Atemaussetzer bei Frühgeborenen (Apnoe der Frühgeburtlichkeit)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Bei der Apnoe der Frühgeburtlichkeit setzt die Atmung eines zu früh geborenen Babys plötzlich für mehr als 20 Sekunden aus. Das passiert, weil das Atemzentrum im Gehirn des Babys noch nicht ausgereift ist. Solche Atempausen können gefährlich werden, weil dabei zu wenig Sauerstoff ins Blut gelangt. Meist wird das Baby während dieser Zeit im Krankenhaus überwacht.
Wichtige Fakten
- Eine Atempause dauert länger als 20 Sekunden.
- Oft verlangsamt sich gleichzeitig der Herzschlag (Bradykardie).
- Tritt vor allem bei Babys auf, die vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren wurden.
- Die Atemaussetzer verschwinden in der Regel, sobald das Gehirn reifer wird.
Ja. Je früher ein Baby zur Welt kommt, desto wahrscheinlicher sind Atemaussetzer. Bei Babys, die vor der 28. Schwangerschaftswoche geboren werden, tritt die Apnoe fast immer auf. Bei späteren Frühgeborehen ist sie seltener.
Betroffen sind in erster Linie zu früh geborene Babys. Die Apnoe tritt vor allem in den ersten Lebenswochen auf. Je weiter sich das Nervensystem entwickelt, desto seltener werden die Atempausen und hören meist ganz auf.
Symptome
- Das Baby atmet nicht und reagiert nicht auf Ansprechen oder Berührung.
- Die Lippen oder das Gesicht werden bläulich.
- Das Baby wird schlaff.
- Rufen Sie sofort den Notruf 112.
- ⚠Wenn Ihr Baby zu Hause eine Atempause von mehr als 20 Sekunden hat, verlassen Sie sich nicht auf Warten – suchen Sie sofort eine Kinderklinik oder den ärztlichen Notdienst auf.
- ⚠Wenn das Baby wieder normal atmet, aber sehr blass oder teilnahmslos wirkt, sollten Sie noch am selben Tag eine Kinderärztin oder einen Kinderarzt aufsuchen.
Häufige Symptome
- Das Baby hört plötzlich auf zu atmen, für mindestens 20 Sekunden.
- Der Herzschlag wird langsamer.
- Die Haut wird bläulich, besonders um den Mund.
- Nach der Pause folgt oft ein schnappendes oder röchelndes Atemgeräusch.
Symptome bei Kindern
- Wenn ein Baby nach der Entlassung aus dem Krankenhaus zu Hause eine Atempause hat, kann das ein Zeichen für eine Verschlechterung sein.
- Auch eine Nasenverstopfung oder eine Atemwegsinfektion kann bei Babys kurzzeitig zu Atemaussetzern führen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Diese Seite beschreibt die Apnoe der Frühgeburtlichkeit. Bei erwachsenen Menschen bedeutet Apnoe meist Schlafapnoe – eine andere Erkrankung. Bei Fragen zur Schlafapnoe wenden Sie sich an Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt.
Ursachen
Hauptursachen
- Das Atemzentrum im Gehirn des Babys ist noch nicht ausgereift.
- Der normale Reiz, der nach einem Atemzug den nächsten Atemzug auslöst, funktioniert noch nicht zuverlässig.
- Im Schlaf wird die Atmung besonders unregelmäßig gesteuert.
- Zusätzliche Faktoren wie eine Infektion, Rückfluss von Mageninhalt oder zu kaltes Raumklima können die Apnoe verstärken.
Risikofaktoren
- Frühes Geburtsalter – je früher, desto größer das Risiko.
- Niedriges Geburtsgewicht.
- Atemaussetzer, die bereits in den ersten Lebenstagen beobachtet wurden.
- Muskuläre Schwäche oder allgemeine Unreife des Babys.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Ihr Baby zu Hause eine Atempause hat oder blau anläuft, rufen Sie sofort den Notruf 112.
- Wenn das Baby wieder normal atmet, aber sehr schlaff oder ungewöhnlich teilnahmslos wirkt, suchen Sie noch am selben Tag eine Kinderklinik oder den Notdienst auf.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Nach einer Frühgeburt sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Kinderarzt wichtig, um die Entwicklung zu verfolgen.
- Wenn Sie Fragen zur Überwachung zu Hause haben, wenden Sie sich an Ihr Behandlungsteam oder Ihre Kinderarztpraxis.
Diagnose
Auf der Frühgeborenenstation wird Ihr Baby rund um die Uhr mit einem Monitor überwacht. Eine Apnoe wird dann festgestellt, wenn die Atmung länger als 20 Sekunden aussetzt oder wenn gleichzeitig der Herzschlag deutlich langsamer wird.
Mögliche Untersuchungen
- Atem- und Herzfrequenzmessung über einen Monitor.
- Messung der Sauerstoffsättigung im Blut (Pulsoxymetrie).
- Blutuntersuchungen, um Infektionen oder Stoffwechselprobleme auszuschließen.
- Bei Bedarf eine körperliche Untersuchung durch die Kinderärztin oder den Kinderarzt.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind schmerzfrei und für das Baby nicht belastend. Das Behandlungsteam beobachtet Ihr Kind über mehrere Tage oder Wochen und berät Sie dazu, wie Sie bei einer Apnoe reagieren sollen. Bei Fragen können Sie jederzeit das Pflegeteam ansprechen.
Behandlung
Die Behandlung hängt davon ab, wie häufig und wie schwer die Atemaussetzer sind. Ziel ist es, die Atmung des Babys zu unterstützen, bis das Atemzentrum von ganz allein stabil arbeitet.
Selbsthilfe zu Hause
- Beruhigen Sie Ihr Baby durch sanftes Streicheln – ein leichter Reiz kann die Atmung wieder in Gang bringen.
- Legen Sie Ihr Baby zum Schlafen immer auf den Rücken, um das Risiko des Plötzlichen Kindstods zu verringern.
- Achten Sie auf eine angenehme Raumtemperatur, damit das Baby nicht auskühlt oder überhitzt.
- Sprechen Sie mit dem Klinikteam, wenn Sie unsicher sind, wie Sie auf eine Atempause reagieren sollen.
Medizinische Behandlungen
Ärztinnen und Ärzte können Medikamente einsetzen, die das Atemzentrum anregen. Eine typische Unterstützung in der Klinik ist auch eine Atemhilfe über eine kleine Nasenbrille, die einen leichten Luftdruck erzeugt (CPAP). So bleibt die obere Atemwege offen und das Baby bekommt weiterhin genug Sauerstoff. Das Behandlungsteam passt die Therapie individuell an Ihr Baby an.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei der Apnoe der Frühgeburtlichkeit in der Regel nicht nötig. Nur bei sehr seltenen körperlichen Ursachen, etwa einer Fehlbildung der Atemwege, kann ein chirurgischer Eingriff erforderlich sein. Das würde Ihr Behandlungsteam ausführlich mit Ihnen besprechen.
Leben mit der Erkrankung
Nach der Entlassung aus der Klinik sind viele Babys noch eine Weile etwas empfindlich. Oft wird für zu Hause eine Überwachung mit einem Monitör empfohlen, wenn das Behandlungsteam das für sicher hält. Die Atemaussetzer hören in den meisten Fällen bis zur errechneten Schwangerschaftswoche 44 auf.
Tipps für den Alltag
- Halten Sie die Termine zur Nachsorge in der Kinderarztpraxis und in der Klinik ein.
- Informieren Sie sich über die Empfehlungen zur sicheren Schlafumgebung für Säuglinge.
- Tauschen Sie sich mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt über die Entwicklung Ihres Kindes aus.
Ernährung und Bewegung
Für Frühgeborene ist eine gute Ernährung besonders wichtig. Stülpen Sie keine eigenen Ernährungspläne über die Empfehlungen des Behandlungsteams. Zur Bewegungsförderung im ersten Lebensjahr können Sie sich von einer Kinderphysiotherapie beraten lassen – das hilft der Entwicklung, sollte aber nie ohne ärztlichen Rat laufen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Zeit auf der Intensivstation kann für Eltern sehr belastend sein. Angst, Unsicherheit und Erschöpfung sind normal. Es ist wichtig, sich selbst Hilfe zu holen – zum Beispiel durch Gespräche mit dem Kliniksozialdienst, mit Angehörigen oder mit anderen Eltern von Frühgeborenen.
Vorbeugung
Eine Apnoe der Frühgeburtlichkeit lässt sich nicht immer verhindern, weil die Steuerung der Atmung noch nicht ausgereift ist. Eine gute Schwangerenvorsorge und Maßnahmen zur Vermeidung einer Frühgeburt senken das Risiko. Bei einem bereits zu früh geborenen Kind hilft die Überwachung auf der Intensivstation, schnelle Hilfe zu leisten und Folgen zu vermeiden.
Impfungen
Auch Frühgeborene erhalten die empfohlenen Schutzimpfungen, die in Deutschland von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen werden. Sprechen Sie mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt über den passenden Zeitpunkt für Ihr Kind.
Früherkennungsprogramme
In der Neonatologie werden alle Frühgeborenen rund um die Uhr auf Atmung, Herzschlag und Sauerstoffsättigung überwacht. Es gibt keine allgemeine Reihenuntersuchung für Apnoe, weil die Überwachung im Krankenhaus bereits ein fester Bestandteil der Versorgung ist.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wiederholte längere Atempausen können zu einem Sauerstoffmangel im Gehirn führen.
- Dadurch kann sich das Nervensystem ungünstig entwickeln.
- Das Herz-Kreislauf-System wird belastet, wenn der Herzschlag immer wieder stark verlangsamt wird.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind insgesamt sehr gut. Die allermeisten Frühgeborenen entwickeln eine zuverlässige Atmung, sobald ihr Gehirn reifer wird. Mit der richtigen medizinischen Betreuung und einer engen Zusammenarbeit mit dem Behandlungsteam wachsen Kinder aus dieser Phase heraus und können sich anschließend normal entwickeln. Die Apnoe ist eine Herausforderung – aber eine, die in den allermeisten Fällen vorübergeht.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 1. August 2026
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