Vorsicht: Diese starken Schmerzmittel können abhängig machen
Übersicht
Manche Schmerzmittel gegen sehr starke Schmerzen machen süchtig. Sie heißen auch Opioide. Sie können Schmerzen gut lindern, aber auf Dauer auch abhängig machen. Das bedeutet: Der Körper und der Kopf verlangen immer stärker nach dem Mittel.
Wichtige Fakten
- Opioide sind starke Schmerzmittel, die nur auf Rezept erhältlich sind.
- Sie können körperlich und seelisch abhängig machen.
- Bei richtiger ärztlicher Überwachung sind sie oft sicher.
Ja, eine Abhängigkeit von Schmerzmitteln kommt vor. Sie entsteht oft bei Menschen, die über lange Zeit starke Schmerzmittel einnehmen.
Sie kann alle Menschen treffen. Besonders gefährdet sind Menschen mit dauerhaften Schmerzen, Menschen nach schweren Operationen und Menschen, die schon einmal süchtig waren.
Symptome
- Stark verlangsamte Atmung oder Atemnot – sofort den Notruf 112 rufen
- Bewusstlosigkeit oder nicht mehr ansprechbar sein – sofort den Notruf 112 rufen
- Sehr enge Pupillen – sofort den Notruf 112 rufen
- Kalte, blasse Haut – sofort den Notruf 112 rufen
- ⚠Schwere Entzugserscheinungen wie starkes Erbrechen, Verwirrtheit oder Krämpfe
- ⚠Anhaltende starke Schmerzen trotz Medikamenten
- ⚠Gedanken an Selbstverletzung
Häufige Symptome
- Ein starkes Verlangen nach dem Medikament
- Sie brauchen immer mehr davon, um dieselbe Wirkung zu spüren
- Sie nehmen das Medikament weiter, auch wenn es Ihnen schadet
- Ohne das Medikament treten Unruhe, Schwitzen, Zittern oder Übelkeit auf
- Sie verlieren das Interesse an anderen Dingen
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern ist eine Schmerzmittel-Abhängigkeit selten. Wenn ein Kind starke Schmerzmittel bekommen hat, achten Sie auf Wesensveränderungen, starke Müdigkeit oder ungewöhnliches Verhalten.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen äußert sich eine Abhängigkeit oft durch Verwirrtheit, Schwindel, Stürze oder zunehmende Schwäche. Auch Gedächtnisprobleme können auftreten.
Ursachen
Hauptursachen
- Einnahme von starken Schmerzmitteln über einen langen Zeitraum
- Höhere Dosen als vom Arzt verordnet
- Gleichzeitiger Konsum von Alkohol oder Beruhigungsmitteln
- Einnahme ohne ärztliche Kontrolle
Risikofaktoren
- Chronische Schmerzen, zum Beispiel im Rücken oder in den Gelenken
- Eine frühere Suchterkrankung – zum Beispiel Alkohol oder andere Medikamente
- Psychische Belastungen wie Angst oder Depression
- Junges Alter – das Abhängigkeitsrisiko ist bei jungen Erwachsenen oft höher
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn der Verdacht auf eine Überdosierung besteht – sofort den Notruf 112 rufen
- Wenn schwere Entzugserscheinungen auftreten
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Schmerzmittel-Einnahme länger als einige Wochen dauert
- Wenn Sie merken, dass Sie das Medikament häufiger oder in höheren Dosen brauchen
- Wenn Sie aufhören möchten, aber es alleine nicht schaffen
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt Sie nach Ihrer Einnahme, Ihren Beschwerden und Ihrem Alltag. Auch eine körperliche Untersuchung kann Teil der Abklärung sein.
Mögliche Untersuchungen
- Ein ausführliches Gespräch über Ihre Medikamenteneinnahme
- Fragebögen, die Hinweise auf eine Abhängigkeit geben können
- Gegebenenfalls Blut- oder Urintests
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Sie werden in Ruhe beraten und niemand verurteilt Sie. Ihre Informationen sind vertraulich. Das Ziel ist, gemeinsam eine Lösung zu finden.
Behandlung
Es gibt wirksame Behandlungen gegen Schmerzmittel-Abhängigkeit. Dabei geht es darum, die Schmerzen weiter zu lindern, aber ohne die gefährliche Abhängigkeit.
Selbsthilfe zu Hause
- Sprechen Sie offen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt
- Nehmen Sie Medikamente nur in der verordneten Menge
- Vermeiden Sie Alkohol und andere Substanzen
- Suchen Sie Unterstützung bei vertrauten Menschen
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung umfasst in der Regel eine schrittweise Reduzierung unter ärztlicher Aufsicht und eine begleitende Beratung oder Therapie. In spezialisierten Schmerz- und Suchtambulanzen erhalten Sie Hilfe. Auch Selbsthilfegruppen können unterstützen. Die Behandlung richtet sich nach aktuellen medizinischen Leitlinien, wie sie auch die AWMF veröffentlicht.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei einer Schmerzmittel-Abhängigkeit normalerweise nicht nötig. Der Fokus liegt auf der begleitenden Behandlung.
Leben mit der Erkrankung
Leben mit einer Schmerzmittel-Abhängigkeit bedeutet, den Umgang mit Medikamenten bewusst zu gestalten. Eine regelmäßige Tagesstruktur und feste Einnahmezeiten können dabei helfen.
Tipps für den Alltag
- Führen Sie ein Medikamententagebuch
- Planen Sie regelmäßige Pausen und Bewegungszeiten
- Suchen Sie Hobbys, die Freude machen und ablenken
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung und leichte Bewegung wie Spazierengehen verbessern das allgemeine Wohlbefinden. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, bevor Sie ein neues Bewegungsprogramm beginnen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Viele Betroffene erleben Scham, Schuld und Angst. Diese Gefühle sind verständlich. Sie sind nicht allein – professionelle Unterstützung hilft, diese Belastung zu verringern.
Vorbeugung
Ganz vermeiden lässt sich eine Abhängigkeit nicht immer. Aber das Risiko sinkt deutlich, wenn Sie Medikamente nur nach ärztlicher Anweisung einnehmen und regelmäßige Gespräche mit Ihrem Arzt führen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Entzugssymptome wie starke Unruhe, Übelkeit oder Krampfanfälle
- Eine gefährliche Überdosierung mit Lebensgefahr
- Depressionen und andere seelische Erkrankungen
- Soziale Probleme, wie Verlust von Arbeit oder Freunden
Langzeitprognose
Mit der richtigen Behandlung haben Sie gute Chancen, wieder ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Viele Menschen schaffen es, ihre Schmerzmittel-Einnahme zu reduzieren oder ganz darauf zu verzichten.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 14. August 2026
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