Asthma in jedem Alter
Übersicht
Asthma ist eine chronische (dauerhafte) Entzündung der Atemwege. Die Bronchien – kleine Luftröhren in der Lunge – sind bei Asthma überempfindlich. Bei bestimmten Auslösern verkrampfen sich die Muskeln der Atemwege, die Schleimhaut schwillt an und es bildet sich zäher Schleim. Dadurch wird die Luftzufuhr erschwert. Asthma kann in jedem Alter beginnen – bei Kindern, Erwachsenen und älteren Menschen.
Wichtige Fakten
- Asthma ist nicht heilbar, aber gut behandelbar.
- Die Symptome kommen oft in Schüben und können zwischenzeitlich ganz verschwinden.
- Mit der richtigen Behandlung können die meisten Menschen ein normales, aktives Leben führen.
- Eine wichtige Rolle spielen Allergien und Reizstoffe – doch nicht jede Form von Asthma ist allergisch.
Ja, Asthma gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen. In Deutschland sind mehrere Millionen Menschen betroffen – darunter viele Kinder. Auch im höheren Lebensalter wird Asthma zunehmend neu festgestellt.
Asthma kann in jedem Alter auftreten: Bei Kindern beginnt es häufig im Kleinkind- und Vorschulalter. Bei Erwachsenen beginnt es oft zwischen 20 und 40 Jahren, aber auch erst in der zweiten Lebenshälfte. Männer und Frauen sind insgesamt in verschiedenen Lebensphasen unterschiedlich häufig betroffen.
Symptome
- Bei starker Atemnot, die das Sprechen unmöglich macht – sofort den Notruf 112 wählen
- Bei zunehmender Atemnot trotz der ärztlich verordneten Notfallmedikation – sofort den Notruf 112 wählen
- Bei bläulichen Lippen oder Fingernägeln
- Bei sehr schnellem Puls, extremer Unruhe oder Verwirrtheit
- Wenn die Atmung trotz Notfallbehandlung flach und schnell bleibt
- ⚠Wenn Sie oder Ihr Kind anhaltende Atemprobleme, pfeifende Atmung oder einen quälenden Husten haben
- ⚠Wenn die Symptome häufiger auftreten oder schlimmer werden als bisher
- ⚠Wenn Sie nachts regelmäßig wegen Husten oder Atemnot aufwachen
- ⚠Wenn Fieber oder eitriger Auswurf dazukommt
Häufige Symptome
- Wiederkehrendes pfeifendes Atemgeräusch (Giemen) beim Ausatmen
- Kurzatmigkeit, besonders bei körperlicher Anstrengung, nachts oder früh morgens
- Engegefühl oder Druckgefühl auf der Brust
- Trockener Reizhusten – oft nachts oder morgens
- Schnelle, flache Atmung
- Längeres Ausatmen als gewöhnlich
Symptome bei Kindern
- Husten oder Atemnot beim Spielen, Lachen oder Weinen
- Schnelle Atmung oder Trinkschwäche bei Säuglingen
- Müdigkeit und Rückzug vom Spielen
- Häufiger nächtlicher Husten, obwohl das Kind tagsüber unauffällig wirkt
- Pfeifende Geräusche beim Ausatmen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Atemnot bei Alltagsbelastung wie Treppensteigen oder Einkaufen
- Anhaltender Husten oder vermehrter Auswurf
- Schnellere Erschöpfung bei körperlicher Tätigkeit
- Die Abgrenzung zu anderen Lungen- oder Herzerkrankungen kann ärztlich abgeklärt werden – die Symptome ähneln sich.
Ursachen
Hauptursachen
- Allergene wie Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare oder Schimmelpilze
- Reizstoffe wie Tabakrauch, Abgase, Feinstaub oder chemische Dämpfe
- Virale Atemwegsinfektionen (z. B. Erkältungen oder Grippe)
- Körperliche Anstrengung – besonders bei kalter oder trockener Luft
- Wetterwechsel, kalte Luft oder Gewitter
- Starke Gefühle wie Stress, Angst oder Lachen
- Selten: bestimmte Medikamente oder Zusatzstoffe in Lebensmitteln
Risikofaktoren
- Allergische Erkrankungen in der Familie (z. B. Heuschnupfen oder Neurodermitis)
- Rauchen in der Schwangerschaft oder Passivrauchen in der Umgebung
- Übergewicht
- Frühgeburt oder niedriges Geburtsgewicht
- Häufige Atemwegsinfektionen im Kleinkindalter
- Beruflicher Kontakt mit Allergenen oder Reizstoffen (z. B. in Bäckereien, Lackierereien oder Tierhaltung)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Suchen Sie noch am selben Tag eine Hausarztpraxis oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst auf, wenn Sie anhaltende Atemnot oder pfeifende Atmung bei sich oder Ihrem Kind bemerken.
- Bei einem akuten Asthmaanfall, der nicht auf die verordnete Notfallmedikation anspricht, ist der Notruf 112 die richtige Wahl.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt, wenn Sie wiederholt Husten, Atemnot oder Engegefühl in der Brust haben – auch wenn die Beschwerden wieder vergehen.
- Für Eltern: Lassen Sie Kinder, die häufig husten, nachts aufwachen oder beim Toben schnell aus der Puste kommen, ärztlich untersuchen.
- Auch bei bestehender Asthma-Diagnose sind regelmäßige Kontrolltermine wichtig – mindestens einmal im Jahr oder bei Veränderungen.
Diagnose
Die Diagnose wird von einer Ärztin oder einem Arzt gestellt. Sie beginnt mit einem ausführlichen Gespräch über Ihre Symptome, Ihre Krankengeschichte und mögliche Auslöser. Danach folgen körperliche Untersuchungen und Funktionsmessungen der Lunge. Diese Untersuchungen sind schmerzfrei und ohne Risiko.
Mögliche Untersuchungen
- Spirometrie (Lungenfunktionstest): Sie atmen kräftig in ein Gerät, das Messwerte zu Luftmenge und Atemfluss ermittelt.
- Peak-Flow-Messung: Ein kleines Handgerät misst, wie schnell Sie ausatmen können – zu Hause und in der Praxis.
- Allergietest (Pricktest oder Bluttest), um Auslöser wie Pollen oder Milben zu finden.
- Provokationstest: gezielte Belastung mit einem Reizstoff, nur in spezialisierten Zentren.
- Symptom-Protokoll: Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann Sie bitten, über einige Wochen ein Tagebuch zu führen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Nehmen Sie sich für den ersten Termin Zeit. Bringen Sie eine Liste Ihrer Beschwerden und möglicherweise ein Symptom-Tagebuch mit. Nach der Untersuchung bespricht die Ärztin oder der Arzt mit Ihnen das Ergebnis und erstellt – falls die Diagnose sicher ist – einen persönlichen Behandlungsplan. Dazu gehört auch, dass Sie über eine Asthmaschulung informiert werden.
Behandlung
Asthma wird stufenweise behandelt. Das Ziel ist, die Entzündung in den Atemwegen zu beruhigen, Folgeanfälle zu verhindern und akute Anfälle schnell zu beenden. Die Behandlung besteht aus drei Grundpfeilern: Auslöser meiden, Medikamente richtig einsetzen und einen schriftlichen Notfallplan haben.
Selbsthilfe zu Hause
- Lernen Sie, Auslöser zu erkennen und tunlichst zu vermeiden (z. B. Allergene, Rauch, kalte Luft).
- Führen Sie regelmäßig Peak-Flow-Messungen durch – das zeigt Ihnen früh, ob sich die Atemwege verengen.
- Nehmen Sie an einer Asthmaschulung teil – sie hilft, Sicherheit im Alltag zu gewinnen.
- Dokumentieren Sie Symptome und Inhaltsstoffe, um Muster zu entdecken.
- Üben Sie die richtige Inhalationstechnik – am besten vorzeigen lassen.
Medizinische Behandlungen
Vereinfacht gibt es zwei Gruppen von Medikamenten: Eine entzündungshemmende Dauermedikation, die regelmäßig angewendet wird, um die Entzündung der Atemwege zu dämpfen. Und eine kurzwirksame Bedarfsmedikation, die bei akutem Engegefühl oder einem Anfall schnelle Erleichterung bringt. Welche Präparate, Kombinationen und Dosierungen für Sie geeignet sind, entscheiden Ihre Ärztin oder Ihr Arzt – abhängig von Ihrer Krankheitsschwere, Ihrem Alter und Ihren persönlichen Beschwerden. Als Begleitung kann bei allergischem Asthma eine Allergen-Immuntherapie (Spezifische Immuntherapie) in Betracht kommen. Diese wird ebenfalls ärztlich verordnet.
Wann kommt eine Operation infrage?
Nicht zutreffend – Asthma wird in der Regel nicht operativ behandelt. In sehr seltenen Fällen, wenn alle anderen Maßnahmen nicht ausreichen und die Krankheit schwer kontrollierbar ist, können Spezialkliniken Spezialverfahren anbieten. Dies ist keine Operation im üblichen Sinne.
Leben mit der Erkrankung
Asthma heißt nicht, dass Sie ständig krank sein müssen. Viele Betroffene leben über lange Zeit völlig beschwerdefrei. Wichtig ist eine gute Selbstwahrnehmung: Nehmen Sie die verordnete Medikation regelmäßig ein, auch wenn Sie sich wohlfühlen, halten Sie Kontrolltermine ein und melden Sie Veränderungen frühzeitig.
Tipps für den Alltag
- Nicht rauchen und Tabakrauch in der Umgebung vermeiden
- Für ausreichend Schlaf und regelmäßige Entspannung sorgen
- Sich körperlich fit halten – Sport ist erlaubt und sinnvoll
- Ein normales Körpergewicht anstreben oder halten
- Bei bekannter Allergie den Wohnbereich möglichst allergenarm gestalten (z. B. wenig Teppiche, regelmäßiges Waschen der Bettwäsche)
- Bei Pollenflug oder Infektwellen vorbeugend nach Plan handeln
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkorn ist für die Atemwege förderlich. Es gibt keine spezielle „Asthma-Diät“. Wenn eine Nahrungsmittelallergie vorliegt, sollte das auslösende Lebensmittel gemieden werden – aber nur nach ärztlicher Abklärung. Sport ist möglich und wirkt sich positiv auf die Lungenfunktion aus. Wichtig sind ein warmes Aufwärmtraining und – bei Kälte – ein späterer Weg nach draußen. Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wie Sie sich am besten belasten.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Asthma kann Ängste auslösen – besonders die Angst vor Atemnot. Diese Angst kann ihrerseits die Beschwerden verstärken. Es ist völlig normal, sich manchmal Sorgen zu machen. Wenn das Gefühl der Belastung überhandnimmt, sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin. Psychologische Unterstützung und Entspannungsverfahren können dabei helfen, innere Ruhe zu finden. Sollten Sie sich einmal in einer schweren seelischen Krise befinden, zögern Sie nicht, Hilfe zu holen – zum Beispiel beim ärztlichen Bereitschaftsdienst oder bei der Telefonseelsorge.
Vorbeugung
Asthma selbst lässt sich nicht sicher verhindern. Aber Sie können das Risiko für Asthmaanfälle stark senken: Vermeiden Sie Auslöser, wenden Sie die Behandlung konsequent an und achten Sie auf Anzeichen einer Verschlechterung. Bei Kindern senkt ein rauchfreies Zuhause deutlich das Risiko für Atemwegserkrankungen.
Impfungen
Lassen Sie sich impfen – besonders gegen Grippe und gegebenenfalls gegen Pneumokokken, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es empfiehlt. Atemwegsinfekte sind häufige Auslöser von Asthmaanfällen. Ob weitere Impfungen sinnvoll sind, klären Sie in der Praxis.
Früherkennungsprogramme
Eine generelle Früherkennungsuntersuchung für Asthma gibt es nicht. Wenn in Ihrer Familie Allergien oder Asthma vorkommen, ist es ratsam, mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt über mögliche Risiken und vorbeugende Maßnahmen zu sprechen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Schwere Asthmaanfälle, die lebensbedrohlich sein können
- Dauerhafte Einschränkung der Lungenfunktion durch anhaltende Entzündung
- Schlafmangel und damit verbundene Tagesmüdigkeit
- Höheres Risiko für Atemwegsinfektionen
- Einschränkungen im Alltag, in der Schule oder im Beruf
Langzeitprognose
Bleiben Sie zuversichtlich: Die allermeisten Menschen erreichen mit einer gut eingestellten Therapie eine sehr gute Kontrolle ihrer Symptome. Manche Kinder wachsen aus ihren Beschwerden heraus. Auch im Erwachsenenalter bessert sich die Krankheit oft deutlich, wenn Behandlung und Lebensstil zusammenpassen. Früh erkannt und konsequent behandelt, ist Asthma gut in den Griff zu bekommen – ein aktives Leben ist die Regel.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
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Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Quellen und Leitlinien
Zu den für diesen Artikel verwendeten Quellen gehören die unten aufgeführten Referenzen.
Zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2026
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