Körperdysmorphe Störung (Body Dysmorphia)
Übersicht
Die körperdysmorphe Störung, auch Body Dysmorphia genannt, ist eine seelische Erkrankung. Betroffene beschäftigen sich zwanghaft mit einem vermeintlichen Makel an ihrem eigenen Körper. Andere Menschen sehen diesen Makel nicht oder nur als völlig normal. Die Gedanken daran sind sehr belastend und nehmen viel Zeit im Alltag ein.
Wichtige Fakten
- Es ist keine Eitelkeit, sondern eine ernsthafte psychische Erkrankung.
- Betroffene fühlen sich hässlich oder entstellt, obwohl sie für andere normal aussehen.
- Die Störung ist gut behandelbar – vor allem mit Psychotherapie.
- Viele Betroffene schämen sich und sprechen deshalb lange nicht darüber.
Die Erkrankung ist nicht selten. In Deutschland sind etwa ein bis zwei von hundert Menschen betroffen. Die Dunkelziffer ist vermutlich höher, weil sich viele Betroffene nicht in Behandlung begeben.
Die Störung beginnt häufig in der Jugend oder im jungen Erwachsenenalter. Frauen und Männer sind ungefähr gleich häufig betroffen.
Symptome
- Wenn Sie oder eine Person in Ihrer Nähe Gedanken haben, sich das Leben zu nehmen – rufen Sie sofort die Notrufnummer 112 an.
- Wenn akute Selbstverletzung droht, zögern Sie nicht – wählen Sie 112 oder gehen Sie direkt in die Notaufnahme.
- ⚠Wenn die Gedanken so stark sind, dass Sie den Alltag nicht mehr bewältigen, suchen Sie noch am selben Tag eine Ärztin oder einen Arzt auf.
- ⚠Wenn Sie sich völlig hoffnungslos fühlen oder konkrete Gedanken haben, sich etwas anzutun, wenden Sie sich sofort an eine Notaufnahme oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst.
Häufige Symptome
- Stundenlanges Kontrollieren des eigenen Aussehens, zum Beispiel vor dem Spiegel.
- Starke Unzufriedenheit mit einer bestimmten Körperstelle, etwa Nase, Haut oder Haaren.
- Ständiges Vergleichen mit anderen Menschen.
- Vermeiden von Fotos, Treffen oder öffentlichen Situationen.
- Immer wieder andere fragen, ob man normal aussieht.
- Die Gedanken lassen sich nicht abstellen und verursachen Angst oder Niedergeschlagenheit.
Symptome bei Kindern
- Häufiges Kontrollieren im Spiegel oder Verstecken des Gesichts mit Haaren oder Kleidung.
- Schulvermeidung oder Leistungsabfall, weil sie sich schämen.
- Rückzug von Freundinnen und Freunden oder aus der Familie.
- Übertriebene Versuche, den vermeintlichen Makel zu verdecken.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Sorgen über normale Alterserscheinungen wie Falten, Hautflecken oder graue Haare.
- Die Beschwerden werden oft als normal für das Alter abgetan und nicht ernst genommen.
- Sozialer Rückzug und Vereinsamung sind mögliche Warnzeichen.
Ursachen
Hauptursachen
- Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt.
- Wahrscheinlich spielen erbliche Faktoren und ein Ungleichgewicht von Botenstoffen im Gehirn eine Rolle.
- Seelische Belastungen wie Mobbing, Spott oder Ablehnung wegen des Aussehens können die Störung auslösen oder verstärken.
- Ein unrealistisches Schönheitsideal in der Gesellschaft erhöht den Druck.
Risikofaktoren
- Perfektionismus und ein starkes Streben nach Kontrolle.
- Ein geringes Selbstwertgefühl oder Selbstzweifel.
- Erfahrungen von Mobbing, Missbrauch oder Ausgrenzung in der Kindheit.
- Andere psychische Erkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen.
- Eine familiäre Belastung mit ähnlichen psychischen Störungen.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie Gedanken haben, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen.
- Wenn die Beschwerden Sie davon abhalten, zur Arbeit oder zur Schule zu gehen, oder Sie sich völlig zurückziehen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie mehr als eine Stunde am Tag mit Gedanken über Ihr Aussehen verbringen und darunter leiden.
- Wenn Freundinnen, Freunde oder Angehörige Sie auf das ständige Kontrollieren oder die Sorgen ansprechen.
- Wenn Sie soziale Situationen meiden, weil Sie sich wegen Ihres Aussehens schämen.
Diagnose
Die Diagnose stellt in der Regel eine Ärztin oder ein Arzt, häufig in einer psychiatrischen oder psychotherapeutischen Praxis. Es gibt keinen Bluttest. Entscheidend ist das ausführliche Gespräch über Ihre Gedanken, Gefühle und Ihr Verhalten.
Mögliche Untersuchungen
- Ein ausführliches Gespräch über Ihre Beschwerden und deren Dauer.
- Ein Fragebogen, der typische Anzeichen der Störung abfragt.
- Eine körperliche Untersuchung, um andere Ursachen auszuschließen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Ärztin oder der Arzt wird Ihnen offene Fragen stellen, zum Beispiel: Was genau stört Sie an Ihrem Aussehen? Wie oft denken Sie daran? Wie viel Zeit verbringen Sie mit Kontrollen? Auch Fragen nach Stimmung und Suizidgedanken gehören zur Sicherheitsabklärung – das ist nichts Ungewöhnliches, hilft aber, gut für Sie zu sorgen.
Behandlung
Die körperdysmorphe Störung wird vor allem mit Psychotherapie behandelt. Die wirksamste Behandlungsmethode ist die kognitive Verhaltenstherapie. In manchen Fällen unterstützt eine medikamentöse Behandlung, die eine Ärztin oder ein Arzt verordnet. Eine frühzeitige Behandlung verbessert die Aussichten deutlich.
Selbsthilfe zu Hause
- Vermeiden Sie es, ständig in den Spiegel zu schauen – setzen Sie sich zum Beispiel ein konkretes Zeitlimit.
- Sprechen Sie mit vertrauten Menschen über das, was Sie belastet.
- Reduzieren Sie soziale Medien, wenn Sie sich danach schlechter fühlen.
- Schreiben Sie auf, welche Situationen Sie vermeiden, und gehen Sie sie langsam und in kleinen Schritten wieder an.
Medizinische Behandlungen
Die kognitive Verhaltenstherapie hilft, den Teufelskreis aus negativen Gedanken, Kontrollverhalten und Vermeidung zu durchbrechen. Ärztinnen und Ärzte können bei Bedarf zusätzlich Medikamente verordnen, die zu den sogenannten Antidepressiva gehören. Sie wirken auf die Botenstoffe im Gehirn und können quälende Gedanken abschwächen. Welche Behandlung für Sie geeignet ist, besprechen Sie offen mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Psychotherapeutin.
Wann kommt eine Operation infrage?
Kosmetische Operationen lösen das Problem in der Regel nicht. Sie verändern zwar das Äußere, aber die Gedanken bleiben oft bestehen oder werden sogar stärker. Fachleute raten deshalb davon ab, solange die Störung nicht behandelt ist.
Leben mit der Erkrankung
Leben Sie mit einem festen Tagesablauf, halten Sie soziale Kontakte aufrecht und nehmen Sie Hilfe an. Die Behandlung braucht Zeit – jeder kleine Schritt zählt. Es wird leichter, je eher Sie sich Unterstützung holen.
Tipps für den Alltag
- Sorgen Sie für ausreichend Schlaf und regelmäßige Bewegung.
- Pflegen Sie Hobbys und Aktivitäten, die Ihnen Freude machen.
- Lernen Sie Entspannungsübungen wie ruhige Atmung oder progressive Muskelentspannung.
- Halten Sie Ihre Termine in der Behandlung zuverlässig ein.
Ernährung und Bewegung
Essen Sie ausgewogen und bewegen Sie sich regelmäßig – nicht um Ihren Körper zu verändern, sondern um Ihrem Geist etwas Gutes zu tun. Bewegung hilft oft, Stress abzubauen und die Stimmung zu verbessern.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Störung ist seelisch sehr belastend. Viele Betroffene entwickeln zusätzlich eine Depression oder Angststörung. Es ist wichtig, diese Warnzeichen ernst zu nehmen und frühzeitig ärztliche Hilfe zu suchen.
Vorbeugung
Eine körperdysmorphe Störung lässt sich nicht sicher verhindern. Aber je früher eine beginnende Störung erkannt und behandelt wird, desto besser. Wer früh lernt, mit Körpersorgen umzugehen, kann verhindern, dass sich die Erkrankung verfestigt.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein festes Screening-Programm in der allgemeinen Arztpraxis. Wenn der Verdacht besteht, kann die Ärztin oder der Arzt jedoch einen kurzen Fragenbogen einsetzen, um das Ausmaß der Beschwerden zu erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Schwere Depressionen und ein erhöhtes Risiko für Suizidgedanken.
- Sozialer Rückzug bis hin zur völligen Vereinsamung.
- Verlust von Arbeitsplatz, Ausbildung oder wichtigen Beziehungen.
- Entwicklung von Ängsten, Zwängen oder Suchterkrankungen.
Langzeitprognose
Mit der richtigen Behandlung ist die Aussicht auf Besserung sehr gut. Viele Menschen mit körperdysmorpher Störung lernen, ihre Gedanken zu erkennen und ein erfülltes Leben zu führen. Die Behandlung braucht Geduld, aber Sie sind nicht allein – es gibt Wege aus der Krise.
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Zuletzt aktualisiert: 14. August 2026
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