Bizepssehnenriss
Übersicht
Ein Bizepssehnenriss bedeutet, dass eine Sehne des Bizepsmuskels (der große Muskel an der Vorderseite des Oberarms) ganz oder teilweise einreißt. Der Bizeps hat zwei Sehnen oben an der Schulter und eine Sehne unten am Ellenbogen. Reißt eine Sehne, kann der Muskel seine Kraft nicht mehr richtig auf den Knochen übertragen. Häufig hört man dabei ein hörbares Schnappen und spürt einen plötzlichen Schmerz.
Wichtige Fakten
- Am häufigsten reißt die lange Bizepssehne oben an der Schulter. Der Riss am Ellenbogen (distale Bizepssehne) ist seltener, hat aber stärkere Folgen für die Kraft.
- Typische Zeichen sind ein plötzliches Schnappen, Schwellung, ein Bluterguss und eine sichtbare Beule am Oberarm, wenn sich der Muskel zusammenzieht.
- Viele Risse an der Schulter heilen mit Physiotherapie gut aus. Ein Riss am Ellenbogen wird bei körperlich aktiven Menschen häufiger operiert.
Der Riss der langen Bizepssehne an der Schulter ist ziemlich verbreitet, vor allem im höheren Lebensalter. Der Riss der Sehne am Ellenbogen kommt deutlich seltener vor. Vollständige und unvollständige Risse werden gleichermaßen beobachtet.
Am häufigsten betroffen sind Männer zwischen etwa 40 und 60 Jahren. Oft sind es Menschen, die körperlich arbeiten oder Sport mit schwerem Heben und Reißen machen. Frauen sind seltener betroffen, können aber genauso einen Riss erleiden – zum Beispiel nach einem Sturz oder bei rheumatischen Erkrankungen.
Symptome
- Schwerer Unfall oder Sturz mit sichtbarer Fehlstellung des Armes
- Offene Wunde am Arm mit freiliegendem Gewebe oder starker Blutung
- Sehr starker, unerträglicher Schmerz im Unterarm oder in der Hand, der nicht nachlässt
- Taubes Gefühl, blasse oder kalte Hand, die nicht mehr richtig bewegt werden kann
- Schwellung, die innerhalb von Minuten stark zunimmt, oder zunehmende Bewusstlosigkeit nach einem Unfall
- ⚠Plötzliches Schnappen mit anschließender Kraftlosigkeit im Arm
- ⚠Deutliche Schwellung und Bluterguss nach einer Verletzung
- ⚠Ellbogen oder Schulter kann nicht mehr schmerzfrei bewegt werden
- ⚠Der Arm lässt sich nicht mehr wie gewohnt beugen oder drehen
Häufige Symptome
- Plötzliches, hörbares oder spürbares Schnappen im Oberarm oder an der Schulter
- Stechender Schmerz im Moment des Risses, danach oft dumpfer werdender Schmerz
- Schwellung und ein bläulicher Bluterguss, der einige Tage später deutlicher wird
- Eine sichtbare Beule am Oberarm, wenn der Muskel sich zusammenzieht (manchmal „Popeye-Zeichen“ genannt)
- Kraftverlust beim Beugen des Ellbogens oder beim Drehen des Unterarms nach außen
- Schwäche beim Tragen, Heben oder beim Greifen mit nach oben gedrehter Handfläche
- Druckschmerz über der betroffenen Sehne
Symptome bei Kindern
- Ein Bizepssehnenriss ist bei Kindern sehr selten. Meist steckt dann ein Unfall oder eine Sportverletzung dahinter.
- Bei Kindern und Jugendlichen sind Verletzungen der Wachstumsfugen und knöcherne Abrisse häufiger als ein reiner Sehnenriss – das sollte ärztlich abgeklärt werden.
- Ein Kind, das nach einem Sturz den Arm nicht mehr benutzt, stark schreit oder eine Schwellung am Arm zeigt, sollte zeitnah untersucht werden.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen reißt die Sehne oft ohne großen Unfall, weil sie durch jahrelange Belastung abgenutzt ist.
- Die Schmerzen sind häufig milder als bei jüngeren Menschen, dafür steht die Schwäche im Vordergrund.
- Eine vorbestehende Schultersteife oder eine andere Schultererkrankung kann die Beschwerden überdecken.
- Bei älteren Menschen wird häufiger ohne Operation behandelt, weil die Alltagsfunktion meist gut erhalten bleibt.
Ursachen
Hauptursachen
- Plötzliche, sehr starke Belastung, zum Beispiel beim Heben eines schweren Gegenstands oder beim Abfangen eines Sturzes
- Ruckartiges Ziehen oder Reißen am gestreckten Arm
- Jahrelange Abnutzung der Sehne, die sie anfälliger macht
- Ein Sturz direkt auf den Oberarm oder auf den ausgestreckten Arm
- Ein Teilriss, der sich später zu einem vollständigen Riss entwickelt
Risikofaktoren
- Höheres Lebensalter, besonders zwischen 40 und 60 Jahren
- Männliches Geschlecht – Männer sind deutlich häufiger betroffen
- Körperliche Arbeit mit schwerem Heben oder Tragen
- Sport mit Würfen, Reißen oder schwerem Krafttraining
- Rauchen, weil es die Durchblutung und die Sehnenqualität verschlechtert
- Diabetes mellitus und andere Stoffwechselerkrankungen
- Rheumatische Erkrankungen und chronische Entzündungen
- Bestimmte Medikamente können die Sehne schwächen – fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, ob Ihre Medikamente eine Rolle spielen
- Eine bereits vorgeschädigte Sehne oder eine frühere Verletzung an Schulter oder Ellenbogen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie ein deutliches Schnappen gespürt haben und der Arm danach schwach ist
- Wenn eine Beule am Oberarm sichtbar wird, die vorher nicht da war
- Wenn Sie den Ellbogen nicht mehr gegen Widerstand beugen können
- Wenn der Bluterguss groß ist oder die Schwellung zunimmt
- Wenn Taubheit oder ein Kribbeln im Unterarm oder in der Hand auftritt
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn seit Tagen ein dumpfer Schmerz an Schulter oder Ellenbogen besteht, ohne dass Sie sich erinnern, wann es begann
- Wenn die Kraft im Arm langsam nachlässt, ohne dass es weh tut
- Wenn Sie beim Tragen oder Drehen des Unterarms unsicher geworden sind
- Wenn eine frühere Verletzung nicht richtig ausheilt
Diagnose
Zuerst fragt die Ärztin oder der Arzt, wie es passiert ist und was Sie gespürt haben. Danach folgt eine körperliche Untersuchung: Der Arm wird abgetastet, die Kraft beim Beugen und Drehen wird getestet und die Form des Oberarms wird angesehen. Oft kann die Diagnose schon damit gestellt werden. Wenn es unklar bleibt oder eine Operation im Gespräch ist, kommen weitere Untersuchungen dazu.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung mit Krafttests und Abtasten der Sehne
- Ultraschall (Sonografie) – ein schmerzfreies Verfahren mit Schallwellen, das den Riss sichtbar macht
- Magnetresonanztomografie (MRT) – ein bildgebendes Verfahren mit Magnetfeld, das Teilrisse und Begleitverletzungen zeigt
- Röntgenaufnahme, wenn der Verdacht besteht, dass ein Knochenstück mit abgerissen ist
- Manchmal eine Überweisung an eine Fachpraxis für Orthopädie oder Unfallchirurgie
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung tut nicht dauerhaft weh, kann aber beim Abtasten oder beim Krafttest unangenehm sein. Sagen Sie ruhig, wenn etwas zu schmerzhaft ist – das lässt sich meist anpassen. Bringen Sie nach Möglichkeit Ihre Medikamentenliste mit. Ein Termin dauert in der Regel etwa 15 bis 30 Minuten.
Behandlung
Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt davon ab, welche Sehne betroffen ist, wie groß der Riss ist, wie alt Sie sind und wie viel Kraft Sie im Alltag oder im Sport brauchen. Es gibt zwei Wege: eine Behandlung ohne Operation mit Physiotherapie oder eine Operation. Beide haben Vor- und Nachteile, die Sie in Ruhe mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen können.
Selbsthilfe zu Hause
- Den Arm zunächst schonen und nicht sofort wieder schwer heben
- Kühlen in den ersten Tagen, zum Beispiel mit einem in ein Tuch gewickelten Kühlpack, jeweils nur wenige Minuten
- Den Arm möglichst hoch lagern, um die Schwellung zu verringern
- Bewegungen, die wehtun, vermeiden, aber nicht völlig stillhalten – sanfte Bewegung hilft
- Nach Rücksprache mit der Praxis langsam wieder mit leichten Alltagsbewegungen beginnen
- Physiotherapeutische Übungen zu Hause regelmäßig und geduldig durchführen
Medizinische Behandlungen
Ohne Operation lässt sich vor allem die Kraft im Alltag meist gut erhalten, besonders bei einem Riss der langen Bizepssehne an der Schulter. Dazu gehört eine Physiotherapie, die die umliegende Muskulatur stärkt und Bewegungen wieder einübt. Kurzzeitig können schmerzlindernde Mittel helfen, die Ihre Ärztin oder Ihr Arzt auswählt – nehmen Sie Schmerzmittel nie auf eigene Faust über längere Zeit ein. Bei einem Riss der Sehne am Ellenbogen entscheiden sich viele körperlich aktive Menschen für eine Operation, bei der die Sehne wieder am Knochen befestigt wird. Nach einer Operation ist eine mehrwöchige Nachbehandlung mit Physiotherapie wichtig. Für Deutschland gibt es entsprechende Empfehlungen der medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), an denen sich die Behandlung orientiert.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird vor allem bei einem Riss der Bizepssehne am Ellenbogen erwogen, insbesondere wenn Sie körperlich arbeiten, Kraftsport machen oder viel Kraft beim Drehen des Unterarms brauchen. Am besten sind die Ergebnisse, wenn die Operation zeitnah erfolgt – Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird dies mit Ihnen besprechen. Bei einem Riss der langen Bizepssehne an der Schulter ist eine Operation meist nicht nötig, außer die Beschwerden bleiben trotz Behandlung stark. Ob eine Operation für Sie passt, hängt auch von Begleiterkrankungen, Ihrem Alter und Ihren eigenen Zielen ab.
Leben mit der Erkrankung
In den ersten Wochen geht vieles leichter, wenn Sie den betroffenen Arm für schwere Aufgaben entlasten. Viele Alltagsdinge lassen sich mit dem anderen Arm oder mit Hilfsmitteln erledigen. Mit der Zeit und mit regelmäßiger Übung kehrt die Kraft meist weitgehend zurück. Es ist normal, dass es nicht von heute auf morgen geht – geben Sie sich Zeit.
Tipps für den Alltag
- Bewegung im Alltag beibehalten, aber schwere Lasten zunächst meiden
- Übungen aus der Physiotherapie regelmäßig in den Tagesablauf einbauen
- Auf eine gesunde, rauchfreie Lebensweise achten – das unterstützt die Heilung
- Ergonomische Hilfen am Arbeitsplatz prüfen, wenn Sie viel heben oder tragen
- Neue Belastungen langsam steigern, nicht in großen Sprüngen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit genügend Eiweiß, Obst und Gemüse unterstützt den Körper bei der Heilung. Sehr wichtig ist regelmäßige Bewegung, aber in angepasstem Maß: Spazierengehen, Schwimmen oder lockeres Radfahren sind oft gut möglich. Wann Sie wieder mit Krafttraining beginnen dürfen, sollte die behandelnde Praxis oder die Physiotherapie entscheiden – meist wird die Belastung über mehrere Wochen langsam gesteigert.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Wenn der Arm plötzlich nicht mehr so funktioniert wie gewohnt, kann das belasten. Viele Menschen machen sich Sorgen um ihren Beruf, ihren Sport oder darum, ob sie wieder ganz gesund werden. Solche Gefühle sind verständlich und es hilft, darüber zu sprechen – mit Angehörigen, in der Praxis oder mit einer Psychotherapeutin bzw. einem Psychotherapeuten. Wenn Sie sich über längere Zeit niedergeschlagen, ängstlich oder hoffnungslos fühlen, suchen Sie bitte Unterstützung. In Deutschland gibt es dafür die Telefonseelsorge, erreichbar rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 – und im akuten Notfall den Notruf 112.
Vorbeugung
Nicht jeder Riss lässt sich verhindern – manchmal passiert er trotz guter Vorbereitung. Trotzdem können Sie das Risiko senken, indem Sie Ihre Muskulatur und Sehnen regelmäßig und abwechslungsreich trainieren, sich vor schwerem Heben aufwärmen und Belastungen langsam steigern. Wichtig ist auch, auf Warnzeichen wie wiederkehrende Schulterschmerzen zu achten und diese frühzeitig abklären zu lassen.
Früherkennungsprogramme
Ein eigenes Vorsorgeprogramm für Bizepssehnen gibt es nicht. Wenn Sie beruflich viel heben oder intensiv Sport treiben, kann es sinnvoll sein, die Schulter- und Armmuskulatur einmal von einer Fachperson beurteilen zu lassen – das ist aber keine Pflichtvorsorge.
Komplikationen
Unbehandelt
- Dauerhafter Kraftverlust beim Beugen des Ellbogens oder beim Drehen des Unterarms – besonders beim Riss am Ellenbogen
- Eine sichtbare Beule am Oberarm, die bleibt
- Schonhaltung, die zu Verspannungen und Beschwerden in Schulter oder Nacken führen kann
- Länger anhaltende Schmerzen oder eine Schultersteife
- Im Beruf oder im Sport dauerhaft weniger belastbar sein
- Bei sehr seltenen Fällen kann sich die Sehne entzünden oder vernarben
Langzeitprognose
Die Aussichten sind insgesamt gut. Viele Menschen erreichen mit Physiotherapie oder nach einer Operation wieder eine zufriedenstellende Kraft und können ihren Alltag und ihren Sport fortsetzen. Bis dahin braucht es Geduld – die Heilung dauert oft mehrere Monate. Ihr Behandlungsteam kann Ihnen sagen, was in Ihrem Fall realistisch ist, und Sie Schritt für Schritt begleiten.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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