Reisekrankheit – Übelkeit auf Reisen gut bewältigen
Übersicht
Reisekrankheit (Fachwort: Kinetose) ist ein Unwohlsein, das bei Bewegung entsteht – im Auto, im Bus, auf dem Schiff, im Flugzeug oder auch bei Fahrgeschäften. Sie entsteht, wenn das Gehirn zwei unterschiedliche Botschaften bekommt: Der Gleichgewichtssinn im Innenohr spürt eine Bewegung, die Augen sehen aber zum Beispiel ein stilles Buch oder ein Handy. Diese widersprüchlichen Signale kann das Gehirn nicht zusammenbringen, und als Reaktion wird einem übel. Typisch sind Übelkeit, Schwitzen und Blässe. Reisekrankheit ist unangenehm, aber nicht gefährlich.
Wichtige Fakten
- Reisekrankheit entsteht durch widersprüchliche Signale von Augen und Gleichgewichtssinn – nicht durch einen Infekt und nicht durch eine Krankheit des Magens.
- Die Beschwerden beginnen meist kurz nach dem Start der Bewegung und hören in der Regel auf, sobald die Bewegung endet oder man aussteigt.
- Mit einfachen Verhaltensregeln und etwas Vorbereitung lässt sich Übelkeit auf Reisen oft gut verhindern oder abmildern.
Ja, Reisekrankheit ist sehr häufig. Viele Menschen kennen das flaue Gefühl im Magen bei einer kurvigen Autofahrt oder auf einem Schiff. Wie stark jemand betroffen ist, ist sehr unterschiedlich und kann sich mit dem Alter verändern.
Am häufigsten sind Kinder etwa zwischen 2 und 12 Jahren betroffen. Auch Frauen, besonders in der Schwangerschaft oder während der Menstruation, sowie Menschen mit Migräne berichten öfter davon. Kleine Säuglinge und sehr alte Menschen sind seltener betroffen. Wer einmal stark reagiert hat, reagiert oft auch bei späteren Reisen empfindlicher.
Symptome
- Plötzlich auftretende Lähmung oder Schwäche einer Körperseite, hängender Mundwinkel oder Sprachstörung
- Sehr starker, ungewohnter Kopfschmerz, der plötzlich beginnt
- Krampfanfall oder Bewusstlosigkeit
- Nackensteife zusammen mit Fieber
- Atemnot oder starke Brustschmerzen
- Bei Kindern: kein Urin über viele Stunden, keine Tränen beim Weinen, eingesunkene Augen oder auffällige Schlappheit – Zeichen von Flüssigkeitsmangel
- ⚠Erbrechen, das länger als einen Tag anhält und das Trinken unmöglich macht
- ⚠Schwindel, der auch im Sitzen oder Liegen nicht nachlässt
- ⚠Neu aufgetretene Hörminderung oder Ohrgeräusche zusammen mit Schwindel
- ⚠Wiederholtes Erbrechen in der Schwangerschaft
- ⚠Doppeltsehen oder Sehstörungen zusammen mit Schwindel
Häufige Symptome
- Übelkeit, oft beginnend mit einem flauen Gefühl im Magen
- Blässe im Gesicht und kalter Schweiß
- Vermehrter Speichelfluss und Schlucken
- Schwindel oder Benommenheit
- Kopfschmerz und Müdigkeit
- Aufstoßen und Magendruck
- Erbrechen, wenn die Bewegung weitergeht
- Gähnen und allgemeines Unwohlsein als frühe Warnzeichen
Symptome bei Kindern
- Kinder sagen oft nicht „mir ist schlecht“, sondern werden plötzlich still, blass oder quengelig
- Häufiges Gähnen und Klagen über Bauchweh können frühe Zeichen sein
- Manche Kinder wollen im Auto nicht mehr lesen oder schauen auf einmal aus dem Fenster
- Erbrechen ohne Fieber und ohne Durchfall während einer Fahrt
- Nach dem Erbrechen erholen sich Kinder meist schnell, wenn die Fahrt endet
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Die Übelkeit ist oft weniger stark, dafür steht Schwindel mehr im Vordergrund
- Schwindel erhöht die Sturzgefahr – besonders beim Aussteigen oder auf wackeligen Beinen
- Flüssigkeitsverlust durch Erbrechen macht älteren Menschen schneller zu schaffen
- Schwindel kann auch mit Medikamenten zusammenhängen, die bereits eingenommen werden
- Bei neu auftretendem Schwindel ohne Reisebezug sollte ärztlich abgeklärt werden, ob eine andere Ursache dahintersteckt
Ursachen
Hauptursachen
- Widersprüchliche Signale zwischen Gleichgewichtssinn im Innenohr und den Augen – zum Beispiel Lesen im fahrenden Auto
- Passive Bewegung, die der Körper nicht selbst steuert: Mitfahren, Schiff, Flugzeug, Bus, Fahrgeschäft
- Scheinbare Bewegung ohne echte Fortbewegung, etwa bei Kinofilmen mit schnellen Bildern, Virtual-Reality-Brillen oder Computerspielen
- Für manche Menschen sind auch starke Gerüche, schlechte Luft oder Hitze im Fahrzeug ein Auslöser
Risikofaktoren
- Alter zwischen etwa 2 und 12 Jahren
- Migräne oder eine Neigung zu Migräne
- Schwangerschaft und hormonelle Veränderungen, etwa während der Menstruation
- Schlechte Belüftung, Abgase, Zigarettenrauch oder starke Essensgerüche im Fahrzeug
- Müdigkeit, Schlafmangel und Alkohol am Vortag
- Angst vor dem Reisen oder eine frühere unangenehme Erfahrung
- Veranlagung in der Familie – manche Menschen reagieren einfach empfindlicher
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn jemand nach Erbrechen nicht mehr trinken kann oder Zeichen von Flüssigkeitsmangel zeigt
- Wenn Schwindel mit Sprachstörung, Lähmung, Sehstörung oder Bewusstseinstrübung einhergeht – dann sofort den Notruf 112 wählen
- Wenn Erbrechen mit Blut oder sehr starken Bauchschmerzen auftritt
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Schwindel oder Übelkeit auch ohne Bewegung im Alltag auftreten
- Wenn gleichzeitig das Gehör nachlässt oder Ohrgeräusche dazukommen
- Wenn die Beschwerden so stark sind, dass Sie Reisen vermeiden oder Angst davor entwickeln
- Wenn Sie häufig auf Reisen erbrechen und dadurch Flüssigkeit verlieren
- Wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen und unsicher sind, ob sie den Schwindel verstärken könnten
Diagnose
Reisekrankheit wird meist im Gespräch erkannt. Die Ärztin oder der Arzt fragt, wann die Beschwerden auftreten, ob sie klar mit einer Bewegung zusammenhängen und wie schnell sie wieder abklingen. Ein wichtiger Hinweis ist: Es geht Ihnen gut, solange Sie sich nicht bewegen, und schlecht, sobald es losgeht. Eine körperliche Untersuchung hilft, andere Ursachen für Schwindel und Übelkeit auszuschließen.
Mögliche Untersuchungen
- Ausführliches Gespräch über Auslöser, Verlauf und Begleitsymptome
- Körperliche Untersuchung mit Blutdruckmessung im Liegen und im Stehen
- Prüfung des Gleichgewichtssinns, zum Beispiel mit dem Blickfolgetest oder Lagerungsmanövern
- Hörtest, wenn Ohrgeräusche oder Hörminderung bestehen
- Bei Bedarf eine Blutuntersuchung, etwa um Schilddrüse oder Blutzucker zu prüfen
- Nur in seltenen Fällen eine Bildgebung wie MRT oder CT, wenn andere Ursachen vermutet werden
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Sie müssen nichts vorbereiten und brauchen in der Regel keine Angst vor komplizierten Untersuchungen zu haben. Das Gespräch steht im Vordergrund. Hilfreich ist, wenn Sie vorher notieren, bei welchen Gelegenheiten die Beschwerden auftreten, wie lange sie dauern und ob Sie Medikamente einnehmen. So kann die Praxis schnell einschätzen, ob es sich um eine Reisekrankheit handelt oder ob weiter abgeklärt werden sollte.
Behandlung
Bei Reisekrankheit steht die Vorbeugung an erster Stelle. Wer die auslösende Situation kennt, kann viel mit einfachen Verhaltensregeln erreichen. Reicht das nicht aus, gibt es Medikamente, die Übelkeit dämpfen oder die Reaktion des Gleichgewichtssinns abschwächen. Welches Mittel zu Ihnen passt, besprechen Sie am besten mit Ihrer Hausarztpraxis oder Apotheke – besonders bei Kindern, in der Schwangerschaft und bei bestehenden Erkrankungen.
Selbsthilfe zu Hause
- Frische Luft hereinlassen und beengte, schlecht gelüftete Räume meiden
- Nach vorne aus dem Fenster schauen und einen festen Punkt am Horizont fixieren
- Den Kopf an einer Kopfstütze anlehnen, damit er nicht mitwackelt
- Im Auto möglichst vorne sitzen, im Bus weit vorne, im Flugzeug über den Flügeln
- Nicht lesen, nicht auf das Handy schauen und keine Filme ansehen
- Kleine, leichte Mahlzeiten vor der Fahrt statt eines schweren Essens
- Ausreichend Wasser trinken, aber keinen Alkohol
- Pausen einlegen, aussteigen, ein paar Schritte gehen und tief durchatmen
- Bei beginnender Übelkeit die Augen schließen und ruhig atmen
- Manche Menschen profitieren von Ingwer in Lebensmittelmengen oder von Akupressur-Armbändern – die Wirkung ist nicht eindeutig belegt, ausprobieren ist aber unbedenklich
Medizinische Behandlungen
Es gibt rezeptfreie und rezeptpflichtige Mittel gegen Reisekrankheit. Sie wirken auf unterschiedliche Weise: Manche dämpfen die Übelkeit im Magen-Darm-Bereich oder im Brechzentrum des Gehirns, andere schwächen die Reaktion des Gleichgewichtssinns ab. Viele dieser Mittel machen müdigkeit und sollten deshalb nicht im Straßenverkehr oder beim Bedienen von Maschinen kombiniert werden. Wichtig ist der Zeitpunkt: Manche Mittel müssen einige Zeit vor der Reise eingenommen werden, andere erst bei den ersten Anzeichen. Für Kinder, Schwangere und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen sind nicht alle Mittel geeignet. Lassen Sie sich deshalb in der Apotheke oder in Ihrer Hausarztpraxis beraten und lesen Sie den Beipackzettel. Wenn Sie sehr häufig betroffen sind, kann außerdem ein verhaltenstherapeutisches Vorgehen helfen, bei dem der Körper sich schrittweise an die Bewegung gewöhnt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation spielt bei Reisekrankheit keine Rolle. Sie ist keine Erkrankung, die operativ behandelt wird.
Leben mit der Erkrankung
Wer empfindlich auf Bewegung reagiert, lernt mit der Zeit, was hilft und was nicht. Viele planen Reisen bewusst: Sie wählen einen Platz mit Blick nach vorne, legen Pausen ein und verzichten auf Lesen unterwegs. Das ist keine Einschränkung, sondern einfach gute Vorbereitung – ähnlich wie das Einpacken einer Regenjacke. Mit etwas Routine werden Reisen für die meisten Menschen wieder entspannt.
Tipps für den Alltag
- Vor längeren Fahrten ausreichend schlafen
- Am Vortag keinen Alkohol trinken
- Leichte Mahlzeiten vor der Reise, nicht mit vollem oder ganz leerem Magen starten
- Regelmäßig Pausen auf längeren Autofahrten einplanen
- Für gute Belüftung im Fahrzeug sorgen und starke Gerüche vermeiden
- Bei Schiffsfahrten eine Kabine in der Mitte wählen, dort ist die Bewegung geringer
- Ablenkung durch ruhige Gespräche oder Musik, aber keine Bildschirme
- Wer merkt, dass die Übelkeit beginnt, früh reagieren statt abzuwarten
Ernährung und Bewegung
Vor und während der Reise sind leichte, nicht zu fettige Speisen meist bekömmlicher. Knabbern von trockenem Gebäck oder Zwieback kann bei beginnender Übelkeit angenehm sein. Trinken Sie in kleinen Schlucken Wasser oder ungesüßten Tee. Nach der Ankunft hilft frische Luft und Bewegung, zum Beispiel ein Spaziergang, damit sich der Kreislauf wieder beruhigt. Regelmäßige Bewegung im Alltag tut dem Gleichgewichtssinn generell gut; manche Menschen merken, dass sie mit besserer Kondition auch im Alltag weniger schwindelanfällig sind.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Reisekrankheit kann mehr belasten, als viele denken. Wer schon einmal stark erbrechen musste, entwickelt manchmal Angst vor der nächsten Fahrt und meidet Reisen oder bestimmte Verkehrsmittel. Diese Angst ist verständlich und lässt sich gut behandeln – sprechen Sie Ihre Hausarztpraxis darauf an. Wenn Belastung, Angst oder Grübeln überhandnehmen, gibt es professionelle Unterstützung. In einer akuten seelischen Krise ist der Notruf 112 rund um die Uhr erreichbar; für ein Gespräch können Sie sich außerdem an die Telefonseelsorge wenden, deren aktuelle Nummer Sie auf deren offizieller Internetseite finden.
Vorbeugung
Ganz verhindern lässt sich Reisekrankheit nicht immer, aber man kann viel tun. Die wichtigste Regel lautet: den Widerspruch zwischen Augen und Gleichgewichtssinn vermeiden. Also nicht lesen oder auf Bildschirme schauen, nach vorne blicken und den Kopf abstützen. Wer weiß, dass er empfindlich reagiert, kann zusätzlich vorbeugend mit seiner Apotheke oder Hausarztpraxis besprechen, ob ein vorbeugendes Mittel für die geplante Reise sinnvoll ist. Auch Pausen und frische Luft wirken vorbeugend.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen Reisekrankheit. Sie ist keine Infektionskrankheit.
Früherkennungsprogramme
Eine besondere Vorsorgeuntersuchung gibt es nicht. Wenn Schwindel aber ohne erkennbare Bewegung auftritt oder sich Ihre Beschwerden verändern, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.
Komplikationen
Unbehandelt
- Starkes Erbrechen kann zu Flüssigkeitsmangel führen, besonders bei Kindern und älteren Menschen
- Reisen werden gemieden, berufliche oder familiäre Verpflichtungen können darunter leiden
- Angst vor dem Reisen kann sich entwickeln oder verstärken
- Bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann starker Flüssigkeitsverlust den Kreislauf belasten
Langzeitprognose
Die Aussichten sind sehr gut. Reisekrankheit ist unangenehm, aber sie geht vorbei und hinterlässt in der Regel keine Schäden. Die meisten Menschen finden mit etwas Ausprobieren heraus, was ihnen hilft – ein bestimmter Sitzplatz, ein kleiner Snack, eine Pause. Und viele merken mit den Jahren, dass sie weniger empfindlich werden.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2026
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