Künstliche Befruchtung (IVF & ICSI)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Künstliche Befruchtung ist eine medizinische Hilfe für Menschen, die auf natürlichem Wege kein Kind bekommen können. Bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) werden Eizellen in einer Fachpraxis entnommen, im Labor befruchtet und danach in die Gebärmutter eingesetzt. Die intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) ist eine besondere Form der IVF, bei der eine einzelne Samenzelle direkt in eine Eizelle gespritzt wird.
Wichtige Fakten
- IVF und ICSI sind in Deutschland zugelassene und verbreitete Behandlungen bei unerfülltem Kinderwunsch.
- Der Behandlungserfolg hängt von vielen Faktoren ab, besonders vom Alter der Frau und von der Ursache der Fruchtbarkeitsstörung.
- Die Behandlung erfolgt in speziellen Kinderwunschzentren, die nach strengen Qualitätsstandards arbeiten.
Ja, etwa jedes sechste Paar hat Schwierigkeiten, auf natürlichem Wege schwanger zu werden. Künstliche Befruchtung wird daher immer häufiger genutzt.
Künstliche Befruchtung kann für verschiedenste Menschen infrage kommen – für heterosexuelle Paare, gleichgeschlechtliche Paare und auch für alleinstehende Frauen. Wichtig ist eine individuelle Beratung in einem Kinderwunschzentrum.
Symptome
- Starke, plötzliche Schmerzen im Unterleib nach der Behandlung – rufen Sie sofort die 112 an.
- Rasche Zunahme des Bauchumfangs mit Atemnot, Übelkeit oder starkem Völlegefühl – möglich ist ein Überstimulationssyndrom.
- Schulterschmerzen mit Schwindel oder Ohnmacht – das kann auf eine Eileiterschwangerschaft hinweisen.
- ⚠Fieber nach dem Eingriff
- ⚠Starke Blutungen aus der Scheide
- ⚠Schmerzen beim Wasserlassen
Häufige Symptome
- Wenn Sie seit mehr als einem Jahr ungeschützten Geschlechtsverkehr haben, ohne schwanger zu werden, kann das ein Hinweis auf ein Fruchtbarkeitsproblem sein.
- Sehr unregelmäßige, ausbleibende oder schmerzhafte Monatsblutungen können auf eine körperliche Ursache hinweisen.
- Bei Männern kann eine Untersuchung der Samenflüssigkeit (Spermiogramm) eine verminderte Spermienqualität zeigen.
Symptome bei Kindern
- Nicht zutreffend – eine künstliche Befruchtung wird nur bei Erwachsenen durchgeführt.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Mit zunehmendem Alter sinkt die Fruchtbarkeit, besonders bei Frauen über 35. Wenn Sie einen Kinderwunsch haben, sprechen Sie frühzeitig mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Ursachen
Hauptursachen
- Ausbleibender Eisprung bei der Frau
- Verengte oder verschlossene Eileiter
- Endometriose (Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter)
- Stark eingeschränkte Spermienqualität beim Mann
- Ungeklärte Fruchtbarkeitsstörungen
Risikofaktoren
- Alter der Frau (über 35 Jahre)
- Rauchen und Alkohol
- Über- oder Untergewicht
- Erkrankungen wie Diabetes oder Schilddrüsenstörungen
- Frühere Infektionen im Bauchraum oder an den Geschlechtsorganen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Nach einer Behandlung: Bei starken Schmerzen, hohem Fieber oder auffälligen Blutungen wenden Sie sich sofort an Ihre Behandlungsstelle oder die Notaufnahme.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie seit über einem Jahr (über 35 Jahren: über sechs Monate) ungeschützten Geschlechtsverkehr haben, ohne schwanger zu werden
- Wenn Sie bekannte Erkrankungen haben, die die Fruchtbarkeit beeinflussen können
- Wenn Sie unregelmäßige, sehr schmerzhafte oder ausbleibende Monatsblutungen haben
Diagnose
Die Fruchtbarkeitsdiagnostik wird bei Paaren durchgeführt, die nicht auf natürlichem Wege schwanger werden. Sie untersucht beide Partner, um mögliche Ursachen zu finden.
Mögliche Untersuchungen
- Ausführliches Gespräch über Ihre Krankengeschichte
- Hormonuntersuchungen im Blut
- Ultraschall der Gebärmutter und der Eierstöcke
- Spermiogramm (Analyse der Samenflüssigkeit) beim Mann
- Manchmal: Prüfung, ob die Eileiter durchgängig sind
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen dauern meist einige Wochen. Die Ergebnisse besprechen Sie mit Ihrem Facharzt. Falls nötig, werden Sie an ein Kinderwunschzentrum überwiesen.
Behandlung
Die Behandlung umfasst in der Regel eine Hormonstimulation der Eierstöcke, die Entnahme von Eizellen, die Befruchtung im Labor und das Einsetzen des Embryos in die Gebärmutter. Bei der ICSI wird eine Samenzelle gezielt in die Eizelle gespritzt. Der genaue Ablauf wird individuell geplant.
Selbsthilfe zu Hause
- Soweit möglich, ein gesundes Körpergewicht anstreben
- Nicht rauchen und Alkohol vermeiden
- Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation üben, um Stress zu reduzieren
- Ausreichend Schlaf und Zeiten für Pausen einplanen
Medizinische Behandlungen
Hormonpräparate werden eingesetzt, um das Wachstum der Eibläschen zu fördern und den Eisprung zu unterstützen. Zusätzlich können Medikamente die Gebärmutterschleimhaut vorbereiten. Welche Mittel für Sie geeignet sind, bespricht Ihre Ärztin oder Ihr Arzt im Detail mit Ihnen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Ein chirurgischer Eingriff kann nötig sein, wenn Eileiter verschlossen sind oder wenn Spermien direkt aus dem Hoden entnommen werden müssen (TESE).
Leben mit der Erkrankung
Die Behandlung erfordert häufige Arztbesuche, meist über ein bis zwei Zyklen. Manche Menschen möchten in dieser Zeit keine schweren körperlichen Tätigkeiten ausüben. Planen Sie sich ausreichend Auszeiten und Erholung ein.
Tipps für den Alltag
- Sprechen Sie offen mit Ihrem Partner über Ängste und Hoffnungen
- Nehmen Sie sich Zeit für gemeinsame Aktivitäten ohne Kinderwunschgedanken
- Tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen in Selbsthilfe- oder Online-Gruppen aus
- Suchen Sie sich Entlastung durch Freunde oder Familie
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten ist empfehlenswert. Leichte Bewegung wie Spazierengehen oder sanftes Yoga kann das Wohlbefinden fördern. Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob Sie Nahrungsergänzungsmittel benötigen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine ungewollte Kinderlosigkeit ist emotional oft sehr belastend. Gefühle wie Trauer, Wut oder Unsicherheit sind normal. Viele Kinderwunschzentren bieten psychologische Beratung an – scheuen Sie sich nicht, Unterstützung zu suchen.
Vorbeugung
Fruchtbarkeitsstörungen sind nicht immer vermeidbar. Ein gesunder Lebensstil kann das Risiko jedoch senken. Bei einer künstlichen Befruchtung ist es wichtig, eine qualifizierte Kinderwunschklinik zu wählen und die ärztlichen Anweisungen genau zu befolgen.
Impfungen
Nicht zutreffend.
Früherkennungsprogramme
Sprechen Sie bei Vorsorgeuntersuchungen auch über Ihren Kinderwunsch. Eine frühzeitige Beratung kann unnötige Wartezeit vermeiden.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ohne Behandlung bleibt der Kinderwunsch bei einer Fruchtbarkeitsstörung oft unerfüllt.
- Die seelische Belastung kann zunehmen, wenn keine Unterstützung und Behandlung erfolgt.
- Bei bestimmten Grunderkrankungen wie Endometriose können ohne ärztliche Begleitung körperliche Beschwerden weiter bestehen.
Langzeitprognose
Für die meisten Paare mit Kinderwunsch gibt es heute gute Behandlungsmöglichkeiten. Die Erfolgsraten hängen von verschiedenen Faktoren ab, aber mit moderner Medizin und emotionaler Unterstützung ist die Prognose oft hoffnungsvoll.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 1. August 2026
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