Charcot-Marie-Tooth-Krankheit (CMT)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Charcot-Marie-Tooth-Krankheit (CMT) ist eine erbliche Erkrankung der Nerven im Körper. Diese Nerven – die peripheren Nerven – leiten Signale vom Gehirn und Rückenmark zu den Muskeln. Bei CMT sind diese Nerven geschädigt, sodass Muskeln weniger Befehle bekommen. Dadurch können Muskeln schwächer werden, vor allem an Füßen und Händen.
Wichtige Fakten
- CMT ist nicht ansteckend.
- Sie wird von Eltern an Kinder weitergegeben.
- Die Erkrankung verläuft meist langsam und ist nicht immer stark einschränkend.
CMT ist eine seltene Erkrankung. In Deutschland sind etwa 30.000 Menschen betroffen.
CMT kann Männer und Frauen gleichermaßen betreffen. Sie beginnt häufig im Kindes- oder Jugendalter, kann aber auch erst später im Leben auffallen.
Symptome
- Plötzliche Schwäche oder Gefühllosigkeit in einem Bein oder Arm
- Plötzliche Atemnot oder Schwierigkeiten beim Schlucken
- Wenn Sie nicht mehr aufstehen können oder sich nicht sicher festhalten können
- ⚠Neue Schwäche innerhalb weniger Tage
- ⚠Starke Schmerzen mit Schwellung oder Verfärbung der Füße
- ⚠Nach einem Sturz: starke Schmerzen oder Sie können das Bein nicht mehr belasten
Häufige Symptome
- Schwäche und Verschmälerung der Unterschenkel
- Hohes Fußgewölbe (sogenannter Hohlfuß)
- Klauenartige Zehenstellung
- Häufiges Stolpern oder Umknicken
- Kribbeln, Taubheit oder vermindertes Schmerzgefühl in Füßen und Händen
- Schwierigkeiten, kleine Gegenstände mit den Händen zu greifen
Symptome bei Kindern
- Laufen lernen fällt schwer
- Häufiges Hinfallen ohne klaren Grund
- Fuß- oder Beinschmerzen nach Bewegung
- Schuhe passen nicht mehr, weil der Fuß breiter oder höher wird
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Zunehmende Muskelabnahme an Füßen, Beinen und Händen
- Gleichgewichtsprobleme und erhöhte Sturzgefahr
- Ausgeprägte Gefühlsstörungen wie schweres, taubes Gehen
- Zunehmende Schmerzen durch Gelenkfehlstellungen
Ursachen
Hauptursachen
- CMT wird durch veränderte Gene (Mutationen) verursacht, die die Nervenhülle oder den Nerv selbst betreffen.
- Dadurch funktioniert die Signalweiterleitung zwischen Nerven und Muskeln nur unvollständig.
Risikofaktoren
- Ein Elternteil oder ein Geschwisterkind hat CMT
- Es gibt mehrere Familienmitglieder mit Fußfehlstellungen oder Muskelschwäche
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Plötzliche Verschlechterung der Kraft, z. B. wenn ein Fuß plötzlich herunterhängt
- Wenn Sie das Gefühl in einem Körperteil verlieren
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie über mehrere Monate bemerken, dass Ihre Füße oder Hände schwächer werden
- Wenn Sie vermuten, dass die Beschwerden mit CMT in Ihrer Familie zusammenhängen
Diagnose
Eine genaue Diagnose stellt ein Nervenarzt (Neurologe). Er fragt nach Ihren Beschwerden, untersucht Kraft, Reflexe und Gefühl und ordnet bei Bedarf Untersuchungen an. Die Empfehlungen der medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) helfen dabei, die richtigen Schritte zu wählen.
Mögliche Untersuchungen
- Elektromyografie (EMG): Misst die elektrische Aktivität der Muskeln.
- Nervenleitgeschwindigkeit (NLG): Misst, wie schnell Signale die Nerven entlanglaufen.
- Genetischer Bluttest: Sucht nach bekannten Genveränderungen, die CMT verursachen.
- Blutuntersuchungen: Schließen andere Ursachen für Nervenschäden aus.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen dauern meist ein bis zwei Stunden. Sie sind nicht sehr unangenehm. Das Ergebnis kann einige Wochen auf sich warten lassen, besonders wenn ein Gentest gemacht wird.
Behandlung
Eine Heilung gibt es derzeit nicht. Die gute Nachricht: Es gibt viele Möglichkeiten, die Beschwerden zu lindern und das Leben zu erleichtern. Die Behandlung wird immer individuell zusammengestellt – am besten mit einem Team aus Hausarzt, Nervenarzt, Physiotherapeuten und Ergotherapeuten.
Selbsthilfe zu Hause
- Tragen Sie bequeme, gut sitzende Schuhe mit breitem Vorderfußbereich.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, aber überlasten Sie sich nicht.
- Machen Sie täglich Dehnübungen für Füße, Beine und Hände.
- Untersuchen Sie Ihre Füße regelmäßig auf Druckstellen oder Wunden.
Medizinische Behandlungen
Der Arzt kann Medikamente verschreiben, die Schmerzen oder Muskelkrämpfe lindern. Physiotherapie hilft, Muskeln zu kräftigen und die Beweglichkeit zu erhalten. Ergotherapie unterstützt bei feinmotorischen Problemen. Auch Hilfsmittel wie Unterschenkelschienen, Einlagen oder Gehhilfen können Teil der Behandlung sein – Ihr Arzt berät Sie dazu.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kann sinnvoll sein, wenn starke Fußfehlstellungen Schmerzen verursachen oder das Gehen sehr erschweren. Zum Beispiel können Sehnen verlagert oder Gelenke begradigt werden. Ob das bei Ihnen infrage kommt, bespricht Ihr Facharzt.
Leben mit der Erkrankung
CMT entwickelt sich langsam. Mit der Zeit passen Sie sich an – Sie lernen, Kräfte einzuteilen, Hilfsmittel zu nutzen und sich Pausen zu gönnen. Das Wichtigste ist, sich selbst gut zu beobachten und sich Hilfe zu holen, wenn der Alltag schwerfällt.
Tipps für den Alltag
- Planen Sie Pausen ein, um Kräfte zu schonen.
- Passen Sie zu Hause die Umgebung an, z. B. mit Handläufen oder rutschfesten Böden.
- Pflegen Sie Ihre Hobbys und Kontakte – Sie sind mehr als die Krankheit.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung hält den Körper stark. Für die Muskeln sind belastende Übungen nicht nötig; besser sind sanfte Bewegungen wie Schwimmen, Radfahren oder Gymnastik. Bei Unsicherheit fragen Sie einen Physiotherapeuten, welches Training zu Ihnen passt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine chronische Erkrankung kann Angst, Trauer oder Erschöpfung auslösen. Das ist menschlich. Wichtig ist, nicht alles mit sich selbst abzumachen. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt, bei Bedarf auch mit einem Psychotherapeuten. Wenn Sie sich in einer Krise fühlen, können Sie jederzeit die Telefonseelsorge anrufen – rund um die Uhr und anonym.
Vorbeugung
CMT kann nicht verhindert werden, weil sie in den Genen liegt. Wenn Sie Kinder planen und in Ihrer Familie CMT vorkommt, können Sie eine genetische Beratung nutzen. Die Beratung hilft, das Risiko besser zu verstehen.
Früherkennungsprogramme
Eine generelle Untersuchung bei Menschen ohne Beschwerden wird nicht empfohlen. Bei bekannter Familiengeschichte kann eine genetische Beratung vor einer Schwangerschaft jedoch aufschlussreich sein.
Komplikationen
Unbehandelt
- Zunehmende Fußfehlstellungen und Gehbehinderung
- Chronische Schmerzen und Steifheit der Gelenke
- Verlust der Feinmotorik in den Händen, z. B. beim Schreiben oder Anziehen
Langzeitprognose
CMT ist eine ernste, aber meist langsam fortschreitende Erkrankung. Die meisten Betroffenen können ein selbstbestimmtes Leben führen. Frühe Behandlung, Hilfsmittel und Unterstützung können sehr viel bewirken. Es gibt keinen Grund, den Mut zu verlieren – die Medizin kann Ihnen helfen, gut mit der Erkrankung zu leben.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 14. August 2026
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