Grauer Star (Katarakt): Symptome, Diagnose und Behandlung
Übersicht
Der graue Star (Fachbegriff: Katarakt) ist eine Trübung der Augenlinse. Die Linse ist normalerweise klar und bündelt das Licht auf der Netzhaut. Wird sie trüb, wirkt das Sehen wie durch eine beschlagene oder schmutzige Scheibe.
Wichtige Fakten
- Der graue Star ist eine der häufigsten Ursachen für Sehverlust bei älteren Menschen.
- Eine Operation kann die Sehfähigkeit in den allermeisten Fällen deutlich verbessern.
- Unbehandelt führt der graue Star zu fortschreitender Erblindung – aber eine sichere Behandlung ist verfügbar.
Ja, der graue Star ist sehr häufig. Etwa die Hälfte aller Menschen über 65 hat zumindest erste Anzeichen einer Linsentrübung.
Er betrifft vor allem Menschen über 60. Seltener kann er auch bei jüngeren Erwachsenen, Kindern oder Säuglingen auftreten – etwa nach Augenverletzungen oder angeboren.
Symptome
- Plötzlicher Sehverlust auf einem oder beiden Augen
- Starke Schmerzen im Auge, begleitet von Übelkeit oder Erbrechen
- Rötung des Auges mit starker Lichtempfindlichkeit
- Plötzliches Auftreten von Schatten oder Vorhängen im Sichtfeld – sofort den Notruf 112 wählen
- ⚠Sehverschlechterung innerhalb weniger Tage
- ⚠Augenverletzung mit anschließender Sehstörung
- ⚠Nach einer Augenoperation auftretende Schmerzen oder Rötung
- ⚠Wenn ein Auge plötzlich nicht mehr scharf stellt
Häufige Symptome
- Verschwommenes, nebliges Sehen
- Blendempfindlichkeit bei hellem Licht oder beim Autofahren in der Nacht
- Schlechteres Sehen in der Dämmerung oder bei Dunkelheit
- Verblasste, gelblich wirkende Farben
- Doppelbilder auf einem Auge
- Häufiger Wechsel der Brillen- oder Kontaktlinsen-Stärke
Symptome bei Kindern
- Die Pupille erscheint gräulich oder weißlich
- Das Kind schaut nicht fokussiert oder folgt Gegenständen nicht mit den Augen
- Ungewöhnliches Blinzeln oder Reiben der Augen
- Schiefe Kopfhaltung, um besser zu sehen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Zunehmende Sehschwäche über Monate oder Jahre
- Schwierigkeiten beim Lesen, Autofahren oder Erkennen von Gesichtern
- Lichtquellen wirken wie Höfe oder Strahlen
- Alltagsaktivitäten fallen schwerer, Stürze nehmen zu
Ursachen
Hauptursachen
- Altersbedingte Veränderungen der Augenlinse (häufigste Ursache)
- Länger andauernde intensive UV-Strahlung ohne Augenschutz
- Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
- Rauchen
- Langfristige Einnahme bestimmter entzündungshemmender Medikamente (Kortisonpräparate)
- Augenverletzungen oder frühere Augenoperationen
Risikofaktoren
- Alter über 60 Jahre
- Diabetes
- Rauchen und starker Alkoholkonsum
- Unzureichender Sonnenschutz für die Augen
- Familiäre Vorbelastung
- Übergewicht und Bewegungsmangel
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Plötzlicher Sehverlust, starke Schmerzen, rotes Auge oder Verletzung – sofort ärztliche Hilfe suchen
- Akute Verschlechterung der Sehkraft innerhalb von Tagen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie allmählich schlechter sehen, z. B. beim Lesen oder Autofahren
- Wenn Sie merken, dass Brillen oder Kontaktlinsen immer wieder angepasst werden müssen
- Zur Vorsorgeuntersuchung, wenn Sie über 60 sind oder Risikofaktoren wie Diabetes haben
Diagnose
Ein Augenarzt oder eine Augenärztin stellt die Diagnose. Er fragt nach Ihren Beschwerden, Ihrer Krankengeschichte und untersucht beide Augen gezielt.
Mögliche Untersuchungen
- Sehtest (Visusbestimmung) mit Buchstaben oder Zeichen
- Spaltlampenuntersuchung: Ein helles Lichtgerät zeigt die Augenlinse im Detail
- Pupillenerweiterung mit Augentropfen, um Netzhaut und Linse besser zu beurteilen
- Messung der Augeninnendrucks, um andere Augenerkrankungen auszuschließen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert etwa 20 bis 30 Minuten. Durch die Augentropfen können die Pupillen für einige Stunden weit bleiben. Das macht das Sehen bei Licht unangenehm – bringen Sie am besten eine Sonnenbrille mit oder lassen Sie sich abholen.
Behandlung
Die einzige wirksame Behandlung des grauen Stars ist eine Operation. Im Frühstadium können stärkere Brillen, bessere Beleuchtung und andere Sehhilfen helfen, den Alltag zu erleichtern – sie stoppen aber nicht das Fortschreiten der Trübung.
Selbsthilfe zu Hause
- Nutzen Sie helle, blendfreie Beleuchtung – zum Beispiel als LED-Lampe mit Tageslichtspektrum
- Lassen Sie Ihre Brillenstärke regelmäßig überprüfen und die Brille reinigen
- Tragen Sie im Freien eine Sonnenbrille mit UV-Schutz, damit Sie weniger blenden
- Vergrößern Sie Schriften oder verwenden Sie eine Lupe
- Markieren Sie Stufen und Kanten zu Hause mit kontrastreichen Farben
Medizinische Behandlungen
Es gibt keine Medikamente, die den grauen Star heilen oder rückgängig machen können. Die Operation ist der Standardeingriff: Die getrübte Linse wird entfernt und durch eine künstliche Linse ersetzt. Der Eingriff findet meist unter örtlicher Betäubung statt und dauert in der Regel 15 bis 20 Minuten. Nach der Operation können Sie meist nach Hause gehen, müssen aber für einige Wochen körperliche Anstrengung und Schmutz am Auge vermeiden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird empfohlen, wenn der graue Star Ihren Alltag deutlich stört – zum Beispiel beim Lesen, Autofahren, Kochen oder der Orientierung. Ihr Augenarzt bespricht mit Ihnen den besten Zeitpunkt.
Leben mit der Erkrankung
Ein grauer Star bedeutet nicht, dass Sie sofort operiert werden müssen. Viele Menschen kommen eine Weile mit Hilfsmitteln gut zurecht. Nach der Operation braucht das Auge einige Wochen Ruhe, in denen es sich an die neue Linse gewöhnt.
Tipps für den Alltag
- Vermeiden Sie Blendung durch polarisierende Sonnenbrillen oder Kappen mit Schirm
- Benutzen Sie zusätzliche Tischlampen beim Lesen oder Handarbeiten
- Tragen Sie bei Staub und Gartenarbeit eine Schutzbrille
- Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über den richtigen Zeitpunkt für Sport und Autofahren nach der Operation
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse – zum Beispiel Blattgemüse, Beeren und Karotten – unterstützt die Gesundheit der Augen. Regelmäßige Bewegung ist sinnvoll, wird aber kurz nach der Operation nur sanft empfohlen. Gehen oder leichtes Radfahren sind meist nach Rücksprache möglich.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Nachlassende Sehkraft kann verunsichern, ängstigen oder das Gefühl von Abhängigkeit hervorrufen. Es ist wichtig, sich nicht zu verstecken, sondern rechtzeitig Hilfe zu holen. Ein offenes Gespräch mit Familie, Hausarzt oder Augenarzt hilft, Ängste zu nehmen und Lösungen zu finden.
Vorbeugung
Der graue Star ist nicht immer vollständig zu verhindern. Aber Sie können das Risiko senken: Schützen Sie Ihre Augen mit einer Sonnenbrille vor starker UV-Strahlung, rauchen Sie nicht, ernähren Sie sich gesund und lassen Sie Diabetes regelmäßig behandeln.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen den grauen Star.
Früherkennungsprogramme
Lassen Sie Ihre Augen regelmäßig untersuchen, besonders wenn Sie über 60 sind oder Risikofaktoren wie Diabetes haben. Die Augenärztin oder der Augenarzt kann erste Anzeichen einer Linsentrübung früh erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Zunehmende Sehbehinderung bis zur Erblindung
- Erhöhte Sturz- und Unfallgefahr im Haushalt und Straßenverkehr
- Eingeschränkte Selbstständigkeit im Alltag
- Höheres Risiko für Depressionen durch Verlust an Lebensqualität
Langzeitprognose
Die Behandlung des grauen Stars ist heute sehr erfolgreich. Etwa 95 von 100 Menschen sehen nach der Operation wieder deutlich besser. In den meisten Fällen verläuft der Eingriff ohne Komplikationen. Auch wenn nach der Operation noch eine Brille nötig ist – die Chance, wieder klar zu sehen, ist sehr groß.
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Quellen und Leitlinien
Dieses Thema verweist auf dieses klinische Lehrbuch.
Zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2026
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