Gicht: Ursachen und Auslöser
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Gicht ist eine schmerzhafte Form von Gelenkentzündung (Arthritis). Sie entsteht, wenn sich zu viel Harnsäure im Blut bildet und sich winzige Kristalle in den Gelenken ablagern. Diese Kristalle verursachen plötzliche, starke Schmerzen, Schwellung und Rötung.
Wichtige Fakten
- Gicht entsteht durch zu viel Harnsäure im Blut.
- Die Harnsäure kann sich als Kristalle in Gelenken ablagern und dort Entzündungen auslösen.
- Gicht ist gut behandelbar, wenn man frühzeitig ärztliche Hilfe sucht.
Ja, Gicht ist eine der häufigsten entzündlichen Gelenkerkrankungen in Deutschland. Etwa ein bis zwei von hundert Erwachsenen sind betroffen.
Gicht betrifft Männer häufiger als Frauen und tritt bei Männern meist nach dem 40. Lebensjahr auf. Bei Frauen kommt sie häufiger nach den Wechseljahren vor. Auch Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen oder einer familiären Veranlagung haben ein höheres Risiko.
Symptome
- Plötzliche, unerträgliche Schmerzen in einem Gelenk, verbunden mit hohem Fieber und Schüttelfrost – das kann auf eine schwere Infektion im Gelenk hinweisen. Rufen Sie sofort den Notruf 112.
- Wenn ein Gelenk sehr heiß wird und die Haut darüber glänzend rot ist und gleichzeitig Fieber besteht, sollten Sie den Notarzt oder die Notaufnahme aufsuchen.
- ⚠Ein akuter Gichtanfall mit starken Schmerzen und Schwellung sollte noch am selben Tag ärztlich behandelt werden.
- ⚠Wenn Sie bei einem Anfall Fieber haben, sollten Sie noch am selben Tag eine ärztliche Praxis oder Notaufnahme aufsuchen.
Häufige Symptome
- Plötzlicher, sehr starker Schmerz in einem Gelenk – am häufigsten im großen Zeh.
- Das Gelenk schwillt an, ist rot, warm und sehr berührungsempfindlich.
- Ein Gichtanfall beginnt oft nachts und kann beim Betroffenen das Gefühl auslösen, die Decke dürfe das Gelenk nicht berühren.
Symptome bei Kindern
- Gicht bei Kindern ist sehr selten. Wenn sie auftritt, ähneln die Symptome denen bei Erwachsenen: Schmerzen, Schwellung und Rötung in einem Gelenk.
- Bei Kindern können zusätzlich Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl auftreten – dann sollte zeitnah eine Ärztin oder ein Arzt untersuchen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen sind oft mehrere Gelenke betroffen, zum Beispiel Finger, Handgelenk oder Knie.
- Die Schmerzen sind manchmal nicht ganz so plötzlich, sondern entwickeln sich über einige Stunden. Die Schwellung und Bewegungseinschränkung stehen oft im Vordergrund.
Ursachen
Hauptursachen
- Zu viel Harnsäure im Blut: Die Nieren scheiden zu wenig Harnsäure aus oder der Körper bildet zu viel davon.
- Harnsäurekristalle lagern sich in Gelenken ab und lösen dort eine Entzündung aus.
- Bestimmte Lebensmittel und Getränke können den Harnsäurespiegel stark ansteigen lassen – zum Beispiel Fleisch, Innereien, Meeresfrüchte, Alkohol (vor allem Bier) und zuckerhaltige Getränke.
- Manchmal vererbt sich die Neigung zu erhöhter Harnsäure. Auch bestimmte Erkrankungen wie Nierenprobleme oder Stoffwechselstörungen können eine Rolle spielen.
Risikofaktoren
- Männliches Geschlecht und höheres Alter
- Übergewicht
- Erhöhter Alkoholkonsum, besonders Bier
- Eine Ernährung mit viel Fleisch, Wurst, Innereien und Meeresfrüchten
- Zuckerreiche Limonaden und Fruchtgetränke
- Bluthochdruck, Diabetes oder Nierenschwäche
- Bestimmte Medikamente, zum Beispiel Entwässerungstabletten (sogenannte Diuretika) – sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber, wenn Sie betroffen sind.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei einem ersten Anfall mit plötzlichen, starken Gelenkschmerzen sollten Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe suchen.
- Wenn sich ein Gelenk sehr heiß anfühlt, stark anschwillt und Sie Fieber bekommen, suchen Sie bitte sofort eine Ärztin oder einen Arzt auf.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie wiederkehrende Gelenkschmerzen haben, sollten Sie dies in Ruhe bei einem Arzttermin besprechen.
- Wenn bei Ihnen schon Gicht bekannt ist und die Anfälle häufiger oder stärker werden, ist ein Kontrolltermin sinnvoll.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zuerst genau nach Ihren Beschwerden, Ihrer Krankengeschichte und Ihrem Lebensstil. Anschließend untersucht sie oder er die betroffenen Gelenke. Bei einem Gichtanfall genügt das oft zusammen mit einem Bluttest, um die Diagnose zu stellen.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung: Der Harnsäurespiegel wird gemessen. Er kann beim Anfall erhöht sein, muss es aber nicht immer sein.
- Gelenkpunktion: Mit einer sehr feinen Nadel wird etwas Gelenkflüssigkeit entnommen und im Labor auf Harnsäurekristalle untersucht. Das ist die sicherste Methode.
- Ultraschall oder Röntgen: Damit können Veränderungen im Gelenk sichtbar gemacht werden.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Eine Blutuntersuchung tut nur kurz weh. Eine Gelenkpunktion klingt unangenehmer, als sie ist – der Arzt betäubt die Stelle örtlich und entnimmt dann etwas Flüssigkeit. Die Untersuchung hilft, die richtige Behandlung zu finden und andere Erkrankungen auszuschließen.
Behandlung
Die Behandlung von Gicht hat zwei Ziele: Den akuten Schmerzanfall schnell lindern und zukünftige Anfälle verhindern. Dafür gibt es wirksame Medikamente und außerdem viel, was Sie selbst tun können. Welche Behandlung am besten ist, hängt von der Ursache, der Höhe der Harnsäure und Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand ab.
Selbsthilfe zu Hause
- Das schmerzende Gelenk schonen und hochlagern.
- Kühlen Sie das Gelenk mit einem Kühlpack für kurze Zeit – etwa 15 bis 20 Minuten, am besten mit einem Tuch dazwischen.
- Trinken Sie viel Wasser oder ungesüßten Tee, um die Harnsäure über die Nieren auszuscheiden.
- Verzichten Sie während eines Anfalls vollständig auf Alkohol und zuckerhaltige Getränke.
Medizinische Behandlungen
Medikamente gegen einen akuten Gichtanfall wirken entzündungshemmend und schmerzlindernd. Es gibt außerdem Medikamente, die die Harnsäure im Blut langfristig senken. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt entscheidet gemeinsam mit Ihnen, welches Mittel zu Ihrer Situation passt. Nehmen Sie niemals Medikamente auf eigene Faust ein, ohne vorher ärztlichen Rat einzuholen – auch nicht solche, die Ihnen jemand anderes empfohlen hat.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Gicht nur sehr selten nötig. Wenn sich sehr große Harnsäure-Ablagerungen (sogenannte Tophi) gebildet haben und zum Beispiel Nerven einengen, schwere Gelenkschäden verursachen oder sich infizieren, kann ein operativer Eingriff in Betracht gezogen werden.
Leben mit der Erkrankung
Mit Gicht kann man gut leben, wenn man die Umstellung Schritt für Schritt angeht. Achten Sie darauf, was Ihr Körper Ihnen sagt. Viele Menschen spüren einen Anfall frühzeitig und können dann schnell reagieren, indem sie das Gelenk entlasten und ärztlichen Rat einholen. Es kann helfen, einen Notfallplan mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu besprechen.
Tipps für den Alltag
- Reduzieren Sie Übergewicht langsam und nachhaltig – schnelles Abnehmen kann den Harnsäurespiegel vorübergehend erhöhen.
- Trinken Sie ausreichend Wasser über den Tag verteilt.
- Schränken Sie den Konsum von Alkohol, besonders Bier, ein.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, aber ohne Überlastung der Gelenke – gut geeignet sind Spaziergänge, Radfahren oder Schwimmen.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und fettarmen Milchprodukten hilft, den Harnsäurespiegel zu stabilisieren. Sie müssen nicht vollständig auf Fleisch verzichten, aber Sie sollten weniger rotes Fleisch und Innereien essen. Auch Meeresfrüchte in großen Mengen können die Harnsäure erhöhen. Regelmäßige Bewegung fördert den Stoffwechsel und hilft, das Gewicht zu halten. Bei einem akuten Anfall sollten Sie das betroffene Gelenk jedoch schonen und Sport darin vermeiden.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein Gichtanfall kann sehr schmerzhaft sein und den Alltag stark einschränken. Wenn Schmerzen wiederkehren, kann das auch belastend wirken. Nehmen Sie Ihre Beschwerden ernst und sprechen Sie offen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Auch mit Angehörigen oder Freunden zu reden, kann entlasten. Wenn Sie das Gefühl haben, dass der Kummer oder die Angst zu groß wird, suchen Sie bitte professionelle Unterstützung – Ihrer psychischen Gesundheit ist genauso wichtig wie der körperlichen.
Vorbeugung
Einem Gichtanfall kann man vorbeugen, indem man die Risikofaktoren verringert. Besonders wichtig sind eine ausgewogene Ernährung, maßvoller Alkoholkonsum, ausreichend Flüssigkeit und gesundes Körpergewicht. Wenn Sie bereits erhöhte Harnsäure haben, kann eine regelmäßige Kontrolle helfen.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen Gicht.
Früherkennungsprogramme
Wenn Sie zur Risikogruppe gehören – zum Beispiel wegen Übergewicht, Bluthochdruck oder einer familiären Vorbelastung – kann die Ärztin oder der Arzt den Harnsäurespiegel im Rahmen einer Blutuntersuchung mitbestimmen. Lassen Sie Ihren Blutwert regelmäßig kontrollieren, wenn er schon einmal auffällig war.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ohne Behandlung können die Gichtanfälle häufiger kommen und länger andauern.
- Harnsäurekristalle können dauerhafte Schäden an den Gelenken verursachen.
- Es können harte Knoten aus Harnsäurekristallen entstehen, sogenannte Tophi – besonders an Ohren, Fingern, Ellbogen oder Füßen.
- Eine langfristig erhöhte Harnsäure kann auch die Nieren schädigen oder Harnsteine begünstigen.
Langzeitprognose
Mit der richtigen Behandlung und einer angepassten Lebensweise lässt sich Gicht sehr gut in den Griff bekommen. Die meisten Menschen können Anfälle vermeiden oder deutlich abmildern und ein aktives Leben führen. Es ist wichtig, die Therapie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt regelmäßig zu überprüfen. Je früher und konsequenter Sie handeln, desto besser – das ist ein guter Grund, zuversichtlich zu bleiben.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 14. August 2026
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