Autoimmunität: Wenn das Immunsystem den eigenen Körper angreift
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Autoimmunität bedeutet, dass das Immunsystem – der Schutzschild des Körpers – fälschlicherweise entzündungsmäßig gegen den eigenen Körper vorgeht. Das kann Organe und Gewebe schädigen und zu den verschiedensten Beschwerden führen.
Wichtige Fakten
- Immer mehr Menschen haben Hinweise auf Autoimmunität.
- Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer.
- Je früher ein Problem erkannt wird, desto besser kann man behandeln.
Autoimmunerkrankungen sind keine Seltenheit. In Deutschland sind Millionen Menschen betroffen.
Grundsätzlich kann jeder einen Autoimmunprozess entwickeln. Häufiger betroffen sind Frauen, Menschen mit familiärer Vorbelastung und oft jüngere Erwachsene.
Symptome
- Plötzliche Atemnot oder Schwellungen im Gesicht und Hals – rufen Sie sofort die 112.
- Starke Schmerzen im Brustkorb
- Lähmungserscheinungen oder plötzliche Sprachstörungen
- ⚠Hohes Fieber über 39 °C
- ⚠Ungewöhnlich starke Blutungen oder blaue Flecken
- ⚠Sehr starke Schmerzen, die nicht nachlassen
Häufige Symptome
- Müdigkeit und Erschöpfung
- Gelenkschmerzen oder geschwollene Gelenke
- Hautausschlag oder Hautveränderungen
- Wiederkehrendes Fieber ohne Erkältung
Symptome bei Kindern
- Wachstumsverzögerung
- Unklare Bauchschmerzen
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Neu auftretende Muskelschwäche
- Konzentrationsstörungen
- Länger anhaltende Gelenksteifigkeit
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist nicht geklärt.
- Vermutlich spielen erbliche Veranlagung und Umweltfaktoren zusammen.
- Manchmal lösen Infekte oder starker Stress eine solche Reaktion aus.
Risikofaktoren
- Weibliches Geschlecht
- Rauchen
- Autoimmunerkrankungen in der Familie
- Bestimmte Infektionen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich starke Beschwerden bekommen.
- Wenn Sie mehrere Tage über 38 °C Fieber haben.
- Wenn Ihre Beschwerden den Alltag deutlich beeinträchtigen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie seit Wochen müde und abgeschlagen sind.
- Wenn ein Hautausschlag nicht verschwindet.
- Wenn Gelenkschmerzen ohne erkennbaren Grund auftreten.
Diagnose
Ärztinnen und Ärzte fragen nach Ihren Beschwerden, untersuchen Sie und veranlassen gezielte Blutuntersuchungen. Dabei sucht man nach Antikörpern, die das eigene Gewebe angreifen, und nach Entzündungszeichen.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest auf Autoantikörper
- Entzündungswerte im Blut
- Bei Bedarf bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Röntgen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Manchmal braucht es mehrere Untersuchungen, bis eine Diagnose feststeht. Sie können zur Fachärztin oder zum Facharzt überwiesen werden, zum Beispiel in eine rheumatologische oder immunologische Praxis. Die ärztliche Behandlung orientiert sich an wissenschaftlichen Leitlinien, etwa der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften).
Behandlung
Die Behandlung hängt von der Art und der Schwere der Autoimmunerkrankung ab. Das Ziel ist, die überschießende Immunreaktion zu dämpfen und Entzündungen zu stoppen.
Selbsthilfe zu Hause
- Stress abbauen und Achtsamkeit üben
- Ausreichend Schlaf
- Sanfte Bewegung wie Spazierengehen oder leichtes Yoga
- Auf das Rauchen verzichten
Medizinische Behandlungen
Es gibt Medikamente, die das Immunsystem beruhigen oder Entzündungen hemmen. Dazu gehören entzündungshemmende Mittel und sogenannte Immunmodulatoren, die die Immunantwort kontrollieren. Welche Behandlung für Sie passend ist, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Operative Eingriffe sind nur selten nötig – zum Beispiel, wenn eine Entzündung ein Organ stark schädigt. Das ist die Ausnahme.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer Autoimmunerkrankung zu leben bedeutet, auf die Signale des Körpers zu hören. Lernen Sie, Ihre eigenen Grenzen anzuerkennen und rechtzeitig Pausen zu machen.
Tipps für den Alltag
- Feste Schlafzeiten einhalten
- Kleine Erholungspausen in den Alltag einbauen
- Sich mit anderen austauschen, die ähnliche Erfahrungen haben
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und gesunden Fetten kann entzündungshemmend wirken. Bewegung ist sinnvoll, aber dosieren Sie sie nach Ihrem Tagesgefühl – hören Sie auf Ihren Körper.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Autoimmunerkrankung kann Ängste und Unsicherheit auslösen. Das ist ganz normal. Es ist wichtig, sich auch seelische Unterstützung zu suchen, zum Beispiel in einer Selbsthilfegruppe oder bei einer psychologischen Beratungsstelle.
Vorbeugung
Der Ausbruch einer Autoimmunerkrankung lässt sich nicht sicher verhindern. Ein gesunder Lebensstil – nicht rauchen, ausgewogene Ernährung, Bewegung und gutes Stressmanagement – kann das Risiko aber möglicherweise senken.
Impfungen
Schutzimpfungen sind wichtig. Sie können mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen, welche Impfungen für Sie persönlich empfohlen werden.
Früherkennungsprogramme
Wenn in der Familie Autoimmunerkrankungen vorkommen, kann eine regelmäßige Kontrolle in der Hausarztpraxis sinnvoll sein. Ein allgemeines Screening ist jedoch nicht üblich.
Komplikationen
Unbehandelt
- Anhaltende Entzündungen können Organe wie Nieren, Herz oder Nerven dauerhaft schädigen.
- Gelenke können sich mit der Zeit verändern und in ihrer Funktion eingeschränkt werden.
Langzeitprognose
Die medizinische Forschung hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Gut begleitet und behandelt können die meisten Menschen trotz der Erkrankung ein erfülltes und aktives Leben führen.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 2. August 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.