Krebs und Bewegung – So hilft Ihnen Sport, den Alltag besser zu bewältigen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Bewegung bei Krebs meint körperliche Aktivität, die speziell auf die Situation von Menschen mit Krebs abgestimmt ist. Sie ersetzt keine Krebsbehandlung, aber sie kann helfen, den Körper zu stärken, Ängste zu lindern und das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern. Sie ist ein begleitendes Angebot, das in Absprache mit dem Behandlungsteam stattfindet.
Wichtige Fakten
- Schon leichte Bewegung wie Gehen, Dehnen oder sanftes Krafttraining kann helfen, Kräfte zu erhalten und Müdigkeit, die bei Krebs oft als Fatigue bezeichnet wird, zu verringern.
- Bewegung wird in Deutschland zunehmend als fester Bestandteil der Krebsbehandlung und Nachsorge empfohlen – auch in den AWMF-Leitlinien.
- Es gibt keine bestimmte Menge, die man erreichen muss. Jeder kleine Schritt, der guttut, ist ein Erfolg.
Ja. Immer mehr Krebszentren und Sportvereine bieten spezielle onkologische Bewegungsgruppen an. Bewegung wird heute vielen Menschen mit Krebs empfohlen, unabhängig vom Alter oder von der Krebsart.
Bewegung hilft Menschen jeden Alters, die an Krebs erkrankt sind – während der Behandlung, in der Nachsorge oder bei fortgeschrittener Erkrankung. Die richtige Art und Menge hängt stark von der individuellen Situation ab, zum Beispiel von der Krebsart, der Behandlung, der körperlichen Verfassung und der persönlichen Erfahrung.
Symptome
- Schmerzen oder Engegefühl in der Brust während körperlicher Aktivität
- Plötzlich auftretende Atemnot, die sich im Stehen oder Sitzen nicht bessert
- Ohnmacht oder das Gefühl, gleich bewusstlos zu werden
- Plötzliche starke Kopfschmerzen oder Sehstörungen
- Starke Blutungen, zum Beispiel aus einer Wunde oder ohne erkennbare Ursache
- ⚠Fieber über 38 Grad Celsius
- ⚠Neue, unerklärliche Schmerzen, die nicht verschwinden
- ⚠Deutliche Schwäche in Armen oder Beinen
- ⚠Anhaltende Übelkeit oder Erbrechen nach dem Training
- ⚠Ungewöhnliche Schwellung, Rötung oder Überwärmung an einer Stelle
Häufige Symptome
- Starke, außergewöhnliche Erschöpfung nach dem Training, die nicht wieder nachlässt
- Schwindel oder Benommenheit während oder nach der Bewegung
- Deutliche Atemnot bei leichter Anstrengung
- Neue oder stärkere Schmerzen als sonst
- Übelkeit oder Erbrechen als Reaktion auf die Bewegung
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern mit Krebs stehen Spiel und leichte Bewegung im Vordergrund. Achten Sie auf Anzeichen von Erschöpfung, Blässe oder große Müdigkeit, dann ist ein Ruhetag sinnvoll. Auch starkes Weinen ohne klaren Grund kann ein Zeichen sein, dass das Kind sich überlastet.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen ist besonders auf Gleichgewicht und Sturzgefahr zu achten. Warnzeichen sind Unsicherheit beim Gehen, Schwindel und starke Erschöpfung nach kleinen Anstrengungen. Kurze, häufige Bewegungseinheiten sind oft besser als lange und anstrengende Einheiten.
Ursachen
Hauptursachen
- Krebs entsteht, wenn sich Zellen unkontrolliert teilen, weil ihre Erbinformationen geschädigt sind. Bewegung ist keine Ursache von Krebs, sondern eine unterstützende Maßnahme, die den Körper während und nach einer Krebserkrankung kräftigen kann.
- Zu den Ursachen für Krebs können erbliche Veranlagung, Umwelteinflüsse, bestimmte Viren, Strahlung und ein Zusammenwirken mehrerer Faktoren gehören.
- Für viele Krebserkrankungen gibt es keine einzelne, eindeutig festlegbare Ursache. Bewegung kann dazu beitragen, das Risiko für bestimmte Krebsarten zu senken und Körper und Seele zu stärken.
Risikofaktoren
- Tabakrauchen
- Starker Alkoholkonsum
- Zu viel UV-Strahlung, zum Beispiel durch Sonne oder Solarium
- Übergewicht und Bewegungsmangel
- Infektionen mit bestimmten Viren, zum Beispiel Hepatitis-B-Viren oder Humane Papillomviren (HPV)
- Höheres Alter und familiäre Vorbelastung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn während oder nach Bewegung Notfallzeichen wie Brustschmerz, starke Atemnot oder Ohnmacht auftreten, rufen Sie sofort die 112 an.
- Bei Fieber, anhaltender Übelkeit, starken neuen Schmerzen oder ungewöhnlicher Schwäche suchen Sie noch am selben Tag eine Ärztin oder einen Arzt auf.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sprechen Sie immer mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, bevor Sie mit einem neuen Bewegungsprogramm beginnen, besonders während einer Chemotherapie oder Strahlentherapie.
- Besprechen Sie anhaltende Erschöpfung – die sogenannte Fatigue – oder Schmerzen, die Sie am Alltag hindern.
Diagnose
Bevor Sie mit Bewegung beginnen, klärt das Behandlungsteam, welche Aktivitäten sicher und sinnvoll sind. Dafür gibt es ein Gespräch und eine Untersuchung. Es geht nicht um eine Diagnose der Bewegung, sondern um einen individuellen Plan, der zu Ihrer Krebserkrankung und Behandlung passt.
Mögliche Untersuchungen
- Ärztliches Gespräch über bisherige körperliche Aktivität, Beschwerden, Therapien und Ziele
- Körperliche Untersuchung von Herz, Lunge, Lymphknoten und Bauch
- Blutuntersuchung, zum Beispiel zur Kontrolle von Blutwerten wie Hämoglobin oder Blutplättchen
- Bei bestimmten Vorerkrankungen auch ein Belastungstest oder eine Lungenfunktionsprüfung
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Sie bekommen einen persönlichen Bewegungsplan, der langsam aufgebaut wird. An manchen Tagen – zum Beispiel direkt nach einer Chemotherapie – ist weniger Bewegung sinnvoll. An guten Tagen können Sie etwas mehr tun. In vielen Krebszentren gibt es speziell geschulte Physiotherapeutinnen, Sporttherapeuten oder onkologische Trainingsgruppen, die Sie begleiten.
Behandlung
Bewegung ist keine Krebsbehandlung im engeren Sinn, aber ein sehr wichtiger unterstützender Baustein. Sie hilft dabei, die Nebenwirkungen der eigentlichen Krebsbehandlung zu verringern, Kraft und Muskeln zu erhalten, die Stimmung zu heben und das Vertrauen in den eigenen Körper zu stärken. Zum Bewegungsprogramm gehören Ausdauer, Kraft, Gleichgewicht und Entspannung.
Selbsthilfe zu Hause
- Bewegen Sie sich in kleinen Einheiten: 10 bis 20 Minuten leichte Bewegung, zum Beispiel Gehen oder sanftes Radfahren, mehrmals pro Woche
- Hören Sie auf Ihren Körper: Trainieren Sie so, dass es sich angenehm anfühlt und nicht bis zur Erschöpfung reicht
- Machen Sie einfache Kraft- und Gleichgewichtsübungen, zum Beispiel Aufstehen vom Stuhl oder Dehnübungen
- Planen Sie Ruhetage ein, besonders nach einer Behandlung
- Trinken Sie ausreichend Wasser, bevor Sie aktiv werden
Medizinische Behandlungen
Die eigentliche Krebsbehandlung kann aus einer Operation, Strahlentherapie, Chemotherapie, gezielten Therapie, Immuntherapie oder Hormontherapie bestehen. Welche Behandlung für Sie richtig ist, entscheidet das Behandlungsteam. Bewegung begleitet diese Maßnahmen und ersetzt sie nicht. Die medikamentöse Therapie ist ärztliche Sache – sprechen Sie sich immer mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn Sie eine Krebsoperation hatten, beginnen Sie mit Bewegung erst nach Freigabe durch das Operationsteam. Danach gibt es oft spezielle Rehabilitationsprogramme, die den Körper langsam wieder aufbauen.
Leben mit der Erkrankung
Bringen Sie Bewegung in den Alltag, ohne sich unter Druck zu setzen. Ein kurzer Spaziergang, etwas Gartenarbeit oder Treppensteigen sind gute Möglichkeiten. Ein kleines Bewegungstagebuch kann Ihnen helfen zu sehen, was Ihnen guttut und wann Sie sich erholen möchten.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft und Tageslicht nutzen
- Auf ausreichend Schlaf und feste Ruhezeiten achten
- Entspannungsübungen wie Atemübungen oder progressive Muskelentspannung ausprobieren
- An einer onkologischen Sportgruppe teilnehmen, wo speziell geschulte Trainerinnen und Trainer Übungen anleiten
- Mit Angehörigen oder Freundinnen und Freunden über Sorgen und Grenzen sprechen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung unterstützt Ihre Kräfte. Gute Eiweißquellen sind Hülsenfrüchte, Milchprodukte, Eier oder Fleisch, wenn Sie sie vertragen. Obst, Gemüse und Vollkornprodukte liefern wichtige Nährstoffe. Ernährung und Bewegung sollten nicht streng sein – nehmen Sie das, was Ihnen guttut, und lassen Sie sich im Zweifel von einem Ernährungsteam beraten.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose Krebs ist eine große Belastung. Angst, Trauer, Wut und Unsicherheit sind normale Gefühle. Bewegung kann helfen, den Kopf freizubekommen, das Gefühl von Ohnmacht zu verringern und besser zu schlafen. Sie ist aber kein Ersatz für seelische Unterstützung, wenn Sie sie brauchen.
Vorbeugung
Nicht jede Krebserkrankung lässt sich verhindern. Bewegung ist aber ein Faktor, der das Risiko für einige Krebsarten senken kann. Bei einer bestehenden Erkrankung hilft Bewegung vor allem dabei, den Körper zu unterstützen, die Lebensqualität zu verbessern und Beschwerden zu lindern.
Impfungen
Für bestimmte Krebsarten können Impfungen das Risiko verringern, zum Beispiel die Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) und gegen Hepatitis B. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob die Impfung für Sie oder Ihre Kinder empfohlen wird.
Früherkennungsprogramme
Die empfohlenen Früherkennungsuntersuchungen können manche Krebserkrankungen in einem frühen, oft besser behandelbaren Stadium entdecken. Dazu gehören zum Beispiel die Darmkrebsvorsorge, das Hautkrebsscreening und im Rahmen der gynäkologischen Vorsorge der Gebärmutterhalskrebs-Abstrich. Nehmen Sie Ihre Termine zur Krebsvorsorge wahr, besonders wenn in der Familie Krebserkrankungen vorgekommen sind.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wenn man sich bei Krebs gar nicht bewegt, kann schneller Muskelmasse abgebaut werden und die körperliche Leistungsfähigkeit sinkt.
- Bewegungsmangel kann Müdigkeit (Fatigue) verstärken und das Gefühl von Schwäche und Hilflosigkeit erhöhen.
- Lange Bettruhe und Bewegungsmangel können zu Gelenksteifheit, Stürzen und vermehrter Abhängigkeit von anderen führen.
- Wenn Bewegung dagegen übertrieben wird, können Schmerzen, Überlastung oder Verletzungen entstehen. Deshalb ist der langsame, abgestimmte Einstieg wichtig.
Langzeitprognose
Wer Bewegung in kleinen Schritten und mit fachlicher Begleitung umsetzt, kann in vielen Fällen Kraft, Ausdauer und Zuversicht zurückgewinnen. Bewegung senkt das Gefühl von Erschöpfung, hebt die Stimmung und hilft, den Alltag wieder mehr selbstständig zu bewältigen. Die Zeit mit Krebs bleibt herausfordernd, aber Sie können durch Bewegung aktiv etwas für Ihr Wohlbefinden tun.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) ↗ · Deutschland
- Deutsche Krebshilfe ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 2. August 2026
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