Komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS)
Übersicht
CRPS ist eine Störung, bei der nach einer Verletzung oder manchmal ohne erkennbaren Auslöser anhaltende, oft brennende Schmerzen in einem Arm oder Bein auftreten. Typisch sind auch Schwellung, Veränderungen der Hautfarbe und der Temperatur sowie eine Überempfindlichkeit der betroffenen Stelle. Der Name steht für „komplexes regionales Schmerzsyndrom“. Früher sprach man vom „Morbus Sudeck“.
Wichtige Fakten
- CRPS betrifft meist einen Arm oder ein Bein, selten beide Seiten.
- Die Schmerzen sind oft stärker als bei der ursprünglichen Verletzung erwartet.
- Eine frühe Behandlung kann helfen, Beschwerden zu lindern und die Beweglichkeit zu erhalten.
CRPS ist eher selten. Nach einer Verletzung entwickeln es nur wenige Menschen.
Es kann in jedem Alter auftreten. Am häufigsten sind Erwachsene im mittleren Alter betroffen, Frauen etwas häufiger als Männer. Auch Kinder können CRPS bekommen.
Symptome
- Rufen Sie 112 bei plötzlicher Atemnot, Brustschmerz, Bewusstlosigkeit oder wenn eine Verletzung stark blutet – das sind allgemeine Notfälle, die nicht spezifisch für CRPS sind.
- Wenn Sie Anzeichen eines Schlaganfalls bemerken (plötzliche Lähmung, Sprachstörung, einseitiges Taubheitsgefühl), wählen Sie sofort 112.
- ⚠Wenn Schmerzen, Schwellung oder Rötung plötzlich stark zunehmen und Fieber dazukommt – um eine Infektion auszuschließen.
- ⚠Wenn die betroffene Stelle blass oder blau wird, kalt ist und die Beweglichkeit plötzlich nachlässt.
- ⚠Wenn Sie das Gefühl haben, dass die Beschwerden außer Kontrolle geraten und Sie dringend Hilfe brauchen.
Häufige Symptome
- Brennende, stechende oder ziehende Schmerzen, oft stärker als erwartet
- Schwellung der betroffenen Stelle
- Hautveränderungen: Farbe, Temperatur oder Glanz können sich verändern
- Überempfindlichkeit auf Berührung, Kälte oder Wärme
- Eingeschränkte Beweglichkeit
- Zittrige Bewegungen oder Muskelschwäche
- Verändertes Schwitzen
- Verändertes Haar- und Nagelwachstum
Ursachen
Hauptursachen
- CRPS entsteht oft nach einer Verletzung, zum Beispiel einem Bruch, einer Operation oder einer Prellung. Manchmal ist der Auslöser nicht zu erkennen.
- Man vermutet, dass das Nervensystem überempfindlich reagiert und Schmerz- sowie Entzündungsprozesse im betroffenen Körperteil gestört sind.
Risikofaktoren
- Eine schmerzhafte Verletzung oder Operation, besonders an Armen oder Beinen
- Unzureichende Schmerzbehandlung nach einer Verletzung
- Ruhigstellung über einen längeren Zeitraum
- Stress und psychische Belastung können den Verlauf beeinflussen, sind aber nicht die alleinige Ursache
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die Schmerzen nach einer Verletzung deutlich stärker sind als erwartet und nicht besser werden.
- Wenn die betroffene Stelle anschwillt, sich verfärbt oder sehr berührungsempfindlich wird.
- Wenn Sie Fieber, Schüttelfrost oder eine heiß-glatte Schwellung bemerken – das kann auf eine Infektion hindeuten.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie seit längerer Zeit Schmerzen in einem Arm oder Bein haben und sich die Beweglichkeit verschlechtert.
- Wenn Hautveränderungen, Schwitzen oder ein verändertes Haarwachstum an einer Stelle auftreten.
- Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Beschwerden mit CRPS zusammenhängen könnten.
Diagnose
CRPS wird anhand Ihrer Beschwerden und einer körperlichen Untersuchung festgestellt. Es gibt keinen einfachen Bluttest. Ärztinnen und Ärzte achten auf typische Zeichen wie Schmerzen, Schwellung, Hautveränderungen und Berührungsempfindlichkeit. In Deutschland gibt es eine Leitlinie (AWMF), die den Ärztinnen und Ärzten hilft, die Diagnose zu stellen.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung mit Prüfung von Berührung, Temperatur und Beweglichkeit
- Bildgebende Verfahren wie Röntgen oder MRT (Magnetresonanztomographie), um andere Ursachen auszuschließen
- Blutuntersuchungen, um Entzündungen oder andere Erkrankungen auszuschließen
- Manchmal eine Knochenszintigraphie (eine Untersuchung, bei der mit einer schwach radioaktiven Substanz Veränderungen im Knochen sichtbar gemacht werden)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Diagnose kann etwas Zeit brauchen, weil andere Erkrankungen ausgeschlossen werden müssen. Es kann sein, dass Sie zu verschiedenen Untersuchungen eingeladen werden. Wichtig ist, dass Sie Ihre Beschwerden genau beschreiben – auch scheinbar kleine Veränderungen.
Behandlung
CRPS wird am besten früh und mit mehreren Bausteinen behandelt. Ziel ist, Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu erhalten und die Lebensqualität zu verbessern. Die Behandlung wird auf Sie abgestimmt.
Selbsthilfe zu Hause
- Bewegen Sie die betroffene Stelle vorsichtig, auch wenn es unangenehm ist – aber ohne starke Schmerzen zu provozieren.
- Vermeiden Sie langes Ruhigstellen. Wechseln Sie zwischen Aktivität und Pause.
- Halten Sie die Haut gut gepflegt und schützen Sie die Stelle vor extremen Temperaturen.
- Sprechen Sie offen über Ihre Schmerzen und holen Sie sich Unterstützung, wenn Alltagsaufgaben schwerfallen.
Medizinische Behandlungen
Zur Behandlung gehören Schmerztherapie (ohne dass hier einzelne Medikamente genannt werden), Physiotherapie und Ergotherapie. Auch psychologische Unterstützung kann helfen, mit den Schmerzen und der Belastung umzugehen. Manchmal werden spezielle nervennahe Behandlungen oder Verfahren zur Schmerzlinderung eingesetzt. In Deutschland orientiert sich die Behandlung an der AWMF-Leitlinie. Ihr Behandlungsteam wird mit Ihnen gemeinsam einen Plan erstellen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Operationen sind bei CRPS nicht die Regel. In seltenen Fällen können bestimmte Verfahren erwogen werden, wenn andere Behandlungen nicht ausreichen. Das sollte sorgfältig mit spezialisierten Ärztinnen und Ärzten besprochen werden.
Leben mit der Erkrankung
CRPS kann den Alltag einschränken, weil Schmerzen und Beweglichkeit schwanken. Viele Menschen lernen mit der Zeit, ihre Kräfte einzuteilen und Hilfsmittel zu nutzen. Kleine, regelmäßige Bewegungspausen können helfen. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen tut oft gut.
Tipps für den Alltag
- Planen Sie Aktivitäten so, dass Sie Pausen machen können.
- Vermeiden Sie Überlastung, aber auch lange Schonung.
- Nutzen Sie Hilfsmittel, wenn sie den Alltag erleichtern.
- Sprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam, wenn sich Ihre Beschwerden verändern.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung und vorsichtige Bewegung sind sinnvoll. Es gibt keine spezielle CRPS-Diät. Bewegung sollte sanft sein und sich an Ihre Schmerzen anpassen – zum Beispiel Spazierengehen, leichte Dehnübungen oder Bewegungen im warmen Wasser. Besprechen Sie mit Ihrer Physiotherapie, was für Sie passt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Chronische Schmerzen können zermürben und Angst oder Depression auslösen. Das ist keine Schwäche, sondern eine verständliche Reaktion. Psychologische Unterstützung kann helfen, mit Schmerzen und Belastung besser umzugehen. In einer Krise wenden Sie sich an die Telefonseelsorge oder im Notfall an 112. Sie sind nicht allein.
Vorbeugung
Ganz verhindern lässt sich CRPS nicht. Aber eine gute Schmerzbehandlung nach einer Verletzung, frühe Bewegung und das Vermeiden langer Ruhigstellung können das Risiko senken. Wenn Sie nach einer Verletzung ungewöhnlich starke Schmerzen bemerken, sprechen Sie früh mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen CRPS.
Früherkennungsprogramme
Ein spezielles Screening gibt es nicht. Wichtig ist, Warnzeichen früh zu erkennen – besonders nach einer Verletzung oder Operation.
Komplikationen
Unbehandelt
- Anhaltende starke Schmerzen
- Dauerhafte Bewegungseinschränkung
- Veränderungen von Haut, Haaren und Nägeln
- Muskelschwäche oder Gelenksteifigkeit
- Psychische Belastung durch chronische Schmerzen
Langzeitprognose
Viele Menschen mit CRPS erleben eine Besserung, besonders wenn die Behandlung früh beginnt. Der Verlauf kann schwanken. Auch wenn es lange dauern kann – es gibt Unterstützung und Behandlungsmöglichkeiten. Bleiben Sie im Gespräch mit Ihrem Behandlungsteam.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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