Anosmie – Verlust des Geruchssinns
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Anosmie bedeutet, dass man den Geruchssinn vollständig verloren hat. Man riecht dann nichts mehr – auch nicht den Duft von Kaffee oder den Geruch von Rauch. Das kann vorübergehend oder dauerhaft sein. Wenn nur ein Teil des Geruchssinns fehlt, nennt man das Hyposmie.
Wichtige Fakten
- Anosmie ist der komplette Verlust des Geruchssinns.
- Häufige Ursachen sind Erkältungen, Nasennebenhöhlenentzündungen oder COVID-19.
- Der Verlust des Geruchssinns kann den Geschmackssinn stark beeinträchtigen.
- Ein fehlender Geruchssinn kann gefährlich sein, weil man zum Beispiel Rauch oder verdorbenes Essen nicht wahrnimmt.
- Mit Riechtraining und Geduld kann sich der Geruchssinn oft erholen.
Ja, vorübergehender Geruchsverlust kommt häufig vor – besonders bei Erkältungen oder einer Nasennebenhöhlenentzündung. Auch im Zusammenhang mit COVID-19 wurde eine Riechstörung bei vielen Menschen beobachtet. Meist bildet sie sich innerhalb weniger Wochen zurück.
Anosmie kann Menschen jeden Alters betreffen. Besonders häufig betroffen sind ältere Erwachsene, Menschen mit chronischen Nasennebenhöhlenentzündungen, Allergien oder nach einem Schädel-Hirn-Trauma. Auch Personen, die geraucht haben, haben ein höheres Risiko.
Symptome
- Plötzliche Schwäche oder Taubheit im Gesicht, Arm oder Bein
- Hängende Mundwinkel oder Sprachstörungen
- Sehstörungen oder Schwindel mit Kopfschmerzen
- Starke Kopfschmerzen nach einem Kopfstoß oder Sturz
- Bewusstlosigkeit oder Verwirrtheit
- ⚠Geruchsverlust nach einer Kopfverletzung – auch wenn keine Schmerzen auftreten
- ⚠Geruchsverlust mit starken Kopfschmerzen oder Fieber
- ⚠Geruchsverlust, der nach einer Nasennebenhöhlenentzündung nicht zurückkommt
- ⚠Wenn zusätzlich Atemnot oder Engegefühl im Brustkorb auftritt
Häufige Symptome
- Man nimmt keine Gerüche mehr wahr, auch starke nicht.
- Essen schmeckt fade oder kaum.
- Man bemerkt schlechte Gerüche nicht, zum Beispiel verdorbenes Essen.
- Man kann den eigenen Körpergeruch nicht mehr einschätzen.
- Man nimmt Warnsignale wie Rauch oder Gas nicht wahr.
Symptome bei Kindern
- Kinder verstehen oft nicht, warum Essen plötzlich komisch schmeckt.
- Sie verweigern manchmal das Essen oder essen weniger.
- Sie erkennen Gefahren wie heiße Herdplatten oder Chemikalien nicht am Geruch.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Der Appetit nimmt ab, was zu Gewichtsverlust führen kann.
- Essen schmeckt nichts mehr, das kann die Lebensfreude mindern.
- Die Sicherheit ist gefährdet, weil Rauch, Gas oder verdorbene Lebensmittel nicht bemerkt werden.
Ursachen
Hauptursachen
- Erkältungen, Grippe oder COVID-19 – Viren können die Riechschleimhaut schädigen.
- Chronische Nasennebenhöhlenentzündung oder Nasenpolypen
- Allergien wie Heuschnupfen, die die Nase verstopfen
- Schädel-Hirn-Trauma zum Beispiel durch Stürze oder Unfälle
- Medikamente – manche Wirkstoffe können den Geruchssinn beeinträchtigen
- Neurologische Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer
- Altern – der Geruchssinn lässt mit den Jahren nach
- Langjähriges Rauchen oder Kontakt mit giftigen Dämpfen
Risikofaktoren
- Rauchen
- Chronische Nasennebenhöhlenentzündung
- Allergien
- Vorerkrankungen der Nase
- Alter über 65 Jahre
- Beruflicher Kontakt mit Chemikalien oder Staub
- Kopfverletzungen (zum Beispiel beim Sport)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Nach einem Schlaganfall oder Verdacht auf Schlaganfall – sofort 112 wählen
- Nach einem Unfall oder Sturz mit Schlag auf den Kopf – auch ohne Schmerzen
- Wenn der Geruchsverlust mit starken Kopfschmerzen oder Sehstörungen einhergeht
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn der Geruchsverlust länger als zwei Wochen anhält
- Wenn zusätzlich eine verstopfte Nase oder Gesichtsschmerzen auftreten
- Wenn der Appetit nachlässt oder man ungewollt Gewicht verliert
- Wenn der Geruchssinn nach einer Erkältung nicht zurückkommt
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zuerst nach Ihren Beschwerden, Vorerkrankungen und möglichen Auslösern. Dann wird die Nase untersucht, häufig mit einem dünnen Endoskop. Es gibt auch spezielle Riechtests, bei denen Sie verschiedene Gerüche erkennen sollen. Je nach Befund können weitere Untersuchungen folgen.
Mögliche Untersuchungen
- Riechtest mit Duftproben
- Nasenspiegelung oder Endoskopie der Nase
- Bildgebung wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT), falls nötig
- Allergietests, wenn eine Allergie vermutet wird
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist in der Regel schmerzfrei und dauert etwa 15 bis 30 Minuten. Sie werden gebeten, einige Geruchsstoffe zu identifizieren. Bei Bedarf wird eine Überweisung an eine HNO-Praxis oder eine Riechambulanz ausgestellt. Nach der Diagnose können Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt die nächsten Schritte planen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Wird die Grunderkrankung behandelt, kehrt der Geruchssinn oft zurück. Bei anhaltenden Riechstörungen kann ein strukturiertes Riechtraining helfen – das ist eine Art Übung für die Nase.
Selbsthilfe zu Hause
- Riechtraining: Mehrmals täglich an vertrauten Düften riechen, zum Beispiel Kaffee, Zitrone, Rose, Vanille oder Gewürznelken. Dafür 10 bis 20 Sekunden lang bewusst daran riechen.
- Nutzen Sie einen Luftbefeuchter, damit die Nasenschleimhaut nicht austrocknet.
- Salzwasserspülungen für die Nase können bei verstopfter Nase helfen – fragen Sie Ihre Apotheke.
- Achten Sie auf Sicherheit: Rauchmelder installieren, Gasgeruch regelmäßig prüfen lassen, bei Unsicherheit andere Personen bitten zu riechen.
- Essen Sie abwechslungsreich und würzen Sie kräftig, soweit es Ihre Gesundheit erlaubt.
Medizinische Behandlungen
Wird eine Entzündung oder Allergie festgestellt, können entzündungshemmende oder abschwellende Nasensprays verordnet werden. Auch die Behandlung von Nasenpolypen oder einer Nebenhöhlenentzündung kann den Geruchssinn verbessern. In einigen Fällen empfehlen Fachleute ein systematisches Riechtraining mit ätherischen Ölen. Welche Maßnahme für Sie sinnvoll ist, entscheidet Ihr Behandlungsteam.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn Nasenpolypen oder eine starke Verkrümmung der Nasenscheidewand die Geruchswahrnehmung behindern, kann ein operativer Eingriff in Betracht gezogen werden. Diese Entscheidung treffen Sie gemeinsam mit der HNO-Ärztin oder dem HNO-Arzt.
Leben mit der Erkrankung
Mit Anosmie müssen Sie im Alltag einige Vorsichtsmaßnahmen treffen. Installieren Sie Rauchmelder und einen Gaswarnmelder in der Küche. Prüfen Sie Lebensmittel auf Haltbarkeit und verlassen Sie sich nicht auf Ihren Geruchssinn. Bitten Sie Familienmitglieder oder Nachbarn, unangenehme Gerüche oder verdorbene Lebensmittel zu melden. Beschriften Sie Lebensmittel mit Ablaufdatum und verwenden Sie verschlossene Behälter.
Tipps für den Alltag
- Nicht rauchen – Rauchen schädigt die Riechschleimhaut zusätzlich.
- Vermeiden Sie giftige Dämpfe und tragen Sie bei der Arbeit mit Chemikalien eine Schutzmaske.
- Setzen Sie auf alltägliche Gerüche als Training: Kaffee, Zitrone, Minze, Zimt.
- Nehmen Sie sich Zeit zum Essen – auch wenn Sie wenig riechen, bleibt der Genuss von Textur und Temperatur.
Ernährung und Bewegung
Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und ausreichend Eiweiß, um Mangelerscheinungen zu vermeiden. Wenn Speisen fad schmecken, können Säure wie Zitronensaft, scharfe Gewürze oder frische Kräuter helfen – solange Sie es gesundheitlich vertragen. Regelmäßige Bewegung fördert die Durchblutung der Nasenschleimhaut und das allgemeine Wohlbefinden.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Der Verlust des Geruchssinns kann emotional belastend sein. Essen schmeckt nicht mehr, Erinnerungen an Düfte fehlen, und man fühlt sich vielleicht von der Umgebung getrennt. Das kann zu Traurigkeit oder Niedergeschlagenheit führen. Sprechen Sie mit Ihrem Umfeld darüber und holen Sie sich Unterstützung, wenn die Stimmung anhaltend gedrückt ist.
Vorbeugung
Nicht jede Form von Anosmie ist vermeidbar. Sie können das Risiko aber senken, indem Sie nicht rauchen, Erkältungen auskurieren, bei Allergien konsequent behandeln lassen und beim Sport oder bei riskanten Aktivitäten einen Helm tragen. Eine gute Nasenhygiene mit geeigneten Spülungen kann ebenfalls unterstützen – sprechen Sie mit Ihrem Arzt.
Impfungen
Impfungen gegen Grippe und COVID-19 können schwere Virusinfektionen verhindern, die eine Riechstörung auslösen können. Lassen Sie sich von Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt beraten, welche Impfungen für Sie empfohlen werden.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein allgemeines Screening auf Störungen des Geruchssinns. Bei Risikogruppen, zum Beispiel Menschen mit chronischer Nebenhöhlenentzündung, kann ein Riechtest im Rahmen der Vorsorge sinnvoll sein. Besprechen Sie dies mit Ihrem Arzt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Unbemerktes Gas, Rauch oder verdorbenes Essen kann zu Unfällen oder Vergiftungen führen.
- Mangelernährung und Gewichtsverlust, weil Essen nicht mehr schmeckt.
- Depressive Verstimmungen oder sozialer Rückzug
- Eingeschränkte Lebensqualität durch den Verlust von Genuss und Warnsignalen
Langzeitprognose
Die gute Nachricht: Viele Riechstörungen bessern sich von selbst oder durch Behandlung. Besonders nach viralen Infekten kehrt der Geruchssinn bei den meisten Menschen innerhalb von Wochen bis Monaten zurück. Mit Geduld und konsequentem Riechtraining kann sich das Riechvermögen auch nach längerer Zeit wieder erholen. Ihre Ärztinnen und Ärzte unterstützen Sie dabei.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 14. August 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.
Guidance may differ by country or region. Confirm local recommendations with a qualified healthcare provider.