Körperdysmorphe Störung (BDD) – wenn der Blick in den Spiegel quält
Übersicht
Die körperdysmorphe Störung (BDD) ist eine psychische Erkrankung, bei der sich ein Mensch immer wieder intensiv mit einem vermeintlichen oder winzigen Makel am eigenen Aussehen beschäftigt. Andere sehen diesen Makel kaum oder gar nicht. Die Betroffenen leiden jedoch sehr darunter und fühlen sich oft hässlich oder fehlerhaft.
Wichtige Fakten
- BDD ist keine Eitelkeit, sondern eine ernsthafte psychische Erkrankung.
- Die Betroffenen kontrollieren ihr Spiegelbild oft stundenlang oder vermeiden Spiegel komplett.
- Mit psychotherapeutischer Unterstützung ist eine deutliche Besserung möglich.
BDD ist nicht selten – Studien schätzen, dass etwa 1 bis 2 von 100 Menschen betroffen sind. Viele gehen jedoch nicht deshalb in ärztliche Behandlung, weil ihnen die Störung peinlich ist.
Die Störung beginnt oft im Jugendalter, kann aber in jedem Alter auftreten. Sie betrifft ungefähr gleich viele Männer wie Frauen.
Symptome
- Wenn Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid auftreten – sofort den Notruf 112 wählen.
- ⚠Wenn die Beschäftigung mit dem Aussehen so stark wird, dass die Person sich ganz zurückzieht oder nicht mehr zur Arbeit, Schule oder in die Wohnung verlässt – noch am selben Tag ärztliche Hilfe oder eine psychosoziale Notfallambulanz aufsuchen.
Häufige Symptome
- Sich ständig Sorgen über ein bestimmtes Körperteil machen, zum Beispiel Nase, Haut oder Gewicht.
- Oft in den Spiegel schauen oder Spiegel vermeiden, Fotos immer wieder anschauen.
- Das Gefühl, andere würden den Makel bemerken und negativ bewerten.
- Im Alltag viel Zeit mit Vergleichen mit anderen oder mit dem Verdecken des Makels verbringen.
- Starker Leidensdruck und manchmal sozialer Rückzug.
Symptome bei Kindern
- Ausgeprägtes Vermeiden von Situationen, in denen man sich zeigt (z. B. Sportunterricht).
- Leistungsabfall oder Rückzug von Freundschaften.
- Extreme Unzufriedenheit mit dem Aussehen trotz normaler körperlicher Entwicklung.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Starke Beschäftigung mit Zeichen des Alterns, wie Falten oder graue Haare.
- Weniger soziale Kontakte aus Scham über das Aussehen.
- Angst, dass zahnärztliche oder medizinische Eingriffe den Makel nicht beheben.
Ursachen
Hauptursachen
- Ein Zusammenspiel aus genetischen, biologischen und psychologischen Faktoren.
- Frühe Erfahrungen wie Mobbing, Ablehnung oder Kritik am Aussehen.
- Großer gesellschaftlicher Druck durch Medien und Schönheitsideale.
Risikofaktoren
- Ein niedriges Selbstwertgefühl oder Perfektionismus.
- Belastende Lebensereignisse in der Kindheit oder Jugend.
- Eine bestehende andere psychische Erkrankung, z. B. eine Depression oder Zwangsstörung.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei akuten Krisen mit Selbstverletzungs- oder Suizidgedanken.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie merken, dass die Gedanken an Ihr Aussehen viel Zeit und Energie kosten oder Sie unglücklich machen.
- Wenn Sie wiederholt über kosmetische Eingriffe nachdenken, obwohl andere Ihnen versichern, dass alles in Ordnung ist.
Diagnose
Die Diagnose wird in einem ausführlichen Gespräch gestellt. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fragt nach Ihren Gedanken, Gefühlen und Ihrem Alltag und schließt andere medizinische Ursachen aus.
Mögliche Untersuchungen
- Ein persönliches Gespräch über Beschwerden, Vorgeschichte und mögliche Belastungen.
- Eine körperliche Untersuchung, um andere Ursachen auszuschließen.
- Ein Fragebogen zur Selbsteinschätzung kann die Einschätzung unterstützen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Es gibt keinen Bluttest oder Apparat, der BDD feststellt. Die Diagnose stützt sich auf die Schilderungen der Betroffenen und wird von einer ärztlich oder psychotherapeutisch ausgebildeten Fachperson gestellt.
Behandlung
Eine körperdysmorphe Störung ist gut behandelbar. Zentral sind eine Psychotherapie und eine vertrauensvolle ärztliche Begleitung. Je früher die Unterstützung beginnt, desto besser sind die Chancen.
Selbsthilfe zu Hause
- Tagebuch führen, um Auslöser für die Gedanken zu erkennen.
- Sich mit vertrauten Menschen austauschen und nicht nur über das Aussehen sprechen.
- Spiegel- und Vergleichszeiten schrittweise verkürzen, zum Beispiel nach Absprache mit der Therapeutin oder dem Therapeuten.
Medizinische Behandlungen
In der Psychotherapie, vor allem in der kognitiven Verhaltenstherapie, lernen Betroffene, ihre Gedankenmuster zu erkennen und zu verändern. In manchen Fällen kann eine ärztliche Behandlung mit Medikamenten die Psychotherapie unterstützen. Welche Behandlung im Einzelfall hilfreich ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt auf der Grundlage aktueller Leitlinien (z. B. AWMF).
Wann kommt eine Operation infrage?
Kosmetische Eingriffe lösen die Störung meist nicht, weil die Wahrnehmung des eigenen Körpers im Vordergrund steht. Eine Operation sollte nur dann erwogen werden, wenn Fachleute aus Medizin und Psychotherapie gemeinsam feststellen, dass ein Eingriff aus rein medizinischer Sicht sinnvoll ist.
Leben mit der Erkrankung
Ein fester Tagesablauf mit sozialen Kontakten und Beschäftigungen, die nichts mit dem Aussehen zu tun haben, kann helfen. Versuchen Sie, Aktivitäten zu planen, die Ihnen früher Freude gemacht haben, auch wenn der innere Kritiker dagegen spricht.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßiger Schlaf und ein fester Alltagsrhythmus.
- Bewegung und Zeit an der frischen Luft, um Stress abzubauen.
- Alkohol und andere Drogen meiden, da sie die Stimmung verstärken können.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit regelmäßigen Mahlzeiten stützt das körperliche und seelische Wohlbefinden. Sanfte Bewegung wie Spazierengehen oder Schwimmen hilft, den Kopf freizubekommen, ohne das Aussehen zu thematisieren.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
BDD geht oft mit Scham, Angst und depressiven Verstimmungen einher. Es ist wichtig, diese Gefühle ernst zu nehmen und in der Behandlung anzusprechen, denn sie sind Teil der Erkrankung.
Vorbeugung
Man kann einer körperdysmorphen Störung nicht immer vorbeugen, aber ein offenes Gespräch über Körperbilder und ein kritischer Umgang mit Schönheitsidealen können das Risiko verringern. Wichtig sind Selbstwertgefühl und die Erfahrung, dass Aussehen nur ein Teil der Persönlichkeit ist.
Komplikationen
Unbehandelt
- Sozialer Rückzug und Einsamkeit.
- Depressionen und Angststörungen.
- Bei schweren Verläufen: erhöhtes Risiko für Selbstverletzung oder Suizidgedanken.
Langzeitprognose
BDD ist kein Schicksal, sondern eine behandelbare Erkrankung. Mit der richtigen Unterstützung – meist Psychotherapie – lernen viele Betroffene, mit den Gedanken umzugehen und den Alltag wieder freier zu gestalten. Der Weg braucht Zeit und Geduld, aber er lohnt sich.
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Zuletzt aktualisiert: 14. August 2026
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