Darmverschluss (Ileus)
Übersicht
Ein Darmverschluss (medizinisch: Ileus) bedeutet, dass der Darminhalt nicht mehr weitertransportiert werden kann. Dadurch staut sich der Stuhl im Darm. Das ist ein Notfall und muss sofort behandelt werden, damit der Darm nicht geschädigt wird.
Wichtige Fakten
- Der Darm kann von einem Verschluss betroffen sein – im Dünndarm oder Dickdarm.
- Typische Anzeichen sind starke Bauchschmerzen, Erbrechen, ein aufgetriebener Bauch und der Verlust des Stuhlgangs.
- Eine schnelle Behandlung im Krankenhaus ist sehr wichtig, um Folgeschäden zu vermeiden.
- Ein Darmverschluss kann verschiedene Ursachen haben, zum Beispiel Verwachsungen oder Tumore.
Ein Darmverschluss ist nicht alltäglich, aber in deutschen Notaufnahmen wird er regelmäßig behandelt. Er kann jeden treffen, kommt aber häufiger bei älteren Menschen vor.
Besonders betroffen sind ältere Menschen, Personen mit Voroperationen am Bauch, Menschen mit einer bekannten Darmerkrankung wie Morbus Crohn und auch Säuglinge mit einer Darminvagination.
Symptome
- Rufen Sie sofort die 112 an, wenn Sie oder eine andere Person plötzlich starke, nicht nachlassende Bauchschmerzen haben.
- Bei Erbrechen von Blut oder Blut im Stuhl – rufen Sie den Notruf.
- Wenn der Bauch hart und stark aufgetrieben ist und gleichzeitig Fieber und Schüttelfrost auftreten.
- Wenn Sie Zeichen eines Kreislaufschocks bemerken, zum Beispiel Schwindel, kalten Schweiß oder Ohnmacht.
- ⚠Wenn Sie seit mehr als zwei Tagen keinen Stuhlgang und keine Winde haben und sich der Bauch gebläht anfühlt.
- ⚠Wenn Sie wiederholt erbrechen und kein Essen oder Trinken bei sich behalten.
- ⚠Wenn die Bauchschmerzen ständig zunehmen und auch nachts nicht besser werden.
Häufige Symptome
- Starke, krampfartige Bauchschmerzen, die kommen und gehen
- Ein zunehmend aufgeblähter, harter Bauch
- Übelkeit und wiederholtes Erbrechen
- Kein Stuhlgang und kein Abgang von Winden
- Fieber und ein schneller Puls (in späteren Stadien)
Ursachen
Hauptursachen
- Verwachsungen (sogenannte Adhäsionen) im Bauchraum, meist nach früheren Operationen
- Eingeweidebrüche (Hernien), bei denen der Darm eingeklemmt wird
- Tumore oder Polypen im Darm, die das Innere verengen
- Entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Divertikulitis
- Eine Darmverdrehung (Volvulus) oder eine Einstülpung des Darms (Invagination), besonders bei Säuglingen
Risikofaktoren
- Alter über 60
- Vorherige Bauchoperationen oder Verwachsungen
- Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
- Bewegungsmangel und lange Bettruhe
- Bestimmte Medikamente, die die Darmbewegung verlangsamen (z. B. starke Schmerzmittel) – sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie die oben genannten Notfallzeichen bemerken – rufen Sie den Notruf.
- Bei neu aufgetretenen, starken Bauchschmerzen, die in Wellen kommen und wieder gehen.
- Wenn Sie erbrechen und gleichzeitig keinen Stuhlgang mehr haben.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie seit mehreren Tagen unter Verstopfung und Blähungen leiden.
- Wenn Sie wiederkehrende, leichte Bauchschmerzen haben, die nicht vergehen.
- Wenn Sie ungewollt Gewicht verlieren oder sich der Stuhlgang verändert (z. B. bleistiftdünn).
Diagnose
Der Arzt stellt die Diagnose mit einer körperlichen Untersuchung, Ultraschall und meist einer Computertomographie (CT). Er horcht den Bauch mit dem Stethoskop ab und prüft, ob die Darmgeräusche fehlen. Zusätzlich sind Blutuntersuchungen nötig, um Entzündungen und den Allgemeinzustand zu beurteilen.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung: Abtasten und Abhören des Bauches
- Ultraschalluntersuchung des Bauches (Sonografie)
- Computertomographie (CT) des Bauchraums
- Blutuntersuchung mit Entzündungswerten und Elektrolyten
- Röntgenaufnahme des Bauches, manchmal mit Kontrastmittel
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Wenn Sie mit dem Verdacht auf einen Darmverschluss in die Notaufnahme kommen, erhalten Sie zunächst einen venösen Zugang. Man gibt Ihnen Flüssigkeit und überwacht Ihre Kreislaufwerte. Dann folgen die Untersuchungen. Sie werden gefragt, wann die Beschwerden begannen, welche Vorerkrankungen bestehen und ob Sie schon einmal am Bauch operiert wurden. Die Behandlung erfolgt nach den aktuellen Leitlinien der AWMF.
Behandlung
Ein Darmverschluss ist ein Notfall. Die Behandlung findet immer im Krankenhaus statt, oft auf einer Überwachungsstation. Das Ziel ist, den Darm zu entlasten und die Ursache zu beheben. Je nach Situation sind konservative Maßnahmen oder eine Operation nötig.
Selbsthilfe zu Hause
- Essen und trinken Sie nichts mehr, wenn Sie den Verdacht auf einen Darmverschluss haben – auch keine Abführmittel.
- Wenden Sie keine Hausmittel und Wärmflaschen an, das kann die Lage verschlimmern.
- Rufen Sie sofort ärztliche Hilfe oder die 112 an, anstatt zu Hause zu warten.
Medizinische Behandlungen
Im Krankenhaus wird der Magen-Darm-Trakt entlastet. Dazu erhalten Sie eine Infusion und vorübergehend eine Magensonde, die überschüssigen Magensaft absaugt. Bei einem reinen Dickdarmverschluss kann ein Einlauf helfen. Es gibt auch Medikamente, die die Darmtätigkeit wieder anregen – welche das sind, entscheidet Ihr Ärzteteam individuell. Die Grundkrankheit (z. B. eine Entzündung) wird ebenfalls behandelt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist notwendig, wenn der Darm abgeklemmt ist (z. B. bei einem Bruch), wenn ein Tumor den Darm verschließt, oder wenn ein Teil des Darms bereits geschädigt ist. Dabei wird der kranke Darmabschnitt entfernt und die gesunden Enden wieder verbunden. In manchen Fällen wird vorübergehend ein Stoma (künstlicher Darmausgang) angelegt, das später meist zurückverlegt wird.
Leben mit der Erkrankung
Nach einem Darmverschluss und einer möglichen Operation braucht der Darm Erholung. Sie werden im Krankenhaus geschult, was Sie in den ersten Tagen und Wochen beachten sollten. Nehmen Sie sich Zeit, und steigern Sie Ihre körperliche Belastung langsam.
Tipps für den Alltag
- Trinken Sie ausreichend – am besten Wasser oder ungesüßte Tees.
- Kauen Sie gründlich und essen Sie in Ruhe.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, zum Beispiel mit täglichen Spaziergängen.
- Vermeiden Sie schweres Heben in den ersten sechs bis acht Wochen nach einer Bauchoperation.
- Verzichten Sie auf Rauchen, da es die Darmdurchblutung verschlechtert.
Ernährung und Bewegung
Beginnen Sie mit kleinen, leichten Mahlzeiten. Bewährt sind gedünstetes Gemüse, Kartoffeln, Reis und mageres Fleisch oder Fisch. Greifen Sie nach und nach zu ballaststoffreichen Lebensmitteln wie Vollkornprodukten und Obst, aber steigern Sie die Menge langsam. Bewegung ist wichtig: Schon ein täglicher Spaziergang von 20 bis 30 Minuten bringt die Darmtätigkeit in Schwung. Hören Sie auf Ihren Körper und meiden Sie ein Völlegefühl.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein Darmverschluss ist ein schwerwiegendes Erlebnis. Angst vor einem erneuten Verschluss und Erschöpfung sind normal. Es hilft, offen mit Angehörigen oder einer psychologischen Beratungsstelle zu sprechen. Wenn Sie das Gefühl haben, die Belastung ist zu groß, wenden Sie sich an Ihren Hausarzt. In einer akuten Krise mit Selbstmordgedanken rufen Sie sofort die Notrufnummer 112 an oder suchen Sie die nächste Notaufnahme auf.
Vorbeugung
Ein Darmverschluss lässt sich nicht immer verhindern, aber Sie können Ihr Risiko senken: Trinken Sie genug, essen Sie ballaststoffreich, bewegen Sie sich täglich und gehen Sie regelmäßig zur Darmkrebsvorsorge. Wenn Sie bereits eine Bauchoperation hatten, besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob bestimmte Maßnahmen wie frühzeitige Mobilisation nach Operationen sinnvoll sind.
Früherkennungsprogramme
Für Menschen ab 50 Jahren ist die Darmkrebsvorsorge eine wichtige Möglichkeit, Tumore früh zu entdecken, bevor sie zu einem Darmverschluss führen. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt über die für Sie geeignete Vorsorgeuntersuchung.
Komplikationen
Unbehandelt
- Der Darmabschnitt kann absterben, weil die Blutversorgung abgeklemmt wird (Darmgangrän).
- Der Darm kann reißen und Darminhalt in die Bauchhöhle gelangen, was eine Bauchfellentzündung auslöst.
- Eine Blutvergiftung (Sepsis) kann lebensbedrohliche Kreislaufprobleme verursachen.
- Ohne Behandlung besteht Lebensgefahr.
Langzeitprognose
Die Prognose ist heute sehr gut, wenn ein Darmverschluss rechtzeitig erkannt und im Krankenhaus behandelt wird. Die meisten Menschen erholen sich vollständig. Nach einer Operation bleibt ein etwas erhöhtes Risiko für neue Verwachsungen, aber mit einer guten Nachsorge, gesunder Ernährung und regelmäßiger Bewegung können Sie viel dazu beitragen, dass Ihr Darm gesund bleibt.
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Zuletzt aktualisiert: 14. August 2026
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