Pflege und Unterstützung
Übersicht
Wenn Sie einen Angehörigen oder Freund regelmäßig pflegen und unterstützen, sind Sie eine wichtige Person. Diese Aufgabe kann Freude machen, aber auch sehr anstrengend sein. Dieser Artikel beschreibt, worauf Sie achten sollten, damit Sie als pflegende Person selbst gesund bleiben und welche Hilfe es gibt.
Wichtige Fakten
- Pflegende Angehörige sind keine Profis, sondern meist Familienmitglieder, die sich kümmern – oft rund um die Uhr.
- Die eigene Gesundheit kann unter der Belastung leiden, wenn Sie keine Pausen machen und keine Unterstützung annehmen.
- Es gibt gesetzliche Hilfen, Beratungsstellen und Entlastungsangebote, die Sie nutzen können.
- Ein offenes Gespräch mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt ist ein erster wichtiger Schritt.
Ja. In Deutschland werden ungefähr fünf Millionen Menschen zu Hause von Angehörigen gepflegt. Viele dieser pflegenden Personen fühlen sich zeitweise überfordert.
Pflegende Angehörige gibt es in jedem Alter. Häufig sind es Frauen zwischen 40 und 65 Jahren, aber auch Ehepartner, Kinder und jüngere Menschen können pflegen. Auch Menschen, die berufstätig sind und gleichzeitig Angehörige betreuen, gehören dazu.
Symptome
- Sie haben Gedanken, sich oder der gepflegten Person etwas anzutun.
- Sie fühlen sich vollständig hoffnungslos und sehen keinen Ausweg mehr.
- Die gepflegte Person ist bewusstlos, hat starke Brustschmerzen oder Atemnot und braucht sofort Hilfe.
- ⚠Sie haben an mehreren Tagen in der Woche große Angst oder Panik.
- ⚠Sie können Ihren Alltag kaum noch bewältigen und fühlen sich völlig ausgebrannt.
- ⚠Sie leiden länger als zwei Wochen unter Schlafstörungen oder einer bedrückten Stimmung.
Häufige Symptome
- Ständige Erschöpfung und Schlafprobleme
- Gereiztheit oder Geduldverlust
- Rückenschmerzen oder Verspannungen durch körperliche Belastung
- Kopfschmerzen
- Anhaltende Niedergeschlagenheit oder Ängste
- Das Gefühl, allen Anforderungen nicht gerecht zu werden
- Vernachlässigung der eigenen Arzttermine oder Mahlzeiten
Symptome bei Kindern
- Kinder oder Jugendliche, die als junge pflegende Angehörige Verantwortung tragen, können unter Schlafstörungen, Bauchschmerzen, Konzentrationsproblemen in der Schule oder sozialem Rückzug leiden.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere pflegende Menschen haben oft zusätzliche eigene körperliche Einschränkungen. Sie berichten häufig über Erschöpfung, Schmerzen, Einsamkeit und das Gefühl, keine Kraft mehr zu haben.
Ursachen
Hauptursachen
- Die ständige Verantwortung für einen hilfsbedürftigen Menschen
- Zu wenig Unterstützung durch andere Familienmitglieder oder Fachkräfte
- Fehlende Pausen und eigene Auszeiten
- Finanzielle Sorgen oder beruflicher Druck
- Das Gefühl, mit der Situation allein dazustehen
Risikofaktoren
- Wenn Sie mit der pflegebedürftigen Person zusammenleben
- Wenn keine zusätzlichen Hilfsangebote wie ambulante Dienste genutzt werden
- Wenn Sie selbst unter einer chronischen Erkrankung leiden
- Wenn die Pflege sehr aufwendig ist, zum Beispiel bei Demenz
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Suchen Sie Ihre ärztliche Praxis auf, wenn Erschöpfung, Schlaflosigkeit, Angst oder Niedergeschlagenheit länger als zwei Wochen anhalten.
- Wenn Sie körperliche Beschwerden wie starke Rückenschmerzen oder anhaltende Kopfschmerzen haben, sollten Sie diese abklären lassen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Auch wenn Sie unsicher sind, wie Sie die Pflege gut schaffen, ist es sinnvoll, mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber zu sprechen. Er oder sie kann Ihnen Beratungsangebote nennen.
Diagnose
Es gibt keinen Bluttest, der eine Überlastung feststellt. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt führt ein ausführliches Gespräch mit Ihnen über Ihre Situation, Ihre Beschwerden, Ihren Schlaf und Ihre Stimmung. Möglicherweise werden auch körperliche Ursachen abgeklärt.
Mögliche Untersuchungen
- Gespräch über Ihre Belastung und Ihren Alltag
- Fragebögen zur Stimmung und Überlastung
- Körperliche Untersuchung, zum Beispiel Blutdruck- und Blutzuckermessung
- Bei Bedarf Blutuntersuchung, um andere Ursachen von Erschöpfung auszuschließen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Nehmen Sie sich Zeit für den Arztbesuch und schildern Sie offen, wie es Ihnen geht. Sie können auch ein kurzes Tagebuch über eine Woche führen, das zeigt, wann Sie besonders belastet sind. So kann die Ärztin oder der Arzt besser verstehen, was Sie brauchen.
Behandlung
Die wichtigste Behandlung ist Entlastung. Dazu gehören Pausen, Unterstützung durch andere Menschen und Gespräche. Ärztinnen und Ärzte können weitere Hilfen empfehlen, zum Beispiel Pflegekurse, Entspannungsverfahren oder Psychotherapie. Eine Behandlung mit Medikamenten ist nur in manchen Fällen sinnvoll und wird immer individuell sorgfältig abgewogen.
Selbsthilfe zu Hause
- Planen Sie feste Auszeiten ein, zum Beispiel 20 Minuten am Tag nur für sich.
- Nehmen Sie angebotene Hilfe an – zum Beispiel vom Nachbarn, von Freunden oder der Familie.
- Sprechen Sie mit anderen pflegenden Angehörigen in einer Selbsthilfegruppe.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, auch ein kurzer Spaziergang hilft.
- Üben Sie Entspannungsmethoden wie Atemübungen oder Progressive Muskelentspannung.
Medizinische Behandlungen
Eine medikamentöse Therapie wird bei pflegenden Angehörigen nur zurückhaltend eingesetzt. Bei starken psychischen Beschwerden kann eine Psychotherapie helfen. Auch eine Kur oder Rehabilitationsmaßnahme kann in Frage kommen. Lassen Sie sich dazu von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt beraten – eine Selbstbehandlung mit Schlaf- oder Beruhigungsmitteln ist nicht empfehlenswert.
Leben mit der Erkrankung
Finden Sie einen festen Tagesrhythmus, der auch Ihre Bedürfnisse berücksichtigt. Teilen Sie Aufgaben, wenn möglich, auf mehrere Schultern. Nutzen Sie Entlastungsangebote wie Tagespflege oder einen ambulanten Pflegedienst – auch wenn es zu Beginn ungewohnt ist.
Tipps für den Alltag
- Setzen Sie sich realistische Grenzen – Sie müssen nicht alles alleine schaffen.
- Bitten Sie konkrete Personen um bestimmte, kleine Aufgaben.
- Halten Sie Kontakt zu Freunden und Pflegen Sie Freundschaften – auch telefonisch.
- Informieren Sie sich bei Ihrer Krankenkasse über Pflegeleistungen und Entlastungsangebote.
Ernährung und Bewegung
Achten Sie auf regelmäßige, ausgewogene Mahlzeiten – auch wenn die Zeit knapp ist. Trinken Sie ausreichend Wasser. Bewegung an der frischen Luft kann helfen, Spannungen abzubauen und Ihre Stimmung zu verbessern. Schon zehn Minuten täglich zählen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Pflege eines Angehörigen kann sehr belastend sein. Wut, Traurigkeit oder Schuldgefühle sind keine Zeichen von Schwäche. Sie zeigen, dass Sie sich kümmern und manchmal an Ihre Grenzen kommen. Ein Gespräch mit einem Psychotherapeuten oder einer psychologischen Beratungsstelle kann sehr entlasten.
Vorbeugung
Eine vollständige Vorbeugung von Belastung ist nicht möglich. Aber Sie können viel tun, um Ihre eigene Gesundheit zu schützen: Hilfe frühzeitig annehmen, regelmäßige Pausen einplanen und auf Warnzeichen achten.
Impfungen
Auch als pflegende Person sollten Sie Ihre Impfungen überprüfen lassen, zum Beispiel gegen Grippe und COVID-19. Fragen Sie in Ihrer Hausarztpraxis nach, welche Impfungen für Sie empfohlen werden.
Früherkennungsprogramme
Nutzen Sie Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig – auch für sich selbst. Lassen Sie zum Beispiel Blutdruck und Blutzucker überprüfen. Wer selbst gesund bleibt, kann langfristig besser für andere da sein.
Komplikationen
Unbehandelt
- Dauerhafte Erschöpfung bis hin zum Burnout
- Depressive Erkrankungen
- Körperliche Beschwerden wie hoher Blutdruck, Herzkreislaufprobleme oder chronische Schmerzen
- Zunehmender Rückzug von Freunden und Familie
- Vernachlässigung der eigenen medizinischen Versorgung
Langzeitprognose
Mit rechtzeitiger Entlastung, Unterstützung durch Fachleute und einem Netzwerk aus Angehörigen und Freunden lässt sich die Pflegezeit für viele Menschen gut bewältigen. Sie müssen die Verantwortung nicht allein tragen. Es ist nie zu spät, sich Hilfe zu holen – Ihr Blick nach vorn kann dadurch deutlich leichter werden.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 20. Oktober 2026
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