Krebs bei Kindern
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Krebs ist eine seltene, aber ernste Erkrankung, bei der sich Zellen im Körper unkontrolliert vermehren. Es gibt viele verschiedene Krebsarten im Kindesalter, zum Beispiel Leukämie (Blutkrebs), Lymphome (Krebs der Lymphknoten), Tumoren des Gehirns oder des Nervensystems. Die Behandlungsmöglichkeiten sind heute sehr gut.
Wichtige Fakten
- Krebs bei Kindern ist selten: In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 2.000 Kinder und Jugendliche neu.
- Die Heilungschancen sind heute sehr gut: Mehr als 80 von 100 Kindern werden geheilt.
- Die Behandlung findet in spezialisierten Kinderkliniken statt – oft nach festen Behandlungsplänen.
Nein, im Vergleich zu Erwachsenen erkranken nur wenige Kinder an Krebs. Etwa jedes 500. Kind erkrankt bis zum 15. Lebensjahr.
Krebs kann in jedem Alter im Kindes- und Jugendalter auftreten – vom Säugling bis zum Teenager. Manche Krebsarten sind in bestimmten Altersgruppen häufiger, zum Beispiel Leukämien im Vorschulalter.
Symptome
- Rufen Sie sofort die 112, wenn Ihr Kind plötzlich bewusstlos wird oder schwere Krampfanfälle hat.
- Wenn Ihr Kind plötzlich nicht mehr richtig atmen kann.
- Wenn Ihr Kind eine halbseitige Lähmung oder Sprachstörungen zeigt.
- Hinweis: Bei einem Kind, das bereits wegen Krebs behandelt wird, sind starke Blutungen, Fieber über 38,5 Grad Celsius oder eine plötzliche Verschlechterung des Allgemeinzustands Notfälle.
- ⚠Neue oder schnell wachsende Schwellungen sollten noch am selben Tag ärztlich abgeklärt werden.
- ⚠Starke, wiederkehrende Schmerzen, besonders nachts oder in den Knochen.
- ⚠Immer wieder auftretendes Erbrechen oder morgendliche Kopfschmerzen.
- ⚠Anhaltend erhöhte Temperatur ohne erkennbare Infektion.
- ⚠Ungewöhnliche Blutergüsse oder punktförmige blaue Flecken.
Häufige Symptome
- Ungewöhnliche Schwellungen oder Knoten, zum Beispiel am Hals, im Bauch oder an den Armen und Beinen
- Anhaltende Müdigkeit, Blässe und Antriebslosigkeit
- Unklares Fieber, das nicht weichen will
- Nächtliches Schwitzen
- Kopfschmerzen, besonders morgens
- Erbrechen am Morgen
- Ungewöhnliche Blutergüsse oder Blutungen
- Schmerzen in Knochen, Gelenken oder im Rücken
- Ungewollter Gewichtsverlust
Symptome bei Kindern
- Bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Symptome schwer zu erkennen. Auffälligkeiten können Berührungsempfindlichkeit, ein vergrößerter Bauch oder ungewöhnliche Bewegungen sein.
- Ältere Kinder klagen vielleicht über anhaltende Müdigkeit, quälende Kopfschmerzen oder Schmerzen in den Beinen.
- Ein Leistungsabfall in der Schule oder eine ungewöhnliche Reizbarkeit kann auch ein Hinweis sein – muss es aber nicht.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Dieser Artikel beschäftigt sich mit Krebs bei Kindern. Erwachsene haben andere Krebsarten, zum Beispiel Lungen-, Darm- oder Hautkrebs.
- Bei Erwachsenen sind anhaltender Husten, Veränderungen von Muttermalen, ungewollter Gewichtsverlust oder Blut im Stuhl Warnzeichen – diese Symptome kommen bei Kindern seltener vor.
Ursachen
Hauptursachen
- Die genauen Ursachen für Krebs bei Kindern sind weitgehend unbekannt.
- In den meisten Fällen entsteht Krebs durch zufällige Veränderungen im Erbgut einer einzelnen Körperzelle.
- Nur selten spielen vererbte Genveränderungen eine Rolle.
Risikofaktoren
- Einige angeborene Erkrankungen wie bestimmte Chromosomenbesonderheiten können das Risiko leicht erhöhen, zum Beispiel das Down-Syndrom.
- Vorbehandlungen mit Strahlen oder Chemotherapie aus anderen Gründen erhöhen das Risiko für spätere Tumorerkrankungen geringfügig.
- Die allermeisten Kinder mit Krebs haben keine bekannten Risikofaktoren.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Ihr Kind eines der genannten Symptome hat – insbesondere eine neue Schwellung, anhaltendes Fieber, ungewollten Gewichtsverlust oder Blutergüsse ohne Unfall – lassen Sie es noch am selben Tag von einer Kinderärztin oder einem Kinderarzt untersuchen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei unklaren Beschwerden über mehr als zwei Wochen – zum Beispiel Müdigkeit, Blässe oder wiederholte Infekte – ist ein zeitnaher Arztbesuch sinnvoll.
- Nehmen Sie die regulären U-Untersuchungen beim Kinderarzt wahr, bei denen die körperliche Entwicklung geprüft wird.
Diagnose
Um herauszufinden, ob eine Krebserkrankung vorliegt, führt die Kinderärztin oder der Kinderarzt eine körperliche Untersuchung durch und fragt nach den Beschwerden. Bei Verdacht auf Krebs wird das Kind an eine Kinderklinik überwiesen, die auf Tumorerkrankungen spezialisiert ist.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung und Abtasten von Lymphknoten und Organen
- Blutuntersuchungen (Blutbild und weitere Laborwerte)
- Bildgebende Verfahren: Ultraschall, Röntgen, Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT)
- Biopsie: Entnahme und Untersuchung einer Gewebeprobe
- Knochenmarkpunktion: Untersuchung des Knochenmarks, oft bei Leukämieverdacht
- Lumbalpunktion: Entnahme von Nervenwasser, falls eine Beteiligung des Nervensystems möglich ist
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Diagnose wird in einem spezialisierten Zentrum gestellt. Das dauert oft einige Tage. Danach bespricht ein Team aus Fachleuten – das sogenannte Tumorboard – den Behandlungsplan. Die Klinik hilft Familien bei Fragen und Ängsten.
Behandlung
Bei Krebs im Kindesalter gibt es eine Reihe wirksamer Behandlungsmöglichkeiten. Die Therapie wird individuell geplant, abhängig von Krebsart, Ausbreitung und Alter des Kindes. Sie findet möglichst in einer spezialisierten kinderonkologischen Einrichtung statt.
Selbsthilfe zu Hause
- Halten Sie den Alltag so normal wie möglich: Spielen, Schularbeiten in der Klinik und regelmäßige Besuche, wenn die Ärztinnen und Ärzte einverstanden sind.
- Achten Sie auf ausreichend Schlaf und Ruhephasen.
- Sprechen Sie offen und altersgerecht über die Krankheit – Kinder spüren, wenn Eltern etwas belastet.
- Nehmen Sie Hilfe von Angehörigen, Freunden und psychosozialen Diensten an.
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung besteht je nach Erkrankung aus einer Operation, Strahlentherapie, Chemotherapie, zielgerichteten Medikamenten oder einer Immuntherapie. Häufig werden mehrere Methoden kombiniert. Bei bestimmten Formen kann auch eine Stammzelltransplantation eingesetzt werden. Die genaue Auswahl und Reihenfolge legt das Tumorteam fest – in Absprache mit den Eltern.
Wann kommt eine Operation infrage?
Bei soliden Tumoren (das heißt abgekapselten Tumoren, zum Beispiel in Niere oder Leber) ist die Operation oft der erste Behandlungsschritt. Ziel ist, das Tumorgewebe vollständig zu entfernen. Manchmal wird vor einer Operation eine Chemotherapie durchgeführt, um den Tumor zu verkleinern.
Leben mit der Erkrankung
Die Zeit der Behandlung ist intensiv und fordert die ganze Familie. Ihr Kind hat viele Termine, fühlt sich zeitweise schlapp oder hat Nebenwirkungen. Es ist in Ordnung, den Tag nach der Kraft des Kindes zu richten. Klinikclowns, Spieltherapie und Sozialarbeit können helfen, die Zeit leichter zu machen.
Tipps für den Alltag
- Bewegung an der frischen Luft: kurze Spaziergänge sind meist erlaubt, sobald der Arzt das grüne Licht gibt.
- Genügend Schlaf: Kinder, die krankheitsbedingt müde sind, brauchen oft mehr Ruhe.
- Hygiene: Regelmäßiges Händewaschen hilft, Infektionen zu vermeiden – besonders während einer Chemotherapie.
Ernährung und Bewegung
Während der Therapie kann der Appetit schwanken. Bieten Sie mehrere kleine Mahlzeiten an, die das Kind mag. Eine Ernährungsberatung in der Klinik unterstützt dabei. Körperliche Aktivität sollte nach den Empfehlungen der Ärzte erfolgen: von ruhigen Aktivitäten bis zu leichten Sportarten, je nach Allgemeinzustand.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Krebsdiagnose bei einem Kind ist ein Schock und löst Ängste aus – bei dem Kind, den Eltern und den Geschwistern. Gefühle von Wut, Trauer oder Unsicherheit sind normal. Psychologische Unterstützung gehört in der Kinderonkologie zum Standardangebot. Auch Eltern können Beratung in Anspruch nehmen.
Vorbeugung
Die meisten Krebserkrankungen bei Kindern lassen sich nicht verhindern. Sie entstehen plötzlich und ohne erkennbaren Auslöser. Deshalb sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen und eine aufmerksame Begleitung durch die Eltern besonders wichtig.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen Krebs im Kindesalter. Die allgemeinen Impfungen im Kindesalter, zum Beispiel gegen Masern, Mumps und Röteln, sind dennoch sehr wichtig: Sie schützen vor schweren Infektionen, die während einer Krebstherapie besonders gefährlich werden können. Auch die HPV-Impfung schützt später vor bestimmten Tumoren – sprechen Sie darüber mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt.
Früherkennungsprogramme
Es gibt derzeit keine allgemeinen Screening-Untersuchungen zur Früherkennung von Krebs bei Kindern. Die regulären U-Untersuchungen in Deutschland beinhalten eine körperliche Kontrolle, aber keinen Krebs-Test. Eltern sind die wichtigsten Beobachter: Jede länger bestehende Veränderung sollte ärztlich abgeklärt werden.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ohne Behandlung breitet sich der Tumor weiter aus und kann wichtige Organe verdrängen oder zerstören.
- Bei Leukämie kann es zu schweren Infektionen oder Blutungen kommen.
- Im fortgeschrittenen Stadium sinken die Heilungschancen deutlich.
Langzeitprognose
Die Prognose bei Krebs im Kindesalter ist heute sehr gut. Rund 80 bis 90 von 100 Kindern können geheilt werden. Die Behandlung ist anstrengend, aber moderne Therapien werden ständig verbessert. Viele Kinder leben später beschwerdefrei. Bei manchen bleiben Spätfolgen, die durch die Nachsorge gut begleitet werden können.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Krebsinformationsdienst ↗ · Deutschland
- Deutsche Kinderkrebshilfe ↗ · Deutschland
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 2. August 2026
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