Erkältung (grippaler Infekt)
Übersicht
Eine Erkältung ist eine meist harmlose Infektion der oberen Atemwege – also von Nase, Hals, Rachen und den Nasennebenhöhlen. Auslöser sind Viren, winzige Erreger, die über die Luft oder über die Hände in den Körper gelangen. Die Schleimhäute, die feuchte Auskleidung dieser Wege, entzünden sich dann. Deshalb läuft die Nase, der Hals kratzt und man muss husten. Das Immunsystem, die körpereigene Abwehr, bekämpft die Viren – das dauert meist etwa eine Woche.
Wichtige Fakten
- Eine Erkältung wird durch Viren verursacht – nicht durch Kälte allein. Kälte kann die Abwehr aber etwas schwächen.
- Antibiotika helfen nicht, denn sie wirken nur gegen Bakterien, nicht gegen Viren.
- In der Regel klingt eine Erkältung nach etwa 7 bis 10 Tagen von selbst wieder ab. Ein Resthusten kann etwas länger bleiben.
Sehr häufig. Erwachsene bekommen etwa zwei bis vier Erkältungen pro Jahr, Kinder in den ersten Lebensjahren oft sechs bis acht oder mehr. Erkältungen sind einer der häufigsten Gründe, warum Menschen zu Hause bleiben oder eine Arztpraxis aufsuchen.
Grundsätzlich kann es jede und jeden treffen. Besonders oft erkranken Kinder, weil sie viel miteinander spielen und ihr Immunsystem noch lernt. Auch Menschen in Gemeinschaftseinrichtungen, Eltern von kleinen Kindern, Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen, Raucherinnen und Raucher sowie Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sind anfälliger. Bei älteren Menschen können Erkältungen etwas länger dauern.
Symptome
- Starke Atemnot, pfeifende oder rasselnde Atmung, bläuliche Lippen oder bläuliche Haut
- Bewusstlosigkeit, Krampfanfall oder auffällige Verwirrtheit, besonders bei Kindern und älteren Menschen
- Steifer Nacken, starke Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit oder punktförmige Hautblutungen
- Hohes Fieber bei einem Säugling unter drei Monaten (ab 38 Grad Celsius)
- Anzeichen von Austrocknung bei Kindern: kein Urin über viele Stunden, eingefallene Augen, trockener Mund, schlappes Verhalten
- ⚠Fieber über 39 Grad Celsius, das länger als drei Tage anhält oder immer wiederkehrt
- ⚠Eitrige Mandeln, starke Halsschmerzen mit Schluckunfähigkeit oder vermehrtem Speichelfluss
- ⚠Starke Ohrenschmerzen oder Flüssigkeit, die aus dem Ohr läuft
- ⚠Atemgeräusche, die beim Einatmen pfeifen, oder ein sich verschlimmernder Husten
- ⚠Verschlechterung nach einer ersten Besserung, zum Beispiel neu auftretendes Fieber
- ⚠Erkältungssymptome bei einem Neugeborenen oder einem Säugling, der schlecht trinkt
Häufige Symptome
- Laufende oder verstopfte Nase, Niesen
- Halsschmerzen, kratziger Hals, Schluckbeschwerden
- Husten, oft zuerst trocken, später mit Schleim
- Kopf- und Gliederschmerzen
- Leichtes Fieber oder erhöhte Temperatur
- Müdigkeit und allgemeines Schwächegefühl
- Tränende Augen, Druckgefühl im Gesicht
Symptome bei Kindern
- Häufig höheres Fieber als bei Erwachsenen
- Ohrenschmerzen, weil die Verbindung zwischen Rachen und Ohr bei Kindern noch kurz und weit ist
- Unruhiger Schlaf, Weinerlichkeit, weniger Appetit
- Säuglinge zeigen oft nur Fieber, Trinkschwäche oder eine verstopfte Nase, die das Trinken erschwert
- Husten kann bei Kindern nach der Erkältung noch einige Wochen nachhallen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Fieber fehlt oft oder ist nur leicht erhöht – die Erkältung kann trotzdem deutlicher sein
- Symptome können milder wirken, sich aber länger hinziehen
- Erhöhtes Risiko für Flüssigkeitsmangel, weil das Durstgefühl im Alter schwächer ist
- Mögliche Verwirrtheit oder vermehrte Müdigkeit – das sollte ärztlich abgeklärt werden
- Bestehende Herzkreislauf- oder Lungenerkrankungen können sich vorübergehend verschlechtern
Ursachen
Hauptursachen
- Viren sind die Ursache – es gibt über 200 verschiedene Erkältungsviren, am häufigsten sogenannte Rhinoviren
- Tröpfcheninfektion: Beim Husten, Niesen oder Sprechen gelangen winzige Tröpfchen mit Viren in die Luft und werden von anderen eingeatmet
- Schmierinfektion: Viren bleiben auf Händen, Türklinken oder Haltegriffen haften und gelangen über die Hände an Mund, Nase oder Augen
- Kälte allein verursacht keine Erkältung, kann aber die Schleimhäute austrocknen und die Abwehr vorübergehend schwächen
Risikofaktoren
- Kontakt mit vielen Menschen, zum Beispiel in Kita, Schule, Büro oder öffentlichen Verkehrsmitteln
- Kleine Kinder im Haushalt, die Viren mit nach Hause bringen
- Rauchen oder Passivrauchen – das reizt die Schleimhäute dauerhaft
- Schlafmangel und anhaltender Stress, die das Immunsystem belasten
- Trockene Heizungsluft im Winter, die die Schleimhäute austrocknet
- Chronische Erkrankungen der Atemwege wie Asthma oder eine geschwächte Abwehr
- Seltenes Händewaschen und seltenes Lüften geschlossener Räume
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Atemnot, bläuliche Lippen oder ein Kind, das schwer Luft bekommt
- Hohes Fieber bei einem Säugling oder ein Baby, das nicht mehr trinken will
- Steifer Nacken, starke Kopfschmerzen oder Bewusstseinstrübung
- Starke Ohrenschmerzen oder Eiter im Rachen
- Anzeichen von Flüssigkeitsmangel wie kein Wasserlassen über viele Stunden und trockener Mund
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Die Beschwerden werden nach etwa einer Woche nicht besser oder verschlechtern sich deutlich
- Fieber hält länger als drei Tage an
- Sie haben eine chronische Lungen-, Herz- oder Immunerkrankung und fühlen sich deutlich krank
- Sie sind schwanger oder stillen und möchten etwas gegen die Beschwerden einnehmen
- Sie sind unsicher, ob es sich wirklich um eine einfache Erkältung handelt
Diagnose
In der Regel reicht ein Gespräch über die Beschwerden und eine kurze körperliche Untersuchung. Die Ärztin oder der Arzt schaut in Hals und Ohren, hört die Lunge ab und tastet den Hals ab. Das tut nicht weh und dauert nur wenige Minuten. Meist ist keine weitere Untersuchung nötig, weil eine Erkältung gut an den typischen Beschwerden erkennbar ist.
Mögliche Untersuchungen
- Meist keine Tests erforderlich
- Bei starken Halsschmerzen kann ein Abstrich aus dem Rachen genommen werden, um bestimmte Bakterien auszuschließen
- Bei Verdacht auf eine andere Infektion wie Grippe oder COVID-19 kann ein Abstrich oder Test gemacht werden
- Bei ungewöhnlichem Verlauf oder bestimmten Risikogruppen kann eine Blutuntersuchung sinnvoll sein
- Bei anhaltendem Husten kann die Lunge abgehört oder in seltenen Fällen geröntgt werden
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Sie beschreiben Ihre Beschwerden, werden kurz untersucht und erhalten in der Regel eine Erklärung sowie Tipps zur Selbsthilfe. Oft wird besprochen, welche Anzeichen dafür sprechen, noch einmal vorbeizukommen. Wenn keine Komplikationen vorliegen, ist keine spezielle Behandlung nötig – Geduld und Ruhe sind dann die wichtigste Medizin.
Behandlung
Eine Erkältung lässt sich nicht "wegbehandeln", weil das Immunsystem die Viren selbst besiegt. Die Behandlung zielt deshalb darauf, die Beschwerden erträglicher zu machen und dem Körper die Zeit zu geben, die er braucht. Meist dauert es etwa eine Woche, bis es deutlich besser wird. Wichtig ist: viel trinken, sich ausruhen und auf Warnzeichen achten.
Selbsthilfe zu Hause
- Viel trinken – Wasser, Tee oder dünne Brühe, damit die Schleimhäute feucht bleiben
- Ruhe und ausreichend Schlaf gönnen, bei Fieber zu Hause bleiben
- Regelmäßig lüften und für feuchte Luft sorgen, zum Beispiel mit einem Wasserschälchen auf der Heizung
- Warme Getränke und bei Kindern über einem Jahr etwas Honig im Tee können den Hals beruhigen
- Salzhaltige Nasentropfen oder eine Spülung mit Kochsalzlösung können eine verstopfte Nase lösen
- Bei Fieber nicht zu warm anziehen und auf den Körper hören
- Hände gründlich waschen, um andere im Haushalt nicht anzustecken
Medizinische Behandlungen
Für die meisten Erkältungen braucht es keine verschreibungspflichtige Behandlung. Gegen Fieber und Schmerzen gibt es rezeptfreie Mittel, die aber nur die Beschwerden lindern und nicht die Erkältung verkürzen. Lassen Sie sich dazu in der Apotheke oder in der Arztpraxis beraten – besonders wichtig ist das bei Kindern, in der Schwangerschaft, beim Stillen und bei Vorerkrankungen, denn nicht jedes Mittel ist für jede Person geeignet. Antibiotika wirken nicht gegen Viren und werden bei einer einfachen Erkältung deshalb nicht eingesetzt. Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder schweren Vorerkrankungen kann eine ärztliche Kontrolle sinnvoll sein.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation spielt bei einer gewöhnlichen Erkältung keine Rolle. Nur wenn sich wiederholt Nasennebenhöhlen oder Mandeln entzünden und dies trotz Behandlung immer wieder geschieht, kann im Einzelfall ein ärztliches Gespräch über weitergehende Maßnahmen sinnvoll sein.
Leben mit der Erkrankung
Eine Erkältung geht vorbei, braucht aber ein paar Tage Geduld. Planen Sie in der akuten Phase bewusst Pausen ein, sagen Sie Verabredungen ab und nehmen Sie sich frei, wenn Sie Fieber haben. Zuhause helfen einfache Dinge: bequeme Kleidung, ein Glas Wasser in Reichweite und die Erlaubnis, auch mal nichts zu tun. In der Apotheke oder bei Ihrer Hausarztpraxis können Sie nachfragen, wie Sie Beschwerden lindern können, ohne sich zu überfordern.
Tipps für den Alltag
- Ausreichend schlafen – das unterstützt die Abwehr
- Nicht rauchen und Rauch in der Wohnung vermeiden
- Hände regelmäßig und gründlich waschen
- Räume mehrmals täglich kurz lüften
- Stress möglichst reduzieren, wo es im Alltag geht
- Im Krankheitsfall zu Hause bleiben, um andere zu schützen
Ernährung und Bewegung
Es gibt keine spezielle Diät, die eine Erkältung verkürzt. Achten Sie auf ausreichend Flüssigkeit und essen Sie, wenn Sie Appetit haben – leichte, vertraute Speisen sind meist angenehm. Bei Fieber und starkem Krankheitsgefühl ist körperliche Ruhe wichtig; anstrengender Sport sollte warten, bis Sie sich wieder fit fühlen. Spaziergänge an der frischen Luft sind bei leichtem Schnupfen meist in Ordnung, wenn Sie sich dabei wohlfühlen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Krank zu sein kann frustrieren, besonders wenn Termine warten oder man sich um andere kümmern muss. Auch das Gefühl von Isolation oder Langeweile ist normal. Erlauben Sie sich, langsam zu machen, und bitten Sie um Unterstützung, wenn es möglich ist. Wenn Sie sich über die Erkältung hinaus länger niedergeschlagen, ängstlich oder überlastet fühlen, sprechen Sie mit Ihrer Hausarztpraxis oder einer Beratungsstelle – seelische Gesundheit verdient genauso Aufmerksamkeit wie körperliche. In einer akuten seelischen Krise können Sie sich jederzeit an den Notruf 112 oder an die Telefonseelsorge wenden.
Vorbeugung
Ganz vermeiden lässt sich eine Erkältung nicht, weil es so viele verschiedene Viren gibt. Man kann das Risiko aber senken: gründlich und regelmäßig Händewaschen mit Seife, Abstand zu stark erkälteten Menschen, in der Armbeuge niesen und husten statt in die Hand, regelmäßig lüften und gut für sich selbst sorgen. Ein gesunder Schlaf und ein rauchfreies Zuhause unterstützen die Abwehr.
Impfungen
Gegen die meisten Erkältungsviren gibt es keine Impfung, weil es zu viele verschiedene Erreger sind. Eine Grippeimpfung schützt nicht vor einer Erkältung, kann aber vor einer echten Grippe bewahren, die viel schwerer verlaufen kann. Ob eine Impfung für Sie sinnvoll ist, besprechen Sie am besten mit Ihrer Hausarztpraxis.
Früherkennungsprogramme
Ein Screening, also eine regelmäßige Reihenuntersuchung, gibt es für Erkältungen nicht – und es ist auch nicht nötig. Wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören, sind regelmäßige Termine bei Ihrer Hausarztpraxis sinnvoll, um chronische Erkrankungen gut im Blick zu behalten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Eine Erkältung heilt meist auch ohne Behandlung aus – "unbehandelt" bedeutet also nicht automatisch ein Problem
- In manchen Fällen können sich Bakterien auf die geschwächten Schleimhäute setzen, etwa als Nasennebenhöhlenentzündung oder Mittelohrentzündung
- Bei Kindern kann sich eine Mittelohrentzündung entwickeln
- Bei Menschen mit Asthma kann die Erkältung Atembeschwerden vorübergehend verstärken
- Bei älteren oder geschwächten Menschen ist ein Flüssigkeitsmangel möglich
Langzeitprognose
Die Aussichten sind sehr gut: Eine Erkältung klingt bei den meisten Menschen innerhalb von etwa einer bis zwei Wochen vollständig ab. Ein Resthusten kann noch etwas nachhallen, das ist normal. Wichtig ist, auf Warnzeichen zu achten und bei Unsicherheit ärztlichen Rat einzuholen. Mit Ruhe, Flüssigkeit und etwas Geduld kommen Sie fast immer gut durch.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2026
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