Infekt der unteren Atemwege – Bronchitis und Lungenentzündung
Übersicht
Ein Infekt der unteren Atemwege ist eine Entzündung, die tiefer sitzt als eine normale Erkältung. Gemeint sind die Atemwege unterhalb des Kehlkopfs: die Bronchien (die feinen Luftröhren in der Lunge) und manchmal auch das Lungengewebe selbst. Meist sind Viren die Ursache, seltener Bakterien. Fachleute unterscheiden vor allem zwei Formen: die Bronchitis (Entzündung der Bronchien) und die Lungenentzündung (Pneumonie, bei der auch das Lungengewebe betroffen ist). Eine Bronchitis ist meist unangenehm, aber harmlos. Eine Lungenentzündung kann ernster sein und sollte ärztlich abgeklärt werden.
Wichtige Fakten
- Die meisten Infekte der unteren Atemwege werden durch Viren ausgelöst – dann helfen Antibiotika nicht.
- Typisch ist Husten, der oft mehrere Wochen nachklingt, auch wenn man sich schon besser fühlt.
- Eine Bronchitis heilt meist von selbst ab; eine Lungenentzündung braucht ärztliche Betreuung.
- Bei Atemnot, bläulichen Lippen oder Verwirrtheit zählt jede Minute – dann sofort den Notruf 112 wählen.
- In Deutschland orientieren sich Ärztinnen und Ärzte bei Husten und Lungenentzündung an den AWMF-Leitlinien (AWMF = Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, also Fachgremien, die Behandlungsempfehlungen erstellen).
Sehr häufig. Infekte der unteren Atemwege gehören zu den häufigsten Gründen, warum Menschen in Deutschland eine Arztpraxis aufsuchen. Besonders in der kalten Jahreszeit treten sie gehäuft auf.
Grundsätzlich kann es jede und jeden treffen. Schwerer verlaufen Infekte oft bei sehr kleinen Kindern, bei älteren Menschen, bei Raucherinnen und Rauchern sowie bei Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen (etwa COPD oder Asthma), mit geschwächtem Immunsystem oder mit Schluckstörungen.
Symptome
- Starke Atemnot, Atemnot in Ruhe oder das Gefühl, keine Luft zu bekommen
- Bläuliche oder graue Lippen, Gesichtshaut oder Fingerspitzen
- Verwirrtheit, Benommenheit, Ohnmacht oder kaum erweckbar
- Atmung setzt aus oder ist sehr langsam und mühsam
- Plötzlich stechender Brustschmerz mit Engegefühl, der in Arm, Rücken oder Kiefer ausstrahlt
- Hohes Fieber zusammen mit steifem Nacken, Lichtscheu oder Bewusstseinsstörung
- Blut im Auswurf oder plötzlich sehr viel Auswurf
- Bei Kindern: Einziehungen, Nasenflügeln, Trinkverweigerung, blasse oder bläuliche Haut, Apathie
- ⚠Fieber, das länger als drei bis vier Tage anhält oder wieder ansteigt
- ⚠Deutliche Verschlechterung des Allgemeinzustands innerhalb von Stunden
- ⚠Eitriger oder blutig tingierter Auswurf
- ⚠Zunehmender Husten bei einer bekannten chronischen Lungenerkrankung
- ⚠Schwangerschaft, geschwächtes Immunsystem oder eine schwere Grunderkrankung zusammen mit Atemwegsbeschwerden
- ⚠Säuglinge und kleine Kinder mit Fieber und Husten, ältere Menschen mit plötzlicher Schwäche
Häufige Symptome
- Husten, der zunächst trocken beginnt und später oft schleimig wird
- Auswurf, der klar, gelblich oder grünlich sein kann
- Fieber oder erhöhte Temperatur, Frösteln und Schüttelfrost
- Gefühl von Enge oder Druck in der Brust, Schmerzen beim Husten
- Kurzatmigkeit oder schnellere Atmung, besonders bei Anstrengung
- Pfeifende oder rasselnde Atemgeräusche
- Halsschmerzen, Schnupfen, Kopf- und Gliederschmerzen
- Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit
Symptome bei Kindern
- Häufig Husten und Fieber, manchmal auch ohne deutlichen Husten
- Schnellere oder angestrengte Atmung, Nasenflügeln (die Nasenflügel bewegen sich beim Atmen mit)
- Einziehungen zwischen den Rippen oder am Halsansatz beim Einatmen
- Weniger Trinken, weniger Windeln, Teilnahmslosigkeit oder auffällige Unruhe
- Bei Säuglingen manchmal nur Trinkschwäche, Fieber oder ungewöhnliches Quengeln
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Oft kein Fieber – stattdessen Schwäche, Müdigkeit oder plötzliche Verwirrtheit
- Neue oder zunehmende Atemnot, auch in Ruhe
- Verschlechterung einer bestehenden Herz- oder Lungenerkrankung
- Stürze, Appetitlosigkeit oder allgemeine Kraftlosigkeit können die einzigen Zeichen sein
Ursachen
Hauptursachen
- Viren – die häufigste Ursache, meist dieselben Erreger wie bei einer Erkältung oder Grippe
- Bakterien – seltener, können aber eine Lungenentzündung auslösen oder eine Bronchitis verschlimmern
- Sehr selten Pilze oder andere Erreger, vor allem bei stark geschwächtem Immunsystem
- Eine verschleppte Erkältung kann sich auf die unteren Atemwege ausbreiten – muss es aber nicht
Risikofaktoren
- Rauchen und Passivrauchen
- Chronische Lungenerkrankungen wie COPD oder Asthma
- Sehr junges oder hohes Alter
- Geschwächtes Immunsystem, etwa durch bestimmte Erkrankungen oder Behandlungen
- Schluckstörungen, bei denen Nahrung oder Speichel in die Atemwege gelangen kann
- Enge Räume mit vielen Menschen, zum Beispiel in der kalten Jahreszeit
- Krankenhausaufenthalte oder Beatmung
- Ungesunde Ernährung, Schlafmangel und starker Stress können die Abwehr schwächen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Atemnot oder das Gefühl, nicht durchatmen zu können
- Bläuliche Lippen oder Haut, Verwirrtheit, Ohnmacht – dann sofort Notruf 112
- Hohes Fieber, das nicht sinkt, oder Fieber mit Schüttelfrost über mehrere Tage
- Blut im Auswurf
- Säuglinge und kleine Kinder mit angestrengter Atmung oder Trinkverweigerung
- Ältere Menschen mit plötzlicher Verwirrtheit oder Schwäche
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Husten, der länger als zwei bis drei Wochen nicht besser wird
- Wiederkehrende Infekte der Atemwege
- Husten mit Auswurf über mehrere Wochen, besonders bei Raucherinnen und Rauchern
- Beschwerden, die Sie sehr belasten oder bei denen Sie unsicher sind
- Sie haben eine chronische Lungenerkrankung und der Husten verändert sich
Diagnose
In den meisten Fällen reicht ein Gespräch und eine körperliche Untersuchung. Die Ärztin oder der Arzt hört Ihre Lunge mit dem Stethoskop ab, misst eventuell die Sauerstoffsättigung am Finger und fragt nach Beschwerden, Vorerkrankungen und Rauchgewohnheiten. So lässt sich oft gut einschätzen, ob es sich eher um eine Bronchitis oder um eine Lungenentzündung handelt und ob weitere Untersuchungen sinnvoll sind.
Mögliche Untersuchungen
- Abhören der Lunge und der Atemgeräusche
- Messung der Sauerstoffsättigung über einen kleinen Clip am Finger (Pulsoxymeter)
- Blutuntersuchung, wenn eine Lungenentzündung vermutet wird
- Röntgenaufnahme der Brust, wenn der Verdacht auf eine Lungenentzündung besteht oder der Verlauf unklar ist
- Untersuchung von Auswurf, um Erreger zu bestimmen – nur in bestimmten Situationen
- Bei Kindern manchmal zusätzliche Untersuchungen, je nach Alter und Beschwerden
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Meist bleibt es bei einem einzigen Termin. Wird eine Bronchitis vermutet, geht es vor allem um Beruhigung und darum, den Verlauf abzuwarten. Besteht der Verdacht auf eine Lungenentzündung, können eine Blutabnahme und ein Röntgenbild dazukommen. Die Ergebnisse liegen oft am selben Tag oder wenige Tage später vor. Sie erhalten eine Erklärung, was zu tun ist und wann Sie sich wieder melden sollten.
Behandlung
Bei den meisten Infekten der unteren Atemwege ist die Behandlung unterstützend: Ruhe, ausreichend trinken und Zeit zum Ausheilen. Da die meisten Infekte von Viren verursacht werden, wirken Antibiotika – Medikamente gegen Bakterien – dabei nicht. Sie kommen nur infrage, wenn eine bakterielle Ursache wahrscheinlich ist, etwa bei bestimmten Formen der Lungenentzündung. Ob und welche Behandlung sinnvoll ist, entscheidet immer die Ärztin oder der Arzt.
Selbsthilfe zu Hause
- Sich ausruhen und dem Körper Zeit geben – körperliche Anstrengung zunächst vermeiden
- Ausreichend trinken, am besten Wasser oder ungesüßte warme Getränke
- Für feuchte Luft sorgen, zum Beispiel durch Lüften oder ein feuchtes Tuch über der Heizung
- Nicht rauchen und rauchige Räume meiden
- Bei Fieber locker kleiden und regelmäßig die Temperatur messen
- Warme Brustwickel oder ein warmes Bad können wohltuend wirken, wenn Sie sich dabei gut fühlen
- Bei Kindern: auf ausreichend Trinken achten und die Atmung beobachten
- Wenn Sie sich nach einigen Tagen nicht besser fühlen, in der Praxis nachfragen
Medizinische Behandlungen
Die ärztliche Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad. Bei einer Bronchitis steht meist die Linderung der Beschwerden im Vordergrund, etwa durch Maßnahmen gegen Fieber, Schmerzen und Hustenreiz. Antibiotika werden nur eingesetzt, wenn bakterielle Erreger wahrscheinlich sind – das ist bei den meisten Infekten nicht der Fall. Bei einer Lungenentzündung kann eine Behandlung mit Antibiotika nötig sein; bei schwerem Verlauf ist eine Behandlung im Krankenhaus mit Sauerstoff und Überwachung möglich. Fachleute in Deutschland richten sich dabei nach den AWMF-Leitlinien, die beschreiben, wann welche Behandlung sinnvoll ist. Fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke, wenn Sie unsicher sind, wie Sie Ihre Beschwerden lindern können.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Infekten der unteren Atemwege fast nie nötig. Sie kann in sehr seltenen Fällen bei Komplikationen erwogen werden, etwa wenn sich Eiter in der Lunge ansammelt. Ihr Behandlungsteam würde Sie dann ausführlich beraten.
Leben mit der Erkrankung
In den ersten Tagen brauchen Sie vor allem Ruhe. Nehmen Sie sich Zeit von der Arbeit oder der Schule, wenn Sie sich krank fühlen. Leichte Bewegung im Haus ist in Ordnung, aber verzichten Sie vorerst auf Sport und schwere körperliche Arbeit. Bleiben Sie mit anderen in Kontakt, auch wenn Sie zu Hause sind – Einsamkeit kann die Erholung erschweren. Husten kann nachts stören; ein leicht erhöhtes Kopfende und feuchte Luft können helfen.
Tipps für den Alltag
- Rauchstopp ist der wichtigste Schritt für gesunde Atemwege – Unterstützung gibt es bei Ihrer Hausarztpraxis
- Regelmäßig lüften und in der Erkältungszeit Hände gründlich waschen
- Ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Obst unterstützt die Abwehr
- Ausreichend Schlaf und Pausen einplanen
- Bei chronischer Lungenerkrankung: Inhalte des persönlichen Notfallplans kennen
- Körperliche Aktivität nach der Genesung langsam wieder steigern
Ernährung und Bewegung
Es gibt keine spezielle Diät, die einen Atemwegsinfekt heilt. Wichtig ist, dass Sie genug trinken und trotz Appetitlosigkeit kleine, regelmäßige Mahlzeiten zu sich nehmen. Warme Suppen und Brühen sind oft angenehm. In der akuten Phase ist körperliche Schonung sinnvoll; sobald Fieber und starke Beschwerden abklingen, können Sie mit Spaziergängen beginnen und die Belastung langsam steigern. Hören Sie dabei auf Ihren Körper.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein Atemwegsinfekt kann zermürben: schlechter Schlaf, Husten und das Gefühl, nicht durchatmen zu können, machen vielen Menschen Angst. Auch die Sorge, andere anzustecken, oder das Gefühl, im Alltag auszufallen, belastet. Solche Gedanken sind verständlich und gehen meist mit der Genesung zurück. Wenn Ängste oder Niedergeschlagenheit länger als einige Wochen anhalten oder Sie sehr belasten, sprechen Sie mit Ihrer Hausarztpraxis. In einer seelischen Krise können Sie sich jederzeit an die Telefonseelsorge oder den Notruf 112 wenden, wenn akute Gefahr besteht.
Vorbeugung
Ganz verhindern lassen sich Atemwegsinfekte nicht – sie gehören zum Leben dazu. Mit einigen einfachen Gewohnheiten lässt sich das Risiko aber deutlich senken: häufiges Händewaschen, in der Erkältungszeit Abstand zu stark erkälteten Menschen halten, beim Husten und Niesen in die Armbeuge oder ein Taschentuch niesen und regelmäßig lüften. Ein Rauchstopp schützt die Atemwege dauerhaft.
Impfungen
Für bestimmte Gruppen empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) in Deutschland Schutzimpfungen, die auch vor Infekten der Atemwege und deren Komplikationen schützen können – zum Beispiel gegen Grippe, Pneumokokken (Bakterien, die Lungenentzündungen auslösen können) und COVID-19. Ob und wann eine Impfung für Sie sinnvoll ist, besprechen Sie am besten mit Ihrer Hausarztpraxis.
Früherkennungsprogramme
Ein spezielles Screening auf Atemwegsinfekte gibt es nicht. Wenn Sie rauchen oder chronisch husten, kann jedoch eine Lungenfunktionsprüfung in der Arztpraxis sinnvoll sein – sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt darauf an.
Komplikationen
Unbehandelt
- Aus einer Bronchitis kann eine Lungenentzündung werden
- Eine Lungenentzündung kann sich verschlimmern, besonders bei älteren Menschen und bei Menschen mit Vorerkrankungen
- Bei schwerem Verlauf kann Sauerstoffmangel entstehen – dann ist eine Behandlung im Krankenhaus nötig
- Bestehendes Asthma oder COPD kann sich verschlechtern
- Selten bilden sich Flüssigkeitsansammlungen oder Eiteransammlungen in der Lunge
- Sehr selten breitet sich die Entzündung über die Lunge hinaus aus
Langzeitprognose
Die Aussichten sind in der Regel gut. Eine Bronchitis heilt bei den meisten Menschen innerhalb von ein bis zwei Wochen aus, auch wenn der Husten noch einige Wochen nachklingen kann. Eine Lungenentzündung heilt mit passender Behandlung meist gut ab, besonders wenn sie früh erkannt wird. Deshalb ist es wichtig, bei Warnzeichen nicht zu zögern und ärztlichen Rat zu suchen. Die meisten Menschen kehren nach der Genesung vollständig in ihren Alltag zurück.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2026
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