Zentrale Schlafapnoe: Wenn der Atem im Schlaf aussetzt
Übersicht
Bei einer zentralen Schlafapnoe kommt es im Schlaf wiederholt zu kurzen Atemaussetzern. Im Gegensatz zur häufigeren obstruktiven Schlafapnoe – bei der die Atemwege blockiert sind – liegt das Problem im Gehirn: Das Atemzentrum sendet vorübergehend keine Signale an die Atemmuskulatur. Dadurch stoppt die Atmung für Sekunden oder sogar Minuten, bis das Gehirn wieder einen Atemzug auslöst.
Wichtige Fakten
- Die Atemaussetzer entstehen durch ein vorübergehendes Aussetzen des Atemantriebs im Gehirn.
- Sie tritt häufig zusammen mit Herzschwäche oder nach einem Schlaganfall auf.
- Anders als bei der obstruktiven Schlafapnoe ist die Atemwege nicht verlegt.
- Eine Behandlung kann die Schlafqualität verbessern und Tagesmüdigkeit lindern.
Die zentrale Schlafapnoe ist deutlich seltener als die obstruktive Form. Schätzungen zufolge machen zentrale Formen etwa 5 bis 10 Prozent aller Schlafapnoen aus. Ganz genaue Zahlen gibt es nicht, weil sie oft mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergeht und nicht immer erkannt wird.
Betroffen sind vor allem ältere Menschen – besonders Männer über 60 Jahre. Häufig tritt sie bei Menschen mit Herzschwäche, nach einem Schlaganfall oder bei Nierenerkrankungen auf. Auch ein Aufenthalt in großer Höhe und bestimmte Medikamente, die die Atmung beeinflussen, können eine zentrale Schlafapnoe auslösen.
Symptome
- Wenn jemand nach einem längeren Atemaussetzer nicht aufwacht oder nicht ansprechbar ist – sofort den Notruf 112 wählen.
- Bei plötzlicher starker Atemnot oder starken Brustschmerzen, besonders nachts, sofort 112 wählen.
- Wenn Lippen oder Gesicht bläulich werden – das ist ein Zeichen für akuten Sauerstoffmangel, sofort 112 wählen.
- Bei Bewusstlosigkeit oder einem Krampfanfall sofort den Notruf 112 wählen.
- ⚠Wenn der Partner oder die Partnerin häufige Atemaussetzer mit Würgen oder Erschrecken beobachtet.
- ⚠Bei neu auftretender Atemnot, Herzrasen oder Herzstolpern.
- ⚠Bei ausgeprägter Tagesmüdigkeit, die gefährlich wird, zum Beispiel beim Autofahren.
- ⚠Wenn Anzeichen einer Herzschwäche neu auftreten, etwa geschwollene Beine oder Gewichtszunahme.
Häufige Symptome
- Atemaussetzer oder unregelmäßige Atmung im Schlaf, die oft erst der Partner oder die Partnerin bemerkt
- Starke Tagesmüdigkeit und Erschöpfung
- Morgendliche Kopfschmerzen
- Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
- Häufiges Aufwachen oder unruhiger Schlaf
- Morgendlicher Mundtrockenheit oder nächtliches Schwitzen
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern ist die zentrale Schlafapnoe sehr selten. Mögliche Anzeichen sind unruhiger Schlaf, nächtliches Schwitzen, Bettnässen oder Tagesmüdigkeit und Konzentrationsprobleme in der Schule.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen fallen vor allem Tagesmüdigkeit, Verwirrtheit oder eine zunehmende Vergesslichkeit auf. Oft sind bereits Herz-Kreislauf-Erkrankungen bekannt, die die Atmung im Schlaf beeinflussen.
Ursachen
Hauptursachen
- Fehlfunktion des Atemzentrums im Gehirn, zum Beispiel durch neurologische Erkrankungen oder Altersveränderungen
- Herzschwäche: Sie führt häufig zu einer unregelmäßigen Atmung, die als Cheyne-Stokes-Atmung bezeichnet wird – dabei wechseln sich Atemaussetzer und flache Atemzüge ab
- Schlaganfall oder andere Schäden im Gehirn
- Nierenerkrankungen oder Störungen des Elektrolythaushalts
- Aufenthalt in großer Höhe
- Bestimmte starke Schmerzmittel oder Beruhigungsmittel, die den Atemantrieb dämpfen
- Manchmal findet sich keine erkennbare Ursache – dann spricht man von idiopathischer zentraler Schlafapnoe
Risikofaktoren
- Alter über 60 Jahre
- Männliches Geschlecht
- Herzschwäche oder koronare Herzkrankheit
- Zustand nach Schlaganfall
- Chronische Nierenerkrankung
- Langzeiteinnahme von starken Schmerzmitteln
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei häufigen nächtlichen Atemaussetzern, die regelmäßig beobachtet werden
- Bei ausgeprägter Tagesmüdigkeit, die Alltag oder Beruf stark beeinträchtigt
- Bei neu auftretender Atemnot oder Herzrasen in der Nacht
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Ihr Partner oder Ihre Partnerin eine unregelmäßige Atmung im Schlaf bemerkt
- Wenn Sie trotz ausreichend Schlaf am Morgen wie gerädert aufwachen
- Wenn Sie morgens häufig Kopfschmerzen haben oder sich unausgeschlafen fühlen
Diagnose
Die Diagnose stellt in der Regel eine Ärztin oder ein Arzt für Schlafmedizin – oft in einem Schlaflabor oder einer Schlafambulanz. Zuerst fragt die Ärztin oder der Arzt nach Beschwerden, Schlafgewohnheiten, Grunderkrankungen und Medikamenten. Auch Ihr Partner oder Ihre Partnerin kann wichtige Beobachtungen beisteuern. Eine Überweisung erhalten Sie von Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt.
Mögliche Untersuchungen
- Schlaflabor (Polysomnographie): Dabei werden im Schlaf Hirnströme, Augenbewegungen, Herzfrequenz, Atmung und Sauerstoffgehalt im Blut gemessen.
- Nächtliche Atemmessung zu Hause: Ein tragbares Gerät erfasst Atmung, Herzschlag und Sauerstoffwerte während des Schlafes.
- Blutuntersuchung: Sie kann Hinweise auf Schilddrüsen- oder Nierenerkrankungen sowie Herzschwäche geben.
- Herzuntersuchung (zum Beispiel EKG oder Ultraschall des Herzens): Sie wird durchgeführt, wenn ein Zusammenhang mit dem Herzen vermutet wird.
- In besonderen Fällen eine Untersuchung der Nervenbahnen oder des Gehirns, zum Beispiel nach einem Schlaganfall.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Im Schlaflabor verbringen Sie eine Nacht in einem ruhigen Einzelzimmer. An Kopf, Brust, Bauch und Fingern werden kleine Sensoren angebracht, die Ihre Schlaf- und Atemwerte aufzeichnen. Das ist schmerzfrei und stört den Schlaf nur wenig. Am nächsten Morgen werden die Ergebnisse ausgewertet und anschließend gemeinsam mit Ihnen besprochen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und der Schwere der zentralen Schlafapnoe. Im Mittelpunkt steht oft die Behandlung einer Grunderkrankung, zum Beispiel einer Herzschwäche. Dazu kommen können Atemgeräte, die die nächtliche Atmung stabilisieren und so die Atemaussetzer reduzieren und den Schlaf verbessern.
Selbsthilfe zu Hause
- Halten Sie feste Schlafenszeiten ein und sorgen Sie für ein ruhiges, dunkles Schlafzimmer.
- Meiden Sie Alkohol am Abend, weil er den Atemantrieb im Schlaf zusätzlich schwächt.
- Fragen Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin, ob Sie auf schlafdämpfende Medikamente verzichten oder diese umstellen können.
- Wenn Sie in großer Höhe schlafen, kehren Sie in eine tiefere Höhe zurück – das kann die Atmung wieder normalisieren.
- Schlafen Sie bei Bedarf mit leicht erhöhtem Oberkörper, das erleichtert die Atmung.
- Verzichten Sie auf rezeptfreie Schlafmittel ohne ärztliche Rücksprache.
Medizinische Behandlungen
Es gibt verschiedene medizinische Ansätze, die aber immer individuell abgestimmt werden. Eine verbreitete Methode ist die Atemmaske mit Druckunterstützung (PAP-Therapie). Dabei hält ein Gerät über eine Maske die Atemwege offen und kann bei zentralen Atemaussetzern einen zusätzlichen Atemzug anstoßen – solche Geräte heißen adaptive Servoventilation (ASV). In manchen Fällen wird nachts zusätzlich Sauerstoff über eine Nasenbrille verabreicht, wenn der Sauerstoffgehalt im Blut zu stark abfällt. Liegt eine Herzschwäche vor, wird sie mit Medikamenten behandelt; durch die bessere Herzfunktion bessern sich oft auch die Atemaussetzer. In ausgewählten Fällen kann auch ein kleines, implaniterbares Gerät den Zwerchfellnerv stimulieren und so die Atmung anregen. Ihr Schlafmediziner oder Ihre Schlafmedizinerin bespricht mit Ihnen, welche Option am besten zu Ihrer Situation passt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur in sehr seltenen Fällen eine Option – zum Beispiel, wenn eine behandelbare anatomische oder nervliche Ursache gefunden wird. Die Entscheidung darüber wird immer individuell in einem spezialisierten Schlafzentrum getroffen und sollte nie leichtfertig erfolgen.
Leben mit der Erkrankung
Eine zentrale Schlafapnoe erfordert etwas Geduld und eine gute Zusammenarbeit mit Ihrem behandlungsteam. Lassen Sie sich bei der Einstellung auf ein Atemgerät gut begleiten und scheuen Sie sich nicht, Fragen zu stellen. Informationen Sie Ihre Angehörigen über die Erkrankung, damit sie Sie unterstützen und im Notfall richtig reagieren können. Ein Schlaftagebuch hilft Ihnen und Ihrem Arzt, den Verlauf zu beobachten.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft, aber nicht zu spät abends
- Ein gesundes Körpergewicht anstreben oder langfristig halten
- Rauchen aufgeben und Alkohol weitgehend meiden
- Stressreduktion durch Entspannungsübungen – zum Beispiel Atemtechniken oder Autogenes Training
- Koffeinhaltige Getränke nach dem Mittagessen vermeiden
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung und moderate Bewegung – etwa 30 Minuten Spazierengehen, Radfahren oder Schwimmen an den meisten Tagen – stärken Herz, Kreislauf und Schlaf. Vermeiden Sie große, schwere Mahlzeiten und große Mengen Flüssigkeit kurz vor dem Schlafengehen. Wenn Sie übergewichtig sind, kann eine langsame, kontrollierte Gewichtsabnahme die nächtliche Atmung zusätzlich entlasten.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose kann verunsichern – nachts zu beobachten, dass die Atmung zeitweise aussetzt, ist beunruhigend. Viele Betroffene fühlen sich tagsüber erschöpft, gereizt oder besorgt. Es ist völlig normal, deshalb Ängste zu entwickeln. Sprechen Sie offen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über Ihre Gefühle. Wenn nötig, kann psychologische Unterstützung helfen, besser mit der Belastung umzugehen.
Vorbeugung
Eine zentrale Schlafapnoe lässt sich nicht immer verhindern, weil sie häufig mit anderen Erkrankungen wie Herzschwäche zusammenhängt. Wer seine Grunderkrankung gut behandeln lässt und auf einen gesunden Lebensstil mit ausreichend Bewegung und Schlaf achtet, kann das Risiko aber deutlich senken. Auch auf Medikamente, die die Atmung dämpfen, sollte nach Möglichkeit verzichtet werden – hier ist das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt wichtig.
Impfungen
Gegen Schlafapnoe selbst gibt es keine Impfung. Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind jedoch stärker gefährdet, schwer an Atemwegsinfektionen zu erkranken. Eine Impfung gegen Grippe und Pneumokokken wird daher oft empfohlen – sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt darüber.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein allgemeines Screening für zentrale Schlafapnoe. Wenn Sie zum Beispiel an Herzschwäche leiden oder einen Schlaganfall hatten, kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt eine Schlafuntersuchung veranlassen, auch wenn Sie selbst keine ausgeprägten Beschwerden bemerken.
Komplikationen
Unbehandelt
- Erhebliche Tagesmüdigkeit und damit ein erhöhtes Risiko für Unfälle im Straßenverkehr und im Alltag
- Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen können begünstigt werden
- Eine bestehende Herzschwäche kann sich verschlechtern
- Das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall kann steigen
- Konzentrations- und Gedächtnisstörungen können den Alltag erschweren
Langzeitprognose
Mit der richtigen Behandlung sind die Aussichten gut. Die Atemaussetzer lassen sich meist deutlich reduzieren, der Schlaf wird erholsamer und die Tagesmüdigkeit nimmt ab. Manche Menschen müssen fest – zum Beispiel mit einem Atemgerät –, andere profitieren davon, dass eine Grunderkrankung wie Herzschwäche erfolgreich behandelt wird. Regelmäßige Kontrollen und eine gute Zusammenarbeit mit Ihrem Schlafmediziner helfen, die Therapie immer wieder anzupassen. Sie müssen mit dieser Erkrankung nicht allein bleiben.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Quellen und Leitlinien
Zu den für diesen Artikel verwendeten Quellen gehören die unten aufgeführten Referenzen.
Zuletzt aktualisiert: 20. Oktober 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.
Guidance may differ by country or region. Confirm local recommendations with a qualified healthcare provider.