Brucellose – eine Infektion von Tieren auf Menschen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Brucellose ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden kann. Sie wird auch Maltafieber oder Undulantfieber genannt. Die Bakterien befallen vor allem Rinder, Ziegen, Schafe und Schweine. Menschen können sich durch direkten Kontakt mit kranken Tieren oder durch den Verzehr von nicht pasteurisierten Milchprodukten anstecken.
Wichtige Fakten
- In Deutschland ist die Krankheit selten, weltweit kommt sie aber häufiger vor.
- Typische Anzeichen sind wiederkehrendes Fieber, Nachtschweiß und Gelenkschmerzen.
- Die Diagnose wird über Blutuntersuchungen gestellt.
- Mit einer frühzeitigen Antibiotikabehandlung ist die Prognose gut.
In Deutschland ist Brucellose selten. Jedes Jahr werden nur wenige Fälle gemeldet, meist bei Menschen, die im Ausland Kontakt mit Tieren oder bestimmten Milchprodukten hatten. In manchen Ländern des Mittelmeerraums, Afrikas, Asiens und Südamerikas kommt sie häufiger vor.
Betroffen sind vor allem Menschen, die beruflich mit Tieren zu tun haben: Landwirte, Tierärzte, Schlachthofmitarbeiter und Schäfer. Auch Reisende, die nicht pasteurisierte Milch oder Käse aus Risikogebieten trinken oder essen, können sich anstecken.
Symptome
- Hohes Fieber mit starken Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit und Lichtscheu – das kann ein Zeichen einer Hirnhautentzündung sein.
- Schmerzen im Brustkorb oder Atemnot – möglicherweise ist das Herz betroffen.
- Plötzliche Lähmungen oder Krampfanfälle – das Nervensystem kann betroffen sein.
- ⚠Fieber, das länger als drei Tage anhält und nach Tierkontakt oder Reisen aufgetreten ist.
- ⚠Starke, zunehmende Gelenkschmerzen oder eine schmerzhaft geschwollene Stelle.
- ⚠Ungewöhnliche Schwäche oder anhaltende Erschöpfung, die den Alltag einschränkt.
Häufige Symptome
- Fieber, das regelmäßig wiederkehrt und wellenförmig ansteigt
- Starkes Schwitzen, besonders nachts
- Müdigkeit und ausgeprägte Abgeschlagenheit
- Gelenkschmerzen und Muskelschmerzen
- Kopfschmerzen
- Appetitlosigkeit und ungewollter Gewichtsverlust
- Bauchschmerzen, Übelkeit oder Durchfall
Symptome bei Kindern
- Kinder zeigen oft unspezifische Symptome wie Bauchschmerzen, Übelkeit oder Müdigkeit.
- Gelenkschmerzen und Fieber ohne klare Ursache können ebenfalls auftreten.
- Ein Hautausschlag kommt bei Kindern gelegentlich vor, ist aber selten.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen kann die Krankheit schwerer verlaufen.
- Häufig sind die Gelenke und die Wirbelsäule betroffen.
- Erschöpfung und Schwäche können länger anhalten und den Alltag stark beeinträchtigen.
Ursachen
Hauptursachen
- Brucellose wird durch Bakterien der Gattung Brucella verursacht.
- Sie gelangen über Tierkontakt oder durch Lebensmittel in den Körper.
- Häufige Ansteckungswege sind: Trinken von Rohmilch oder nicht pasteurisierten Milchprodukten, direkter Kontakt mit Blut, Urin oder Nachgeburten infizierter Tiere – zum Beispiel bei der Geburt von Tieren.
- Auch das Einatmen von erregerhaltigem Staub im Stall oder Schlachthof kann zu einer Ansteckung führen.
- Seltener dringen die Bakterien über kleine Hautwunden in den Körper ein.
Risikofaktoren
- Beruflicher Kontakt mit Tieren, vor allem in der Landwirtschaft, Tiermedizin oder Schlachterei
- Reisen in Länder, in denen Brucellose häufig vorkommt
- Verzehr von nicht pasteurisierter Rohmilch oder Rohmilchkäse im In- oder Ausland
- Arbeit im Labor mit Brucella-Bakterien ohne ausreichende Schutzmaßnahmen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie Fieber, Nachtschweiß und Gelenkschmerzen haben und in den letzten Wochen Kontakt zu Tieren oder nicht pasteurisierten Milchprodukten hatten, sollten Sie innerhalb von ein bis zwei Tagen eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen.
- Wenn Sie sich ungewöhnlich schwach fühlen oder starke Schmerzen haben, zögern Sie nicht, ärztlichen Rat einzuholen.
- Bei Notfällen wie Atemnot, starken Kopfschmerzen mit Nackensteifigkeit oder Lähmungen rufen Sie sofort die 112.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie anhaltende oder wiederkehrende Beschwerden bemerken, auch wenn sie nicht bedrohlich wirken, vereinbaren Sie einen Termin.
- Wer regelmäßig mit Tieren arbeitet und unklare Symptome hat, sollte dies beim Hausarzt oder der Hausärztin ansprechen.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zuerst nach Ihren Beschwerden, Reisen und möglichem Tierkontakt. Danach wird Blut abgenommen und im Labor auf Antikörper gegen Brucella-Bakterien untersucht. In einigen Fällen wird zusätzlich versucht, die Bakterien direkt in einer Blutkultur nachzuweisen.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest auf Antikörper gegen Brucella (Serologie)
- Blutkultur, um den Erreger direkt nachzuweisen
- Bei Gelenk- oder Knochenschmerzen: Röntgen, Ultraschall oder Magnetresonanztomographie (MRT)
- In besonderen Fällen: Untersuchung von Gelenkflüssigkeit oder Knochenmark
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Diagnose kann etwas Zeit in Anspruch nehmen, weil die Krankheit nicht leicht zu erkennen ist. Möglicherweise müssen Sie mehrmals Blut abgeben. Schildern Sie genau, ob Sie Tiere oder Lebensmittel aus Risikogebieten kontaktiert haben. Falls die Diagnose bestätigt wird, bespricht das medizinische Team mit Ihnen einen Behandlungsplan, der in der Regel mehrere Wochen dauert.
Behandlung
Brucellose ist gut behandelbar, wenn sie früh erkannt wird. Die Behandlung besteht aus Antibiotika, die über mehrere Wochen – meist sechs Wochen oder länger – regelmäßig eingenommen werden müssen. Wichtig ist, die Medikamente genau nach Anweisung einzunehmen, auch wenn Sie sich schon besser fühlen.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie die verschriebenen Antibiotika regelmäßig und bis zum Ende ein – auch bei Besserung.
- Schonen Sie sich und planen Sie Ruhepausen ein, besonders bei Fieber und Gelenkbeschwerden.
- Trinken Sie ausreichend Wasser oder ungesüßten Tee.
- Verzichten Sie auf Alkohol, da die Leber während der Infektion und der Behandlung belastet sein kann.
Medizinische Behandlungen
Die Ärztin oder der Arzt verschreibt in der Regel eine Kombination aus zwei Antibiotika, die gezielt gegen die Brucella-Bakterien wirken. Diese müssen über mehrere Wochen eingenommen werden. Zusätzlich können bei Bedarf Medikamente gegen Schmerzen und Fieber verordnet werden. Bitte nehmen Sie keine Antibiotika auf eigene Entscheidung ein, sondern immer nach ärztlicher Verordnung. In Deutschland orientieren sich Fachleute dabei an aktuellen Empfehlungen der AWMF-Leitlinien.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur in seltenen Komplikationsfällen nötig, zum Beispiel wenn sich Abszesse in Knochen oder Gelenken gebildet haben. Auch bei einer Herzbeteiligung (Endokarditis) kann ein chirurgischer Eingriff erforderlich sein. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird diese Möglichkeit ausführlich mit Ihnen besprechen.
Leben mit der Erkrankung
Nach einer überstandenen Brucellose fühlen sich viele Menschen noch wochenlang müde und schlapp. Planen Sie Ihren Alltag so, dass Sie genügend Zeit für Erholung haben. Hören Sie auf Ihren Körper und steigern Sie Aktivitäten langsam wieder.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige, aber nicht zu anstrengende Bewegung wie Spazierengehen hilft, neue Kraft zu schöpfen.
- Achten Sie auf feste Schlafzeiten und eine gute Schlafumgebung.
- Trinken Sie ausreichend – besonders wenn Sie nachts viel schwitzen.
- Wenn Sie beruflich mit Tieren arbeiten, besprechen Sie den richtigen Infektionsschutz mit der Betriebsärztin oder dem Betriebsarzt.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und ausreichend Eiweiß unterstützt das Immunsystem. Während der Behandlung sollten Milch und Milchprodukte pasteurisiert sein – im Zweifel fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Bewegung ist nach Abklingen der akuten Beschwerden förderlich; beginnen Sie mit kurzen Spaziergängen und steigern Sie sich allmählich.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine längere Infektionskrankheit kann auch die Seele belasten. Antriebslosigkeit, innere Unruhe oder ein gedrücktes Gefühl sind nicht ungewöhnlich. Das ist verständlich und kein Zeichen von Schwäche. Suchen Sie das Gespräch mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt, wenn es Ihnen seelisch nicht gut geht.
Vorbeugung
Ja, Brucellose lässt sich gut vermeiden. Wichtig sind: nur pasteurisierte Milch und Milchprodukte verwenden – besonders auf Reisen; bei beruflichem Tierkontakt Schutzhandschuhe und Schutzkleidung tragen; gründlich die Hände waschen nach jedem Tierkontakt; beim Umgang mit Nachgeburten, Tierblut oder Schlachtabfällen besonders vorsichtig sein.
Impfungen
Für Menschen gibt es derzeit keinen Impfstoff gegen Brucellose. In der Tiermedizin gibt es Impfstoffe für bestimmte Tiere, die in Deutschland aber streng reguliert sind.
Früherkennungsprogramme
Für Menschen mit beruflichem Risiko, etwa Tierärzte oder Laborpersonal, können regelmäßige Blutkontrollen im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge sinnvoll sein. Ein Screening für die gesamte Bevölkerung wird in Deutschland nicht empfohlen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Chronische Brucellose mit wiederkehrendem Fieber, starker Müdigkeit und Schwäche über Monate oder Jahre
- Entzündungen der Gelenke, besonders der Wirbelsäule, Hüfte oder Knie
- Herzentzündung (Endokarditis) – eine ernste Komplikation, die das Herz dauerhaft schädigen kann
- Befall des Nervensystems (Neurobrucellose) mit Kopfschmerzen, Lähmungen oder Hirnhautentzündung
Langzeitprognose
Wenn die Brucellose früh erkannt und richtig behandelt wird, heilt sie in den meisten Fällen vollständig aus. Die Behandlung dauert zwar mehrere Wochen und erfordert Geduld, aber die Aussichten sind sehr gut. Ihr medizinisches Team begleitet Sie während dieser Zeit und kann auch auf Rückschläge eingehen. Auch bei schweren Komplikationen gibt es heute gute Behandlungsmöglichkeiten.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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