Body-Focused Repetitive Behavior (BFRB) – wiederkehrendes Haareausreißen, Hautknibbeln und Nägelkauen
Übersicht
Body-Focused Repetitive Behavior (BFRB) beschreibt wiederholte Verhaltensweisen, bei denen Personen sich selbst am Körper berühren, zupfen, drücken oder beißen. Häufige Beispiele sind Haare ausreißen, Haut aufkratzen oder Nägel kauen. Das Verhalten ist keine bewusste Angewohnheit, sondern ein starkes Bedürfnis, das oft schwer zu kontrollieren ist.
Wichtige Fakten
- BFRB ist eine psychische Verhaltensstörung, kein Zeichen von Charakterschwäche oder schlechter Erziehung.
- Es kann zu körperlichen Schäden wie Narben, Haarausfall oder Hautentzündungen führen.
- Viele Menschen schämen sich und verheimlichen das Verhalten – Hilfe holen ist wichtig und wirksam.
- Eine kognitive Verhaltenstherapie kann dabei helfen, das Verhalten zu verstehen und neue Strategien zu lernen.
Ja, BFRB ist gar nicht selten. Man nimmt an, dass etwa 2 bis 5 von 100 Menschen ein solches wiederkehrendes Verhalten zeigen. Viele betroffene Personen sprechen nur selten darüber, deshalb wirkt es seltener, als es ist.
BFRB kann jede Person treffen – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Herkunft. Meist beginnt es in der Jugend oder im jungen Erwachsenenalter, aber auch Kinder und ältere Menschen können betroffen sein.
Symptome
- Wunden, die sehr stark bluten und nicht aufhören zu bluten
- Gedanken, sich selbst schwer zu verletzen oder Selbstmordgedanken
- ⚠Hautentzündungen mit starker Rötung, Schwellung, Wärme oder Eiter
- ⚠Starke Schmerzen oder Taubheitsgefühle an den betroffenen Stellen
- ⚠Wenn Sie das Gefühl haben, keine Kontrolle mehr über das Verhalten zu haben und Angst vor schweren Verletzungen haben
Häufige Symptome
- Wiederholtes Ausreißen der Haare an Kopf, Augenbrauen oder Wimpern
- Picken, Kratzen oder Drücken an der Haut, besonders an Fingern oder im Gesicht
- Nägelkauen, das bis ins Fleisch reicht
- Beißen oder Aufkauen der Lippen oder der Innenseite der Wangen
- Schwierigkeiten, das Verhalten trotz Bemühungen zu stoppen
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern beginnt es oft als harmloses Nägelkauen oder Haarezwirbeln, das sich zu einem starken Bedürfnis entwickelt
- Manche Kinder tun es unbewusst, zum Beispiel beim Fernsehen, in der Schule oder beim Einschlafen
- Kinder können sich schämen und versuchen, das Verhalten zu verstecken
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Auch bei älteren Menschen kann BFRB auftreten oder weiter bestehen
- Es kann dazu führen, dass soziale Kontakte gemieden werden, zum Beispiel wegen sichtbarer Hautveränderungen
- Bei älteren Menschen kann das Verhalten mit Stress, Einsamkeit oder anderen gesundheitlichen Belastungen zusammenhängen
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache von BFRB ist bisher nicht bekannt.
- Man geht davon aus, dass bestimmte Botenstoffe im Gehirn eine Rolle spielen, die mit Impulskontrolle und Belohnung zusammenhängen.
- Stress, Anspannung, Langeweile oder Anforderungen im Alltag können das Verhalten auslösen oder verstärken.
Risikofaktoren
- BFRB tritt häufiger in Familien auf – das spricht dafür, dass eine erbliche Veranlagung eine Rolle spielt.
- Erhöhte seelische Belastungen wie Angst, Unruhe oder ein starkes Perfektionsstreben können das Risiko erhöhen.
- Taubheitsgefühl oder innere Leere können dazu führen, dass man sich durch das Verhalten selbst Reize schaffen möchte.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn sich Wunden entzünden, stark schmerzen oder Eiter austritt
- Wenn Sie feststellen, dass Sie sich immer schwerer verletzen
- Wenn Sie Gedanken an Selbstverletzung oder Selbstmord haben – dann rufen Sie sofort die 112 oder suchen Sie eine Notaufnahme auf
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn das Verhalten Ihren Alltag stark beeinträchtigt oder Sie sich ständig damit beschäftigen
- Wenn Sie unter Schamgefühlen oder Angst leiden und sich zurückziehen
- Wenn Sie schon länger versuchen, das Verhalten zu stoppen, aber immer wieder damit anfangen – oder wenn Kinder betroffen sind
Diagnose
Die Diagnose stellt eine Ärztin oder ein Arzt meist im ausführlichen Gespräch. Sie werden nach Ihren Verhaltensweisen, deren Beginn, Häufigkeit und Auswirkungen auf Ihr Leben gefragt. Es gibt keinen Bluttest oder bildgebendes Verfahren, das eine BFRB eindeutig zeigt.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung der Haut- oder Haarbereiche, um Verletzungen oder Veränderungen zu erkennen
- Ein ausführliches Gespräch über Ihre Beschwerden, Ihre Lebenssituation und Ihre Gefühle
- Manchmal werden Fragebögen eingesetzt, um das Verhalten besser einzuschätzen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird Ihnen erklären, was hinter dem Verhalten stecken kann und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt. Sie können eine vertraute Person mitbringen und alle offenen Fragen stellen. Im Gespräch geht es nicht um Bewertung oder Kritik, sondern um Ihre Gesundheit.
Behandlung
BFRB ist gut behandelbar. Die wirksamste Behandlungsform ist laut deutschen Leitlinien die kognitive Verhaltenstherapie. Dabei lernen Sie, das Verhalten besser zu verstehen, Auslöser zu erkennen und Alternativen zu entwickeln.
Selbsthilfe zu Hause
- Tagebuch führen: Notieren Sie, wann und in welchen Situationen das Verhalten auftritt, um Muster zu erkennen.
- Ablenkung mit den Händen: Nehmen Sie einen Stressball, eine Knetmasse oder einen anderen Gegenstand zur Hand, um dem Drang zu begegnen.
- Stress reduzieren: Kurze Atemübungen, Spaziergänge oder ruhige Musik können Spannungen abbauen.
- Kleine Schritte setzen: Versuchen Sie, das Verhalten zunächst in bestimmten Situationen – zum Beispiel vor dem Spiegel – zu reduzieren.
- Haut und Hände gut pflegen: Ruhige Tätigkeiten wie Eincremen oder Handmassagen können das Bedürfnis nach Berührung – aber ohne Verletzung – stillen.
Medizinische Behandlungen
Manchmal wird zusätzlich zur Verhaltenstherapie eine medikamentöse Behandlung erwogen, etwa mit Substanzen, die die Impulskontrolle unterstützen. Medikamente kommen jedoch nicht bei allen Menschen infrage und werden individuell von der Ärztin oder dem Arzt mit Ihnen besprochen. Wichtig: Nehmen Sie keine Medikamente auf eigene Faust ein, ohne vorher mit einer Fachperson zu sprechen.
Leben mit der Erkrankung
Sprechen Sie offen mit Menschen, denen Sie vertrauen. Das nimmt Druck und Scham. Nehmen Sie sich selbst nicht zu streng; BFRB ist kein Zeichen von Willensschwäche. Planen Sie kleine Pausen und Achtsamkeitsmomente in den Alltag ein.
Tipps für den Alltag
- Schlafen Sie ausreichend – Müdigkeit kann den Impuls verstärken.
- Schaffen Sie sich Rituale, die die Hände beschäftigen, zum Beispiel Stricken, Basteln oder Handwerk.
- Vermeiden Sie es, sich ständig im Spiegel zu beobachten – das kann den Drang anregen.
- Suchen Sie sich ablenkende Aktivitäten, die Sie gern tun und die Sie innerlich beruhigen.
Ernährung und Bewegung
Gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung können das allgemeine Wohlbefinden und die Stimmung verbessern. Das ersetzt keine Behandlung, kann aber helfen, Stress abzubauen und Anspannung zu verringern. Achten Sie außerdem auf ausreichend Flüssigkeit.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
BFRB kann Scham, Schuldgefühle und ein niedriges Selbstwertgefühl auslösen. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie es allein nicht schaffen, oder wenn Sie Gedanken an Verzweiflung oder sogar an Selbstverletzung haben, holen Sie sich sofort Hilfe. Rufen Sie in einer akuten Krise die 112 an oder wenden Sie sich an eine vertraute Person. Sie sind nicht allein.
Vorbeugung
Man weiß nicht genau, wie man BFRB zuverlässig verhindern kann. Es ist wichtig, erste Anzeichen ernst zu nehmen und frühzeitig Hilfe zu suchen, damit sich das Verhalten nicht verfestigt. In manchen Fällen können Stressbewältigung und ein offener Umgang mit dem eigenen Verhalten dazu beitragen, dass es nicht schlimmer wird.
Komplikationen
Unbehandelt
- Dauerhafte Narben oder Hautveränderungen
- Haarausfall oder kahle Stellen durch dauerhaftes Zupfen
- Hautentzündungen oder Infektionen durch offene Wunden
- Immer stärkerer Rückzug aus sozialen Kontakten aus Scham
- Zunehmende seelische Belastung, etwa mit Angst oder Depression
Langzeitprognose
Es gibt gute Behandlungsmöglichkeiten, und viele Menschen lernen, ihr Verhalten deutlich zu reduzieren und ein zufriedenes Leben zu führen. Mit Unterstützung können Sie neue Wege finden, mit Impulsen umzugehen. Es braucht Zeit und Geduld – eine Besserung ist eine realistische und erreichbare Perspektive.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 14. August 2026
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