Die richtige Sonnenbrille wählen
Übersicht
Eine Sonnenbrille ist mehr als ein Modeaccessoire: Sie schützt Ihre Augen vor ultravioletten Strahlen, also vor UV-Strahlung. Das ist ein Teil des Sonnenlichts, den wir nicht sehen können, der aber die Augen und die Haut um die Augen schädigen kann. Beim Kauf kommt es vor allem auf drei Dinge an: einen echten UV-Schutz, die passende Tönung für den Einsatzbereich und einen guten Sitz. Viele denken, je dunkler das Glas, desto besser der Schutz – das stimmt nicht. Entscheidend ist der UV-Filter, nicht die Dunkelheit der Gläser.
Wichtige Fakten
- Ein guter UV-Schutz wird oft als „UV400“ oder „100 % UV-Schutz“ angegeben. Das bedeutet, dass die Strahlen bis 400 Nanometer (eine Maßeinheit für Lichtwellen) abgehalten werden.
- Dunkle Gläser ohne UV-Filter sind ungünstig: Die Pupille wird weit, und die schädlichen Strahlen kommen ungehindert ins Auge.
- In Mitteleuropa sind Tönungsstufen der Kategorie 2 oder 3 für den Alltag meist gut geeignet. Kategorie 4 ist sehr dunkel und im Straßenverkehr nicht erlaubt.
- Auch Kinder brauchen eine Sonnenbrille – ihre Augen sind besonders empfindlich.
Ja, das Thema betrifft praktisch alle. Fast jeder besitzt eine Sonnenbrille, aber viele sind unsicher, worauf es beim Kauf ankommt. In der Hausarztpraxis und in der Augenarztpraxis ist die Frage nach dem richtigen Augenschutz deshalb sehr verbreitet.
Grundsätzlich jeder, der sich im Freien aufhält. Besonders wichtig ist der Schutz für Kinder, für Menschen mit hellen Augen, für Personen, die viel draußen arbeiten, für Wintersportler und Bergsteiger sowie für alle, die nach einer Augenoperation oder bei bestimmten Augenerkrankungen empfindlicher auf Licht reagieren.
Symptome
- Plötzlicher, starker Sehverlust auf einem oder beiden Augen
- Sehr starke Augenschmerzen, die rasch schlimmer werden
- Chemikalien oder Spritzer von ätzenden Flüssigkeiten im Auge – sofort mit viel Wasser spülen und den Notruf 112 wählen
- Schwere Verletzung des Auges, zum Beispiel durch einen Schlag, ein Projektil oder eine Schnittwunde
- Schmerzen, Tränenfluss und starke Lichtempfindlichkeit nach Schweißarbeiten, Sonnenbank oder Solarium – Verdacht auf eine „Verblitzung“ (Schädigung der Hornhaut durch intensive Strahlung)
- ⚠Zunehmende Rötung, Schwellung oder Eiter am Auge
- ⚠Fremdkörpergefühl, das auch nach Spülen nicht besser wird
- ⚠Neu aufgetretene Blitze, „Mouches volantes“ (fliegende Punkte) oder ein Schatten im Sichtfeld
- ⚠Doppelbilder oder Sehen wie durch einen Nebel
- ⚠Anhaltende Kopfschmerzen mit Lichtempfindlichkeit
Häufige Symptome
- Geblendet sein und die Augen zusammenkneifen bei Sonnenlicht
- Müde, trockene oder brennende Augen nach einem Tag draußen
- Kopfschmerzen oder Druckgefühl hinter den Augen bei grellem Licht
- Tränende Augen und häufiges Blinzeln
- Das Gefühl, ohne Sonnenbrille „nicht mehr sehen zu können“ – ein Zeichen dafür, dass die Augen an zu wenig Schutz gewöhnt sind
Symptome bei Kindern
- Kinder kneifen oft stärker die Augen zu oder halten die Hand vor das Gesicht
- Kleinkinder können nicht sagen, dass sie geblendet sind – sie werden quengelig oder reiben sich die Augen
- Kinderhaut und Kinderauge sind dünner und empfindlicher, die Schäden durch UV-Strahlung summieren sich über das Leben
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen reagieren oft empfindlicher auf Blendung, zum Beispiel nach einer Katarakt-Operation (Grauer Star, eine Trübung der Augenlinse)
- Trockene Augen verstärken das Gefühl von Brennen und Reizung
- Bei manchen Augenerkrankungen wie einer Makuladegeneration (Schädigung der Netzhautmitte) ist guter Blendschutz besonders wichtig
Ursachen
Hauptursachen
- UV-Strahlung der Sonne – sie ist das ganze Jahr über vorhanden, auch bei Bewölkung
- Reflexion von Licht an Wasser, Schnee, Sand, hellem Asphalt und Glas – dort ist die Belastung oft doppelt so hoch
- Eine ungeeignete Sonnenbrille: dunkle Gläser ohne UV-Filter, zu kleine Gläser, schlechter Sitz
- Fehlende Sonnenbrille in Situationen, in denen sie wichtig wäre, etwa im Schnee, am Meer oder in den Bergen
- Blendung durch tiefliegende Sonne im Straßenverkehr
Risikofaktoren
- Helle Augenfarbe und helle Haut
- Kinder und Jugendliche, deren Augen besonders durchlässig sind
- Berufliche Tätigkeit im Freien, zum Beispiel in der Landwirtschaft, auf dem Bau oder im Rettungsdienst
- Aufenthalt in großer Höhe, am Wasser, im Schnee oder in der Nähe von Wasserflächen
- Bestimmte Medikamente, die die Lichtempfindlichkeit erhöhen – fragen Sie dazu Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke
- Bestimmte Augenerkrankungen und Zustand nach Augenoperationen
- Rauchen und allgemein eine hohe lebenslange UV-Dosis
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich schlechter sehen oder einen Schatten im Gesichtsfeld bemerken
- Bei starken Augenschmerzen oder einem roten, harten Auge
- Wenn nach einer Verletzung oder einem Fremdkörper im Auge Beschwerden bleiben
- Wenn eine ernste Augenerkrankung bekannt ist und sich die Beschwerden verändern
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie regelmäßig geblendet werden oder die Augen nach Zeit im Freien stark brennen
- Wenn Sie unsicher sind, welche Sonnenbrille zu Ihrer Tätigkeit oder Ihren Augen passt – eine Beratung in einer Augenoptik oder Augenarztpraxis hilft
- Wenn Sie bestimmte Medikamente einnehmen und wissen möchten, ob sie die Lichtempfindlichkeit erhöhen
- Für Kinder: wenn das Kind Sonnenlicht auffällig schlecht verträgt
- Zur regelmäßigen Kontrolle der Augengesundheit, besonders ab dem mittleren Alter
Diagnose
Bei der Frage nach der richtigen Sonnenbrille geht es selten um eine „Diagnose“ im klassischen Sinn. Meist beraten Augenoptikerinnen, Augenoptiker oder Augenärzte. Sie schauen sich Ihre Augen an, fragen, wo und wie oft Sie die Brille tragen, und prüfen, ob ein UV-Schutz vorhanden ist. Wichtig ist dabei auch, ob eine Augenerkrankung oder eine erhöhte Lichtempfindlichkeit vorliegt.
Mögliche Untersuchungen
- Sehtest (Visusprüfung), um die Sehschärfe zu erfassen
- Spaltlampenuntersuchung – dabei wird das Auge mit einer Lupe und Licht genau betrachtet
- Prüfung der UV-Kennzeichnung und der Tönungskategorie auf der Brille oder in der Beschreibung
- Prüfung des Sitzes: Sitzen die Gläser nah am Auge, bedecken sie die Augen gut, drücken sie nicht?
- Bei Bedarf weitere augenärztliche Untersuchungen des Augenhintergrunds
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Beratung ist kurz und schmerzlos. Sie werden gefragt, wofür Sie die Brille brauchen – Alltag, Autofahren, Sport, Berg oder Wasser. Danach bekommen Sie konkrete Hinweise zu UV-Schutz, Tönungsstufe, Form und Passform. Wenn Ihre Augen gerötet oder gereizt sind, kann eine genauere Untersuchung sinnvoll sein.
Behandlung
Eine „Behandlung“ braucht es meist nicht – im Mittelpunkt steht der gute Schutz. Wenn die Augen durch UV-Licht oder Blendung gereizt sind, helfen Ruhe, Reizvermeidung und eine Brille mit echtem UV-Schutz. Bei einer Schädigung der Hornhaut durch starke Strahlung oder bei Entzündungen entscheidet die Augenarztpraxis über die passende Behandlung. Wichtig: Nennen Sie in der Praxis alle Medikamente, die Sie einnehmen, und lassen Sie sich beraten, statt selbst zu experimentieren.
Selbsthilfe zu Hause
- Beim Kauf auf „UV400“ oder „100 % UV-Schutz“ achten; die Kennzeichnung steht meist auf dem Bügel oder in der Beschreibung
- Für Mitteleuropa im Alltag meist Tönungsstufe 2 oder 3 wählen – Stufe 4 ist im Straßenverkehr nicht erlaubt
- Große, gut sitzende Gläser mit seitlichem Schutz wählen, damit Licht nicht von der Seite einfällt
- Graue oder braune Gläser verfälschen Farben am wenigsten – wichtig beim Autofahren
- Kratzer und abgenutzte Gläser austauschen, weil sie den Schutz und die Sicht verschlechtern
- Die Brille auch bei Bewölkung und im Winter tragen, denn UV-Strahlung ist immer da
- Zusätzlich: Hut mit Schirm, Schatten zur Mittagszeit, Sonnencreme für die Haut um die Augen
- Bei gereizten Augen: Bildschirm- und Sonnenpausen, ausreichend blinzeln, Raumluft nicht zu trocken halten
- Nie direkt in die Sonne schauen, auch nicht mit Sonnenbrille – das gilt besonders bei einer Sonnenfinsternis
Medizinische Behandlungen
Wenn die Augen durch Strahlung oder eine Entzündung gereizt sind, kann die Augenarztpraxis zum Beispiel eine Behandlung mit befeuchtenden Augentropfen, eine kurze Ruhigstellung des Auges oder – bei einer Entzündung – eine gezielte Therapie verordnen. Art und Dauer richten sich nach dem Befund. Lassen Sie sich die Anwendung in der Praxis oder in der Apotheke genau erklären und halten Sie die verordnete Dauer ein.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei der Wahl der Sonnenbrille selbst kein Thema. Sie kann aber später bei bestimmten Augenerkrankungen notwendig werden, die durch UV-Strahlung begünstigt werden – zum Beispiel bei einem fortgeschrittenen Grauen Star. Nach einer Augenoperation ist guter UV- und Blendschutz besonders wichtig; die Praxis sagt Ihnen, worauf Sie achten sollten.
Leben mit der Erkrankung
Gute Sonnenbrillen gehören einfach dazu – wie Sonnencreme im Sommer. Legen Sie eine Brille an den Platz, wo Sie sie brauchen: in die Tasche, ins Auto, in den Kinderwagen, an die Jackentasche. Ein Etui schützt vor Kratzern. Gewöhnen Sie sich an, die Brille auch an trüben Tagen und im Winter zu tragen, denn dann wird der Schutz am häufigsten vergessen.
Tipps für den Alltag
- Mittagssonne meiden und Schatten nutzen, besonders zwischen 11 und 15 Uhr
- Breitkrempigen Hut oder Kappe tragen – das entlastet die Augen zusätzlich
- Beim Sport und am Wasser an eine gut sitzende, bruchsichere Brille denken
- Im Schnee und in den Bergen besonders konsequent schützen, weil Schnee und Höhe die Strahlung verstärken
- Regelmäßige Pausen für die Augen bei Bildschirmarbeit
- Nicht rauchen – Rauchen belastet die Augen zusätzlich
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und grünem Blattgemüse unterstützt die Gesundheit der Augen. Bewegung im Freien tut gut – aber mit passendem Sonnenschutz für Augen und Haut. Fragen Sie bei Unsicherheit zu Nahrungsergänzungsmitteln Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke; sie sind nur selten nötig.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Starkes Blendempfinden kann im Alltag nerven und stressen, besonders beim Autofahren oder bei der Arbeit. Das ist verständlich. Wenn Sie merken, dass Sie deshalb Situationen meiden oder sich Sorgen machen, sprechen Sie darüber – mit Ihrem Umfeld oder in Ihrer Arztpraxis. Bei seelischer Belastung gibt es Unterstützung; zögern Sie nicht, danach zu fragen.
Vorbeugung
Ja. Schäden durch UV-Strahlung lassen sich weitgehend vermeiden, indem Sie konsequent eine Sonnenbrille mit echtem UV-Schutz tragen. Da sich die Wirkung über das Leben summiert, zahlt sich früher und regelmäßiger Schutz besonders aus – vor allem bei Kindern.
Früherkennungsprogramme
Regelmäßige augenärztliche Kontrollen sind sinnvoll, besonders ab dem mittleren Lebensalter, bei bekannten Augenerkrankungen, nach Augenoperationen und wenn in der Familie Augenerkrankungen vorkommen. In Deutschland gibt es Früherkennungsuntersuchungen für Kinder; die Hausarztpraxis berät Sie dazu. Bei Fragen zu Kosten und Intervallen hilft Ihre Krankenkasse weiter.
Komplikationen
Unbehandelt
- Photokeratitis – eine „Sonnenbrand“-Reaktion der Hornhaut mit Schmerzen und Lichtempfindlichkeit, meist vorübergehend
- Grauer Star (Katarakt): eine Trübung der Augenlinse, die Sehen wie durch einen Schleier verursacht
- Flügelfell (Pterygium): eine Wucherung der Bindehaut, die das Sehen beeinträchtigen kann
- Schäden an der Netzhautmitte (Makula), die das scharfe Sehen betreffen
- Hautschäden und heller Hautkrebs an den Lidern und der Umgebung des Auges
- Dauerhafte Blendungsempfindlichkeit und Unbehagen im Alltag
Langzeitprognose
Die gute Nachricht: Sie können sehr viel selbst tun. Eine passende Sonnenbrille mit UV400-Schutz, ein Hut und etwas Schatten zur Mittagszeit schützen Ihre Augen zuverlässig. Wenn Sie regelmäßig zur Kontrolle gehen und Beschwerden früh abklären lassen, sind die Aussichten gut – Ihre Augen werden es Ihnen über viele Jahre danken.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2026
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