Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Ein Leitfaden für Patienten
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Herz-Kreislauf-Erkrankungen (auch kardiovaskuläre Erkrankungen genannt) sind Krankheiten, die das Herz und die Blutgefäße betreffen. Dazu gehören zum Beispiel Verengungen der Herzkranzgefäße (koronare Herzkrankheit), Herzschwäche, Herzinfarkt, Schlaganfall und Durchblutungsstörungen in den Beinen. Die häufigste Ursache ist die Arterienverkalkung (Arteriosklerose), bei der sich Ablagerungen in den Gefäßwänden bilden und die Gefäße verengen.
Wichtige Fakten
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland die häufigste Todesursache.
- Viele Risiken wie Bluthochdruck, Rauchen und Bewegungsmangel lassen sich günstig beeinflussen.
- Eine gesunde Lebensweise kann das Risiko erheblich senken und die Prognose verbessern.
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind oft über Jahre still und werden häufig erst bei einem Ereignis wie einem Herzinfarkt entdeckt.
Ja, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind sehr häufig. In Deutschland leiden viele Millionen Menschen darunter, vor allem Menschen ab 60 Jahren. Auch jüngere Erwachsene sind betroffen, besonders wenn Risikofaktoren wie Rauchen oder Diabetes vorliegen.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen können jeden treffen, aber das Risiko steigt mit dem Alter. Männer erkranken statistisch früher, Frauen nach den Wechseljahren ebenfalls häufig. Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Fettstoffwechselstörungen sowie Raucher und Menschen mit Bewegungsmangel sind besonders gefährdet.
Symptome
- Starke Schmerzen oder Druck in der Brust, die länger als ein paar Minuten anhalten
- Schmerzen, die in beide Arme, den Rücken, Bauch oder Kiefer ausstrahlen, besonders mit Atemnot, Übelkeit oder Schweißausbruch
- Plötzliche Schwäche, Taubheit oder Lähmung im Gesicht, Arm oder Bein, vor allem auf einer Seite
- Plötzliche Sprach- oder Verständnisstörungen
- Plötzliche schwere Atemnot, die nicht nachlässt
- Ohnmacht oder Bewusstlosigkeit
- ⚠Neue oder zunehmende Schmerzen oder Engegefühl in der Brust bei Belastung oder in Ruhe
- ⚠Wiederholtes Herzstolpern oder anhaltendes Herzrasen
- ⚠Schwellung der Beine, die plötzlich zunimmt
- ⚠Schwindelattacken mit Sturzangst
- ⚠Nachlassende Belastbarkeit ohne klaren Grund
Häufige Symptome
- Druck- oder Engegefühl in der Brust, manchmal mit Ausstrahlung in den linken Arm, den Rücken oder den Kiefer
- Kurzatmigkeit bei Belastung oder in Ruhe
- Herzklopfen, Herzrasen oder unregelmäßiger Puls
- Schwindel oder Benommenheit
- Wassereinlagerungen in den Beinen und Knöcheln
- Müdigkeit und nachlassende körperliche Belastbarkeit
- Kalte Arme oder Beine, manchmal mit Schmerzen beim Gehen
Ursachen
Hauptursachen
- Arteriosklerose: Ablagerungen von Fetten, Cholesterin und Entzündungszellen in den Gefäßwänden verengen die Arterien und behindern den Blutfluss.
- Bluthochdruck: Der erhöhte Druck schädigt die Gefäßwände und das Herz auf Dauer.
- Diabetes mellitus: Ein schlecht eingestellter Blutzucker schädigt die Blutgefäße und Nerven.
- Entzündungen und Immunreaktionen: Seltenere Ursachen wie eine Herzmuskelentzündung oder Autoimmunerkrankungen können Herz und Gefäße angreifen.
Risikofaktoren
- Rauchen und Passivrauchen
- Hoher Blutdruck
- Erhöhte Blutfettwerte (vor allem LDL-Cholesterin)
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Übergewicht und Bauchfett
- Bewegungsmangel
- Ungesunde Ernährung mit viel Fett, Zucker und Salz
- Erhöhter Stress und negative Gefühle wie Ärger oder Angst
- Familien- und Erbanlage (Ereignisse bei nahen Verwandten in jungen Jahren)
- Zunehmendes Alter
- Schlafapnoe (nächtliche Atemaussetzer)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie wiederholt Schmerzen, Druck oder Enge in der Brust verspüren, auch wenn sie wieder verschwinden
- Bei plötzlichem Schwindel, Ohnmacht oder Stürzen ungeklärter Ursache
- Bei anhaltendem Herzrasen oder Herzstolpern
- Wenn Sie plötzlich deutlich schneller oder erschöpfter als sonst sind
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Lassen Sie Blutdruck, Blutzucker und Blutfette regelmäßig überprüfen, besonders wenn in Ihrer Familie Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorkommen
- Bei Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht oder Bewegungsmangel: Vereinbaren Sie einen Check-Up. In Deutschland haben Sie ab 35 Jahren alle drei Jahre Anspruch auf den Gesundheits-Check-up (vorher je nach Krankenkasse).
- Wenn Sie neue Beschwerden bemerken, die nicht weggehen, zum Beispiel geschwollene Knöchel oder anhaltende Müdigkeit
Diagnose
Das geschieht schrittweise. Zuerst nimmt Ihr Arzt oder Ihre Ärztin eine ausführliche Krankengeschichte auf und fragt nach Beschwerden, Risikofaktoren und Familienvorkommen. Danach folgen eine körperliche Untersuchung, Blutdruckmessung, Abhören von Herz und Lunge. Je nach Ergebnis und Verdacht werden weitere Tests in der Arztpraxis oder im Krankenhaus durchgeführt.
Mögliche Untersuchungen
- Elektrokardiogramm (EKG): Misst die elektrischen Herzströme und zeigt unter anderem Herzrhythmusstörungen oder Hinweise auf einen früheren Infarkt.
- Langzeit-EKG: Zeichnet das Herz über 24 Stunden auf.
- Belastungs-EKG: Beobachtet die Herztätigkeit während körperlicher Belastung, zum Beispiel auf dem Fahrrad.
- Echokardiographie (Ultraschall des Herzens): Zeigt die Herzgröße, die Pumpleistung und Form der Klappen.
- Blutuntersuchungen: Zeigen unter anderem Herzschädigung, Blutfette, Blutzucker und Nierenfunktion.
- Doppler-Sonographie: Misst die Strömung in den Blutgefäßen.
- Computer- oder Kernspintomographie (CT oder MRT): Können Gefäße und Herzkranzgefäße sichtbar machen.
- Herzkatheteruntersuchung: Nur bei bestimmten Fragestellungen, zeigt Engstellen in den Herzkranzgefäßen direkt.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Sie müssen keine Angst vor der Diagnostik haben. Die meisten Untersuchungen sind schmerzfrei oder nur kurz unangenehm. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt bespricht jeden Schritt mit Ihnen. Wichtig ist, dass Sie offen über Ihre Beschwerden und Ihren Lebensstil sprechen – nur so kann eine zuverlässige Beurteilung entstehen.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der genauen Art, der Schwere der Erkrankung und Ihrem persönlichen Gesamtrisiko ab. Sie besteht aus einer Änderung des Lebensstils, der Kontrolle von Blutdruck, Blutfetten und Blutzucker, Medikamenten sowie manchmal einem Eingriff. Ihr Behandlungsteam erstellt einen persönlichen Plan, der zu Ihnen passt. Ärzte und Ärztinnen orientieren sich dabei an aktuellen Leitlinien, etwa den AWMF-Leitlinien.
Selbsthilfe zu Hause
- Rauchen aufgeben: Das ist der wirksamste Einzelschritt – Ihre Ärztin kann Sie dabei unterstützen.
- Sich regelmäßig bewegen: mindestens 20 bis 30 Minuten pro Tag, zum Beispiel zügiges Gehen oder Radfahren.
- Auf eine herzgesunde Ernährung achten: viel Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchte, Nüsse und Fisch; weniger rotes Fleisch, Salz und Zucker.
- Stress abbauen: Entspannungsübungen, Atemtechniken, Hobbys, ausreichend Schlaf.
- Gewicht normalisieren: Schon ein paar Kilos weniger entlasten Herz und Gefäße.
- Alkohol nur wenig: Wenn möglich, gar keinen Alkohol trinken.
- Ärztliche Termine einhalten und Blutdruck / Blutzucker zuhause mitmessen, falls empfohlen.
Medizinische Behandlungen
Je nach Befund können Medikamente eingesetzt werden, die Blutdruck senken, die Blutfette günstig beeinflussen, die Blutgerinnung hemmen, dem Herzen die Arbeit erleichtern oder den Herzrhythmus stabilisieren. Die konkrete Auswahl und die Dosierung müssen individuell von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt festgelegt und regelmäßig überprüft werden. Nehmen Sie Medikamente immer so ein, wie verordnet, und setzen Sie nichts von sich aus ab.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn Engstellen in den Herzkranzgefäßen stark ausgeprägt sind oder eine akute Gefahr besteht, kann ein Eingriff nötig sein. Dazu gehören eine Ballonerweiterung mit Stützen (Stent), eine Bypass-Operation, Herzklappenoperationen oder bei schwerer Herzschwäche auch ein Herzschrittmacher oder ein implantierbarer Defibrillator. Die Entscheidung treffen Spezialistinnen und Spezialisten gemeinsam mit Ihnen, immer abgestimmt auf Ihre individuelle Situation.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung ist im Alltag vieles möglich. Wichtig ist, den eigenen Rhythmus zu finden und sich nicht zu überfordern. Hören Sie auf die Signale Ihres Körpers. Nehmen Sie an einer strukturierten Herzgruppe (Herzsport) teil, wenn Sie dazu ärztlich freigegeben sind. Pflegen Sie Ihre Kontakte und planen Sie Erholungspausen fest in den Tag ein.
Tipps für den Alltag
- Nehmen Sie verschriebene Medikamente zuverlässig ein – auch wenn Sie sich gut fühlen.
- Kontrollieren Sie Ihren Blutdruck zuhause, falls empfohlen.
- Vereinbaren Sie regelmäßige Kontrolltermine.
- Vermeiden Sie Situationen mit extremem Stress oder Anstrengung, wenn Ihnen Ihr Arzt davon abrät.
- Schlafen Sie ausreichend und behandeln Sie Schlafprobleme aktiv.
- Führen Sie ein Leben in Balance: Aktiv sein, ohne sich auszupowern.
Ernährung und Bewegung
Bewegung und Ernährung sind die beiden wichtigsten Stützen im Alltag. Eine überwiegend pflanzliche Kost mit wenig gesättigten Fetten hilft dabei, Blutfette und Blutdruck zu verbessern. Bewegung sollte keine belastende Pflicht sein, sondern Freude machen: Gehen, Schwimmen, Gymnastik oder Tanzen sind herzfreundlich. Sie können klein anfangen – zum Beispiel mit zehn Minuten pro Tag – und langsam steigern. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt hilft Ihnen, ein sicheres Maß zu finden.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose einer Herz-Kreislauf-Erkrankung kann Ängste auslösen – das ist normal. Sorgen, Ängste und Niedergeschlagenheit können den Verlauf negativ beeinflussen, deshalb ist es wichtig, sie ernst zu nehmen. Sprechen Sie mit vertrauten Menschen, einer psychologischen Beratungsstelle oder wenden Sie sich an Ihre Hausarztpraxis. In Deutschland gibt es psychotherapeutische Unterstützungsmöglichkeiten, die sich auch speziell mit Herzerkrankungen auskennen.
Vorbeugung
Ja, weitgehend. Schätzungsweise lassen sich viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch einen gesunden Lebensstil verhindern oder zumindest hinauszögern. Wichtig sind Nichtrauchen, regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung, Stressabbau und die Kontrolle von Blutdruck, Blutzucker und Blutfetten. Auch wenn Sie bereits erkrankt sind: Eine Umstellung auf gesunde Gewohnheiten verbessert die Prognose spürbar.
Impfungen
Impfungen können Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht direkt verhindern, aber sie schützen vor Infektionen, die das Herz besonders belasten können – zum Beispiel Grippe, Lungenentzündung (Pneumokokken) und in vielen Fällen auch COVID-19. Sprechen Sie Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt auf einen persönlichen Impfplan an.
Früherkennungsprogramme
Zur Früherkennung stehen in Deutschland der Gesundheits-Check-up (ab 35 Jahren alle drei Jahre) und individuelle Vorsorgeuntersuchungen zur Verfügung. Dabei werden Blutdruck, Blutzucker und Blutfette geprüft und Ihr persönliches Risiko geschätzt. Wenn in Ihrer Familie Herzkrankheiten jung aufgetreten sind, kann Ihr Arzt auch eine frühere oder häufigere Untersuchung empfehlen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Herzinfarkt (Myokardinfarkt): Eine Engstelle oder ein Blutgerinnsel verschließt ein Herzkranzgefäß vollständig.
- Schlaganfall: Ein Blutgefäß im Gehirn platzt oder wird verschlossen, wodurch Hirngewebe geschädigt wird.
- Herzschwäche (Herzinsuffizienz): Das Herz ist nicht mehr in der Lage, den Körper ausreichend mit Blut zu versorgen.
- Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK): Verengungen in den Beinarterien führen zu Schmerzen und in schweren Fällen zu Gewebeschäden.
- Herzrhythmusstörungen: Vorhofflimmern oder andere Störungen können das Risiko für Schlaganfälle erhöhen.
- Aneurysma: Eine Gefäßaussackung kann reißen und plötzliche, lebensgefährliche Blutungen verursachen.
Langzeitprognose
Eine Herz-Kreislauf-Erkrankung ist eine ernste – aber sehr gut behandelbare – Erkrankung. Viele Menschen leben jahrzehntelang gut mit einer eingestellten Herzkrankheit. Die Aussichten hängen von der rechtzeitigen Behandlung, der eigenen Mitarbeit und der Früherkennung ab. Moderne Medikamente, schonende Eingriffe und die Herzsportkultur ermöglichen den meisten Menschen ein aktives Leben. Die Diagnose kann ein Anstoß sein, gesünder zu leben und die Lebensqualität tatsächlich zu steigern.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 14. August 2026
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