Fledermäuse und Tollwut: So schützen Sie sich
Übersicht
Tollwut ist eine schwere Virusinfektion, die das Gehirn befällt. Sie wird durch den Speichel infizierter Tiere übertragen, meist durch Bisse. In Deutschland können Fledermäuse bestimmte Tollwutviren tragen. Die Krankheit verläuft fast immer tödlich, sobald Symptome auftreten – lässt sich aber durch schnelles Handeln nach einem Kontakt zuverlässig verhindern.
Wichtige Fakten
- Nach einem Fledermaus-Kontakt ist eine ärztliche Behandlung noch am selben Tag sehr wichtig.
- Eine gründliche Wundreinigung mit Seife und Wasser senkt das Infektionsrisiko.
- Weltweit ist Tollwut nach Symptombeginn fast immer tödlich, aber nach einer möglichen Ansteckung schützt eine Impfung zuverlässig.
Tollwut bei Menschen ist in Deutschland extrem selten. Bei Fledermäusen kommt sie jedoch gelegentlich vor. Gefährlich ist vor allem, dass Fledermausbisse klein sind und oft unbemerkt bleiben.
Alle Menschen, die engen Kontakt zu Fledermäusen haben – zum Beispiel beim Aufheben vermeintlich verletzter Tiere, in Gebieten mit vielen Fledermäusen oder beim Entfernen von Fledermäusen aus Wohnräumen. Auch Menschen, die beruflich mit Tieren zu tun haben, sind eher betroffen.
Symptome
- Schluckbeschwerden, Atemnot, Verwirrtheit, Halluzinationen, Lähmungen oder Krampfanfälle – sofort den Notruf 112 anrufen.
- ⚠Biss oder Kratzer durch eine Fledermaus, auch wenn die Wunde sehr klein ist
- ⚠Enge Berührung mit einer Fledermaus, zum Beispiel direkter Hautkontakt oder Aufheben des Tieres
- ⚠Eine Fledermaus im Zimmer und am nächsten Morgen nicht sicher, ob ein Biss erfolgt sein könnte
Häufige Symptome
- Fieber, Kopfschmerzen und allgemeines Krankheitsgefühl
- Kribbeln oder Schmerzen an der Bissstelle
- Im weiteren Verlauf: Verwirrtheit, Unruhe, Angst, Schluckbeschwerden, vermehrter Speichelfluss und Lähmungen
Ursachen
Hauptursachen
- Tollwutviren werden über den Speichel eines infizierten Tieres übertragen, am häufigsten durch Bisse.
- Auch Kratzer können ansteckend sein, wenn Speichel in die Wunde gelangt.
- Fledermäuse in Deutschland können das Europäische Fledermaustollwutvirus tragen, ohne äußerlich krank zu wirken.
Risikofaktoren
- Fledermäuse mit bloßen Händen anfassen
- Aufsetzen einer Fledermaus in bewohnten Räumen
- Schlafen, während sich eine Fledermaus im Zimmer befindet
- Beruflicher oder privater Kontakt zu Fledermäusen (z. B. Naturschutz, Höhlenbegehung)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Nach jedem Biss oder Kratzer durch eine Fledermaus noch am selben Tag zum Arzt
- Bei direktem Hautkontakt mit einer Fledermaus, auch ohne sichtbare Verletzung
- Wenn eine Fledermaus im Raum war und ein unbemerkter Biss nicht ausgeschlossen werden kann
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Vor Reisen in Länder mit erhöhtem Tollwutrisiko über eine vorbeugende Impfung sprechen
- Wenn Sie Fragen zu Ihrem Tollwut-Impfstatus haben oder beruflich gefährdet sind
Diagnose
Der Arzt beurteilt die Situation: die Art des Kontakts, die Wunde und Ihren Impfstatus. Eine Diagnose einer Tollwut-Infektion vor dem Auftreten von Symptomen ist nicht möglich. Es wird dann entschieden, ob eine Schutzimpfung nach dem Kontakt nötig ist. Ihr Arzt orientiert sich dabei an der aktuellen AWMF-Leitlinie zu Tollwut.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung der Wunde
- Befragung zum Kontakt mit der Fledermaus
- Untersuchung des Tieres, wenn es geborgen werden kann
- Blut-, Speichel- oder Nervenwasseruntersuchung nur bei bestehenden Symptomen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arzt wird Sie gründlich beraten. Wenn eine Impfung empfohlen wird, erhalten Sie mehrere Impfungen nach einem bestimmten Zeitplan. Die erste Impfung sollte so früh wie möglich erfolgen.
Behandlung
Nach einer möglichen Tollwut-Infektion ist die sogenannte Postexpositions-Prophylaxe die wichtigste Maßnahme. Sie besteht aus sofortiger Wundreinigung und einer Reihe von Impfungen. Diese Behandlung verhindert den Ausbruch der Krankheit zuverlässig, wenn sie rechtzeitig begonnen wird. Die genaue Vorgehensweise folgt der aktuellen AWMF-Leitlinie.
Selbsthilfe zu Hause
- Eine Fledermausbisswunde sofort mindestens 15 Minuten mit Seife und Wasser spülen
- Danach mit einem desinfizierenden Mittel behandeln, falls vorhanden
- Keine Wundversorgung zu Hause mit Pflaster abdecken, sondern zum Arzt gehen
Medizinische Behandlungen
Die medizinische Versorgung umfasst die fachgerechte Wundversorgung durch den Arzt, in bestimmten Fällen zusätzlich zu Impfungen auch die Bereitstellung von Antikörpern (Rabies-Immunglobulin). Welche Maßnahmen genau nötig sind, entscheidet der Arzt anhand der Umstände.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Tollwut nicht erforderlich.
Leben mit der Erkrankung
Wenn Sie nach einem möglichen Kontakt eine Tollwut-Impfung erhalten haben, können Sie Ihren Alltag normal fortsetzen. Halten Sie die Termine zur kompletten Impfserie unbedingt ein. Bei unklaren Fragen hilft Ihr Arzt.
Tipps für den Alltag
- Wildtiere nicht anfassen oder füttern
- Fledermäuse in Innenräumen fachgerecht entfernen lassen
- Bei Hundebissen im Ausland ebenfalls sofort ärztliche Hilfe suchen
Ernährung und Bewegung
Besondere Ernährungs- oder Sportregeln gibt es während einer Tollwut-Impfserie nicht. Eine ausgewogene Ernährung und normale Bewegung sind gut für den Körper.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Angst vor Tollwut kann belastend sein. Es hilft, mit einem Arzt oder einer vertrauten Person über die Sorgen zu sprechen. Eine ärztliche Aufklärung über das tatsächliche Risiko nimmt oft unnötige Ängste.
Vorbeugung
Ja. Am wichtigsten ist, den direkten Kontakt mit Fledermäusen zu vermeiden. Falls doch ein Kontakt stattfindet, beugt eine sofortige ärztliche Behandlung der Krankheit vor.
Impfungen
Für Menschen mit erhöhtem Risiko (z. B. Tierärzte, Naturschützer, Labormitarbeiter) gibt es eine vorbeugende Impfung. Nach einem möglichen Kontakt erhalten Betroffene eine Postexpositions-Impfung. Welche Impfung für Sie sinnvoll ist, klären Sie mit Ihrem Arzt.
Früherkennungsprogramme
Ein allgemeines Screening auf Tollwut gibt es nicht. Es kommt auf die konkrete Kontaktsituation an.
Komplikationen
Langzeitprognose
Sehen Sie den Kontakt mit einer Fledermaus als Hinweis zum Handeln – nicht als Panikgrund. Mit einer sofortigen Wundreinigung und einer Schutzimpfung ist Tollwut fast immer sicher verhütbar.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- Robert Koch-Institut (RKI) ↗ · Deutschland
- Ihr örtliches Gesundheitsamt · Deutschland
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Quellen und Leitlinien
Zu den für diesen Artikel verwendeten Quellen gehören die unten aufgeführten Referenzen.
Zuletzt aktualisiert: 20. Oktober 2026
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