Autosomal-rezessive polyzystische Nierenerkrankung (ARPKD)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
ARPKD ist eine seltene Erbkrankheit, bei der sich in beiden Nieren viele kleine, mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen (Zysten) bilden. Dadurch vergrößern sich die Nieren und verlieren im Laufe der Zeit ihre Fähigkeit, das Blut zu filtern. Auch die Leber kann betroffen sein.
Wichtige Fakten
- Die Krankheit wird von beiden Elternteilen vererbt – das Kind erhält jeweils ein verändertes Gen von Mutter und Vater.
- Die Zysten in den Nieren können schon vor der Geburt entstehen und werden oft per Ultraschall entdeckt.
- Es gibt keine Heilung, aber eine gute Behandlung kann das Fortschreiten verlangsamen und die Lebensqualität verbessern.
- Betroffene benötigen lebenslang eine ärztliche Begleitung, meist in spezialisierten Zentren.
Nein, ARPKD ist selten. Etwa 1 von 20.000 Kindern kommt mit dieser Erkrankung zur Welt.
ARPKD kann bereits im Mutterleib, bei Babys oder Kleinkindern auffallen. Manche Menschen bekommen aber erst im Erwachsenenalter Beschwerden. Jungen und Mädchen sind gleich häufig betroffen.
Symptome
- Starke Atemnot
- Krampfanfall
- Plötzlich kein Urin mehr über viele Stunden
- Sehr starker, anhaltender Bauchschmerz
- ⚠Fieber mit Flankenschmerzen
- ⚠Sichtbares Blut im Urin
- ⚠Plötzliche starke Gewichtszunahme oder geschwollene Beine
- ⚠Verwirrtheit oder ungewöhnliche Benommenheit
Häufige Symptome
- Hoher Blutdruck
- Bauchschmerzen oder ein aufgeblähter Bauch
- Harnwegsinfektionen
- Vermehrter Durst und häufiges Wasserlassen
- Blut im Urin
- Nächtliches Einnässen bei Kindern, die schon trocken waren
Symptome bei Kindern
- Schon bei Neugeborenen stark vergrößerte Nieren, die im Bauch tastbar sind
- Atemprobleme, weil die großen Nieren auf die Lunge drücken
- Trinkschwäche, Erbrechen und schlechtes Gedeihen
- Auffällig hoher Blutdruck
- Später auch Wachstumsstörungen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Nachlassende Nierenfunktion – erkennbar an Müdigkeit, Juckreiz, Übelkeit
- Wiederkehrende Harnwegsinfektionen
- Bauchschmerzen durch Zysten oder Leberveränderungen
- Bluthochdruck, der schwer einzustellen ist
Ursachen
Hauptursachen
- ARPKD wird durch eine Veränderung (Mutation) im sogenannten PKHD1-Gen verursacht.
- Damit ein Kind erkrankt, müssen beide Elternteile ein verändertes Gen weitergeben. Die Eltern selbst sind in der Regel gesund (sie sind Überträger).
Risikofaktoren
- Eine ARPKD-Erkrankung in der Familie
- Verwandtschaft der Eltern (zum Beispiel Cousin und Cousine), da dann die Wahrscheinlichkeit für rezessive Erbkrankheiten erhöht ist
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Sie oder Ihr Kind haben Fieber und Schmerzen im Rücken oder Bauch.
- Der Urin ist sichtbar blutig oder das Wasserlassen brennt.
- Die Nierenfunktion verschlechtert sich plötzlich – zum Beispiel bei Übelkeit, Erbrechen und Abgeschlagenheit.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Regelmäßige Kontrollen beim Kinderarzt, Hausarzt oder in der Nierenambulanz sind wichtig – auch wenn keine Beschwerden bestehen.
- Bei bekanntem Bluthochdruck: Kontrolle des Blutdrucks gemäß ärztlicher Empfehlung.
- Vor einer Familienplanung bei belasteter Familiengeschichte eine humangenetische Beratung suchen.
Diagnose
Die Diagnose wird oft schon im Mutterleib per Ultraschall vermutet, wenn die Nieren des Fötus vergrößert und hell erscheinen. Nach der Geburt bestätigen weitere Untersuchungen die Diagnose.
Mögliche Untersuchungen
- Ultraschall der Nieren und der Leber
- Blut- und Urinuntersuchungen zur Prüfung der Nierenfunktion
- Genetischer Test auf Veränderungen im PKHD1-Gen
- Manchmal eine Leberbiopsie – dabei wird eine kleine Gewebeprobe aus der Leber entnommen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen finden in der Regel in einer Kinderklinik oder einem Nierenzentrum statt. Sie dauern meist nur wenige Stunden. Anschließend bespricht das medizinische Team die Ergebnisse ausführlich mit Ihnen. Bei Kindern wird die Diagnose fast immer von einem Kinderarzt für Nierenkrankheiten gestellt.
Behandlung
Eine Heilung gibt es bisher nicht. Die Behandlung zielt darauf ab, die Nierenfunktion zu erhalten, den Blutdruck zu senken, Komplikationen zu vermeiden und Beschwerden zu lindern. Dazu gehört ein gut abgestimmtes Behandlungsteam aus Nierenärzten, Kinderärzten, Radiologen und Ernährungsberatern.
Selbsthilfe zu Hause
- Blutdruck regelmäßig messen und gut einstellen – das ist einer der wichtigsten Schritte.
- Viel trinken, wenn die Nierenfunktion es erlaubt – klare Absprache mit dem Arzt treffen.
- Auf Rauchen verzichten und Alkohol nur in Maßen.
- Bei Fieber oder Anzeichen einer Harnwegsinfektion frühzeitig ärztlichen Rat holen.
- Impfungen nach Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) wahrnehmen.
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung umfasst unter anderem Medikamente zur Blutdrucksenkung, Mittel gegen Schmerzen und Antibiotika bei Harnwegsinfektionen. Der ärztlich verordnete Behandlungsplan kann auch Medikamente enthalten, die das Fortschreiten der Nierenschwäche verlangsamen. Wenn die Nieren ihre Arbeit nicht mehr leisten können, sind Dialyse oder eine Nierentransplantation notwendig. Auch eine Leberbeteiligung wird medikamentös und in schweren Fällen chirurgisch behandelt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nicht die erste Behandlungsoption. Sie kann nötig werden, wenn sehr große Zysten Schmerzen verursachen oder die Nieren versagen – dann ist eine Nierentransplantation die beste Lösung. Auch bei schweren Leberveränderungen kann in Einzelfällen eine Lebertransplantation nötig sein. Diese Entscheidungen trifft ein spezialisiertes Ärzteteam immer gemeinsam mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Mit ARPKD lassen sich viele normale Aktivitäten im Alltag gut bewältigen. Wichtig sind regelmäßige ärztliche Kontrollen, eine gute Blutdruckeinstellung und ein achtsamer Umgang mit dem eigenen Körper. Bei Kindern steht die Unterstützung von Eltern und Schulen im Vordergrund, damit das Kind altersgerecht aufwachsen kann.
Tipps für den Alltag
- Ausreichend Schlaf und Stressvermeidung
- Körperliche Aktivität, die Spaß macht – zum Beispiel Schwimmen, Radfahren oder Spazierengehen
- Keine schweren körperlichen Überlastungen ohne ärztliche Rücksprache
- Bei Fieber oder Infekten frühzeitig den Arzt informieren
Ernährung und Bewegung
Die Ernährung richtet sich nach dem Stadium der Nierenerkrankung. Im Anfang ist meist keine besondere Diät nötig. Bei fortgeschrittener Nierenschwäche kann eine Ernährungsberatung helfen: Dann sind oft eine Begrenzung von Salz, Eiweiß und bestimmten Mineralstoffen sinnvoll. Regelmäßige Bewegung hält den Blutdruck niedrig und tut der Psyche gut.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine chronische Erkrankung wie ARPKD kann Ängste, Traurigkeit und Überforderung auslösen – bei Betroffenen und bei Angehörigen. Es ist völlig normal, sich manchmal verzweifelt zu fühlen. Ein offenes Gespräch mit dem Arzt oder eine psychologische Unterstützung können sehr helfen. Für Kinder kann eine altersgerechte psychologische Begleitung das Selbstvertrauen stärken.
Vorbeugung
ARPKD kann nicht verhindert werden, weil sie angeboren ist. Wenn in der Familie ein Fall bekannt ist, kann eine humangenetische Beratung vor einer Schwangerschaft helfen, das Risiko zu verstehen. In der Schwangerschaft können Ultraschalluntersuchungen Hinweise geben – eine vorgeburtliche Diagnostik ist in speziellen Zentren möglich.
Impfungen
Für Menschen mit Nierenerkrankung sind Impfungen besonders wichtig, weil Infektionen die Nieren belasten können. Lassen Sie sich am besten von Ihrem Arzt nach dem aktuellen Impfkalender der Ständigen Impfkommission (STIKO) beraten.
Früherkennungsprogramme
Wenn bei einem Kind ARPKD festgestellt wird, sollten auch Geschwister kinderärztlich untersucht werden – auch wenn sie keine Symptome zeigen. Eine spezielle Vorsorgeuntersuchung für Erwachsene gibt es nicht; bei familiärer Vorbelastung kann eine genetische Beratung sinnvoll sein.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ohne Behandlung führt ARPKD meist zu fortschreitender Nierenschwäche bis hin zum Nierenversagen.
- Schwer einstellbarer Bluthochdruck kann Herz, Gefäße und Augen schädigen.
- Wiederkehrende Harnwegsinfektionen können die Nieren weiter schädigen.
- Die Leberbeteiligung kann zu Bindegewebsvermehrung (Leberfibrose) führen und den Pfortaderkreislauf stören.
Langzeitprognose
Die Prognose hat sich dank besserer Behandlungen deutlich verbessert. Viele Kinder erreichen das Erwachsenenalter mit einer stabilen Nierenfunktion, wenn sie früh und konsequent behandelt werden. Ist eine Nierentransplantation nötig, ist die Chance auf ein weitgehend normales Leben gut. Eine offene, zuversichtliche Haltung und eine gute medizinische Begleitung machen einen großen Unterschied.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 14. August 2026
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