Kardiomyopathie – wenn der Herzmuskel geschwächt ist
Übersicht
Kardiomyopathie ist eine Erkrankung des Herzmuskels. Dabei ist der Herzmuskel geschwächt, verdickt oder versteift. Dadurch kann das Herz das Blut nicht mehr so gut durch den Körper pumpen wie normal. Es gibt verschiedene Formen, zum Beispiel die dilatative (erweiterte), hypertrophe (verdickte) oder restriktive (steife) Kardiomyopathie.
Wichtige Fakten
- Kardiomyopathie bedeutet übersetzt „Herzmuskelkrankheit“.
- Die Erkrankung kann erblich bedingt sein oder sich später im Leben entwickeln.
- Mit einer guten Behandlung können viele Menschen gut mit der Erkrankung leben.
Kardiomyopathie ist selten, aber nicht extrem selten. In Deutschland leben schätzungsweise einige Zehntausend Menschen mit dieser Erkrankung. Viele Fälle werden allerdings nie entdeckt.
Kardiomyopathie kann Menschen jeden Alters betreffen – auch Kinder und junge Erwachsene. Manche Formen treten familiär gehäuft auf.
Symptome
- Starke Brustschmerzen oder ein Engegefühl, das länger als ein paar Minuten anhält
- Kollaps oder plötzlicher Bewusstseinsverlust
- Schwere Atemnot, die auch in Ruhe nicht besser wird
- Sehr schneller oder unregelmäßiger Herzschlag, der Schwindel verursacht
- ⚠Neue oder deutlich zunehmende Atemnot
- ⚠Schnelle Gewichtszunahme von 2–3 Kilogramm in wenigen Tagen
- ⚠Ständiges Herzrasen oder sehr langsame Herzschläge
- ⚠Wiederholte Ohnmachtsanfälle
Häufige Symptome
- Atemnot bei Belastung
- Müdigkeit und verminderte Leistungsfähigkeit
- Schwellungen an Knöcheln, Füßen oder Beinen
- Herzklopfen oder Herzrasen
- Schwindel oder Ohnmachtsanfälle
- Brustschmerzen
Ursachen
Hauptursachen
- Die Krankheit ist angeboren und wird vererbt.
- Bluthochdruck, der das Herz über Jahre belastet.
- Eine Entzündung des Herzmuskels, zum Beispiel nach einer Virusinfektion.
- Erkrankungen wie Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion.
- Übermäßiger Alkoholkonsum oder bestimmte Drogen.
- Eine Schwangerschaft kann den Herzmuskel schwächen (peripartale Kardiomyopathie).
Risikofaktoren
- Familiäre Vorbelastung
- Hoher Blutdruck
- Übergewicht
- Diabetes
- Alkoholmissbrauch
- Vorerkrankungen des Herzens oder der Schilddrüse
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei neu aufgetretener Atemnot, Schwindel, Herzrasen oder geschwollenen Beinen sollten Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe suchen.
- Wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Herz schlägt unregelmäßig oder zu schnell, und dies länger als ein paar Minuten anhält, wenden Sie sich sofort an Ihre ärztliche Praxis oder den Bereitschaftsdienst.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Suchen Sie einen Arzttermin, wenn Sie anhaltende Müdigkeit, Abgeschlagenheit oder ein Druckgefühl in der Brust bemerken.
- Wenn in Ihrer Familie bereits ein Fall von Kardiomyopathie bekannt ist, ist eine Vorsorgeuntersuchung sinnvoll – auch wenn Sie selbst keine Beschwerden haben.
Diagnose
Ihr Arzt befragt Sie zu Ihren Beschwerden, Ihrer Krankengeschichte und möglichen Herzerkrankungen in der Familie. Danach hört er Herz und Lunge ab und veranlasst in der Regel weitere Untersuchungen, um die Herzfunktion zu beurteilen.
Mögliche Untersuchungen
- Elektrokardiogramm (EKG) – misst die Herzströme
- Echokardiographie (Herzultraschall) – zeigt Herzkammern, Herzklappen und Pumpleistung
- Herz-MRT – erzeugt detaillierte Bilder vom Herzmuskel
- Blutuntersuchungen
- Belastungstest, zum Beispiel mit dem Fahrrad-Ergometer
- Genetischer Test, wenn eine erbliche Form möglich ist
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die meisten Untersuchungen sind schmerzfrei und dauern nur wenige Minuten. Oft überweist Sie Ihr Hausarzt an eine kardiologische Praxis oder ein Herz-Zentrum. Dort werden alle Untersuchungen durchgeführt und die Ergebnisse ausführlich mit Ihnen besprochen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Art und Schwere der Kardiomyopathie. Sie zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, Folgeerkrankungen zu verhindern und die Lebensqualität zu verbessern. Eine Heilung der Ursache ist oft nicht möglich, aber die Krankheit lässt sich in den meisten Fällen gut behandeln.
Selbsthilfe zu Hause
- Salzarme und ausgewogene Ernährung
- Auf Alkohol und Rauchen verzichten
- Tägliches Wiegen zur Kontrolle von Flüssigkeitseinlagerungen
- Bewegung in Absprache mit dem Arzt – nicht über die eigenen Grenzen
- Regelmäßige Ruhephasen einplanen
Medizinische Behandlungen
Ihr Arzt kann Ihnen Medikamente verschreiben, die das Herz entlasten, die Flüssigkeitsausscheidung fördern oder den Herzrhythmus stabilisieren. Welche Mittel für Sie geeignet sind, hängt von Ihrer Erkrankung ab und wird von Ihrem Kardiologen individuell festgelegt. Nehmen Sie alle Medikamente wie verordnet ein und sprechen Sie vor jeder Änderung mit Ihrem Arzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Bei manchen Formen kommen kleine eingepflanzte Geräte wie ein Herzschrittmacher oder ein implantierbarer Defibrillator in Frage. Sie unterstützen den Herzrhythmus. Bei einer verdickten Herzmuskelwand kann eine Operation helfen, das überschüssige Gewebe zu entfernen. In sehr schweren Fällen kann eine Herztransplantation nötig sein.
Leben mit der Erkrankung
Planen Sie Ihren Alltag mit Pausen. Hören Sie auf Ihren Körper und gönnen Sie sich Erholung. Viele Menschen finden es hilfreich, einen festen Tagesrhythmus zu behalten und Belastungen gut einzuschätzen.
Tipps für den Alltag
- Schlafen Sie ausreichend und legen Sie die Beine regelmäßig hoch.
- Vermeiden Sie extreme Hitze oder Kälte.
- Suchen Sie soziale Kontakte und sprechen Sie über Ihre Sorgen.
- Nehmen Sie alle Kontrolltermine bei Ihrem Herz-Team wahr.
Ernährung und Bewegung
Eine herzgesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten ist empfehlenswert. Achten Sie auf wenig Salz. Bewegung sollte regelmäßig, aber moderat sein – etwa Spazierengehen oder leichtes Radfahren. Besprechen Sie Ihr Sportprogramm vorher mit Ihrem Arzt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine chronische Herzerkrankung kann Angst machen und belasten. Es ist völlig normal, sich unsicher oder bedrückt zu fühlen. Scheuen Sie sich nicht, Unterstützung zu suchen – zum Beispiel durch ein Gespräch mit Ihrem Hausarzt oder eine psychologische Beratung.
Vorbeugung
Die erblichen Formen lassen sich nicht verhindern. Man kann aber den Verlauf günstig beeinflussen: durch eine gesunde Lebensweise, die Kontrolle von Blutdruck und Blutzucker sowie durch regelmäßige ärztliche Kontrollen.
Impfungen
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über eine Grippe- und Pneumokokken-Impfung. Diese Impfungen können Herzpatienten vor schweren Infektionen schützen.
Früherkennungsprogramme
Wenn in Ihrer Familie eine Kardiomyopathie bekannt ist, kann eine frühzeitige Untersuchung beim Kardiologen sinnvoll sein. Lassen Sie sich von Ihrem Hausarzt beraten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Herzschwäche (Herzinsuffizienz) mit zunehmender Atemnot und Wassereinlagerungen
- Schwere Herzrhythmusstörungen
- Blutgerinnsel, die zu einem Schlaganfall führen können
- Plötzlicher Herztod
Langzeitprognose
Mit einer guten Behandlung und regelmäßiger Kontrolle stehen die Chancen gut, dass Sie lange und weitgehend beschwerdefrei leben können. Jede Situation ist anders – bleiben Sie im Austausch mit Ihrem medizinischen Team, damit Sie die für Sie beste Unterstützung erhalten.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 20. Oktober 2026
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