Herzinsuffizienz (Herzschwäche): Wenn das Herz nicht mehr richtig pumpt
Übersicht
Bei einer Herzinsuffizienz – oft Herzschwäche genannt – pumpt das Herz nicht mehr so viel Blut durch den Körper, wie der Körper braucht. Auf Englisch heißt das „congestive heart failure“. „Congestive“ bedeutet, dass sich Flüssigkeit staut. Man kann sich das Herz wie eine Pumpe vorstellen, die langsamer und schwächer arbeitet. Dann kommt weniger Sauerstoff in die Organe, und Wasser sammelt sich zum Beispiel in den Beinen oder in der Lunge an. Wichtig zu wissen: Herzschwäche ist meist die Folge einer anderen Herzerkrankung – und man kann mit ihr gut leben, wenn sie früh erkannt und behandelt wird.
Wichtige Fakten
- Herzschwäche entsteht meist als Folge einer anderen Erkrankung, zum Beispiel nach einem Herzinfarkt oder durch viele Jahre mit hohem Blutdruck.
- Typische Zeichen sind Atemnot bei Anstrengung, Müdigkeit und geschwollene Knöchel oder Beine.
- Mit Behandlung, Bewegung und einer passenden Lebensweise lässt sich auch mit Herzschwäche gut leben – das tägliche Wiegen und regelmäßige Arzttermine helfen dabei.
Ja, Herzschwäche ist häufig. In Deutschland leben mehrere Millionen Menschen damit, und die Zahl steigt mit dem Alter. Sie ist einer der häufigsten Gründe für einen Krankenhausaufenthalt.
Vor allem Menschen über 65 Jahre. Aber auch jüngere Menschen können betroffen sein, etwa nach einem Herzinfarkt, bei angeborenen Herzfehlern oder nach einer Herzmuskelentzündung. Männer und Frauen erkranken ähnlich häufig.
Symptome
- Starke Atemnot in Ruhe oder Atemnot, die schnell schlimmer wird
- Husten mit rosa-schaumigem Auswurf
- Brustschmerz oder Engegefühl in der Brust
- Bläuliche oder graue Lippen, blasse, kalte und feuchte Haut
- Plötzliche Verwirrtheit
- Ohnmacht oder Bewusstlosigkeit
- Herzrasen zusammen mit Schwindel oder Schwächegefühl
- ⚠Mehr als 2 Kilogramm Gewichtszunahme innerhalb von zwei bis drei Tagen
- ⚠Zunehmende Schwellung an Beinen oder Bauch
- ⚠Nächtliches Aufwachen mit Atemnot
- ⚠Atemnot schon bei kleinen Anstrengungen, die früher leicht waren
- ⚠Neuer oder stärker werdender Husten
Häufige Symptome
- Atemnot bei Anstrengung, zum Beispiel beim Treppensteigen oder bei einem Spaziergang
- Atemnot beim flachen Liegen – viele schlafen deshalb mit mehreren Kissen oder im Halbsitzen
- Nachts aufwachen mit Luftnot
- Geschwollene Füße, Knöchel oder Unterschenkel
- Müdigkeit und schnelle Erschöpfung
- Leistungsabfall – Dinge, die früher leicht waren, fallen jetzt schwer
- Schnelle Gewichtszunahme durch eingelagertes Wasser, oft innerhalb weniger Tage
- Husten, besonders nachts oder im Liegen
- Herzklopfen oder ein schneller, unregelmäßiger Puls
- Appetitlosigkeit oder Völlegefühl
- Häufigeres Wasserlassen in der Nacht
Ursachen
Hauptursachen
- Koronare Herzkrankheit (verengte Herzkranzgefäße) und Herzinfarkt – die häufigste Ursache
- Langjähriger Bluthochdruck
- Herzklappenfehler, zum Beispiel eine undichte oder verengte Herzklappe
- Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathie) – Sammelbegriff für Erkrankungen des Herzmuskels
- Herzrhythmusstörungen, vor allem Vorhofflimmern (ein unregelmäßiger Herzschlag)
- Angeborene Herzfehler
- Entzündungen des Herzmuskels, zum Beispiel nach einer Virusinfektion
- Andere Grunderkrankungen wie Nierenschwäche, Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen, Blutarmut oder Schlafapnoe (Atemaussetzer im Schlaf)
- Bestimmte Medikamente, etwa in der Krebstherapie, können den Herzmuskel belasten
Risikofaktoren
- Höheres Alter
- Rauchen
- Übergewicht
- Bewegungsmangel
- Hoher Blutdruck
- Diabetes (Zuckerkrankheit)
- Erhöhte Blutfettwerte
- Regelmäßiger, hoher Alkoholkonsum
- Herzerkrankungen in der Familie
- Unbehandelte Schlafapnoe
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie in kurzer Zeit deutlich an Gewicht zunehmen, ohne mehr zu essen
- Wenn Beine oder Bauch zunehmend anschwellen
- Wenn Sie nachts wegen Luftnot aufwachen
- Wenn Sie schon bei kleinen Dingen außer Atem kommen
- Bei neuem oder stärker werdendem Husten, besonders im Liegen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie sich über Wochen müder und weniger belastbar fühlen als sonst
- Wenn Ihnen Treppen oder Wege schwerfallen, die früher leicht waren
- Wenn Sie Herzklopfen oder einen unregelmäßigen Puls bemerken
- Wenn bei Ihnen ein hoher Blutdruck bekannt ist und Sie ihn regelmäßig prüfen lassen möchten
- Wenn Herzerkrankungen in Ihrer Familie vorkommen
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt spricht zuerst ausführlich mit Ihnen: über Ihre Beschwerden, Ihren Alltag, Vorerkrankungen und Medikamente. Danach folgt eine körperliche Untersuchung – dabei wird das Herz abgehört, die Lunge, der Puls und der Blutdruck geprüft und nach Wassereinlagerungen an den Beinen geschaut. Ein Bluttest und ein Herz-Ultraschall liefern dann die wichtigsten Hinweise. Oft wird die Diagnose schon nach wenigen Untersuchungen klar.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung, unter anderem auf einen Herz-Blutwert (BNP oder NT-proBNP) – ein Eiweiß, das das Herz bei Belastung abgibt
- EKG (Elektrokardiogramm) – eine Aufzeichnung der Herzströme
- Echokardiografie (Herz-Ultraschall) – zeigt Größe, Wanddicke und Pumpleistung des Herzens
- Röntgenaufnahme des Brustkorbs, um Wasser in der Lunge zu erkennen
- Langzeit-EKG oder Belastungs-EKG
- Blutdruckmessung über 24 Stunden
- Herz-MRT (Magnetresonanztomografie) in besonderen Fällen
- Herzkatheteruntersuchung, wenn die Herzkranzgefäße geprüft werden sollen
- Gehtest über sechs Minuten, um die Belastbarkeit einzuschätzen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Rechnen Sie beim ersten Termin mit einem längeren Gespräch und einer gründlichen Untersuchung. Bringen Sie eine Liste Ihrer Medikamente mit und notieren Sie vorher, wann welche Beschwerden auftreten. Die Ergebnisse von Bluttest und Ultraschall liegen meist innerhalb weniger Tage vor. Danach besprechen Sie gemeinsam, welche Behandlung zu Ihnen passt.
Behandlung
Herzschwäche lässt sich heute gut behandeln. Ziel ist es, dass Sie sich wohler fühlen, wieder mehr leisten können und seltener ins Krankenhaus müssen. Die Behandlung besteht meist aus mehreren Bausteinen: Medikamente, eine passende Lebensweise, regelmäßige Kontrollen – und bei manchen Menschen zusätzlich ein Gerät oder eine Operation. Gut eingestellt lässt sich mit Herzschwäche oft viele Jahre gut leben.
Selbsthilfe zu Hause
- Wiegen Sie sich jeden Tag zur gleichen Zeit, nach dem Toilettengang und vor dem Frühstück, und schreiben Sie das Gewicht auf
- Nehmen Sie verordnete Medikamente regelmäßig ein und sprechen Sie vorher mit der Praxis, bevor Sie etwas ändern oder weglassen
- Reduzieren Sie Salz – am einfachsten über weniger Fertigprodukte, Wurst und Brot und mehr frisch Gekochtes
- Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wie viel Sie trinken sollten
- Bleiben Sie in Bewegung – regelmäßige, moderate Spaziergänge sind gut für Ihr Herz
- Verzichten Sie möglichst auf Rauchen und auf Alkohol
- Achten Sie auf ausreichend Schlaf und behandeln Sie eine Schlafapnoe, falls sie bekannt ist
- Halten Sie Ihre Impftermine im Blick
- Gehen Sie zu Ihren Kontrollterminen, auch wenn es Ihnen gerade gut geht
Medizinische Behandlungen
Für die Herzschwäche gibt es mehrere Gruppen von Medikamenten, die zusammenwirken. Einige entlasten das Herz und senken den Blutdruck, andere schwemmen überschüssiges Wasser aus (oft „Wassertabletten“ genannt), wieder andere verbessern die Pumpleistung oder halten den Herzschlag ruhig. Meist werden mehrere Mittel kombiniert. Welche Mittel für Sie passen und in welcher Menge, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt – und passt die Behandlung regelmäßig an. Fragen Sie bei Nebenwirkungen nach, statt Medikamente selbst abzusetzen. Zusätzlich werden oft die Grunderkrankungen behandelt, etwa ein hoher Blutdruck oder eine Herzrhythmusstörung.
Wann kommt eine Operation infrage?
Bei manchen Menschen hilft ein Eingriff. Dazu gehören zum Beispiel Geräte wie ein spezieller Herzschrittmacher, der die Herzkammern wieder im Takt arbeiten lässt, oder ein eingebauter Defibrillator, der gefährliche Herzrhythmusstörungen unterbricht. Auch Operationen an Herzklappen oder an verengten Herzkranzgefäßen können sinnvoll sein. Bei schwerster Herzschwäche kommt in seltenen Fällen ein Kunstherz oder eine Herztransplantation in Betracht. Was für Sie zutrifft, bespricht ein Herzspezialist oder eine Herzspezialistin mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Der Alltag mit Herzschwäche wird leichter, wenn Sie die Zeichen Ihres Körpers kennen und gut auf ihn achten. Viele Menschen führen ein kleines Tagebuch mit Gewicht, Beschwerden und Blutdruck. Teilen Sie sich Kräfte ein: Wechseln Sie zwischen Aktivität und Pausen, statt alles auf einmal zu erledigen. Planen Sie Dinge, die Ihnen Freude machen, und lassen Sie sich bei schweren Aufgaben helfen.
Tipps für den Alltag
- Tägliches Wiegen und ein Gewichtsprotokoll
- Salzarme Ernährung mit möglichst frischen Zutaten
- Regelmäßige, moderate Bewegung, angepasst an Ihre Belastbarkeit
- Nicht rauchen, wenig oder kein Alkohol
- Ausreichend Pausen und guter Schlaf
- Impftermine wahrnehmen
- Medikamente zuverlässig einnehmen
- Feste Kontrolltermine in der Arztpraxis
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkorn und pflanzlichen Ölen tut dem Herzen gut. Wichtig ist vor allem, Salz zu sparen: Fertiggerichte, Wurst, Brot und salzige Snacks enthalten oft viel davon, während frisch gekochtes Essen gut kontrollierbar ist. Trinken Sie nach dem Maß, das Sie mit Ihrer Arztpraxis besprochen haben. Bewegung ist ausdrücklich erwünscht – beginnen Sie langsam, zum Beispiel mit kurzen Spaziergängen, und steigern Sie sich vorsichtig. Eine Herzsportgruppe mit ärztlicher Betreuung kann eine gute Ergänzung sein. Fragen Sie vorher in Ihrer Praxis, welche Belastung zu Ihnen passt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Herzschwäche kann belasten: Viele Menschen sorgen sich um die Zukunft, fühlen sich schwach oder ziehen sich zurück. Angst und gedrückte Stimmung sind dabei häufig und ernst zu nehmen – sie gehören zur Erkrankung dazu und lassen sich behandeln. Sprechen Sie offen mit Ihrer Arztpraxis darüber, wenn Sie sich längere Zeit niedergeschlagen, ängstlich oder hoffnungslos fühlen. Wenn Sie Gedanken haben, sich das Leben zu nehmen, holen Sie sich sofort Hilfe: Rufen Sie den Notruf 112 oder wenden Sie sich an eine Kriseneinrichtung in Ihrer Nähe. Sie sind damit nicht allein.
Vorbeugung
Nicht jede Herzschwäche lässt sich verhindern, aber vieles lässt sich beeinflussen. Die wichtigsten Schritte: Blutdruck und Blutzucker gut einstellen lassen, nicht rauchen, auf ein gesundes Gewicht achten und regelmäßig in Bewegung bleiben. Nach einem Herzinfarkt sind die Nachsorge und die konsequente Behandlung besonders wichtig, denn sie schützen vor einer Herzschwäche. Auch Herzklappenfehler und Herzrhythmusstörungen sollten früh behandelt werden.
Impfungen
Menschen mit Herzschwäche sollten ihren Impfstatus mit der Arztpraxis besprechen. Nach den aktuellen Empfehlungen in Deutschland sind in der Regel Impfungen gegen Grippe, Pneumokokken und COVID-19 sinnvoll. Lassen Sie sich individuell beraten – auch dazu, welche Impfung wann für Sie passt.
Früherkennungsprogramme
Ein einfacher Bluttest als Reihenuntersuchung für alle gibt es nicht. Wichtig ist, dass Blutdruck und Blutzucker regelmäßig kontrolliert werden, denn beide sind häufige und gut behandelbare Ursachen. Wenn Sie Beschwerden wie Atemnot oder Leistungsabfall bemerken, sprechen Sie sie an – ein Bluttest auf den Herzwert und ein Herz-Ultraschall können dann gezielt Klarheit bringen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wasser in der Lunge (Lungenödem) – ein Notfall, der sofort behandelt werden muss
- Zunehmende Einschränkung im Alltag durch Atemnot und Erschöpfung
- Verschlechterung der Nierenfunktion
- Herzrhythmusstörungen bis hin zu gefährlichem Herzrasen
- Häufigere Krankenhausaufenthalte
- Störungen des Salzhaushalts, oft durch entwässernde Behandlung begünstigt
Langzeitprognose
Die Aussichten sind heute deutlich besser als noch vor wenigen Jahrzehnten. Mit einer guten Behandlung, regelmäßigen Kontrollen und einer herzfreundlichen Lebensweise können viele Menschen noch lange ein aktives Leben führen. Die Behandlung wird laufend angepasst – je früher eine Herzschwäche erkannt wird und je konsequenter Sie mitarbeiten, desto günstiger ist der Verlauf. Scheuen Sie sich nicht, Fragen zu stellen oder Unterstützung anzunehmen.
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Zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2026
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