Anorexia nervosa (Magersucht)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Anorexia nervosa, auch Magersucht genannt, ist eine ernste seelische Erkrankung. Menschen mit Anorexia haben große Angst davor, zuzunehmen. Sie essen deshalb sehr wenig, nehmen stark ab und sehen sich selbst trotzdem als zu dick. Das Körpergewicht ist oft gefährlich niedrig.
Wichtige Fakten
- Anorexia ist keine Phase oder eine Diät, sondern eine schwere Erkrankung.
- Betroffene haben ein stark verzerrtes Bild vom eigenen Körper.
- Eine frühe Behandlung durch Fachleute verbessert die Heilungschancen deutlich.
Anorexia nervosa gehört zu den selteneren Essstörungen. In Deutschland erkranken jedes Jahr viele tausend Menschen neu, besonders Jugendliche und junge Erwachsene.
Die Erkrankung tritt vor allem bei Mädchen und jungen Frauen auf. Sie kann aber auch Jungen, Männer sowie ältere Menschen betreffen.
Symptome
- Bewusstlosigkeit oder Ohnmacht
- Gefährlich niedriger Puls oder Blutdruck
- Starke Unterzuckerung, z. B. mit Krampfanfällen
- Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid
- ⚠Sehr schneller Gewichtsverlust in kurzer Zeit
- ⚠Starke Bauchschmerzen oder wiederholtes Erbrechen
- ⚠Extreme Schwäche, Verwirrtheit oder das Gefühl, gleich zusammenzubrechen
Häufige Symptome
- Starker Gewichtsverlust ohne eine körperliche Ursache
- Große Angst davor, zuzunehmen
- Strenges Kontrollieren von Essen und Kalorien
- Vermeiden von Mahlzeiten oder bestimmten Lebensmitteln
- Übertriebene körperliche Aktivität, um Gewicht abzubauen
- Ausbleiben der Monatsblutung (bei Frauen)
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist nicht bekannt. Fachleute gehen von einem Zusammenspiel aus Erbanlagen, seelischer Verfassung und gesellschaftlichen Einflüssen aus.
- Schlankheitsideale aus Medien und sozialen Netzwerken können Druck aufbauen.
- Belastende Lebensereignisse wie Trennung, Verlust oder Mobbing können mitwirken.
Risikofaktoren
- Ein niedriges Selbstwertgefühl
- Perfektionismus und hoher Leistungsdruck
- Essstörungen in der Familie
- Bestehende psychische Erkrankungen, zum Beispiel eine Depression oder eine Angststörung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn das Körpergewicht über mehrere Wochen stark abnimmt, obwohl kein Grund dafür besteht.
- Wenn Sie bei sich oder einem Angehörigen bemerken, dass Essen und Gewicht den gesamten Alltag bestimmen.
- Wenn körperliche Warnzeichen wie Kreislaufprobleme oder extreme Erschöpfung auftreten.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie über einen längeren Zeitraum ein gestörtes Essverhalten bei sich oder jemand anderem bemerken.
- Wenn Sie ständig mit Gedanken an Essen, Figur und Gewicht beschäftigt sind und darunter leiden.
- Wenn Sie nach einer Diät nicht mehr aufhören können, weniger zu essen.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt führt zuerst ein ausführliches Gespräch. Dabei geht es um das Essverhalten, den Gewichtsverlauf und das seelische Befinden. Anschließend folgt eine körperliche Untersuchung. Für die Diagnose gibt es klare Leitlinien der Fachgesellschaften (AWMF-Leitlinien).
Mögliche Untersuchungen
- Gespräch über Essverhalten, Gewichtsverlauf und Körperwahrnehmung
- Messung von Größe, Gewicht und Body-Mass-Index (BMI)
- Blutuntersuchungen, zum Beispiel zur Kontrolle von Elektrolyten, Hormonen und Organfunktionen
- Elektrokardiogramm (EKG), um die Herzfunktion zu prüfen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen dauern in der Regel nicht lange. Die Ärztin oder der Arzt möchte verstehen, was los ist, und keine Bewertung abgeben. Wenn sich der Verdacht bestätigt, bekommen Sie eine Überweisung an eine spezialisierte Ambulanz oder eine Psychotherapie.
Behandlung
Die Behandlung von Anorexia nervosa erfolgt meist ambulant, in schweren Fällen auch stationär. Wichtig sind drei Säulen: eine langsame und begleitete Gewichtszunahme, eine Psychotherapie und die Einbeziehung von Angehörigen. Das Ziel ist ein gesundes Körpergewicht und ein neues, freundlicheres Verhältnis zum Essen.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie regelmäßige, kleine Mahlzeiten ein – auch wenn es anfangs schwerfällt.
- Suchen Sie sich vertraute Menschen, mit denen Sie über Ihre Ängste sprechen können.
- Erlauben Sie sich kleine Fortschritte und setzen Sie sich nicht unter Druck.
- Vermeiden Sie das ständige Wiegen – besprechen Sie sinnvolle Abstände mit Ihrem Behandlungsteam.
Medizinische Behandlungen
Die ärztliche Behandlung umfasst eine Ernährungs- und Psychotherapie. In manchen Fällen werden zusätzlich Medikamente eingesetzt, die begleitende Ängste oder depressive Verstimmungen lindern sollen. Diese Medikamente werden von einer Ärztin oder einem Arzt individuell verordnet und regelmäßig kontrolliert.
Wann kommt eine Operation infrage?
Diese Information wird weggelassen, da eine Operation bei Anorexia nervosa in der Regel nicht angewandt wird.
Leben mit der Erkrankung
Der Alltag mit Anorexia ist eine große Herausforderung. Essen nimmt oft einen sehr großen Raum im Kopf ein. Feste Strukturen geben Halt, zum Beispiel gemeinsame Mahlzeiten in der Familie oder regelmäßige Termine in der Klinik. Kleine realistische Ziele stärken das Selbstvertrauen.
Tipps für den Alltag
- Ein regelmäßiger Schlafrhythmus und ein fester Tagesplan geben Sicherheit.
- Bewegung in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt – nicht als Ausgleich für das Essen.
- Auf Alkohol und beruhigende Mittel verzichten oder deren Gebrauch ärztlich abklären.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Energie ist das Fundament der Genesung. Wer lange zu wenig gegessen hat, muss sich Zeit lassen, um wieder einen normalen Umgang mit Essen zu erlernen. Sport ist erlaubt, sollte aber erst nach ärztlicher Freigabe und nicht übertrieben werden.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Anorexia geht häufig mit Ängsten, Depressionen und einem sehr schlechten Selbstbild einher. Das Denken ist oft ständig auf Essen und Gewicht eingeengt. Psychotherapie hilft, die dahinterliegenden Gefühle zu verstehen und neue Wege zu finden. Wenn Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid auftreten, suchen Sie sofort Hilfe, zum Beispiel über den Notruf 112 oder eine psychiatrische Notaufnahme.
Vorbeugung
Man kann nicht jede Essstörung verhindern, aber man kann das Risiko senken. Ein offenes Gespräch über Körperbild, Schlankheitsideale und gesunde Ernährung kann schützen. Wenn Sie Warnsignale bemerken, ist es besser, frühzeitig eine Fachperson anzusprechen, als zu warten.
Früherkennungsprogramme
In der Hausarztpraxis gibt es keine routinemäßige Untersuchung auf Essstörungen. Bei auffälligem Gewichtsverlauf oder entsprechenden Beschwerden fragt die Ärztin oder der Arzt aber gezielt nach Essverhalten und Wohlbefinden.
Komplikationen
Unbehandelt
- Schweres Untergewicht mit Herzrhythmusstörungen
- Knochenschwund (Osteoporose) und erhöhte Bruchgefahr
- Störungen der Nieren- und Leberfunktion
- Ausbleibende Monatsblutung und mögliche Fruchtbarkeitsprobleme
- Schwere Depressionen und erhöhtes Suizidrisiko
Langzeitprognose
Anorexia nervosa ist ernst, aber sie ist behandelbar. Viele Menschen erreichen mit der richtigen Unterstützung ein gesundes Gewicht und ein erfülltes Leben. Eine frühzeitige Behandlung und eine enge Anbindung an Fachleute verbessern die Aussichten deutlich. Auch wenn es Rückfälle gibt, ist ein neuer Anfang immer möglich.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 1. August 2026
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