Asthma bei Kindern: Asthma-Schule und Alltag
Übersicht
Asthma ist eine chronische, also langfristige, entzündliche Erkrankung der Atemwege. Die Atemwege sind dadurch empfindlich und können sich bei bestimmten Auslösern verengen. Das führt zu Husten, pfeifender Atmung oder Atemnot. Asthma ist nicht heilbar, aber gut behandelbar. Die Asthma-Schule ist ein Schulungsprogramm für Kinder und ihre Eltern. Dort lernen alle, Asthma zu verstehen, richtig zu handeln und ein normales Leben zu führen.
Wichtige Fakten
- Asthma ist die häufigste chronische Erkrankung bei Kindern.
- Mit einer guten Behandlung können die meisten Kinder fast alles machen, was andere auch tun.
- Die Asthma-Schule hilft Kindern und Eltern, den Alltag sicher und entspannt zu bewältigen.
- Bei einem Asthmaanfall ist schnelles und ruhiges Handeln wichtig.
Ja. Asthma ist die häufigste chronische Atemwegserkrankung im Kindesalter. In Deutschland sind etwa 5 bis 10 Prozent der Kinder betroffen.
Asthma kann in jedem Alter beginnen, tritt aber oft schon im Kindergarten- oder Schulalter auf. Jungen sind etwas häufiger betroffen als Mädchen. Auch Erwachsene können Asthma bekommen.
Symptome
- Starke Atemnot, die nicht nachlässt oder sich schnell verschlimmert
- Bläuliche Verfärbung von Lippen oder Fingernägeln
- Das Kind kann kaum sprechen, ist apathisch oder sehr unruhig
- Die Atmung wird unregelmäßig oder setzt aus – sofort den Notruf 112 rufen
- ⚠Husten oder Atemnot nehmen trotz Notfallmedikament nicht ab
- ⚠Fieber oder Schmerzen in der Brust
- ⚠Das Kind ist schlapp, isst oder trinkt nicht ausreichend
- ⚠Das Bedarfsmedikament wirkt nicht so gut wie üblich oder wird sehr oft benötigt
Häufige Symptome
- Pfeifende oder brummende Atmung (Giemen)
- Husten, besonders nachts, beim Lachen oder bei körperlicher Anstrengung
- Engegefühl in der Brust
- Kurzatmigkeit oder Atemnot
Symptome bei Kindern
- Husten beim Spielen, Lachen oder Weinen
- Schnelle Erschöpfung bei körperlicher Aktivität
- Unruhe oder Trinkunlust bei Kleinkindern
- Husten oder Atemnot nachts und am frühen Morgen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Anhaltende Atemnot bei Belastung
- Chronischer Husten mit oder ohne Auswurf
- Engegefühl in der Brust
- Bemerken manchmal erst spät, dass die Beschwerden mit Asthma zusammenhängen
Ursachen
Hauptursachen
- Vererbte Neigung zu Allergien, auch Atopie genannt (zum Beispiel Heuschnupfen, Neurodermitis)
- Allergene wie Hausstaubmilben, Tierhaare oder Pollen
- Virusinfektionen der Atemwege, die eine Entzündungsreaktion auslösen
- Reizstoffe wie Tabakrauch, Abgase, Feinstaub oder starke Gerüche
Risikofaktoren
- Tabakrauch in der Familie
- Allergien in der Familie
- Übergewicht
- Frühere schwere Atemwegsinfektionen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei einem ersten schweren Asthmaanfall: sofort den Notruf 112 anrufen
- Wenn das Kind immer schneller oder schwerer atmet
- Wenn die Lippen oder Fingernägel bläulich werden
- Wenn das Kind nicht mehr trinkt oder sehr schlaff wirkt
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei neu auftretendem Husten, pfeifender Atmung oder häufiger Atemnot: einen Termin in der Kinderarztpraxis machen
- Nach einem Asthmaanfall zur Kontrolle vorstellig werden
- Einmal im Jahr zur regelmäßigen Asthma-Kontrolle, auch wenn es dem Kind gut geht
- Wenn der schriftliche Asthma-Notfallplan überprüft oder aktualisiert werden soll
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt stellt die Diagnose mit einem ausführlichen Gespräch, einer körperlichen Untersuchung und einem Lungenfunktionstest. Dabei wird auch gefragt, wann die Beschwerden auftreten und ob es Allergien in der Familie gibt.
Mögliche Untersuchungen
- Lungenfunktion (Spirometrie): Das Kind pustet dabei mit Kraft in ein Messgerät. Der Test ist schmerzfrei.
- Allergietest: Zum Beispiel als Hauttest (Prick-Test) oder Bluttest – hilft zu erkennen, ob Allergien Asthma auslösen.
- Peak-Flow-Messung: Ein kleines Gerät zu Hause zeigt, wie fest das Kind ausatmen kann. Das hilft bei der Kontrolle.
- Symptomtagebuch: Ärztin oder Arzt können bitten, Husten, Atemnot und Medikamentengebrauch einige Wochen zu notieren.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist unkompliziert. Das Kind muss ein wenig warten und dann in einer ruhigen Atmosphäre pusten. Möglicherweise wird ein inhalatives Medikament gegeben, um zu sehen, wie sich die Lunge danach verhält.
Behandlung
Die Behandlung von Asthma bei Kindern ruht auf drei Säulen: Auslöser möglichst meiden, Medikamente zur Behandlung der Entzündung und der Atemwegverengung einsetzen und die Asthma-Schule nutzen. In der Asthma-Schule lernen Kinder und Eltern aber auch, die richtige Inhalationstechnik, das Erkennen von Warnzeichen und den Umgang mit einem Notfall.
Selbsthilfe zu Hause
- Das Kind niemals Tabakrauch aussetzen – nicht rauchen in Wohnung oder Auto.
- Im Schlafzimmer staubfangende Materialien reduzieren, zum Beispiel offene Regale oder schwere Vorhänge.
- Bei einer Pollenallergie helfen das Lüften am Morgen und das Waschen der Haare abends.
- Starke Duftstoffe, Dampf oder Abgase meiden, wenn sie das Asthma verschlechtern.
- Für einen ruhigen, gut gelüfteten Schlafplatz sorgen – nächtlicher Husten ist für viele Kinder und Eltern belastend.
Medizinische Behandlungen
Die medikamentöse Therapie richtet sich nach dem Schweregrad des Asthmas. Es gibt entzündungshemmende Medikamente, die die Atemwege langfristig beruhigen – man nennt sie auch Dauermedikation. Daneben gibt es Bedarfsmedikamente, die bei einem Anfall schnell die verengten Atemwege erweitern. Beide werden meist inhaliert. Die Asthma-Schule zeigt den Kindern und Eltern ganz genau, wie man das Gerät richtig bedient, wie viel Sie ruhig atmen müssen und wann das Medikament angewendet wird. Eine gute Behandlung folgt den Empfehlungen der aktuellen Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Asthma in der Regel nicht nötig. Nur bei bestimmten, sehr seltenen Begleiterkrankungen kann ein Eingriff erforderlich sein. Das bespricht Ihr Behandlungsteam dann ausführlich mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Ein Kind mit Asthma kann in Kindergarten, Schule und Freizeit fast alles mitmachen. Wichtig sind eine gute Behandlung, ein schriftlicher Notfallplan und ein entspanter Umgang. Die Asthma-Schule ist hier besonders wertvoll: Sie macht Eltern und Kinder fit für den Alltag und hilft, Ängste abzubauen.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Kontrolltermine wahrnehmen, auch wenn es dem Kind gut geht.
- Die Inhalationstechnik in der Praxis oder Asthma-Schule regelmäßig überprüfen lassen.
- Im Kindergarten und in der Schule die Erzieherinnen, Erzieher und Lehrkräfte über das Asthma informieren und den Notfallplan teilen.
- Auf stark duftende Reinigungsprodukte oder Luftverbesserer in Innenräumen verzichten.
- Das Kind zu Sport und Bewegung ermutigen – gut eingestelltes Asthma ist in den meisten Fällen kein Hinderungsgrund.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten ist gesund, kann Asthma aber nicht heilen. Körperliche Aktivität stärkt die Lunge und die Muskulatur. Sportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Wandern sind oft gut geeignet. Wenn Sport trotz Behandlung Symptome auslöst, sprechen Sie mit dem Behandlungsteam – oft lässt sich die Therapie anpassen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Asthma kann Ängste auslösen – beim Kind und bei den Eltern. Das ist völlig verständlich. Ein offenes Gespräch, Ruhe bei Anfällen und eine gute Schulung nehmen viele Sorgen. Wenn Sie merken, dass Ihr Kind ängstlich, traurig oder zurückgezogen ist, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. In einer seelischen Krise können Sie jederzeit den Notruf 112 anrufen oder die nächste psychiatrische Notaufnahme aufsuchen.
Vorbeugung
Asthma lässt sich nicht immer verhindern. Aber das Risiko für schwere Anfälle kann deutlich gesenkt werden: durch rauchfreie Umgebung, Meiden bekannter Allergene, gute Behandlung und eine Asthma-Schulung.
Impfungen
Lassen Sie sich in Ihrer Haus- oder Kinderarztpraxis zu sinnvollen Impfungen beraten. Für Kinder mit Asthma wird häufig eine Grippeimpfung (Influenza) empfohlen, weil Infekte Anfälle auslösen können.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine generelle Vorsorgeuntersuchung speziell für Asthma. Bei den Kinderfrüherkennungsuntersuchungen (U-Untersuchungen) werden jedoch auch Hinweise auf Allergien und Atemwegserkrankungen erfasst. Wenn in der Familie Allergien oder Asthma vorkommen, ist eine frühe Abklärung besonders sinnvoll.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wiederkehrende, schwere Asthmaanfälle mit Atemnot
- Schlechter Schlaf durch nächtlichen Husten
- Einschränkungen bei Sport, Spiel und sozialen Aktivitäten
- Langfristig mögliche Verschlechterung der Lungenfunktion
Langzeitprognose
Mit einer guten Behandlung, der Asthma-Schule und einer verständnisvollen Betreuung können die meisten Kinder ein ganz normales, aktives Leben führen. Manche Kinder werden im Laufe der Zeit beschwerdefrei, andere brauchen weiterhin Medikamente – wichtig ist, dass das Asthma gut im Griff bleibt und die Familien sich dabei unterstützt fühlen.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Quellen und Leitlinien
Zu den für diesen Artikel verwendeten Quellen gehören die unten aufgeführten Referenzen.
Zuletzt aktualisiert: 20. Oktober 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.
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