Krebs: Das sollten Sie wissen – ein verständlicher Überblick
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Krebs ist keine einzelne Krankheit, sondern ein Oberbegriff für viele verschiedene Erkrankungen. Gemeinsam ist ihnen, dass sich Körperzellen unkontrolliert teilen und in umliegendes Gewebe einwachsen können. Diese veränderten Zellen können auch in andere Körperregionen wandern und dort Tochtergeschwülste (Metastasen) bilden. Krebs kann in fast jedem Organ oder Gewebe entstehen.
Wichtige Fakten
- Krebs entsteht, wenn die Erbsubstanz (DNA) von Zellen so verändert wird, dass das Wachstum und die Teilung der Zellen aus dem Gleichgewicht geraten.
- Es gibt mehr als 200 verschiedene Krebsarten, die sich in Ursachen, Verlauf und Behandlung unterscheiden.
- Nicht jede Geschwulst ist bösartig: Gutartige Tumore wachsen meist begrenzt und streuen nicht in den Körper aus.
- Viele Krebsarten sind bei frühzeitiger Erkennung gut behandelbar, und die Heilungschancen sind bei vielen Formen heute deutlich besser als früher.
Ja, Krebs ist in Deutschland weit verbreitet. Im Laufe des Lebens erkrankt etwa die Hälfte aller Menschen in Deutschland einmal an Krebs. Dank besserer Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten müssen viele Betroffene heute nicht mehr an ihrer Erkrankung sterben.
Krebs kann Menschen jeden Alters treffen, vom Kind bis zum alten Menschen. Allerdings steigt das Risiko mit zunehmendem Alter deutlich an. Die meisten Krebserkrankungen werden bei Menschen über 60 Jahren festgestellt. Auch familiäre Vorbelastung und bestimmte Lebensgewohnheiten beeinflussen das persönliche Risiko.
Symptome
- Atemnot in Ruhe
- Bewusstlosigkeit oder Krampfanfall
- Plötzliche einseitige Lähmung, Sprachstörung oder Sehstörung
- Sehr starke Schmerzen, die nicht nachlassen
- Hohes Fieber mit starkem Krankheitsgefühl oder Verwirrtheit
- Teerstuhl oder Blut im Stuhl mit Kreislaufbeschwerden
- ⚠Fieber über 38,5 Grad Celsius, das länger als 24 Stunden anhält
- ⚠Starke oder sich verschlimmernde Schmerzen, die nicht auf übliche Maßnahmen ansprechen
- ⚠Wiederholtes Erbrechen über mehr als 12 Stunden ohne sichtbare Ursache
- ⚠Starke oder zunehmende Atemnot bei körperlicher Belastung
- ⚠Blut im Urin oder Stuhl ohne Schmerzen
- ⚠Plötzliche, große Beinschwellung
Häufige Symptome
- Ungewollter Gewichtsverlust über mehrere Wochen oder Monate
- Anhaltende, unerklärliche Müdigkeit oder Leistungsabfall
- Neu auftretende Knoten oder Schwellungen
- Veränderungen eines Muttermals oder Hautveränderungen
- Anhaltende Schluckbeschwerden oder Heiserkeit
- Veränderungen der Stuhl- oder Urin Gewohnheiten
- Anhaltender Husten oder Bluthusten
- Unerklärliche Blutungen oder Ausfluss
Symptome bei Kindern
- Krebserkrankungen bei Kindern sind selten, aber möglich. Warnzeichen können sein: dauerhafte Blässe, unerklärliches Fieber, geschwollene Lymphknoten, Knochenschmerzen oder eine sicht- und fühlbare Schwellung im Bauch, am Kopf oder am Hals.
- Auch anhaltende Kopfschmerzen mit Erbrechen am Morgen können ein Warnzeichen sein.
- Wenn Ihr Kind über mehrere Wochen Beschwerden hat, sollten Sie diese von einer Kinderärztin oder einem Kinderarzt abklären lassen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen können Krebspatienten untypische und unspezifische Beschwerden wie allgemeine Schwäche, Appetitlosigkeit, Verwirrtheit, neue Stürze oder anhaltende Schmerzen zeigen.
- Auch plötzliche Veränderungen im Verhalten oder ein deutlicher Rückgang der körperlichen Leistungsfähigkeit können Hinweise sein.
- Anhaltende Verstopfung oder Stuhlinkontinenz sollten ebenfalls ärztlich abgeklärt werden.
Ursachen
Hauptursachen
- Krebs entsteht durch Veränderungen im Erbgut (Mutationen), die sich im Laufe des Lebens in einzelnen Zellen ansammeln.
- Manche Menschen erben fehlerhafte Gene, die das Krebsrisiko erhöhen.
- Auch äußere Einflüsse wie Tabakrauch, übermäßige UV-Strahlung, bestimmte Viren und Chemikalien können das Erbgut schädigen.
- Nicht jede Zellveränderung wird bösartig – der Körper kann viele Fehler selbst reparieren, aber nicht immer.
Risikofaktoren
- Tabakrauchen, auch Passivrauchen
- Übermäßiger Alkoholkonsum
- Starkes Übergewicht (Adipositas)
- Ungesunde Ernährung mit wenig Obst und Gemüse
- Zu wenig körperliche Bewegung
- Lange UV-Strahlung durch Sonne oder Solarium
- Infektionen mit HPV-, Hepatitis-B- oder Hepatitis-C-Viren
- Familiäre Krebserkrankungen
- Alter über 50 Jahre
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Sie einen Knoten, eine Beule oder eine Schwellung an Ihrem Körper neu entdecken, die nicht innerhalb von zwei bis vier Wochen verschwindet.
- Sie ungewollt abnehmen (mehr als 5 Prozent des Körpergewichts innerhalb von sechs bis zwölf Monaten), ohne dass Sie Diät halten.
- Sie Blut im Stuhl, im Urin, beim Husten oder Auswurf bemerken.
- Sie eine Veränderung an einem Muttermal bemerken (zum Beispiel Asymmetrie, unregelmäßiger Rand, Farbveränderung, Größenzunahme oder Juckreiz).
- Anhaltende Schluckbeschwerden, Heiserkeit, Magenschmerzen oder Veränderungen der Stuhlgewohnheiten über mehr als vier Wochen bestehen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sie zur Früherkennung gehen, zum Beispiel zur Darmkrebsvorsorge ab 50, Mammographie-Screening ab 50 oder Hautkrebs-Screening ab 35.
- Sie haben eine bekannte familiäre Krebserkrankung und möchten Ihr Risiko einschätzen lassen.
- Sie haben Langzeitbeschwerden wie chronischen Husten, Sodbrennen oder nächtliches Schwitzen, die mehrfach behandelt wurden und nicht besser werden.
Diagnose
Um eine Krebserkrankung zu erkennen oder auszuschließen, ist eine gründliche Untersuchung nötig. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird zuerst mit Ihnen über Ihre Beschwerden und Ihre Krankengeschichte sprechen und Sie von Kopf bis Fuß untersuchen. Danach folgen je nach Verdacht weitere Tests. Nur eine Gewebeprobe (Biopsie) kann letztendlich sicher bestätigen, ob es sich um Krebs handelt und um welche Art.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung: zeigt Veränderungen der Blutzellen, Entzündungszeichen oder Tumormarker, die aber auch bei harmlosen Erkrankungen erhöht sein können.
- Bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Röntgen, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT).
- Endoskopie, zum Beispiel Magen- oder Darmspiegelung, um Gewebe direkt zu betrachten und Proben zu entnehmen.
- Gewebeprobe (Biopsie): Uni eine kleine Menge des verdächtigen Gewebes wird mit einer Nadel oder während einer Operation entnommen und unter dem Mikroskop untersucht.
- Genetische Untersuchungen, wenn bestimmte Erbgutveränderungen vermutet werden.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Wenn der Verdacht auf Krebs besteht, überweist Sie Ihre Ärztin oder Ihr Arzt meist an eine spezialisierte Praxis, eine Klinik oder ein zertifiziertes Krebszentrum. Dort werden die Untersuchungen geplant und ausgewertet. Bis zur vollständigen Klärung können einige Tage oder Wochen vergehen. Das Warten ist oft belastend, aber wichtig, um eine sichere Diagnose zu stellen. Sie dürfen sich jederzeit eine zweite ärztliche Meinung einholen.
Behandlung
Jede Krebserkrankung wird individuell behandelt. Eine Tumorkonferenz – ein Team aus Fachleuten verschiedener Disziplinen – erstellt gemeinsam einen Behandlungsplan. Dabei fließen Tumorart, Ausdehnung, Ihre körperliche Verfassung und Ihre persönlichen Wünsche ein. Ziel ist es, die Krankheit zu heilen oder wenn das nicht möglich ist, das Fortschreiten so lange wie möglich zu bremsen und Ihre Lebensqualität zu erhalten.
Selbsthilfe zu Hause
- Informieren Sie sich in Ruhe über die Erkrankung, aber vermeiden Sie endloses Suchen im Internet, das oft unnötig Angst macht.
- Sprechen Sie offen mit Ihrem Behandlungsteam über Ängste, Schmerzen und Nebenwirkungen.
- Planen Sie Zeiten für Erholung und schaffen Sie sich kleine tägliche Routinen, die Ihnen guttun.
- Nehmen Sie genügend Flüssigkeit zu sich und ernähren Sie sich so ausgewogen wie möglich.
- Bewegen Sie sich regelmäßig im Rahmen Ihrer Kräfte – auch ein kurzer Spaziergang kann helfen.
Medizinische Behandlungen
Je nach Tumorart und Stadium können verschiedene Behandlungen allein oder kombiniert eingesetzt werden: eine Operation, bei der der Tumor entfernt wird; eine Strahlentherapie, bei der die Krebszellen mit hochenergetischer Strahlung zerstört werden; eine systemische Therapie, zu der klassische Chemotherapie, zielgerichtete Medikamente, Immuntherapie und Hormontherapie gehören. Diese Medikamente werden als Infusion, Tablette oder Spritze verabreicht. Die Behandlung richtet sich nach den aktuellen wissenschaftlichen Leitlinien, zum Beispiel den AWMF-Leitlinien, die in Deutschland die Behandlungsstandards festlegen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist oft ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Sie kann eingesetzt werden, um den Tumor vollständig zu entfernen, die Diagnose zu sichern oder Komplikationen zu verhindern. Bei manchen Krebsarten im Frühstadium kann die Operation allein bereits eine Heilung bringen. Wie umfangreich der Eingriff ist, hängt von der Lage des Tumors und seiner Ausbreitung ab.
Leben mit der Erkrankung
Krebs verändert den Alltag. Es ist völlig normal, dass sich die Energie, die Stimmung und die Prioritäten verändern. Erlauben Sie sich, Grenzen zu setzen und Aufgaben abzugeben. Planen Sie Ruhepausen ein und nehmen Sie Unterstützung von Angehörigen, Freundinnen und Freunden an. Auch wenn Sie in Behandlung sind, können viele Aktivitäten des täglichen Lebens erhalten bleiben oder in angepasster Form möglich sein.
Tipps für den Alltag
- Falls Sie rauchen: Versuchen Sie, das Rauchen aufzuhören – jede Zigarette weniger ist ein Gewinn.
- Trinken Sie Alkohol nur in Maßen oder besser: gar nicht.
- Schützen Sie Ihre Haut vor intensiver Sonne, insbesondere wenn eine Hautkrebstherapie stattgefunden hat.
- Suchen Sie sich ein Ausgleichshobby, das Ihnen Freude macht, wie Lesen, Musik, Malen oder Handarbeiten.
- Pflegen Sie soziale Kontakte, auch wenn Sie sich zeitweise zurückziehen möchten.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und ausreichend Eiweiß kann dabei helfen, Ihre Kräfte zu bewahren. Lassen Sie sich bei Bedarf von Ernährungsfachkräften beraten. Bewegung ist in der Regel empfehlenswert und kann Müdigkeit, Stimmung und Muskelkraft verbessern. Passen Sie die Aktivität an Ihr aktuelles Befinden an – es gibt keinen Leistungsdruck. Schon regelmäßige Spaziergänge oder leichte Gymnastik sind ein guter Anfang.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Krebsdiagnose ist eine tiefgreifende emotionale Belastung. Viele Betroffene erleben Phasen von Angst, Trauer, Wut oder Scham. Diese Gefühle sind normal und kein Zeichen von Schwäche. Wenn die Belastung anhält oder Sie sich antriebslos fühlen, sprechen Sie es bei Ihrem Behandlungsteam an – psychoonkologische Unterstützung kann sehr helfen. Wenn Sie Gedanken haben, sich das Leben zu nehmen, suchen Sie sofort professionelle Hilfe, zum Beispiel über die Telefonseelsorge oder den Notruf 112.
Vorbeugung
Man kann Krebs nicht garantiert verhindern, aber das Risiko lässt sich deutlich senken. Ein gesunder Lebensstil mit Rauchverzicht, mäßigem Alkoholkonsum, ausreichend Bewegung, einer ausgewogenen Ernährung und Schutz vor UV-Strahlung verringert das Risiko für viele Krebsarten. Auch die Früherkennung ist wichtig, denn entdeckt man eine Vorstufe oder ein frühes Stadium, sind die Heilungschancen oft sehr gut.
Impfungen
Gegen bestimmte Viren, die Krebs verursachen können, gibt es Schutzimpfungen: Zum Beispiel gegen Humane Papillomviren (HPV), die Gebärmutterhalskrebs und andere Tumore auslösen können, und gegen Hepatitis-B-Viren, die Leberkrebs begünstigen. Welche Impfungen für Sie persönlich sinnvoll sind, besprechen Sie am besten mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt. Die STIKO empfiehlt die HPV-Impfung für Kinder und Jugendliche im Alter von 9 bis 14 Jahren, eine Nachholimpfung ist bis zum 17. Lebensjahr möglich.
Früherkennungsprogramme
Für einige Krebsarten bietet das deutsche Gesundheitssystem Früherkennungsuntersuchungen an. Dazu gehören die Krebsvorsorge beim Frauenarzt inklusive Abstrich für Gebärmutterhalskrebs, die Mammographie-Screening für Brustkrebs, das Hautkrebsscreening sowie die Darmkrebsvorsorge mit Stuhltest oder Darmspiegelung. Die Teilnahme wird je nach Alter und Risiko empfohlen. Die genauen Leistungen und Intervalle sind in den Krebsfrüherkennungs-Richtlinien festgelegt und werden regelmäßig nach dem Stand der Wissenschaft überprüft – zentrale Grundlage sind unter anderem die AWMF-Leitlinien.
Komplikationen
Unbehandelt
- Der Tumor kann weiter wachsen und benachbartes Gewebe oder Organe verdrängen und schädigen.
- Krebszellen können über Blut oder Lymphbahnen in andere Körperregionen wandern und dort Absiedlungen (Metastasen) bilden.
- Unbehandelt kann Krebs zu schweren Blutungen, Infektionen, Thrombosen oder Knochenbrüchen führen.
- Ein fortschreitender Tumor kann lebenswichtige Organe beeinträchtigen und zum Tod führen.
Langzeitprognose
Eine Krebsdiagnose ist heute kein Todesurteil. Durch die ständige Weiterentwicklung von Diagnose und Behandlung haben sich die Heilungschancen bei vielen Krebsarten deutlich verbessert. Insbesondere wenn die Krankheit früh erkannt wird, kann sie oft geheilt oder dauerhaft kontrolliert werden. Auch bei fortgeschrittener Erkrankung gibt es heute viele Möglichkeiten, das Leben zu verlängern und die Lebensqualität zu erhalten. Es gibt immer Hoffnung, und ein gestärktes Netzwerk aus Behandlungsteam, Angehörigen und Selbsthilfe trägt wesentlich dazu bei.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- Deutsche Krebshilfe ↗ · Deutschland
- Deutsche Krebsgesellschaft ↗ · Deutschland
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 2. August 2026
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