Blasensenkung – verstehen, was im Körper passiert
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Bei einer Blasensenkung (Blasenprolaps) wölbt sich die Harnblase in die Scheide vor, weil die Muskeln und das Gewebe im Becken nicht mehr fest genug sind. Das ist nicht gefährlich, kann aber Druckgefühle und Probleme beim Wasserlassen machen.
Wichtige Fakten
- Die Blasensenkung ist ein häufiges Problem, besonders nach Schwangerschaften.
- Sie entsteht, wenn der Beckenboden zu schwach ist.
- Es gibt gute Behandlungen ohne Operation, zum Beispiel Beckenbodentraining.
- Ein Arztbesuch hilft, die beste Lösung für Sie zu finden.
Ja, eine Blasensenkung ist sehr häufig. Etwa jede dritte Frau ist irgendwann im Leben davon betroffen.
Sie betrifft fast ausschließlich Frauen, vor allem nach der Menopause oder nach Geburten. Männer können nur sehr selten eine Blasensenkung bekommen.
Symptome
- Rufen Sie sofort den Notruf 112, wenn Sie plötzlich keinen Urin mehr lassen können.
- Rufen Sie 112 bei starken, plötzlichen Schmerzen im Unterleib oder in der Scheide.
- Rufen Sie 112 bei einer starken vaginalen Blutung, die nicht aufhört.
- ⚠Wenn Sie eine neue oder zunehmende Vorwölbung in der Scheide spüren, suchen Sie noch am selben Tag eine Ärztin oder einen Arzt auf.
- ⚠Bei Blut im Urin oder schmerzhaftem Wasserlassen sollten Sie sich innerhalb von 24 Stunden ärztlich vorstellen.
Häufige Symptome
- Druckgefühl in der Scheide oder im Unterleib
- Gefühl, als würde etwas „herausfallen“
- Ziehender Schmerz im unteren Rücken
- Häufiger Harndrang oder schwacher Harnstrahl
- Harnwegsinfekte, die öfter auftreten
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
Ursachen
Hauptursachen
- Schwäche der Beckenbodenmuskulatur und des Bindegewebes
- Geburten, besonders schwere oder mehrere Geburten
- Chronische Verstopfung oder ständiger Druck im Bauch
- Schwere körperliche Arbeit oder häufiges schweres Heben
Risikofaktoren
- Alter und Wechseljahre
- Übergewicht
- Angeborene Bindegewebsschwäche
- Rauchen, weil es zu chronischem Husten führt
- Voroperationen im Beckenbereich
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich keinen Urin mehr lassen können oder starke Schmerzen haben, rufen Sie den Notruf 112.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie ein Druckgefühl in der Scheide bemerken
- Wenn Sie das Gefühl haben, dass etwas „herausfällt“
- Wenn die Beschwerden Ihren Alltag oder Ihr Liebesleben beeinträchtigen
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt stellt die Diagnose meist durch eine körperliche Untersuchung. Dabei werden Scheide und Unterleib in Ruhe und unter Druck untersucht. Auch die Funktion von Blase und Darm wird besprochen.
Mögliche Untersuchungen
- Untersuchung der Scheide mit einem Spekulum (Spiegel)
- Tastuntersuchung des Beckens
- Ultraschalluntersuchung des Unterleibs
- Urintest zum Ausschluss einer Blasenentzündung
- Gegebenenfalls eine Messung des Blasendrucks (urodynamische Untersuchung)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung dauert meist nur wenige Minuten und ist nicht schmerzhaft. Sie können dabei alle offenen Fragen stellen. Wenn möglich, kommen Sie mit gefüllter Blase, damit die Ärztin den Harnstrahl besser beurteilen kann.
Behandlung
Die Behandlung hängt davon ab, wie stark Ihre Beschwerden sind und wie sehr sie Sie belasten. In Deutschland gibt es dafür eine medizinische Leitlinie der AWMF. Als erstes kommen Maßnahmen wie Beckenbodentraining, Gewichtsreduktion oder ein Pessar in Frage – eine Operation ist nicht immer nötig.
Selbsthilfe zu Hause
- Beckenbodenübungen machen – am besten mit Unterstützung durch eine Physiotherapeutin oder einen Physiotherapeuten
- Übergewicht abbauen oder vermeiden
- Nicht schwer heben; beim Heben in die Knie gehen und den Rücken gerade halten
- Verstopfung vermeiden durch viel Flüssigkeit und ballaststoffreiche Ernährung
- Auf das Rauchen verzichten, um Husten zu verringern
Medizinische Behandlungen
Zu den nicht-operativen Behandlungen gehört ein Pessar. Das ist ein weiches Silikonteil, das in die Scheide eingelegt wird und die Blase von unten stützt. Es wird individuell angepasst. Zusätzlich ist Beckenbodentraining ein wichtiger Baustein. In manchen Fällen kann auch eine hormonelle Behandlung das Gewebe stärker und elastischer machen. Welche Maßnahme zu Ihnen passt, bespricht Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird meist erst dann empfohlen, wenn die Beschwerden stark bleiben oder die Blase deutlich in die Scheide vorgewölbt ist, obwohl andere Behandlungen versucht wurden. Die Operationsmethode hängt von Ihrer persönlichen Situation ab und wird ausführlich mit Ihnen besprochen.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer Blasensenkung kann man ein erfülltes Leben führen. Kleine Anpassungen im Alltag – wie regelmäßige Toilettengänge, gesunde Ernährung und Beckenbodenübungen – können die Beschwerden deutlich lindern.
Tipps für den Alltag
- Sanfte Bewegung wie Schwimmen, Radfahren oder Yoga
- Beckenbodenmuskulatur regelmäßig trainieren
- Auf ausreichend Ballaststoffe und Flüssigkeit achten
- Schwere Lasten vermeiden oder richtig heben
Ernährung und Bewegung
Eine ballaststoffreiche Ernährung mit Vollkorn, Obst und Gemüse beugt Verstopfung vor und schützt den Beckenboden. Bei Sportarten mit starken Erschütterungen oder schweren Gewichten ist Vorsicht geboten. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber, welche Bewegungen für Sie geeignet sind.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Blasensenkung kann das Selbstbewusstsein oder das Körpergefühl belasten, besonders wenn Schmerzen oder Probleme beim Wasserlassen auftreten. Das ist verständlich. Es ist wichtig, sich dabei nicht zu schämen und Unterstützung zu suchen.
Vorbeugung
Manchmal kann man einer Blasensenkung vorbeugen, aber nicht immer. Sie können Ihr Risiko senken, indem Sie den Beckenboden trainieren, Übergewicht vermeiden und auf eine gute Verdauung achten. Auch in der Schwangerschaft und nach der Geburt lohnt es sich, den Beckenboden zu stärken.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine regelmäßige Reihenuntersuchung speziell zur Früherkennung einer Blasensenkung. Bei üblichen Vorsorgeuntersuchungen, zum Beispiel beim Frauenarzt, werden jedoch die Beckenorgane mit beurteilt. Dabei kann eine Senkung oft früh bemerkt werden.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Vorwölbung kann im Laufe der Zeit größer werden
- Es können Druckgeschwüre an der Scheidenschleimhaut entstehen
- Wenn die Blase nicht vollständig entleert wird, steigt das Risiko für Harnwegsinfekte
- In seltenen Fällen kann sich die Blase vollständig vor die Scheidenöffnung schieben
Langzeitprognose
Die meisten Frauen finden mit ärztlicher Unterstützung eine gute Lösung. Auch wenn eine Blasensenkung selten von allein verschwindet, gibt es viele Wege, die Beschwerden zu lindern – von Beckenbodentraining über ein Pessar bis hin zu einer Operation. Es lohnt sich, frühzeitig Rat zu suchen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 2. August 2026
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