Asthma-Notfall: Erste Hilfe bei einem Asthmaanfall
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Asthma ist eine chronische (lang andauernde) Erkrankung der Atemwege. Die Luftwege sind dauerhaft ein wenig entzündet und reagieren empfindlich auf bestimmte Reize. Bei einem Asthmaanfall verkrampfen sich die Muskeln in den Atemwegen, die Schleimhaut schwillt an und es bildet sich zäher Schleim. Dadurch wird die Luftzufuhr deutlich erschwert und es kommt zu Atemnot.
Wichtige Fakten
- Asthma ist eine chronische entzündliche Erkrankung der Atemwege, die in Schüben auftritt.
- Ein Asthmaanfall kann glimpflich verlaufen oder den Betroffenen in eine lebensbedrohliche Notlage bringen.
- Wer die Warnzeichen kennt und richtig Erste Hilfe leistet, kann bei einem Asthmaanfall Leben retten.
Asthma gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen weltweit. Auch in Deutschland sind viele Menschen betroffen – Kinder, Erwachsene und ältere Menschen.
Asthma kann in jedem Lebensalter beginnen. Bei manchen Menschen tritt es schon im Kindesalter auf, bei anderen erst im Erwachsenenalter. Auch wer früher nie Probleme hatte, kann plötzlich Asthma entwickeln.
Symptome
- Sehr starke Atemnot, die nicht nachlässt
- Der Betroffene kann kaum noch sprechen – nur noch einzelne Wörter
- Lippen oder Nagelbetten färben sich bläulich
- Trotz Notfallmedikament keine Besserung nach kurzer Zeit
- Der Betroffene wirkt schläfrig, verwirrt oder ist nicht mehr richtig ansprechbar
- Bewusstlosigkeit
- ⚠Die Beschwerden bessern sich nicht wie gewohnt oder kommen häufiger als üblich
- ⚠Das Notfallmedikament wirkt nicht so gut oder so lange wie bisher
- ⚠Fieber oder stark ausgeprägter Husten mit Auswurf kommt dazu
- ⚠Die nächtlichen Symptome nehmen zu und der Schlaf wird schlechter
Häufige Symptome
- Pfeifende oder brummende Geräusche beim Atmen (Giemen)
- Husten, oft nachts oder frühmorgens
- Kurzatmigkeit, die plötzlich oder bei Belastung auftritt
- Engegefühl in der Brust, wie wenn jemand darauf drückt
- Tiefes Durchatmen fällt schwer
Symptome bei Kindern
- Schnelles oder geräuschvolles Atmen
- Anstrengende Atmung mit Ziehen der Haut zwischen den Rippen
- Husten beim Spielen, Lachen oder in der Nacht
- Kind wirkt schlapp oder trinkt schlecht
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Atemnot schon bei leichter Anstrengung
- Starke Müdigkeit und Erschöpfung
- Verwirrtheit oder Benommenheit durch Sauerstoffmangel
- Blaue Lippen oder bläuliche Fingernägel
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache von Asthma ist nicht vollständig bekannt. Es spielen eine erbliche Veranlagung und Umwelteinflüsse eine Rolle.
- Typische Auslöser eines Asthmaanfalls sind Allergene wie Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare oder Schimmelpilze.
- Weitere Auslöser sind körperliche Anstrengung, kalte Luft, Rauch, starke Gerüche, Atemwegsinfekte oder seelische Belastungen.
Risikofaktoren
- Allergien, zum Beispiel Heuschnupfen oder Tierhaarallergie
- Asthma oder Allergien in der Familie
- Regelmäßiger Kontakt zu Tabakrauch, auch passives Rauchen
- Schadstoffe oder Reizstoffe am Arbeitsplatz, zum Beispiel Mehlstaub oder Lacke
- Starkes Übergewicht
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die Notfallmedikation nicht wie gewohnt wirkt
- Wenn Sie täglich Ihr Notfallspray benötigen – das Zeichen, dass das Asthma nicht gut eingestellt ist
- Wenn die Atemnot plötzlich häufiger auftritt und Sie sich unsicher fühlen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn bei Ihnen neu der Verdacht auf Asthma besteht
- Wenn Sie oder Ihr Kind nachts regelmäßig husten oder beim Sport kurzatmig werden
- Zur regelmäßigen Kontrolle Ihres Behandlungsplans, mindestens einmal jährlich
Diagnose
Die Diagnose wird von einem Arzt in einer Praxis oder im Krankenhaus gestellt. Dazu gehören ein ausführliches Gespräch über Ihre Beschwerden und mögliche Auslöser, eine körperliche Untersuchung und verschiedene Lungenfunktionstests.
Mögliche Untersuchungen
- Lungenfunktionstest (Spirometrie): Sie atmen in ein Gerät, das misst, wie schnell und wie viel Luft Sie ein- und ausatmen können.
- Peak-Flow-Messung: Ein kleines Gerät misst zu Hause, wie gut Sie Luft ausatmen können. Der Wert zeigt, ob die Atemwege eng werden.
- Allergietest: Auf der Haut oder im Blut wird untersucht, ob Sie auf bestimmte Allergene reagieren.
- Gegebenenfalls ein Provokationstest: Dabei wird versucht, eine leichte Verengung der Atemwege auszulösen, um die Diagnose zu bestätigen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Ihr Arzt bespricht mit Ihnen die Ergebnisse und erstellt gemeinsam mit Ihnen einen schriftlichen Behandlungsplan. Darin steht auch, welche Medikamente Sie bei einem Anfall anwenden sollen und wann Sie den Notruf 112 wählen müssen.
Behandlung
Die Behandlung von Asthma verfolgt zwei Ziele: die dauerhafte Kontrolle der Entzündung in den Atemwegen und das schnelle Lösen eines akuten Krampfs. Entsprechend gibt es langwirksame Medikamente zur Vorbeugung und kurzwirksame Notfallmedikamente. Ihr Behandlungsplan ist auf Sie persönlich zugeschnitten.
Selbsthilfe zu Hause
- Sitzen Sie aufrecht; stützen Sie Ihre Arme auf den Oberschenkeln ab, damit die Atemhilfsmuskulatur besser arbeiten kann.
- Atmen Sie ruhig und langsam aus – zum Beispiel mit den Lippen leicht zusammen, wie beim leisen Ausatmen durch den Mund (sog. Lippenbremse).
- Nehmen Sie Ihre verordnete Notfallmedikation, wenn Sie sie haben und Ihr Arzt sie Ihnen empfohlen hat.
- Falls Sie einen schriftlichen Asthma-Notfallplan haben, folgen Sie den darin beschriebenen Schritten.
- Öffnen Sie beengende Kleidung, sorgen Sie für frische Luft, aber vermeiden Sie starke Kälte. Bleiben Sie möglichst ruhig.
Medizinische Behandlungen
Es gibt zwei Gruppen von Medikamenten: Controller, die täglich angewendet werden und die Entzündung in den Bronchien dauerhaft beruhigen, und Reliever, die bei akuter Atemnot schnell die Atemwege erweitern. Beide werden vom Arzt verordnet. Bei schwererem Asthma stehen außerdem andere Medikamente wie Tabletten oder Injektionen zur Verfügung, die das Immunsystem beeinflussen. Diese müssen immer ärztlich verordnet und überwacht werden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Asthma in der Regel nicht erforderlich. Nur bei ganz bestimmten, seltenen Formen kommen besondere Eingriffe in Betracht – diese würde Ihnen Ihr Lungenfacharzt nur nach gründlicher Untersuchung empfehlen.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer guten Asthma-Einstellung ist ein fast normales Leben möglich. Wichtig ist, die auslösenden Faktoren zu kennen, die eigene Medikation zuverlässig anzuwenden und regelmäßige Kontrolltermine wahrzunehmen.
Tipps für den Alltag
- Vermeiden Sie Tabakrauch – insbesondere als Nichtraucher und um Kinder herum.
- Passen Sie körperliche Anstrengung an Ihre Atemfreiheit an; ein langsames Aufwärmen hilft.
- Reduzieren Sie bekannte Allergene in der Wohnung, zum Beispiel Staubfänger, Haustiere im Schlafzimmer oder Schimmel.
- Lernen Sie Entspannungstechniken, um Stress und Anspannung zu verringern.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse unterstützt das Immunsystem. Bewegung ist nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich empfehlenswert – viele Asthmatiker profitieren von Ausdauersport in Maßen. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob Sie vor der Bewegung ein Medikament einnehmen sollten (das ist individuell verschieden). Halten Sie Ihr Notfallspray beim Sport bereit.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine chronische Erkrankung wie Asthma kann Ängste und Unsicherheit auslösen. Die Angst vor einem Anfall kann zu Rückzug und Stress führen. Es ist wichtig, diese Gefühle ernst zu nehmen. Ein offenes Gespräch mit Ihrem Hausarzt oder einer psychologischen Beratungsstelle hilft. In einer seelischen Krise können Sie sich auch an die kostenlose Telefonseelsorge wenden – die Nummer finden Sie im örtlichen Telefonbuch oder im Internet.
Vorbeugung
Asthma selbst lässt sich nicht zuverlässig verhindern. Sie können aber viel tun, um Asthmaanfällen vorzubeugen: mit einer gut eingestellten Therapie, dem Meiden von Auslösern und einem aktuellen Behandlungsplan.
Impfungen
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Impfungen gegen Grippe und gegebenenfalls gegen Pneumokokken. Infekte der Atemwege sind ein häufiger Auslöser für Asthmaanfälle, und Impfungen können diese Infekte verhindern oder abmildern.
Früherkennungsprogramme
Ein allgemeines Screening für gesunde Menschen gibt es nicht. Wiederkehrender Husten, pfeifende Atmung oder Atemnot bei Belastung sind Gründe, die ärztlich abgeklärt werden sollten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Eine deutliche Zunahme der Atemnot bis hin zum lebensbedrohlichen Asthmaanfall
- Sauerstoffmangel im Blut, der wichtige Organe schädigen kann
- Langfristig kann eine anhaltende Entzündung zu einer dauerhaften Umbildung der Atemwände führen – die Atemwege bleiben verengt.
Langzeitprognose
Asthma ist heute sehr gut behandelbar. Die meisten Menschen erreichen mit der richtigen Therapie eine gute Kontrolle, führen ein normales Leben und können Sport treiben. Entscheidend sind eine konsequente Basisbehandlung, ein aktueller Notfallplan und die Kenntnis der eigenen Warnzeichen. Ein schwerer Anfall ist zwar ernst, aber mit richtiger Erster Hilfe und schneller Notfallmedizin oft gut beherrschbar.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 1. August 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.