Durchblutungsstörung in den Beinen (Schaufensterkrankheit) – ein Ratgeber
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Arterien sind die Blutgefäße, die sauerstoffreiches Blut vom Herzen in den Körper transportieren. Bei der Erkrankung „Arterie below the belt“ – medizinisch periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) – sind die Arterien in den Beinen verengt oder verschlossen. Meist liegen Ablagerungen in den Gefäßen (Arteriosklerose) zugrunde. Dadurch kann das Blut die Beinmuskulatur nicht mehr gut erreichen. Typisch sind Schmerzen beim Gehen, die in Ruhe wieder nachlassen.
Wichtige Fakten
- Die häufigste Ursache ist die Arterienverkalkung (Atherosklerose).
- Rauchen und Diabetes sind die größten Risikofaktoren.
- Regelmäßiges Gehen ist ein wichtigster Teil der Behandlung.
- Mit einer guten Behandlung lassen sich schwere Folgen oft vermeiden.
Ja, die Erkrankung ist recht häufig. Etwa jeder zehnte Mensch über 70 Jahre ist betroffen. Viele wissen aber nicht, dass ihre Beinschmerzen ein Warnzeichen sind.
Sie betrifft vor allem ältere Menschen, Männer etwas häufiger als Frauen. Besonders gefährdet sind Menschen mit Diabetes, Bluthochdruck, erhöhten Blutfettwerten und Raucher.
Symptome
- Plötzlich blasser, kalter, gefühlloser Fuß oder ein ganzes Bein, verbunden mit starken Schmerzen oder Lähmung – das kann ein akuter Gefäßverschluss sein. Rufen Sie sofort den Notruf 112!
- ⚠Beinschmerzen, die auch in Ruhe oder nachts auftreten
- ⚠Eine offene Wunde am Fuß, die nicht besser wird
- ⚠Fieber oder starke Rötung rund um eine Wunde
Häufige Symptome
- Schmerzen oder Krämpfe in den Waden beim Gehen oder Treppensteigen, die in Ruhe nachlassen (Schaufensterkrankheit)
- Taubheitsgefühl oder Kältegefühl in den Beinen
- Blasse oder bläulich verfärbte Haut an den Füßen
- Wunden oder offene Stellen an Fuß oder Zehen, die schlecht heilen
- Schwacher oder fehlender Puls im Fuß
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern ist diese Erkrankung sehr selten. Wenn ein Kind Beinschmerzen hat, liegen fast immer andere Ursachen vor. Sprechen Sie mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen sind die Schmerzen oft weniger deutlich. Mögliche Zeichen sind allgemeine Schwäche, schlecht heilende Wunden, Verlust der Fußbehaarung oder dicke, verfärbte Zehennägel.
Ursachen
Hauptursachen
- Arteriosklerose: Fett- und Kalkablagerungen an den Gefäßwänden, die die Arterien verengen
- Ein Blutgerinnsel, das ein Gefäß plötzlich verschließt (akuter Gefäßverschluss)
Risikofaktoren
- Rauchen
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Bluthochdruck
- Erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin)
- Übergewicht
- Bewegungsmangel
- Familiäre Vorbelastung
- Alter über 70 Jahre
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die Beinschmerzen auch in Ruhe auftreten
- Wenn sich eine Wunde am Fuß oder Bein nicht innerhalb weniger Tage bessert
- Bei plötzlich blassem, kaltem, schmerzhaften Fuß: sofort Notruf 112
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie regelmäßig beim Gehen Wadenkrämpfe oder Schmerzen haben
- Beim Jahres-Check-up den Hausarzt nach Fußpulsen und Blutdruck fragen
Diagnose
Der Arzt oder die Ärztin fragt zuerst nach den Beschwerden und der Krankengeschichte. Anschließend werden die Beine untersucht: die Pulse getastet, mit dem Stethoskop auf Strömungsgeräusche gehört und der Blutdruck an Arm und Knöchel gemessen.
Mögliche Untersuchungen
- Knöchel-Arm-Index: Ein einfacher Schmerztest, bei dem der Blutdruck am Knöchel und am Oberarm verglichen wird.
- Duplex-Sonographie: Eine Ultraschalluntersuchung zeigt die Gefäße und den Blutfluss.
- Bei Bedarf Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT), um die Gefäße im Detail darzustellen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Gefäßmessung dauert nur etwa 15 Minuten und ist schmerzfrei. Sie müssen lediglich die Schuhe ausziehen und sich kurz hinlegen. Eine Blutprobe kann Aufschluss über Zuckerkrankheit und Blutfettwerte geben.
Behandlung
Das Ziel ist, die Durchblutung zu verbessern und Wunden zu vermeiden. Das gelingt mit einem gesunden Lebensstil, Medikamenten und – bei Bedarf – einem Eingriff. Ganz wichtig: Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Aussichten.
Selbsthilfe zu Hause
- Tägliches Geh- und Bewegungstraining: kurze Strecken gehen, Pausen machen, wieder weitergehen
- Mit dem Rauchen aufhören – das ist die wirkungsvollste Maßnahme für Ihre Beine
- Füße täglich ansehen, waschen, gut abtrocknen und eincremen
- Enge Schuhe und Druckstellen vermeiden
- Regelmäßige Fußpflege, am besten durch medizinisches Fachpersonal
Medizinische Behandlungen
Der Arzt kann Medikamente verschreiben, die das Blut besser fließen lassen, die Blutfette senken oder den Blutdruck einstellen. Diese Medikamente werden immer ganz individuell ausgewählt. Es gibt auch Mittel, die die Gefäße erweitern. Nehmen Sie Medikamente nur nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ein.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn die Beschwerden stark sind oder offene Wunden bestehen, kann ein Eingriff nötig sein. Dabei wird eine Engstelle oft mit einem Ballonkatheter aufgedehnt und manchmal ein Stützgerüst (Stent) eingesetzt. In anderen Fällen legt der Gefäßchirurg eine Umleitung (Bypass) an.
Leben mit der Erkrankung
Sie können jeden Tag etwas tun, um Ihre Gefäße zu unterstützen. Planen Sie Bewegung fest in den Alltag ein und beobachten Sie Ihre Beine – so bleiben Sie Ihrer Behandlung aktiv beteiligt.
Tipps für den Alltag
- Bewegung einbauen, zum Beispiel täglich 20–30 Minuten zügiges Gehen, mit Pausen wenn nötig
- Auf das Rauchen verzichten – das ist die wichtigste Maßnahme für Ihre Gefäße
- Stress abbauen und ausreichend schlafen
- Auf die Füße achten: täglich prüfen, waschen, eincremen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung, zum Beispiel viel Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse und wenig Fleisch, unterstützt die Gefäße. Regelmäßige Bewegung – auch wenn es anfangs schwerfällt – verbessert die Durchblutung und baut neue Umgehungskreisläufe auf.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose kann Angst machen und verunsichern. Das ist verständlich. Gespräche mit Vertrauten, Entspannungsübungen und das Wissen, dass Sie selbst viel bewirken können, helfen dabei, mit der Erkrankung zu leben.
Vorbeugung
Zu einem großen Teil ja. Ein gesunder Lebensstil und die frühe Behandlung von Risikofaktoren wie Diabetes, Bluthochdruck und erhöhten Blutfettwerten können der Erkrankung vorbeugen oder ein Fortschreiten verhindern.
Impfungen
Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann Sie zu empfohlenen Impfungen beraten, zum Beispiel gegen Grippe oder COVID-19. Das ist gerade für Menschen mit Gefäßerkrankungen wichtig.
Früherkennungsprogramme
Eine allgemeine Reihenuntersuchung gibt es nicht. Bei Menschen mit Risikofaktoren können aber die Fußpulse und der Knöchel-Arm-Index in der Hausarztpraxis überprüft werden. Fragen Sie bei Ihrem nächsten Termin danach.
Komplikationen
Unbehandelt
- Schmerzen auch in Ruhe oder nachts
- Offene, schlecht heilende Wunden (Ulzera) am Fuß
- Gewebstod (Nekrose), im schlimmsten Fall bis zur Amputation
- Akuter Gefäßverschluss mit drohendem Verlust des Beins
Langzeitprognose
Diese Komplikationen sind ernst, aber nicht vorherbestimmt. Mit einer konsequenten Behandlung, einem Rauchstopp und regelmäßiger Bewegung können die meisten Menschen mobil bleiben und ein gutes Leben führen. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin begleitet Sie dabei.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 1. August 2026
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