Verhütung mit der Spirale (Intrauterinpessar)
Übersicht
Die Spirale – fachlich Intrauterinpessar oder kurz IUP genannt – ist ein kleines, T-förmiges Verhütungsmittel aus Kunststoff, das in die Gebärmutter eingesetzt wird. Es verhindert eine Schwangerschaft, ohne dass Sie jeden Tag daran denken müssen. Es gibt zwei Hauptarten: die Kupferspirale, die mit Kupferdraht umwickelt ist, und die Hormonspirale, die ein künstliches Gelbkörperhormon (Gestagen) langsam abgibt. Beide wirken über Jahre. Das Einsetzen dauert meist nur wenige Minuten und wird in der Frauenarztpraxis durchgeführt.
Wichtige Fakten
- Die Spirale ist eine Langzeitverhütung: Je nach Modell schützt sie drei bis über zehn Jahre, ohne dass Sie etwas tun müssen.
- Sie ist eine der sichersten Verhütungsmethoden. Bei richtiger Lage verhindert sie etwa 99 von 100 Schwangerschaften.
- Die Kupferspirale wirkt ohne Hormone. Die Hormonspirale gibt wenig Hormon direkt in die Gebärmutter ab und macht die Monatsblutung oft schwächer.
- Eine Spirale kann jederzeit von einer Ärztin oder einem Arzt entfernt werden – eine Fruchtbarkeit bleibt danach in der Regel nicht eingeschränkt.
Ja. Die Spirale gehört weltweit zu den am häufigsten genutzten Verhütungsmitteln und wird auch in Deutschland regelmäßig verordnet. Weil sie lange hält und wenig Aufwand macht, entscheiden sich viele Menschen dafür.
Grundsätzlich kann die Spirale von fast allen Menschen genutzt werden, die schwanger werden könnten – auch von Jugendlichen nach der ersten Monatsblutung und von Frauen in den Wechseljahren. Auch wer keine Kinder hat, kann in der Regel eine Spirale bekommen. Besonders beliebt ist sie bei Menschen, die eine dauerhafte, unkomplizierte Verhütung ohne tägliches Nachdenken möchten. Zusätzlich kann die Hormonspirale bei sehr starken oder schmerzhaften Monatsblutungen helfen – sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt darauf an.
Symptome
- Sehr starke, plötzlich einsetzende Unterbauchschmerzen mit Fieber und Kreislaufproblemen – hier rufen Sie bitte sofort den Notruf 112.
- Starke Bauchschmerzen zusammen mit Schwindel, Ohnmacht, kaltem Schweiß oder Blässe – mögliche Zeichen einer inneren Blutung. Notruf 112.
- Einseitige starke Unterbauchschmerzen zusammen mit einem positiven Schwangerschaftstest oder Schulterschmerzen – Verdacht auf eine Eileiterschwangerschaft. Sofort 112.
- Sehr starke Blutung mit Schwächegefühl und raschem Puls – sofort den Notruf 112 wählen.
- ⚠Fieber über 38 Grad zusammen mit Bauchschmerzen oder unangenehm riechendem Ausfluss – bitte noch am selben Tag in die Praxis.
- ⚠Schmerzen, die über mehrere Tage stärker werden statt abzuklingen.
- ⚠Sie können die Fäden nicht mehr tasten und haben den Verdacht, schwanger zu sein.
- ⚠Die Spirale ist herausgerutscht oder liegt in der Scheide – dann ist der Schutz nicht mehr sicher.
- ⚠Plötzlich sehr viel stärkere Blutung als sonst, oder Blutung mit großen Gerinnseln.
- ⚠Brennen beim Wasserlassen oder häufiger Harndrang zusammen mit Unterbauchschmerzen.
Häufige Symptome
- Direkt nach dem Einsetzen: leichte Unterleibskrämpfe, die an Regelschmerzen erinnern, und ein leichtes Ziehen.
- In den ersten Wochen: Schmierblutungen (leichte, bräunliche Blutungen zwischen den Perioden).
- Bei der Kupferspirale: Die Monatsblutung kann vorübergehend stärker oder schmerzhafter sein.
- Bei der Hormonspirale: Die Blutung wird häufig schwächer und kann nach einigen Monaten ganz ausbleiben – das ist kein Zeichen für eine Krankheit.
- Manche Menschen spüren die Fäden der Spirale am Muttermund als leichtes Kratzen. Das gibt sich meist.
Symptome bei Kindern
- Für Kinder ist die Spirale nicht gedacht und nicht geeignet.
- Bei Jugendlichen nach der ersten Monatsblutung ist sie möglich, wird aber nur nach ausführlicher Beratung und mit Zustimmung der Jugendlichen eingesetzt.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- In den Wechseljahren kann eine Spirale weiter genutzt werden; die Hormonspirale wird dort manchmal auch als Teil einer Hormonbehandlung eingesetzt.
- Da die Monatsblutung in dieser Lebensphase unregelmäßig wird, sollte die Lage der Spirale regelmäßig kontrolliert werden.
- Nach der letzten Monatsblutung wird die Spirale in der Regel zu einem passenden Zeitpunkt entfernt – sprechen Sie diesen Termin frühzeitig mit Ihrer Praxis ab.
Ursachen
Hauptursachen
- Die Kupferspirale wirkt, weil Kupfer in der Gebärmutter die Spermien in ihrer Bewegung einschränkt. Spermien erreichen die Eizelle dadurch kaum noch.
- Die Hormonspirale gibt direkt in der Gebärmutter ein Gestagen ab. Das verdickt den Schleim am Muttermund, sodass Spermien schwerer durchkommen, und macht die Gebärmutterschleimhaut für eine Einnistung ungeeignet.
- Eine Schwangerschaft kann trotzdem entstehen, wenn die Spirale verrutscht, herausfällt oder wenn sie nach ihrer Haltbarkeitsdauer nicht ersetzt wurde.
- Nicht jede Spirale passt zu jedem Körper. Größe, Lage der Gebärmutter und die persönliche Vorgeschichte spielen bei der Auswahl eine Rolle.
Risikofaktoren
- Eine Spirale kann sich in den ersten Monaten unbemerkt verschieben oder ausgestoßen werden – das Risiko ist am höchsten in den ersten Wochen nach dem Einsetzen.
- Bei sehr starken und schmerzhaften Monatsblutungen kann die Kupferspirale die Beschwerden verstärken.
- Häufig wechselnde Sexualpartner ohne Kondom erhöhen das Risiko für sexuell übertragbare Infektionen, die sich mit einer liegenden Spirale leichter in die Gebärmutter ausbreiten können.
- Bestimmte Formen der Gebärmutter, frühere Operationen oder eine bestehende Infektion im Beckenbereich können gegen eine Spirale sprechen – das klärt die ärztliche Beratung.
- Sehr selten kann die Spirale beim Einsetzen die Gebärmutterwand durchbohren. Erfahrene Praxen erkennen das frühzeitig.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Fieber mit Bauchschmerzen oder auffälligem Ausfluss.
- Zunehmende oder starke Schmerzen im Unterbauch.
- Sie glauben, schwanger zu sein, oder haben die Fäden nicht mehr getastet.
- Verdacht, dass die Spirale verrutscht oder herausgefallen ist.
- Blutung, die nicht aufhört oder viel stärker ist als gewohnt.
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, die neu auftreten.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Kontrolltermin etwa vier bis sechs Wochen nach dem Einsetzen, um die Lage prüfen zu lassen.
- Jährliche Vorsorgeuntersuchung bei der Frauenärztin oder dem Frauenarzt.
- Wenn Sie die Spirale entfernen lassen möchten oder ein Kinderwunsch ansteht.
- Wenn Sie in die Wechseljahre kommen und den Zeitpunkt der Entfernung besprechen wollen.
- Wenn sich Ihre Blutung oder Ihre Beschwerden verändern und Sie unsicher sind.
Diagnose
Die Spirale wird nicht zur Behandlung einer Krankheit eingesetzt, sondern zum Schutz vor einer Schwangerschaft. Vor dem Einsetzen prüft die Ärztin oder der Arzt, ob die Spirale zu Ihnen passt: mit einem Gespräch zu Ihrer Gesundheit, Ihrer Vorgeschichte und Ihren Wünschen, einer gynäkologischen Untersuchung und meist einem Ultraschall. So lässt sich die Größe und Lage der Gebärmutter beurteilen.
Mögliche Untersuchungen
- Ausführliches Beratungsgespräch zu Verhütungswunsch, Vorerkrankungen und Medikamenten.
- Gynäkologische Untersuchung, bei der die Gebärmutter und der Muttermund beurteilt werden.
- Ultraschall über die Scheide oder den Bauch, um Größe und Lage der Gebärmutter zu sehen.
- Schwangerschaftstest, wenn eine Schwangerschaft nicht sicher ausgeschlossen ist.
- Abstrich auf sexuell übertragbare Infektionen, wenn ein Risiko besteht oder Sie es wünschen.
- Nach dem Einsetzen: Kontrolle der Lage per Ultraschall, meist nach vier bis sechs Wochen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Das Einsetzen dauert in der Regel nur wenige Minuten und findet in der Praxis statt. Viele Praxen empfehlen, vorher ein Schmerzmittel zu nehmen – besprechen Sie das bitte im Vorfeld. Sie liegen dabei wie bei einer normalen Untersuchung. Der Muttermund wird leicht geöffnet, die Spirale wird über ein schlankes Röhrchen in die Gebärmutter geführt. Viele Menschen empfinden das als unangenehm, manche als kurzen, krampfartigen Schmerz. Danach können Sie meist nach kurzer Ruhezeit nach Hause gehen. Leichte Krämpfe und Schmierblutungen in den folgenden Tagen sind häufig.
Behandlung
Bei der Spirale geht es nicht um Heilung, sondern um eine Verhütungsmethode, die zu Ihnen passt. Wenn Sie sich für eine Spirale entscheiden, wird sie eingesetzt und bleibt je nach Typ mehrere Jahre liegen. In dieser Zeit sind keine täglichen Maßnahmen nötig. Regelmäßige Kontrollen und ein guter Kontakt zur Praxis sind trotzdem wichtig.
Selbsthilfe zu Hause
- Planen Sie den Einsetztermin möglichst nicht direkt vor einer wichtigen Reise oder einem großen Termin – so können Sie sich in Ruhe an die neue Situation gewöhnen.
- Fragen Sie in der Praxis, ob ein Schmerzmittel vor dem Einsetzen sinnvoll ist.
- In den ersten Tagen können eine Wärmflasche und Ruhe gegen das Ziehen helfen.
- Tasten Sie die Fäden nach einigen Tagen vorsichtig mit dem Finger ab, um zu prüfen, ob die Spirale noch liegt – lassen Sie sich das in der Praxis zeigen.
- Denken Sie an den jährlichen Vorsorgetermin, auch wenn Sie keine Beschwerden haben.
- Notieren Sie sich das Datum des Einsetzens und wann die Spirale gewechselt werden muss.
- Kondome bleiben sinnvoll, wenn Sie sich vor sexuell übertragbaren Infektionen schützen möchten – die Spirale schützt davor nicht.
Medizinische Behandlungen
Vor dem Einsetzen kann die Praxis ein Schmerzmittel anbieten, das die Gebärmutter beruhigt; welches Mittel geeignet ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt gemeinsam mit Ihnen. Bei sehr unangenehmen Krämpfen nach dem Einsetzen können ebenfalls Schmerzmittel helfen. Wichtig: Nennen Sie Ihre Allergien, Vorerkrankungen und alle Medikamente, die Sie einnehmen, damit die Beratung zu Ihnen passt. Bei der Hormonspirale wird zusätzlich besprochen, ob eine hormonelle Verhütung für Sie in Frage kommt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei einer Spirale normalerweise nicht nötig. Sie wird in der Praxis eingesetzt und entfernt, meist mit einem kurzen Griff an den Fäden. Nur in sehr seltenen Fällen – etwa wenn die Spirale verrutscht ist und sich nicht auf normalem Weg entfernen lässt – kann ein kleiner Eingriff notwendig werden. Das bespricht die Praxis dann ausführlich mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Die Spirale ist im Alltag kaum spürbar. Sie müssen nicht an die Verhütung denken und haben keine täglichen Routinen. Einmal im Monat die Fäden zu tasten und einmal im Jahr zur Vorsorge zu gehen, reicht in der Regel aus. Viele Menschen empfinden das als sehr entlastend.
Tipps für den Alltag
- Sport, Schwimmen, Sauna und Baden sind mit einer Spirale meist ohne Einschränkung möglich.
- Auch Tampons und Menstruationstassen können Sie in der Regel nutzen – lassen Sie sich das Ablesen und Entfernen der Menstruationstasse zeigen, damit die Fäden nicht versehentlich mitgezogen werden.
- Kondome bleiben der einzige Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen – nutzen Sie sie, wenn Sie wechselnde Partner haben.
- Rauchverhalten ist bei der Hormonspirale weniger relevant als bei anderen hormonellen Methoden, aber ein gesunder Lebensstil bleibt in jedem Alter wichtig.
Ernährung und Bewegung
Es gibt keine spezielle Ernährung und kein Trainingsverbot mit einer Spirale. Essen und Bewegung wie gewohnt. Wenn Sie durch sehr starke Monatsblutungen viel Blut verlieren, kann es sinnvoll sein, auf eisenreiche Lebensmittel zu achten – zum Beispiel grünes Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse und Vollkorn. Bei anhaltender Müdigkeit sprechen Sie Ihre Praxis auf einen Blutcheck an.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Verhütung betrifft auch das Gefühl von Sicherheit. Viele Menschen erleben eine Spirale als entlastend, weil sie sich keine Gedanken mehr machen müssen. Andere sorgen sich anfangs, ob sie richtig liegt oder was passiert, wenn sie schwanger werden wollen. Solche Gedanken sind normal. Die Kupferspirale ist hormonfrei und damit für Menschen interessant, die keine Hormone möchten. Wenn Sie sich mit einer Verhütungsmethode unwohl fühlen, ist das ein wichtiges Signal – Sie dürfen die Methode jederzeit neu besprechen oder wechseln. Bei Ängsten, starker Belastung oder belastenden Gedanken wenden Sie sich bitte an eine Krisenberatungsstelle oder Ihre Hausarztpraxis.
Vorbeugung
Eine Spirale dient der Verhütung – man kann sie also nicht „verhindern“. Gemeint ist hier eher: Man kann viel tun, damit die Methode sicher bleibt. Dazu gehören der Kontrolltermin nach dem Einsetzen, das regelmäßige Tasten der Fäden und die jährliche Vorsorge. So erkennen Sie frühzeitig, wenn die Spirale verrutscht ist.
Früherkennungsprogramme
Die jährliche gynäkologische Vorsorgeuntersuchung ist ein guter Zeitpunkt, um die Lage der Spirale und Ihre Zufriedenheit zu besprechen. In Deutschland gibt es zudem gesetzliche Angebote zur Krebsfrüherkennung am Gebärmutterhals – Ihre Praxis informiert Sie, ab welchem Alter das für Sie gilt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wenn eine verschobene oder ausgefallene Spirale unbemerkt bleibt, kann eine ungewollte Schwangerschaft entstehen.
- Eine Schwangerschaft trotz Spirale ist selten, wird aber ernst genommen, weil sie außerhalb der Gebärmutter liegen kann – das braucht sofortige ärztliche Abklärung.
- Eine Infektion in der Gebärmutter kann sich mit Fieber, Schmerzen und Ausfluss zeigen und sollte bald behandelt werden, damit sie nicht auf Eierstöcke und Bauchfell übergreift.
- Wird die Spirale nach ihrer Haltbarkeitsdauer nicht gewechselt, lässt der Schutz nach.
- Sehr starke Blutungen über längere Zeit können zur Blutarmut führen – Müdigkeit und Luftnot beim Treppensteigen sind mögliche Hinweise.
Langzeitprognose
Die Spirale ist eine gut untersuchte und zuverlässige Verhütungsmethode. Die meisten Menschen kommen gut damit zurecht, und Komplikationen sind selten. Wenn etwas nicht passt, gibt es immer Alternativen. Nach dem Entfernen einer Spirale kehrt die Fruchtbarkeit in der Regel rasch zurück – viele werden innerhalb eines Jahres schwanger. Sie entscheiden, was sich für Ihren Körper und Ihr Leben richtig anfühlt, und dürfen Ihre Wahl jederzeit überdenken.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2026
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