannte Veranlagung zu engem Augenwinkel und plötzliche Beschwerden
- ⚠Augendruckkontrollen nach einem bereits überstandenen Anfall, wenn der Termin nicht vom Arzt festgelegt wurde
Häufige Symptome
- Starker Schmerz im oder um das Auge
- Rotes Auge
- Verschwommenes Sehen oder Sehverlust
- Bunte Ringe (Halos) um Lichtquellen
- Starke Kopfschmerzen, oft auf derselben Seite wie das Auge
- Übelkeit und Erbrechen
Symptome bei Kindern
- Ein Engwinkelglaukom ist bei Kindern sehr selten. Wenn es auftritt, können Lichtscheu, tränende Augen, ein trübes Auge und ungewöhnlich große Augen auf ein Glaukom hindeuten – dann bitte sofort eine augenärztliche Praxis aufsuchen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen können die Symptome manchmal weniger eindeutig sein, zum Beispiel nur Übelkeit, Müdigkeit oder Verwirrtheit. Ein einseitig gerötetes Auge mit Schmerzen ist aber immer ein Warnzeichen.
Ursachen
Hauptursachen
- Der Abfluss des Kammerwassers ist blockiert, weil die Regenbogenhaut (Iris) das Abflussnetz am Augenrand verlegt.
- Die Pupille weitet sich zu stark, zum Beispiel bei schlechtem Licht oder bei manchen Medikamenten (wie bestimmten Erkältungs- und Reisemitteln).
- Ein zu flacher oder zu enger Augenaufbau, häufig von Geburt an, kann das Risiko erhöhen.
Risikofaktoren
- Familienanamnese (Engwinkelglaukom bei Verwandten)
- Alter über 60 Jahre
- Weitsichtigkeit (Hyperopie)
- Weibliches Geschlecht
- Asiatische oder eskimoische Herkunft
- Einnahme bestimmter Medikamente, die die Pupille erweitern (z. B. manche Erkältungsmittel, Antidepressiva oder Antiallergika – fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker)
- Bereits ein akuter Glaukomanfall auf dem anderen Auge
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen, starken Augenschmerzen mit gerötetem Auge, verschwommenem Sehen oder Übelkeit – sofort den Notruf 112 wählen oder in die nächstgelegene Augennotaufnahme gehen.
- Wenn Sie schon einmal einen Anfall hatten und neue Beschwerden auftreten, handeln Sie sofort – auch wenn die Schmerzen noch leicht sind.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei Sehstörungen wie Halos oder wiederkehrendem verschwommenem Sehen ohne akute Schmerzen sollten Sie innerhalb von 24 Stunden einen Augenarzt aufsuchen.
- Wenn Sie in der Familienanamnese ein Engwinkelglaukom haben oder über 60 Jahre alt sind, lassen Sie Ihre Augen regelmäßig (mindestens alle ein bis zwei Jahre) beim Augenarzt untersuchen.
Diagnose
Ein Engwinkelglaukom wird vom Augenarzt mit speziellen Untersuchungen festgestellt. Nicht jeder Augenwinkel-Engpass führt sofort zu einem Anfall – deshalb sind regelmäßige Kontrollen wichtig.
Mögliche Untersuchungen
- Spaltlampenuntersuchung: Der Arzt betrachtet das Auge unter einem Mikroskop mit kräftigem Licht, um den Augenwinkel zu beurteilen.
- Gonioskopie: Ein spezielles Kontaktglas wird auf das Auge gesetzt, um den Abflusswinkel genau auszumessen.
- Tonometrie: Messung des Augeninnendrucks – meist mit einem kleinen Gerät, das die Hornhaut leicht berührt.
- Sehtest und Untersuchung des Sehnervs (Ophthalmoskopie)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist meist schmerzfrei und dauert etwa 20 bis 30 Minuten. Der Arzt betäubt das Auge mit Tropfen, damit die Kontaktgläser nicht unangenehm sind. Nach der Untersuchung können die Pupillen vorübergehend weit sein – Sie sollten dann nicht selbst Auto fahren. Bringen Sie idealerweise eine Begleitperson mit.
Behandlung
Ein akuter Glaukomanfall muss sofort im Krankenhaus behandelt werden. Das Ziel ist, den Augeninnendruck schnell zu senken, um den Sehnerv zu schützen. Danach wird meist die eigentliche Ursache behandelt, damit kein neuer Anfall entsteht.
Selbsthilfe zu Hause
- Gehen Sie bei akuten Beschwerden sofort in ärztliche Behandlung – behandeln Sie sich nicht selbst.
- Halten Sie in der Aufregung den Kopf ruhig und hoch, wenn Sie warten – das kann den Druck etwas senken.
- Vermeiden Sie nach einem Anfall dunkle Räume, starkes Bücken und schweres Heben, bis der Arzt grünes Licht gibt.
Medizinische Behandlungen
Die Akutbehandlung erfolgt meist mit Augentropfen und manchmal zusätzlich mit Infusionen oder Tabletten, die den Augeninnendruck senken. Der genaue Behandlungsplan hängt von der Schwere des Anfalls ab. Bitte fragen Sie Ihren Augenarzt oder Klinikarzt nach den für Sie geeigneten Medikamenten – nehmen Sie nie Medikamente ein, die ein anderer verordnet bekommen hat.
Wann kommt eine Operation infrage?
Um einen erneuten Anfall zu verhindern, wird fast immer eine Laserbehandlung (Laser-Iridotomie) durchgeführt. Dabei erzeugt der Arzt mit dem Laser ein kleines Loch in der Regenbogenhaut, sodass das Kammerwasser wieder abfließen kann. Dieser Eingriff ist meist schonend und wird ambulant durchgeführt. In bestimmten Fällen – zum Beispiel bei einem gleichzeitig bestehenden grauen Star – kann auch eine Operation (Katarakt-Operation) sinnvoll sein, um den Augenwinkel zu öffnen.
Leben mit der Erkrankung
Nach einem Engwinkelglaukom oder einer vorbeugenden Laserbehandlung ist Ihr Auge meist stabil. Sie sollten aber auf Warnzeichen achten und regelmäßig zur Kontrolle gehen. Notieren Sie, welche Medikamente Sie einnehmen und ob bei Ihnen ein Engwinkel bekannt ist – das hilft im Notfall.
Tipps für den Alltag
- Meiden Sie dunkle Räume oder dämmriges Licht stundenlang – wählen Sie lieber gut beleuchtete Umgebungen.
- Beim Nachtschlafen den Kopf leicht erhöht lagern kann den Augeninnendruck günstig beeinflussen.
- Vermeiden Sie starkes Pressen, schweres Heben und intensive Yoga- oder Kraftübungen mit dem Kopf nach unten.
- Führen Sie eine Liste Ihrer Medikamente und besprechen Sie mit Arzt oder Apotheker, ob neue Medikamente das Glaukom auslösen könnten.
Ernährung und Bewegung
Ausgewogene Ernährung und moderate Bewegung sind gut für die Durchblutung und den allgemeinen Gesundheitszustand. Trinken Sie über den Tag verteilt ausreichend Wasser, aber vermeiden Sie es, sehr große Mengen auf einmal zu trinken (zum Beispiel mehr als einen Liter in 15 Minuten), da dies den Augeninnendruck kurzzeitig erhöhen kann. Sport mit starkem Pressen oder Kopfverlagerung nach unten sollten Sie meiden.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein akuter Glaukomanfall ist beängstigend und die Sorge vor einem neuen Anfall kann belastend sein. Das ist verständlich. Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt über Ihre Ängste. Wenn Sie sich sehr belastet fühlen, kann eine psychologische Beratung helfen – das ist ein Zeichen von Stärke, nicht von Schwäche.
Vorbeugung
Wenn der Augenarzt einen engen Augenwinkel feststellt, kann er häufig eine vorbeugende Laserbehandlung (Laser-Iridotomie) empfehlen. Dadurch lässt sich ein akuter Winkelblock in den meisten Fällen verhindern. Entscheidend ist, dass das enge Kammerwinkel-Profil erkannt wird, bevor ein Anfall auftritt.
Impfungen
Für Engwinkelglaukom gibt es keine Impfung. Ein aktiver Lebensstil und regelmäßige Augenchecks sind aber eine gute Vorsorge.
Früherkennungsprogramme
Lassen Sie ab dem 40. Lebensjahr regelmäßig den Augeninnendruck messen – insbesondere wenn Sie zu den Risikogruppen gehören (Weitsichtigkeit, Frauen über 60, Familienanamnese). Eine Augenärztin oder ein Augenarzt kann mit der Spaltlampe und Gonioskopie feststellen, ob ein enger Abflusswinkel vorliegt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Dauerhafte Schädigung des Sehnervs
- Sichtverlust (Gesichtsfeldausfälle), der sich nicht mehr zurückbildet
- Dauerhafte Erblindung auf dem betroffenen Auge
- Starke Schmerzen, die bis zum Verlust des Auges führen können
Langzeitprognose
Wenn ein akuter Winkelblock sofort behandelt wird, sind die Aussichten heute sehr gut. Der Sehnerv kann meist gerettet werden, und durch die Laserbehandlung ist ein erneuter Anfall unwahrscheinlich. Danach ist es wichtig, die Augen regelmäßig kontrollieren zu lassen, damit der Augeninnendruck dauerhaft gut eingestellt bleibt. Viele Menschen können nach der Behandlung ihren Alltag ohne große Einschränkungen fortsetzen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 2. August 2026
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