CLABSI: Blutstrominfektion durch einen zentralen Venenkatheter
Übersicht
Ein zentraler Venenkatheter – oft kurz „ZVK“ genannt – ist ein dünner Schlauch, der in eine große Vene gelegt wird, meist am Hals, unter dem Schlüsselbein oder in der Leiste. Über ihn können zum Beispiel Medikamente, Flüssigkeit oder künstliche Ernährung direkt ins Blut gegeben und Blutproben entnommen werden. CLABSI ist die englische Abkürzung für eine Infektion des Blutkreislaufs, die genau mit diesem Katheter zusammenhängt. Vereinfacht gesagt: Keime, die an der Einstichstelle oder am Katheteranschluss sitzen, gelangen über den Schlauch in die Blutbahn und lösen dort eine Infektion aus. Das ist eine ernste Situation, die im Krankenhaus behandelt werden muss – aber sie lässt sich gut erkennen und behandeln, und man kann ihr mit einfachen Hygienemaßnahmen gut vorbeugen.
Wichtige Fakten
- CLABSI entsteht nur bei Menschen, die einen zentralen Venenkatheter haben – ohne Katheter gibt es diese Infektion nicht.
- Typische Zeichen sind Fieber, Schüttelfrost und ein starkes Krankheitsgefühl, manchmal auch Rötung oder Schmerzen an der Einstichstelle.
- Die Behandlung findet fast immer im Krankenhaus statt und beinhaltet häufig, den Katheter zu entfernen und die Infektion gezielt zu behandeln.
In den letzten Jahren ist CLABSI in deutschen Krankenhäusern deutlich seltener geworden, weil es klare Hygienestandards gibt. Am häufigsten tritt sie auf Intensivstationen und bei Menschen auf, die über längere Zeit einen zentralen Venenkatheter brauchen. Nicht jeder Katheter führt zu einer Infektion – die meisten verlaufen ohne Komplikationen.
Betroffen sind Menschen mit einem zentralen Venenkatheter, zum Beispiel schwer kranke Patientinnen und Patienten auf der Intensivstation, Menschen mit einer Krebserkrankung, die eine Chemotherapie erhalten, Personen mit künstlicher Ernährung über die Vene, Menschen an der Dialyse sowie Frühgeborene. Ein geschwächtes Immunsystem erhöht das Risiko.
Symptome
- Hohes Fieber zusammen mit Schüttelfrost und starkem Krankheitsgefühl – Notruf 112
- Verwirrtheit, Benommenheit, Ohnmacht oder kaum ansprechbar sein
- Sehr schnelle Atmung, Atemnot oder bläuliche Lippen
- Kalte, schweißige Haut, fahlgraue Blässe, kaum messbarer Blutdruck
- Sehr wenig oder kein Urin über viele Stunden
- ⚠Fieber ab etwa 38 °C bei liegendem zentralen Venenkatheter
- ⚠Schüttelfrost, auch ohne hohes Fieber
- ⚠Rötung, Schwellung, Schmerz oder Eiter an der Einstichstelle
- ⚠Austritt von Flüssigkeit oder Blut an der Katheterstelle oder ein beschädigter Katheter
- ⚠Neu aufgetretenes Unwohlsein oder Fieber nach einer Katheteranlage in den letzten Tagen
Häufige Symptome
- Fieber, oft plötzlich und manchmal mit Schüttelfrost
- Starkes Krankheitsgefühl, Müdigkeit und Schwäche
- Rötung, Wärme, Schwellung, Schmerz oder eitrige Absonderung an der Einstichstelle
- Schneller Herzschlag und niedriger Blutdruck
- Übelkeit oder allgemeines Unwohlsein
Symptome bei Kindern
- Fieber, auch ohne andere Erkennbare Ursache
- Unruhe, Quengeln oder im Gegenteil auffällige Schlafigkeit
- Wenig Trinken, schlechtes Trinken oder Trinkschwäche
- Rötung oder Berührungsempfindlichkeit an der Katheterstelle
- Bei Frühgeborenen manchmal nur Temperaturschwankungen und apathisches Verhalten
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Fieber fehlt oft – möglich sind statt dessen Verwirrtheit, plötzliche Schwäche oder vermehrte Stürze
- Neu aufgetretene Verwirrtheit oder „Durcheinander“ im Alltag
- Niedriger Blutdruck, Schwindel beim Aufstehen
- Auffällige Müdigkeit und Appetitlosigkeit
- Manchmal nur eine Verschlechterung des Allgemeinzustands ohne klare Beschwerden
Ursachen
Hauptursachen
- Keime von der eigenen Haut wandern entlang des Katheters in die Blutbahn
- Keime gelangen beim Anfassen oder Reinigen der Anschlüsse (Hahnbank) in den Katheter
- Der Katheter liegt über längere Zeit, sodass sich Keime leichter an ihm festsetzen können
- Keime aus einer anderen Infektion im Körper werden über das Blut am Katheter angesiedelt
- Selten gelangen Keime über verunreinigte Infusionslösungen in den Kreislauf
Risikofaktoren
- Längere Liegedauer des zentralen Venenkatheters
- Aufenthalt auf einer Intensivstation oder eine schwere Grunderkrankung
- Geschwächtes Immunsystem, etwa durch eine Krebserkrankung, Chemotherapie oder eine Organtransplantation
- Mehrere Katheter-Zugänge gleichzeitig
- Frühgeborene und sehr kleine Kinder
- Diabetes mellitus oder Mangelernährung
- Häufige Notfallanlagen des Katheters oder Wechsel über einen Führungsdraht
- Unzureichende Handhygiene beim Umgang mit dem Katheter
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Fieber, Schüttelfrost oder ein plötzlich starkes Krankheitsgefühl, wenn ein zentraler Venenkatheter liegt – sofort die behandelnde Stelle informieren
- Rötung, Schwellung, Schmerz oder Eiter an der Einstichstelle
- Der Katheter ist verrutscht, beschädigt oder die Austrittsstelle blutet oder nässt stark
- Bei Menschen im häuslichen Umfeld mit Katheter: Fieber messen und umgehend die zuständige Praxis, den Pflegedienst oder die Klinik anrufen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Allgemeine Fragen zur Pflege und zum Umgang mit dem Katheter
- Geplante Kontrolltermine oder ein anstehender Verbandwechsel
- Unsicherheit, ob eine kleine Rötung oder ein leichtes Ziehen normal ist
Diagnose
Die behandelnde Ärztin oder der Arzt spricht mit Ihnen, untersucht die Einstichstelle und misst Temperatur und Blutdruck. Der entscheidende Schritt sind Blutproben, die auf Keime untersucht werden – und zwar meist sowohl über den Katheter als auch über eine andere Vene. So lässt sich erkennen, ob die Keime tatsächlich vom Katheter stammen. Bei stabilen Verhältnissen kann auch der Katheter selbst untersucht werden, nachdem er entfernt wurde.
Mögliche Untersuchungen
- Blutkulturen: Blutproben aus dem Katheter und aus einer anderen Vene, um Keime nachzuweisen
- Blutuntersuchungen mit Entzündungswerten und Blutbild
- Kontrolle von Blutdruck, Puls, Atmung und Temperatur
- Abstrich oder Untersuchung der Einstichstelle, wenn dort etwas auffällig ist
- Ultraschall, um einen Blutgerinnsel oder eine Ansammlung von Flüssigkeit entlang des Katheters zu erkennen
- Manchmal ein Entfernen des Katheters mit Untersuchung der Spitze im Labor
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Diagnostik läuft meist zügig ab, weil eine Infektion des Blutkreislaufs schnell erkannt werden soll. Rechnen Sie damit, dass Sie ein paar Tage im Krankenhaus bleiben müssen, dass mehrfach Blut abgenommen wird und dass Sie über einen venösen Zugang Flüssigkeit und Medikamente bekommen. Das klingt viel, dient aber dazu, schnell das Richtige zu tun und Sie gut zu überwachen.
Behandlung
Bei einer Infektion über den zentralen Venenkatheter arbeitet das Behandlungsteam meist auf zwei Wegen gleichzeitig: Die Infektion selbst wird mit keimtötenden Medikamenten behandelt, die über die Vene gegeben werden, und der Katheter wird häufig entfernt oder ersetzt, weil sich Keime dort festsetzen. Beides zusammen hilft dem Körper, die Infektion loszuwerden. Die Behandlung findet in der Regel im Krankenhaus statt, damit Sie überwacht werden können.
Selbsthilfe zu Hause
- Informieren Sie das Pflege- und Ärzteteam sofort, wenn Sie Fieber, Schüttelfrost oder Unwohlsein bemerken
- Fassen Sie die Katheterstelle nicht unnötig an, und lassen Sie Verbände nur von geschulten Personen wechseln
- Halten Sie den Verband trocken; beim Duschen schützen, wie es Ihnen gezeigt wurde
- Waschen Sie sich gründlich die Hände, bevor Sie den Katheter oder die Anschlüsse berühren
- Achten Sie auf Warnzeichen an der Einstichstelle und fotografieren Sie Auffälligkeiten, wenn Sie unsicher sind
- Trinken Sie ausreichend, wenn keine Einschränkung der Flüssigkeitszufuhr verordnet wurde, und achten Sie auf gute Ernährung
- Bewegen Sie sich, so wie es Ihnen möglich ist – das unterstützt die Genesung
Medizinische Behandlungen
Das Behandlungsteam gibt keimtötende Medikamente über die Vene, die gegen die nachgewiesenen oder vermuteten Erreger wirken. Zusätzlich bekommen Sie Flüssigkeit, und es wird auf Kreislauf, Atmung und Nierenwerte geachtet. Je nach Situation wird der Katheter entfernt und an einer anderen Stelle neu gelegt oder durch einen anderen Zugang ersetzt. Bei anhaltendem Fieber oder Komplikationen wird die Behandlung angepasst. Dosierungen und die Auswahl der Medikamente legt ausschließlich das behandelnde Team fest – bitte sprechen Sie Änderungen nie selbst ab.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation im klassischen Sinn ist meist nicht nötig. Häufig wird der Katheter aber in einem kleinen Eingriff entfernt, entweder am Krankenbett oder in einem Eingriffsraum. Manchmal muss eine Ansammlung von Eiter oder ein Blutgerinnsel im Bereich des Katheters entweder mit einer Nadel unter Ultraschallsicht entlastet oder seltener operativ versorgt werden. Ihr Behandlungsteam bespricht mit Ihnen, welcher Weg in Ihrer Situation sinnvoll ist.
Leben mit der Erkrankung
Ein zentraler Venenkatheter kann über Wochen oder Monate liegen bleiben, zum Beispiel für eine Chemotherapie oder eine künstliche Ernährung zu Hause. Im Alltag bedeutet das vor allem: gute Handhygiene, ein trockener und sauberer Verband und ein wachsames Auge auf Veränderungen. Viele Menschen lernen, mit dem Katheter ganz normal zu duschen, sich anzuziehen und sich zu bewegen – nur Schwimmen und starkes Heben gehen meist nicht. Sprechen Sie offen darüber, was Ihnen Sorgen macht; das Pflegeteam kann vieles erklären und erleichtern.
Tipps für den Alltag
- Hände gründlich mit Seife waschen – vor und nach jedem Kontakt mit dem Katheter
- Verbandswechsel und Anschlüsse nur von geschulten Personen durchführen lassen
- Die Katheterstelle täglich kurz anschauen: Rötung, Schwellung, Nässe oder Schmerz notieren und melden
- Beim Duschen den Verband mit einer wasserdichten Abdeckung schützen, wie es Ihnen gezeigt wurde
- Auf ausreichend Schlaf und Pausen achten, damit der Körper sich erholen kann
- Nicht rauchen – das unterstützt die Durchblutung und die Abwehrkräfte
- Bei Reisen oder Terminen außerhalb der Wohnung das Pflegeteam rechtzeitig informieren
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Eiweiß, Obst und Gemüse hilft dem Körper, sich zu erholen und Abwehrkräfte aufzubauen. Wenn Sie künstlich ernährt werden, kümmert sich das Behandlungsteam um die passende Zusammensetzung. Bewegung ist gut – angepasst an Ihre Kraft: kurze Spaziergänge, leichte Gymnastik oder Bewegung im Sitzen. Vermeiden Sie Zug oder starkes Ziehen am Katheter, und fragen Sie vor dem Sport, welche Bewegungen erlaubt sind.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein Katheter und die Angst vor einer Infektion können belasten. Viele Menschen sorgen sich, etwas falsch zu machen, oder fühlen sich unsicher beim Duschen, Schlafen oder in Gesellschaft. Solche Gefühle sind normal und dürfen sein. Hilfreich ist oft, Abläufe zu üben, Fragen aufzuschreiben und eine feste Ansprechperson zu kennen. Wenn Sorgen, Traurigkeit oder Unruhe überhandnehmen, sprechen Sie darüber – psychoonkologische oder seelsorgerische Angebote sowie die behandelnde Praxis können unterstützen.
Vorbeugung
Ja, CLABSI lässt sich gut vorbeugen. Entscheidend sind konsequente Hygiene beim Legen und beim Umgang mit dem Katheter, ein sauberer und trockener Verband, geschultes Personal und die Regel: so kurz wie möglich, so lange wie nötig. In vielen Kliniken gibt es feste Standards und Checklisten, die sich an den Empfehlungen der AWMF-Leitlinien zur Vermeidung katheterassoziierter Infektionen orientieren. Auch Sie selbst können viel beitragen, vor allem durch gute Handhygiene und indem Sie Auffälligkeiten früh melden.
Impfungen
Für CLABSI selbst gibt es keine Schutzimpfung. Der beste Schutz ist die konsequente Hygiene rund um den Katheter. Andere Impfungen, etwa gegen Grippe oder Pneumokokken, können bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem sinnvoll sein – besprechen Sie das mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Früherkennungsprogramme
Ein eigenes Screening auf CLABSI gibt es nicht. Stattdessen gehört die tägliche Kontrolle der Einstichstelle und der Verband-Regelwechsels zum Standard. Viele Kliniken erfassen zudem katheterassoziierte Infektionen systematisch, um die Qualität zu verbessern. Fragen Sie beim nächsten Termin, ob der Katheter noch gebraucht wird – diese einfache Frage ist ein wirksamer Schutz.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ausbreitung der Infektion im ganzen Körper (Blutvergiftung/Sepsis) mit Kreislaufversagen
- Schädigung von Organen wie Niere, Lunge oder Herz
- Blutgerinnsel in der Vene am Katheter
- Eitrige Ansammlungen entlang des Katheters oder in der Umgebung
- Deutlich verlängerter Krankenhausaufenthalt und verzögerte Weiterbehandlung, etwa einer Krebstherapie
Langzeitprognose
Die meisten Menschen erholen sich gut, wenn die Infektion früh erkannt und behandelt wird. Entscheidend sind schnelles Handeln, das Entfernen des Katheters wenn nötig und eine gezielte Behandlung. Sie müssen das nicht allein schaffen: Das Behandlungsteam begleitet Sie Schritt für Schritt, und es gibt klare Konzepte, um Komplikationen zu vermeiden. Fragen Sie ruhig nach, was in Ihrer Situation zu erwarten ist – gute Information nimmt viel Unsicherheit.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2026
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