Knochenmark – was es ist und was es leistet
Übersicht
Das Knochenmark ist ein weiches, schwammartiges Gewebe im Inneren mancher Knochen. Es ist die Blutbildungsstätte des Körpers: Hier entstehen rote Blutkörperchen (die Sauerstoff transportieren), weiße Blutkörperchen (die bei Infektionen helfen) und Blutplättchen (die die Blutgerinnung unterstützen). Das Knochenmark ist also lebenswichtig. Es ist nicht dasselbe wie das Rückenmark, das in der Wirbelsäule liegt und Nervenbahnen enthält.
Wichtige Fakten
- Das Knochenmark bildet täglich viele Milliarden neue Blutzellen.
- Es gibt rotes Knochenmark, das Blutzellen produziert, und gelbes Knochenmark, das Fett speichert.
- Bei bestimmten Krankheiten kann die Blutbildung im Knochenmark gestört sein – zum Beispiel bei Blutkrebs (Leukämie).
Knochenmark hat jeder Mensch – es ist ein normaler Bestandteil des Körpers. Erkrankungen des Knochenmarks sind dagegen eher selten. Manche davon wie Leukämie gehören zu den Krebserkrankungen, andere wie die Aplastische Anämie sind sehr selten.
Menschen in jedem Alter können an Knochenmarkerkrankungen erkranken. Manche Formen, wie bestimmte Arten von Leukämie, treten häufiger bei Kindern auf, andere, wie das Myelodysplastische Syndrom, eher bei älteren Erwachsenen.
Symptome
- Hohes Fieber mit starkem Krankheitsgefühl – das kann ein Zeichen für eine schwere Infektion sein.
- Plötzliche starke Blutungen oder Blutungen, die nicht aufhören.
- Atemnot oder plötzliche Brustschmerzen.
- Plötzliche Lähmungserscheinungen oder Krampfanfälle.
- Bewusstlosigkeit oder starke Benommenheit.
- ⚠Anhaltend hohes Fieber (über 38,5 °C) über einen bis zwei Tage
- ⚠Häufige blaue Flecken oder Petechien – das sind kleine rote Punkte auf der Haut, die durch Blutungen entstehen
- ⚠Sehr große Müdigkeit, die den Alltag unmöglich macht
- ⚠Sichtbare Blutungen im Mund oder in der Nase
Häufige Symptome
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit (durch Blutarmut)
- Blässe, Leistungsabfall
- Vermehrte Blutungen oder blaue Flecken ohne erkennbaren Anlass
- Häufige oder ungewöhnliche Infektionen
- Fieber ohne klare Ursache
- Nachtschweiß
- Gewichtsverlust ohne Diät
Symptome bei Kindern
- Blässe und Schwäche
- Fieber und häufige Infektionen
- Blaue Flecken oder punktförmige Hautblutungen
- Knochenschmerzen, besonders in Armen und Beinen
- Geschwollene Lymphknoten
- Bauchschwellung durch vergrößerte Milz
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Zunehmende Müdigkeit und Kurzatmigkeit bei Belastung
- Infektionen, die schlecht ausheilen
- Ungewöhnliche Blutungen, zum Beispiel Zahnfleischbluten
- Verwirrtheit oder Benommenheit, die plötzlich auftritt
Ursachen
Hauptursachen
- Meist ist die Ursache nicht genau bekannt. Komplexe Veränderungen im Erbgut der Stammzellen des Knochenmarks spielen oft eine Rolle.
- Manche Knochenmarkerkrankungen entstehen durch äußere Einflüsse wie bestimmte Chemikalien, Strahlung oder eine frühere Chemotherapie.
- Bei einigen Krankheiten greift das Immunsystem fälschlicherweise das eigene Knochenmark an, wie bei der Aplastischen Anämie.
- Selten liegen erbliche Faktoren vor, die das Knochenmark anfälliger machen.
Risikofaktoren
- Alter: Manche Erkrankungen des Knochenmarks treten häufiger bei jungen oder älteren Menschen auf.
- Vorherige Krebstherapien, besonders eine Chemotherapie oder Bestrahlung.
- Strahlenbelastung oder Kontakt mit bestimmten Industriechemikalien wie Benzol.
- Rauchen gilt als Risikofaktor für manche Formen von Blutkrebs.
- Bestehende Erkrankungen des blutbildenden Systems können das Risiko erhöhen.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei hohem Fieber, das nicht weggeht, oder bei Schüttelfrost.
- Bei unerklärlichen Blutungen oder punktuellen roten Hautflecken.
- Bei plötzlicher, starker Atemnot oder Schwäche in Armen oder Beinen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie über mehrere Wochen ungewöhnlich müde sind, obwohl Sie ausreichend schlafen.
- Wenn Sie häufiger Infekte bekommen als früher.
- Wenn Sie grundlos an Gewicht verlieren oder stark nachtschwitzen.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zuerst nach Ihren Beschwerden und der Krankengeschichte. Danach folgt in der Regel eine Blutuntersuchung. Zeigt diese Auffälligkeiten, überweist Sie die Ärztin oder der Arzt an eine Fachperson für Blutkrankheiten, meist in eine Praxis für Hämatologie oder in ein Krankenhaus.
Mögliche Untersuchungen
- Großes Blutbild: Misst die Anzahl roter und weißer Blutkörperchen sowie der Blutplättchen.
- Blutausstrich: Ein Tropfen Blut wird gefärbt und unter dem Mikroskop angeschaut.
- Knochenmarkpunktion: Eine dünne Nadel wird in einen Knochen gestochen, meist ins Becken, um etwas Markflüssigkeit zu entnehmen. Das geschieht unter örtlicher Betäubung.
- Knochenmarkbiopsie: Ein kleiner Gewebezylinder wird entnommen, um die Struktur des Knochenmarks zu beurteilen.
- Genetische Tests: Untersuchen Veränderungen im Erbgut der Zellen, die für die Therapieentscheidung wichtig sein können.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Eine Knochenmarkuntersuchung klingt unangenehm, ist aber meist gut erträglich. Sie erfolgt ambulant und dauert nicht lange. Nach der Punktion sollten Sie sich körperlich schonen. Die Ergebnisse liegen je nach Test nach einigen Tagen bis Wochen vor. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt bespricht sie ausführlich mit Ihnen.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der genauen Erkrankung, dem Alter und dem persönlichen Gesundheitszustand ab. Bei manchen Knochenmarkerkrankungen ist nur eine Beobachtung nötig, bei anderen sind Medikamente, Transfusionen oder eine Stammzelltransplantation angezeigt. Ziel ist es, die Blutbildung zu normalisieren und Symptome zu lindern. Die meisten Behandlungen werden in spezialisierten Zentren durchgeführt.
Selbsthilfe zu Hause
- Achten Sie auf Zeichen von Infektionen wie Fieber und suchen Sie bei Bedarf ärztliche Hilfe.
- Ruhen Sie, wenn Sie müde sind – aber bewegen Sie sich nach Möglichkeit regelmäßig, auch wenn es nur kurze Spaziergänge sind.
- Vermeiden Sie Verletzungen, zum Beispiel durch vorsichtiges Rasieren und weiche Zahnbürsten, um Blutungen zu vermeiden.
- Nehmen Sie fiebersenkende Mittel nicht ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin ein – manche Medikamente können die Blutgerinnung beeinflussen.
Medizinische Behandlungen
Es gibt verschiedene Behandlungsansätze: Medikamente, die das Knochenmark anregen oder das Immunsystem beeinflussen, Bluttransfusionen, die fehlende Blutzellen ersetzen, und eine Stammzelltransplantation, bei der das erkrankte Knochenmark durch gesunde Stammzellen ersetzt wird. Diese wird zum Beispiel bei schweren Formen der Leukämie eingesetzt. Welche Therapie für Sie die richtige ist, entscheidet das Behandlungsteam gemeinsam mit Ihnen – niemals sollten Sie eigenmächtig Medikamente absetzen oder einnehmen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Erkrankungen des Knochenmarks meistens nicht nötig. Die Stammzelltransplantation ist kein chirurgischer Eingriff im klassischen Sinn, sondern eine Übertragung über eine Infusion.
Leben mit der Erkrankung
Der Alltag mit einer Knochenmarkerkrankung verlangt Geduld. Schonende Bewegung, ausreichend Schlaf und das Einhalten von Terminen beim Behandlungsteam sind wichtig. Sie dürfen sich erlauben, Schwäche zuzulassen und sich Hilfe zu holen.
Tipps für den Alltag
- Ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten, soweit es Ihnen möglich ist.
- Auf Alkohol und Rauchen verzichten, da dies die Blutbildung belasten kann.
- Sorgfältige Hygiene, zum Beispiel häufiges Händewaschen, um Infektionen vorzubeugen.
- Zeit für Freunde und Familie, aber auch für sich selbst einplanen; Aktivität nach eigenem Tempo.
Ernährung und Bewegung
Essen Sie, worauf Sie Appetit haben, aber achten Sie auf eiweißreiche Lebensmittel wie Hülsenfrüchte oder Milchprodukte, wenn möglich. Bewegung wie Spazierengehen oder sanftes Yoga kann Kraft und Stimmung verbessern – hören Sie auf Ihren Körper und übertreiben Sie es nicht. Trinken Sie ausreichend, mindestens 1,5 bis 2 Liter pro Tag, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt nichts anderes empfiehlt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Erkrankung des Knochenmarks kann Angst, Trauer und Unsicherheit auslösen. Das ist ganz normal. Diese Gefühle gehören zu so einer Diagnose dazu. Sprechen Sie offen darüber – mit Ihren Angehörigen, Ihrem Behandlungsteam oder einer psychologischen Beratungsstelle. Wenn Sie sehr verzweifelt sind oder Gedanken an Selbstverletzung haben, rufen Sie sofort die 112 oder suchen Sie eine psychiatrische Notaufnahme auf.
Vorbeugung
Die meisten Knochenmarkerkrankungen lassen sich nicht sicher vorbeugen, weil ihre Ursachen weitgehend unbekannt oder nicht beeinflussbar sind. Aber ein gesunder Lebensstil – nicht rauchen, mäßiger Alkoholkonsum, ausgewogene Ernährung und Bewegung – stärkt die allgemeine Gesundheit und kann das Risiko für manche Blutkrankheiten senken.
Impfungen
Lassen Sie Ihre Standardimpfungen überprüfen und mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin besprechen, welche Impfungen bei Ihnen sinnvoll sind. Lebendimpfstoffe sind bei geschwächtem Immunsystem manchmal nicht erlaubt – das klärt das Behandlungsteam.
Früherkennungsprogramme
Eine allgemeine Vorsorgeuntersuchung speziell für Knochenmarkerkrankungen gibt es nicht. Wenn in Ihrer Familie Blutkrankheiten bekannt sind, kann eine genetische Beratung sinnvoll sein, aber das ist in der Regel nur bei sehr seltenen erblichen Formen der Fall.
Komplikationen
Unbehandelt
- Schwere Blutarmut, die zu Müdigkeit und Beteiligung des Herzens führen kann.
- Lebensbedrohliche Infektionen durch fehlende weiße Blutkörperchen.
- Unaufhaltbare Blutungen durch fehlende Blutplättchen, zum Beispiel im Gehirn oder Magen.
- Streuung von krankhaften Zellen in andere Organe, wenn eine Leukämie fortschreitet.
Langzeitprognose
Die Prognose bei Knochenmarkerkrankungen hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert. Je nach Art und Schwere der Erkrankung gibt es heute wirksame Behandlungen, die viele Menschen gut leben lassen. Auch wenn nicht jede Erkrankung heilbar ist – viele Menschen können mit einer angepassten Therapie weitermachen und ihren Alltag gestalten. Ein offenes Gespräch mit Ihrem Behandlungsteam gibt Ihnen die realistischsten Informationen zu Ihrer persönlichen Situation.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 14. August 2026
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