Erkältung – Schnupfen, Husten, Heiserkeit
Übersicht
Eine Erkältung ist eine meist harmvolle Entzündung der oberen Atemwege – also von Nase, Hals und Rachen. Ausgelöst wird sie fast immer durch Viren, nicht durch Kälte allein. Der Körper wehrt die Erreger ab, und dabei entstehen die typischen Beschwerden: die Nase läuft oder ist verstopft, der Hals kratzt, es hustet. Eine Erkältung ist keine Grippe (Influenza): Sie verläuft in der Regel milder und klingt innerhalb von etwa einer bis zwei Wochen von selbst wieder ab.
Wichtige Fakten
- Erkältungen werden meist durch Viren ausgelöst – Antibiotika helfen dagegen nicht, weil sie nur gegen Bakterien wirken.
- Die Beschwerden halten meist etwa 7 bis 10 Tage an; Husten kann danach noch einige Wochen nachklingen.
- Behandelt wird vor allem lindernd: Ruhe, viel Trinken und Zeit – der Körper bekämpft die Erreger selbst.
Ja, sehr häufig. Erwachsene bekommen im Schnitt etwa zwei bis vier Erkältungen pro Jahr, Kinder oft deutlich mehr, weil ihr Immunsystem die vielen verschiedenen Erkältungsviren noch kennenlernen muss.
Grundsätzlich kann es jede und jeden treffen. Besonders oft erkranken Kinder in Kita und Schule sowie Menschen, die viel Kontakt zu anderen haben. Menschen mit geschwächtem Immunsystem, mit Asthma oder anderen chronischen Lungenerkrankungen sowie Raucherinnen und Raucher haben ein höheres Risiko für einen schwereren Verlauf.
Symptome
- Starke Atemnot, schnelle oder mühsame Atmung, pfeifende Geräusche beim Atmen
- Bläuliche Lippen, Gesicht oder Fingernägel
- Bewusstseinstrübung, Verwirrtheit, extreme Schwäche, kaum ansprechbar
- Krampfanfall (Fieberkrampf bei Kindern, der länger als wenige Minuten dauert)
- Hohes Fieber zusammen mit Nackensteifigkeit, starken Kopfschmerzen, Lichtscheu oder einem Hautausschlag, der nicht wegdrückbar ist
- Bei Säuglingen und Kleinkindern: keine oder kaum noch Urinausscheidung, eingefallene Augen, schlaffe Teilnahmslosigkeit, trockene Schleimhäute
- ⚠Fieber, das länger als drei Tage anhält oder wieder hochkommt
- ⚠Eitriger Auswurf oder deutliche Verschlechterung nach einer scheinbaren Besserung
- ⚠Starke Ohrenschmerzen oder eitriger Ausfluss aus dem Ohr
- ⚠Starke Gesichtsschmerzen über den Nasennebenhöhlen, die zunehmen
- ⚠Anhaltende Heiserkeit über mehr als zwei Wochen
- ⚠Säuglinge unter drei Monaten mit Fieber – bitte noch am selben Tag ärztlich abklären lassen
Häufige Symptome
- Laufende oder verstopfte Nase, Niesen
- Halsschmerzen, Kratzen im Hals, Heiserkeit
- Husten, anfangs trocken, später oft mit Schleim
- Leichtes Fieber, Frösteln
- Kopf- und Gliederschmerzen
- Müdigkeit und allgemeines Abgeschlagensein
- Gedrückte Stimmung, geringer Appetit
Symptome bei Kindern
- Fieber tritt bei Kindern häufiger und manchmal höher auf als bei Erwachsenen
- Kinder sind oft quengelig, schlafen schlecht und essen weniger
- Ohrenschmerzen sind bei Kindern häufiger (mögliche Mittelohrentzündung)
- Säuglinge und Kleinkinder können weniger trinken und dadurch austrocknen
- Manche Kinder bekommen zusätzlich Übelkeit oder Durchfall
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Fieber fehlt oft oder ist nur leicht – die Erkrankung kann trotzdem ernst sein
- Stärkere Erschöpfung und länger andauernde Schwäche
- Höheres Risiko für Komplikationen wie Bronchitis oder Lungenentzündung
- Austrocknung (Dehydrierung) wird oft zu spät bemerkt
- Bei Demenz oder Pflegebedarf können Beschwerden schwer zu erkennen sein – achten Sie auf Verwirrtheit oder Teilnahmslosigkeit
Ursachen
Hauptursachen
- Erkältungsviren – es gibt über 200 verschiedene, deshalb werden wir immer wieder krank
- Tröpfcheninfektion: Beim Husten, Niesen oder Sprechen gelangen winzige Tröpfchen in die Luft
- Schmierinfektion: Viren an Türgriffen, Haltegriffen oder Tastaturen gelangen über die Hände an Mund, Nase oder Augen
- Enge Räume mit vielen Menschen, in denen die Luft kaum ausgetauscht wird
- Kühle, trockene Luft trocknet die Schleimhäute aus und macht sie empfindlicher
Risikofaktoren
- Enger Kontakt zu anderen, zum Beispiel in Kita, Schule, Büro oder öffentlichen Verkehrsmitteln
- Geschwächtes Immunsystem, etwa durch bestimmte Erkrankungen oder Medikamente, die die Abwehr dämpfen
- Rauchen sowie Passivrauchen
- Chronische Lungenerkrankungen wie Asthma oder COPD
- Allergien, die die Nasenschleimhaut bereits reizen
- Wenig Schlaf, dauerhafter Stress, einseitige Ernährung
- Sehr junge oder sehr hohes Lebensalter
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Atembeschwerden jeder Art oder das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen
- Anhaltend hohes Fieber oder Fieber bei Säuglingen unter drei Monaten
- Verschlucken, Schwierigkeiten beim Trinken, Anzeichen von Austrocknung
- Verschlechterung nach einer Woche oder eine deutliche zweite Krankheitswelle
- Starke einseitige Ohren- oder Gesichtsschmerzen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sie sind unsicher, ob es eine Erkältung oder etwas anderes ist
- Die Beschwerden bessern sich nach etwa einer Woche nicht
- Sie haben eine chronische Erkrankung der Lunge oder des Herzens und fühlen sich stärker beeinträchtigt als sonst
- Sie sind schwanger oder stillen und möchten etwas gegen die Beschwerden einnehmen
- Sie möchten eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, weil Sie nicht arbeiten können
Diagnose
In der Praxis reicht meist ein Gespräch über Ihre Beschwerden und eine kurze körperliche Untersuchung. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt schaut in den Hals, hört die Lunge ab und tastet eventuell die Nasennebenhöhlen ab. Sehr oft ist damit schon klar, dass es sich um eine typische Erkältung handelt.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung: Hals, Ohren, Nase, Abhören der Lunge
- Kein Test notwendig – bei unkomplizierten Erkältungen sind Laborwerte oder Röntgenbilder in der Regel nicht erforderlich
- Bei bestimmten Fragen kann ein Abstrich aus Nase oder Rachen sinnvoll sein, etwa um Grippe oder andere Erreger abzugrenzen
- Blutuntersuchungen nur, wenn ein schwerer Verlauf oder eine andere Ursache vermutet wird
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Das Gespräch und die Untersuchung dauern meist nur wenige Minuten. In Deutschland orientieren sich Ärztinnen und Ärzte bei akutem Husten und Erkältungen an den AWMF-Leitlinien – das sind fachlich abgestimmte Empfehlungen, die eine sinnvolle, nicht überversorgte Behandlung fördern. Sie werden also oft hören, dass Abwarten und Linderung der Beschwerden der richtige Weg sind.
Behandlung
Eine Erkältung wird nicht ursächlich geheilt – kein Medikament beseitigt die Viren. Stattdessen geht es darum, die Beschwerden zu lindern und dem Körper die Ruhe zu geben, die er zum Gesundwerden braucht. In den meisten Fällen reicht das aus.
Selbsthilfe zu Hause
- Sich ausruhen und ausreichend schlafen – gönnen Sie sich die Pause
- Viel trinken, am besten Wasser oder ungesüßte Tees; warme Getränke tun dem Hals gut
- Bei verstopfter Nase: Nasenspülungen mit steriler Kochsalzlösung oder Inhalieren von warmem Wasserdampf
- Bei Fieber und Gliederschmerzen können rezeptfreie Mittel aus der Apotheke helfen – lassen Sie sich dort zu Auswahl und richtiger Anwendung beraten, besonders bei Kindern, in der Schwangerschaft und bei Vorerkrankungen
- In Ruhe essen, worauf Sie Appetit haben; niemand muss sich zum Essen zwingen
- Zimmer regelmäßig lüften und nicht zu warm heizen
- Halten Sie Abstand zu anderen, um niemanden anzustecken
- Rauchen vermeiden – es reizt die Schleimhäute zusätzlich
Medizinische Behandlungen
Wenn Sie in die Praxis kommen, prüft die Ärztin oder der Arzt, ob es sich um eine unkomplizierte Erkältung handelt. Dann geht es um Linderung: je nach Beschwerden können schleimlösende oder abschwellende Maßnahmen, Mittel gegen Schmerzen und Fieber oder ein Spray für den gereizten Hals sinnvoll sein – Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird Ihnen etwas Passendes empfehlen und erklären, wie Sie es anwenden. Antibiotika helfen bei Erkältungen nicht, weil diese durch Viren verursacht werden; sie kommen nur zum Einsatz, wenn sich zusätzlich eine bakterielle Infektion entwickelt hat. Bei bestimmten Personengruppen und Vorerkrankungen kann eine engere Betreuung sinnvoll sein.
Wann kommt eine Operation infrage?
Bei einer gewöhnlichen Erkältung ist eine Operation nicht nötig. Nur wenn sich zum Beispiel wiederholt Komplikationen wie eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung oder vergrößerte Mandeln entwickeln, kann im Einzelfall ein operativer Eingriff besprochen werden – das ist aber die Ausnahme und wird ausführlich mit Fachärztinnen und Fachärzten erörtert.
Leben mit der Erkrankung
Planen Sie die ersten Tage bewusst ruhiger. Es ist völlig in Ordnung, sich krankzumelden, Termine abzusagen und sich um sich selbst zu kümmern. Wer mit Fieber zu Hause bleibt, steckt andere nicht an und gibt dem Körper die beste Chance, schnell wieder fit zu werden. Viele Menschen fühlen sich nach ein paar Tagen deutlich besser, auch wenn der Husten noch etwas länger bleibt.
Tipps für den Alltag
- Achten Sie auf ausreichend Schlaf – er ist einer der wichtigsten Bausteine für die Abwehr
- Lüften Sie regelmäßig, besonders in Räumen mit vielen Menschen
- Waschen Sie sich oft die Hände mit Seife, etwa nach dem Nachhausekommen
- Halten Sie beim Husten und Niesen Abstand und nutzen Sie die Armbeuge
- Vermeiden Sie in der akuten Phase enge Kontakte zu besonders gefährdeten Menschen
- Rauchen Sie nicht und meiden Sie verrauchte Räume
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit Obst, Gemüse und ausreichend Flüssigkeit unterstützt den Körper. Während der akuten Erkältung ist Bewegung meist kein Thema – Ruhe hat Vorrang. Sobald Fieber und Gliederschmerzen weg sind, können Sie mit Spaziergängen an der frischen Luft langsam wieder einsteigen. Verzichten Sie auf intensiven Sport, solange Sie sich noch krank fühlen, und steigern Sie sich erst, wenn Sie sich wieder belastbar fühlen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Krank zu sein kann belasten: Man fällt aus dem Alltag, macht sich Sorgen um die Arbeit oder um die Familie, und die many Tage zu Hause können einsam machen. Das ist normal und geht vorbei. Sprechen Sie mit Menschen, die Ihnen guttun – ein Anruf oder eine Nachricht hilft oft schon. Wenn Sie sich länger als zwei Wochen niedergeschlagen oder ängstlich fühlen, sprechen Sie Ihre Hausarztpraxis darauf an. Bei Gedanken, die Ihnen Angst machen oder in denen Sie sich nicht mehr sicher fühlen, holen Sie sich sofort Unterstützung – zum Beispiel über den Notruf 112 oder eine Krisenberatungsstelle in Ihrer Nähe.
Vorbeugung
Ganz verhindern lässt sich eine Erkältung nicht, weil es so viele verschiedene Erreger gibt. Aber Sie können das Risiko deutlich senken: gute Handhygiene, regelmäßiges Lüften, Abstand zu Erkrankten und ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Schlaf helfen am besten.
Impfungen
Gegen die vielen Erkältungsviren gibt es keine Impfung. Es gibt aber eine Impfung gegen die echte Grippe (Influenza), die viel schwerer verlaufen kann. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt sie in Deutschland für bestimmte Gruppen, etwa Menschen ab 60 Jahren, chronisch Kranke, Schwangere und Menschen mit viel Kontakt zu anderen. Ob sie für Sie sinnvoll ist, besprechen Sie am besten mit Ihrer Hausarztpraxis.
Komplikationen
Unbehandelt
- Mittelohrentzündung, besonders bei Kindern
- Nasennebenhöhlenentzündung mit Druck- und Gesichtsschmerzen
- Bronchitis (Entzündung der Atemwege) mit länger anhaltendem Husten
- Lungenentzündung – selten, aber ernst, vor allem bei älteren oder geschwächten Menschen
- Verschlechterung von Asthma oder einer chronischen Lungenerkrankung
- Austrocknung, vor allem bei Säuglingen, Kleinkindern und älteren Menschen
Langzeitprognose
Sehr gut: Eine Erkältung heilt in aller Regel innerhalb von ein bis zwei Wochen vollständig aus. Ein Husten kann danach noch einige Zeit nachhallen – das ist meist harmlos. Wenn Sie sich nach ein bis zwei Wochen nicht besser fühlen oder es Ihnen zwischendurch schlechter geht, lassen Sie es ärztlich abklären. Mit Ruhe, Flüssigkeit und etwas Geduld kommen die allermeisten gut durch die Erkältungszeit.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2026
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