Asthma in der Schwangerschaft und in der Stillzeit
Übersicht
Asthma ist eine chronische (lang andauernde) entzündliche Erkrankung der Atemwege. Bei Reizen wie Allergenen, Kälte oder Anstrengung schwellen die Atemwege an und verengen sich – das Atmen wird schwer. In der Schwangerschaft und Stillzeit ist eine gute Asthmakontrolle besonders wichtig, damit Mutter und Kind ausreichend mit Sauerstoff versorgt sind.
Wichtige Fakten
- Gut eingestelltes Asthma steht einer gesunden Schwangerschaft in der Regel nicht im Weg.
- Schwangerschaftshormone können das Asthma verändern – manchmal wird es besser, manchmal schlechter, oft bleibt es gleich.
- Inhalierte Asthmamedikamente wirken direkt in der Lunge und gelten in Schwangerschaft und Stillzeit bei korrekter Anwendung als gut verträglich. Jede Änderung der Behandlung gehört jedoch in ärztliche Hände.
Ja. Asthma gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen bei Frauen im gebärfähigen Alter. Etwa drei bis acht von 100 Schwangeren sind betroffen.
Betroffen sind vor allem Frauen, die bereits Asthma haben – auch wenn es lange keine Beschwerden verursacht hat. Manche Frauen entwickeln in der Schwangerschaft erstmals Asthma-ähnliche Beschwerden. Auch in der Stillzeit kann sich das Asthma bemerkbar machen.
Symptome
- Rufen Sie sofort den Notruf 112
- Starke Atemnot, die sich auch in Ruhe nicht bessert
- Sprechen ist nur noch in einzelnen Worten möglich
- Bläulich verfärbte Lippen oder Fingernägel
- Das Notfallspray bringt keine Linderung oder ist nicht vorhanden
- ⚠Asthmabeschwerden verschlechtern sich über mehrere Tage
- ⚠Das Bedarfsspray muss deutlich häufiger angewendet werden als gewohnt
- ⚠Fieber, grünlicher Auswurf oder stark zunehmender Husten
- ⚠In der Schwangerschaft: deutlich weniger Bewegungen des Babys
- ⚠Wenn Sie unsicher sind, rufen Sie noch am selben Tag Ihre Praxis an
Häufige Symptome
- Atemnot, besonders nachts, früh morgens oder bei Belastung
- Engegefühl in der Brust
- Pfeifendes oder brummendes Atemgeräusch
- Husten ohne erkennbaren Infekt, oft früh morgens
- Zunehmende Luftnot in der Schwangerschaft, die nicht nur bei Belastung auftritt
Symptome bei Kindern
- Husten beim Lachen, Spielen oder nachts
- Schnelle, hörbare Atmung
- Auffallende Müdigkeit oder verminderte Spielfreude
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Anhaltende Kurzatmigkeit im Alltag, etwa beim Treppensteigen
- Chronischer Husten mit zähem Schleim
- Schnelle Erschöpfung bei körperlicher Aktivität
Ursachen
Hauptursachen
- Asthma entsteht durch eine chronische Entzündung und Überempfindlichkeit der Atemwege. Die Abwehrreaktion des Körpers ist bei Reizen wie Allergenen, Luftverschmutzung oder Infekten übersteigert.
- In der Schwangerschaft verändern sich Hormone und Immunsystem – dadurch kann sich der Asthmaverlauf ändern.
- Der Druck der wachsenden Gebärmutter auf das Zwerchfell kann das Gefühl von Atemnot verstärken, auch wenn das Asthma selbst unverändert ist.
Risikofaktoren
- Allergische Erkrankungen in der Familie, etwa Heuschnupfen oder Neurodermitis
- Rauchen oder regelmäßige Passivrauchbelastung
- Vorbestehende Allergien, zum Beispiel gegen Hausstaubmilben oder Tierhaare
- Übergewicht
- Ungenügend eingestelltes Asthma vor der Schwangerschaft
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die Atemnot zunimmt oder das Bedarfsspray häufiger gebraucht wird als üblich
- Bei Fieber, anhaltendem Husten oder grünlichem Auswurf
- Wenn die Kindsbewegungen in der Schwangerschaft spürbar nachlassen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Vor einer geplanten Schwangerschaft: Lassen Sie Ihre Asthmabehandlung ärztlich überprüfen
- Früh in der Schwangerschaft – spätestens beim ersten Vorsorgetermin – sprechen Sie über Ihr Asthma
- Regelmäßige Kontrollen von Lungenfunktion und Medikamentenbedarf während der gesamten Schwangerschaft
- Nach der Geburt: erneute Besprechung der Behandlung, gegebenenfalls Anpassung
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt nach Ihren Beschwerden, Ihrer Krankengeschichte und möglichen Auslösern. Anschließend wird die Lungenfunktion gemessen. Diese Untersuchung ist auch in der Schwangerschaft sicher für Sie und Ihr Kind.
Mögliche Untersuchungen
- Spirometrie (Lungenfunktionstest): Sie atmen in ein Messgerät, das die Atemwege beurteilt
- Peak-Flow-Messung: ein kleines Gerät, mit dem Sie zu Hause selbst die Ausatmung messen können
- Allergietest, wenn eine allergische Ursache wahrscheinlich ist
- Messung des Sauerstoffgehalts im Blut bei stärkeren Beschwerden
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Diagnostik folgt den aktuellen Leitlinien – in Deutschland unter anderem der AWMF-Leitlinie zur Asthmatherapie. In der Schwangerschaft kommen die Kontrolluntersuchungen der Lungenfunktion zu den üblichen Vorsorgeterminen dazu. Sie erhalten klare Absprachen, was Sie bei Verschlechterung tun sollen und wen Sie ansprechen können.
Behandlung
Ziel der Behandlung ist ein weitgehend beschwerdefreier Alltag. Eine gut kontrollierte Asthmatherapie sorgt dafür, dass Ihr Baby ausreichend Sauerstoff erhält. Deshalb ist es in der Regel besser, eine bewährte Behandlung fortzuführen, als sie aus Sorge abzusetzen. Jede Umstellung – vor, während oder nach der Schwangerschaft – besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie Ihre verordnete Medikation regelmäßig, auch wenn Sie sich gerade beschwerdefrei fühlen
- Meiden Sie bekannte Auslöser: Tabakrauch, starke Duftstoffe, Hausstaubmilben oder Tierhaare
- Messen Sie Ihren Spitzenfluss regelmäßig, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es empfiehlt
- Handeln Sie bei Atemwegsinfekten frühzeitig und stimmen Sie sich mit der Praxis ab
Medizinische Behandlungen
Die Asthmatherapie läuft in den meisten Fällen über ein Inhalationsgerät: Eine tägliche Grundmedikation beruhigt die Entzündung in den Atemwegen, ein Bedarfsmedikament öffnet bei akuter Atemnot schnell die Atemwege. Diese Medikamente werden bei Schwangeren und Stillenden seit Jahrzehnten angewendet und gelten bei korrekter Anwendung als gut verträglich. Welche Wirkstoffe und Dosierungen für Sie infrage kommen, entscheidet allein die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt – lassen Sie sich hierzu individuell beraten.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Asthma in Schwangerschaft und Stillzeit in der Regel nicht erforderlich. Steht dennoch ein Eingriff an – etwa ein Kaiserschnitt –, wird die Asthmabehandlung vorab mit den behandelnden Fachleuten abgestimmt, damit keine Engpässe entstehen.
Leben mit der Erkrankung
Planen Sie eine Schwangerschaft möglichst in einer Phase, in der Ihr Asthma gut eingestellt ist. Besprechen Sie Ihre Medikamente bereits vorher. Während der Schwangerschaft gilt: gewohnte Behandlung fortsetzen, Auslöser meiden und auf Warnzeichen achten. Nach der Geburt können Sie stillen – Asthma spricht nicht dagegen. Im Gegenteil: Muttermilch stärkt die Abwehrkräfte Ihres Kindes.
Tipps für den Alltag
- Halten Sie Ihre Umgebung rauchfrei und bitten Sie auch Besuche, nicht im Haus zu rauchen
- Sorgen Sie für regelmäßige, moderate Bewegung – aber so, dass Sie dabei gut Luft bekommen
- Reduzieren Sie Stress, zum Beispiel mit langsamen Atemübungen, Spaziergängen oder Achtsamkeitsübungen
- Halten Sie Ihr Schlafzimmer staubarm und lüften Sie regelmäßig
- Besorgen Sie rechtzeitig Nachschub für Ihr Inhalationsgerät, damit Ihnen keine Medikamente ausgehen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten unterstützt Ihre Gesundheit und die Ihres Kindes. Sie ersetzt keine Asthmamedikamente. Moderate Bewegung an der frischen Luft – etwa zügiges Gehen oder Schwimmen – ist erlaubt und sinnvoll, solange Sie sich dabei wohlfühlen und Ihr Bedarfsspray griffbereit ist.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit sind eine Zeit großer Veränderungen. Manche Frauen machen sich Sorgen, ob Medikamente dem Kind schaden, oder haben Angst vor einem Asthmaanfall. Diese Gedanken sind verständlich, und es ist in Ordnung, darüber zu sprechen. Bei anhaltender Angst, Schlafstörungen oder gedrückter Stimmung wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihre Hebamme oder eine Beratungsstelle. In einer akuten seelischen Krise erreichen Sie rund um die Uhr die Telefonseelsorge.
Vorbeugung
Asthma selbst lässt sich nicht verhindern – Asthmaanfälle aber sehr wohl: durch eine konsequente Behandlung, das Meiden bekannter Auslöser und regelmäßige Kontrollen. Eine gute Asthmakontrolle vor der Schwangerschaft ist der beste Schutz für Sie und Ihr Baby.
Impfungen
Lassen Sie sich frühzeitig zu empfohlenen Schutzimpfungen beraten – zum Beispiel zu Grippe- und COVID-19-Schutzimpfung, die auch in der Schwangerschaft wichtig sein können. Impfungen schützen Sie vor schweren Infekten, die sonst einen Asthmaanfall auslösen könnten. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt berät Sie dazu.
Früherkennungsprogramme
Zur Schwangerschaftsvorsorge gehören regelmäßige Untersuchungen von Mutter und Kind. Bei Asthma wird zusätzlich auf Lungenfunktion, Atemwegskontrolle und das Wohlbefinden des Babys geachtet. Eine eigene zusätzliche Screening-Reihe allein wegen Asthma ist meist nicht nötig.
Komplikationen
Unbehandelt
- Schlecht kontrolliertes Asthma kann die Sauerstoffversorgung des ungeborenen Kindes vermindern
- Das Risiko für Frühgeburten oder ein niedriges Geburtsgewicht kann steigen
- Wiederholte starke Asthmaanfälle können zu Notfallsituationen führen, die Mutter und Kind belasten
Langzeitprognose
Die gute Nachricht ist: Bei guter Behandlung und regelmäßiger Kontrolle erleben die allermeisten Frauen mit Asthma eine gesunde Schwangerschaft, eine normale Geburt und ein unkompliziertes Stillen. Auch ein Kaiserschnitt ist nicht häufiger als bei Frauen ohne Asthma. Mit einer aufmerksamen Begleitung steht einer glücklichen gemeinsamen Zeit mit Ihrem Baby also in aller Regel nichts im Weg.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutscher Allergie- und Asthmabund (DAAB) ↗ · Deutschland
- Deutsche Atemwegsliga e.V. ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsempfehlungen unterscheiden sich nach Land und Region. Diese Seite ist allgemeine Aufklärung und entspricht möglicherweise nicht den Leitlinien, Arzneimitteln oder der Praxis an Ihrem Wohnort. Besprechen Sie Ihre Anliegen mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder einer anderen medizinischen Fachperson und folgen Sie lokalen Empfehlungen, soweit es sie gibt.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Keine Leitlinie nennt dieses Thema
Hier wird keine Gesundheitsleitlinie und kein klinisches Kapitel zitiert, das genau dieses Thema nennt. Diese Seite dient nur der allgemeinen Bildung und Information. Sie ist keine Diagnose, kein Behandlungsplan und kein persönlicher medizinischer Rat. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und folgen Sie deren Rat. Bei starken, plötzlichen oder beunruhigenden Beschwerden holen Sie zeitnah medizinische Hilfe, und rufen Sie im Notfall die örtliche Notrufnummer an. Ruqelo LLC ist nicht verantwortlich für medizinische oder rechtliche Folgen von Entscheidungen, die auf diesen Informationen beruhen.
Zuletzt aktualisiert: 14. August 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.
Guidance may differ by country or region. Confirm local recommendations with a qualified healthcare provider.