Fragen Sie den Arzt: Ohrensausen (Tinnitus)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ohrensausen – auch Tinnitus genannt – bedeutet, dass Sie Geräusche wahrnehmen, die nicht von außen kommen. Sie können pfeifen, summen, rauschen oder klingeln. Die Geräusche sind nur für Sie hörbar. Tinnitus ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Symptom, das viele Ursachen haben kann.
Wichtige Fakten
- Tinnitus ist häufig und meist harmlos.
- Er kann ein- oder beidseitig auftreten und unterschiedlich laut sein.
- Bei vielen Menschen verschwindet er von selbst oder verliert an Bedeutung.
- Eine ärztliche Abklärung ist wichtig, um ernste Ursachen auszuschließen.
Ja. Schätzungsweise jeder zehnte Erwachsene hat gelegentlich oder dauerhaft Ohrgeräusche. Bei den meisten ist es leicht und beeinträchtigt den Alltag nicht.
Tinnitus kann in jedem Alter auftreten. Ältere Menschen sind häufiger betroffen, aber auch jüngere Menschen mit Lärmbelastung oder Stress können Ohrgeräusche entwickeln. Auch Kinder können Tinnitus haben, berichten aber seltener darüber.
Symptome
- Sofort den Notruf 112 wählen, wenn eines dieser Symptome auftritt:
- Plötzlicher Hörverlust zusammen mit Ohrgeräuschen
- Starker Schwindel mit Erbrechen und Tinnitus
- Taubheitsgefühle oder Lähmungen im Gesicht
- Ohrenschmerzen mit Fieber und eitrigem Ausfluss
- ⚠Tinnitus nach einem Unfall oder Schlag auf den Kopf oder das Ohr
- ⚠Pulsierendes Ohrgeräusch, das im Takt des Herzschlags läuft
- ⚠Tinnitus, der länger als einen Tag anhält oder sehr belastend ist
Häufige Symptome
- Pfeifen, Summen, Rauschen oder Klingeln im Ohr
- Die Geräusche können leise oder laut sein
- Ein- oder beidseitig auftreten
- Dauerhaft oder in Schüben auftreten
- Im Takt des Herzschlags (pulsierender Tinnitus) – das sollte abgeklärt werden
Symptome bei Kindern
- Kinder beschreiben Ohrgeräusche oft als „Piepen“ oder „Zischen“.
- Sie können unruhig wirken oder schlechter hören.
- Bei Kindern auch auf Ohrenschmerzen oder Anzeichen einer Ohrentzündung achten.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Tinnitus tritt häufig zusammen mit einer Altersschwerhörigkeit auf.
- Auch Durchblutungsstörungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten können eine Rolle spielen – das sollte ein Arzt abklären.
Ursachen
Hauptursachen
- Lärmbelastung, auch durch laute Musik
- Stress und seelische Belastung
- Durchblutungsstörungen im Innenohr
- Altersbedingte Schwerhörigkeit
- Ohrenschmalzpropf oder Fremdkörper im Gehörgang
- Verspannungen im Hals- oder Kieferbereich
- Bestimmte Medikamente – bitte immer ärztlich abklären
Risikofaktoren
- Lärm am Arbeitsplatz oder in der Freizeit
- Bluthochdruck
- Diabetes
- Rauchen
- Dauerhafter Stress
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn der Tinnitus plötzlich zusammen mit einer Hörminderung auftritt
- Wenn er nach einem Unfall oder einer Verletzung entsteht
- Wenn er pulsierend ist und im Takt des Herzschlags läuft
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Ohrgeräusche länger als ein paar Tage anhalten
- Wenn sie den Alltag oder den Schlaf stören
- Wenn Sie sich Sorgen machen – auch ohne weitere Beschwerden
Diagnose
Ihre Ärztin oder Ihr Arzt spricht zunächst ausführlich mit Ihnen über Ihre Beschwerden. Wichtig ist, wann das Geräusch auftritt, wie es klingt und ob es Sie belastet.
Mögliche Untersuchungen
- Untersuchung der Ohren mit einem Ohrenspiegel
- Hörtest (Tonaudiometrie)
- Gegebenenfalls Überweisung zu einer Hals-Nasen-Ohren-Ärztin oder einem HNO-Arzt
- Bei Bedarf Blutdruckmessung oder Blutuntersuchung
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind schmerzfrei und dauern in der Regel nicht lange. Sie können alle Fragen mitbringen, die Ihnen auf dem Herzen liegen. Oft ist nach dem Termin schon vieles klarer.
Behandlung
Es gibt nicht die eine Therapie gegen Tinnitus. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und danach, wie sehr die Geräusche Sie belasten. Ziel ist es, die Beschwerden zu lindern und einen guten Umgang mit den Ohrgeräuschen zu finden.
Selbsthilfe zu Hause
- Entspannungsverfahren wie progressive Muskelentspannung oder Yoga
- Stress vermeiden oder abbauen, wo immer es möglich ist
- Ohren vor lauter Musik und Lärm schützen
- Auf Nikotin und übermäßigen Alkohol verzichten
- Leise Musik oder Naturgeräusche zur Ablenkung nutzen
Medizinische Behandlungen
Je nach Ursache stehen verschiedene Ansätze zur Verfügung. Dazu gehören zum Beispiel eine Hörgeräteversorgung bei Schwerhörigkeit, eine Tinnitus-Umgewöhnungstherapie oder eine Verhaltenstherapie, um die Wahrnehmung zu verändern und den Leidensdruck zu senken. Auch Entspannungstechniken und Stressbewältigung können Teil der Behandlung sein. Medikamente werden nur in bestimmten Fällen und immer nach ärztlicher Verordnung eingesetzt – bitte nehmen Sie keine Mittel auf eigene Faust ein.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt nur in seltenen Fällen infrage, etwa wenn eine gutartige Veränderung am Hörnerv oder eine Gefäßanomalie festgestellt wird. Das entscheidet die Fachärztin oder der Facharzt.
Leben mit der Erkrankung
Die meisten Menschen gewöhnen sich mit der Zeit an das Ohrgeräusch. Es hilft, den Tinnitus nicht ständig zu bekämpfen, sondern ihn als unangenehmes, aber ungefährliches Geräusch zu akzeptieren. Das nimmt Druck und kann die Wahrnehmung abschwächen.
Tipps für den Alltag
- Sorgen Sie für regelmäßigen Schlaf und ausreichend Erholung.
- Meiden Sie absolute Stille, wenn dadurch das Geräusch lauter wahrgenommen wird.
- Bleiben Sie sozial aktiv und lenken Sie sich mit Dingen ab, die Ihnen Freude machen.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung fördern die Durchblutung und helfen beim Stressabbau. Ein gesunder Lebensstil wirkt sich positiv aus, auch wenn es keine spezielle Diät gegen Tinnitus gibt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Tinnitus kann seelisch belasten, den Schlaf stören und Ängste oder Niedergeschlagenheit auslösen. Das ist verständlich. Wenn die Belastung zu groß wird, ist es wichtig, ärztliche Hilfe zu suchen – auch eine Psychotherapie kann dabei unterstützen, besser mit dem Tinnitus zu leben. Falls Sie sich in einer akuten Krise befinden oder Gedanken an Selbstverletzung haben, wenden Sie sich sofort an eine psychiatrische Notaufnahme oder wählen Sie den Notruf 112.
Vorbeugung
Nicht jede Form von Tinnitus lässt sich verhindern. Sie können aber Ihr Risiko senken, indem Sie Ihre Ohren vor Lärm schützen, Stress reduzieren und auf einen gesunden Lebensstil achten.
Früherkennungsprogramme
Ein regelmäßiger Hörtest ist vor allem bei älteren Menschen sinnvoll. Wer beruflich Lärm ausgesetzt ist, hat in Deutschland Anspruch auf arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Anhaltender Tinnitus kann den Schlaf stören und die Konzentration beeinträchtigen.
- Bei anhaltender Belastung können sich depressive Verstimmungen entwickeln.
- Wird eine ernste Ursache wie ein Hörsturz nicht behandelt, kann ein Hörschaden zurückbleiben.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind oft gut: Bei vielen Menschen verschwindet der Tinnitus von selbst oder verliert mit der Zeit an Bedeutung. Auch wenn er bleibt, gibt es wirksame Strategien, um die Belastung zu verringern. Sie sind damit nicht allein – suchen Sie sich Unterstützung und lassen Sie sich medizinisch begleiten.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Tinnitus-Liga e.V. ↗ · Deutschland
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 1. August 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.