Hornhauttransplantation und Hornhautspende
Übersicht
Die Hornhaut ist die klare, durchsichtige Schicht ganz vorne am Auge – sozusagen das Fenster des Auges. Sie schützt das Auge und bündelt das Licht, damit wir scharf sehen können. Wird die Hornhaut durch eine Krankheit, eine Infektion oder eine Verletzung trüb, vernarbt oder verformt, lässt das Sehen nach und das Auge kann sich entzünden. Bei einer Hornhauttransplantation setzt eine Augenchirurgin oder ein Augenchirurg eine gesunde Hornhaut von einem Spender ein. Bei einer Hornhautspende überlässt ein Mensch nach seinem Tod seine Hornhaut für solche Operationen. Gespendet wird dabei nur die Hornhaut – nicht das ganze Auge, und das Aussehen eines Menschen ändert sich dadurch nicht.
Wichtige Fakten
- Die Hornhaut ist das am häufigsten verpflanzte Gewebe des Menschen.
- Meist wird nur ein Teil der Hornhaut ersetzt; der Eingriff dauert oft etwa eine Stunde.
- Die Hornhaut hat keine Blutgefäße – das senkt das Risiko, dass der Körper das Spendergewebe abstößt.
- Nach der Operation dauert es Wochen bis Monate, bis das Sehen richtig gut wird.
- In Deutschland gibt es keine feste Altersgrenze für Spenderinnen und Spender; ob eine Hornhaut geeignet ist, prüft die Gewebebank.
Ja. Die Hornhauttransplantation gehört zu den häufigsten Gewebeverpflanzungen überhaupt. In Deutschland werden jedes Jahr mehrere Tausend Hornhäute verpflanzt. Spendergewebe ist hierzulande meist innerhalb von Wochen bis einigen Monaten verfügbar.
Menschen jeden Alters können betroffen sein. Häufig sind Erwachsene mittleren Alters mit einem Keratokonus, einer fortschreitenden Verformung der Hornhaut. Auch ältere Menschen mit einer Hornhautschwellung nach einer Star-Operation sind betroffen. Kinder brauchen manchmal eine Transplantation, wenn sie mit einer angeborenen Hornhauttrübung zur Welt kommen. Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen.
Symptome
- Verätzung oder Chemikalie im Auge – sofort mit viel Wasser spülen und den Notruf 112 wählen
- Plötzlicher, starker Sehverlust auf einem Auge
- Sehr starke, plötzliche Augenschmerzen mit Übelkeit und Sehstörungen
- Tiefe Verletzung oder ein Fremdkörper, der ins Auge eingedrungen ist – das Auge nicht reiben
- Nach einer Hornhauttransplantation: plötzlich starke Schmerzen, deutlich schlechteres Sehen oder eitrige Absonderung
- ⚠Zunehmende Rötung und Schmerzen, die über Stunden stärker werden
- ⚠Eitrige oder gelbliche Absonderung aus dem Auge
- ⚠Sehen am nächsten Tag deutlich schlechter als am Vortag
- ⚠So starke Lichtscheu, dass Sie das Auge kaum öffnen können
- ⚠Ein Faden, der sich nach der Operation löst und reizt
Häufige Symptome
- Verschwommenes, nebliges Sehen – wie durch Milchglas
- Blendempfindlichkeit und Lichtscheu
- Fremdkörpergefühl oder ein Kratzen im Auge
- Gerötetes, tränendes Auge
- Schmerzen, die auch nachts auftreten können
- Höfe oder Lichthöfe um Lichtquellen, besonders im Dunkeln
- Eine weißliche oder graue Trübung, die im Spiegel auffällt
- Nachlassendes Kontrastsehen – Gesichter und Konturen werden schwerer zu erkennen
Symptome bei Kindern
- Kinder sagen oft nicht, dass sie schlecht sehen – sie kennen es nicht anders
- Schielen oder ein auffälliger Blickwinkel
- Unlust zu lesen, sehr nahes Herangehen an Bücher oder Bildschirme
- Kopfschmerzen oder häufiges Augenreiben
- Ungeschicklichkeit beim Spielen oder beim Sport
- Bei angeborener Trübung: eine weißlich schimmernde Pupille
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Langsam nachlassendes Sehen wird oft dem Alter zugeschrieben und deshalb spät abgeklärt
- Häufig kommen trockene Augen, grauer Star oder grüner Star dazu
- Nach einer Star-Operation kann die Hornhaut dauerhaft anschwellen und trüb werden
- Heilung und Anpassung dauern manchmal etwas länger – Kontrolltermine sind besonders wichtig
Ursachen
Hauptursachen
- Keratokonus – die Hornhaut wird kegelförmig dünner und verformt sich
- Narben nach schweren Augeninfektionen, zum Beispiel durch Herpesviren, Bakterien oder Pilze
- Verletzungen und Verätzungen des Auges
- Erbliche Hornhauterkrankungen wie die Fuchs-Endotheldystrophie, bei der die Hornhaut Wasser einlagert und trüb wird
- Dauerhafte Schwellung der Hornhaut nach einer Star-Operation
- Selten angeborene Fehlbildungen oder Trübungen der Hornhaut
Risikofaktoren
- Kontaktlinsen, die nicht sorgfältig gereinigt werden – sie erhöhen das Risiko für schwere Augeninfektionen
- Augenverletzungen, etwa bei Handwerk, Gartenarbeit oder Sport ohne Schutzbrille
- Familiäre Veranlagung für Hornhauterkrankungen wie Keratokonus
- Chronische oder immer wiederkehrende Augenentzündungen
- Operationen am Auge, besonders am grauen Star
- Bestimmte Grunderkrankungen sowie sehr selten die langjährige Einnahme bestimmter Medikamente – fragen Sie dazu Ihre Augenarztpraxis
- Höheres Alter bei der Fuchs-Endotheldystrophie
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Plötzliche oder rasch zunehmende Sehverschlechterung
- Starke Augenschmerzen oder starke Lichtscheu
- Eine Chemikalie oder ein Fremdkörper im Auge
- Eitrige Absonderung oder Fieber zusammen mit Augenbeschwerden
- Nach einer Hornhauttransplantation: zunehmende Rötung, Schmerz oder schlechteres Sehen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Das Sehen wird über Wochen oder Monate schlechter
- Ständiges Blenden oder schlechtes Sehen bei Nacht
- Sie vertragen Ihre Kontaktlinsen nicht mehr
- In Ihrer Familie gibt es Keratokonus – dann ist eine Kontrolle sinnvoll
- Regelmäßige Kontrollen nach einer Transplantation
Diagnose
Die Diagnose stellt eine Augenärztin oder ein Augenarzt. Zuerst wird das Sehvermögen geprüft, dann das Auge unter einer Spaltlampe angesehen – das ist ein Spezialmikroskop mit hellem Licht. Damit lassen sich Trübungen, Narben, Verformungen und Schwellungen gut erkennen. Zusätzliche Messungen zeigen, wie stark die Hornhaut gekrümmt und wie dick sie ist. Wenn eine Transplantation nötig wird, folgen Gespräche über Nutzen, Risiken, Nachsorge und die Warteliste für Spendergewebe.
Mögliche Untersuchungen
- Sehtest mit und ohne Brille
- Untersuchung an der Spaltlampe
- Hornhauttopografie – eine Landkarte der Hornhautoberfläche
- Pachymetrie – Messung der Hornhautdicke
- Endothelzellmikroskopie – Betrachtung der innersten Zellschicht der Hornhaut
- Prüfung der Hornhautempfindlichkeit
- Bei Bedarf Abstriche oder Gewebeproben, um Infektionen abzuklären
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist schmerzfrei. Für einige Messungen werden Augentropfen gegeben, die die Pupille weit stellen – danach ist das Sehen für einige Stunden verschwommen und helles Licht blendet stärker. Planen Sie deshalb für diesen Tag besser keine Autofahrt. Ein Termin dauert oft 30 bis 60 Minuten.
Behandlung
Am Anfang steht fast immer eine Behandlung ohne Operation: eine passende Brille oder eine speziell angepasste Kontaktlinse, vom Arzt verordnete Augentropfen und regelmäßige Kontrollen. Damit lässt sich das Sehen oft eine Zeit lang gut halten. Wenn die Hornhaut aber stark vernarbt, dauerhaft geschwollen oder stark verformt ist und das Sehen im Alltag einschränkt, ist eine Transplantation der nächste Schritt. Ziel ist immer, das Sehen zu verbessern, Schmerzen zu lindern und das Auge zu erhalten.
Selbsthilfe zu Hause
- Das Auge nicht reiben – besonders nicht nach einer Operation
- Kontaktlinsen nur mit sauberen Händen einsetzen und die Reinigung genau nach Anleitung durchführen
- Bei Handwerk, Gartenarbeit und Sport eine Schutzbrille tragen
- Bei Blendempfindlichkeit eine Sonnenbrille nutzen
- Kontrolltermine wahrnehmen, auch wenn alles gut läuft
- Nicht rauchen – das unterstützt Durchblutung und Heilung
- Bei Rötung, Schmerz oder schlechterem Sehen nicht abwarten, sondern in der Praxis anrufen
Medizinische Behandlungen
Je nach Erkrankung kann die Augenarztpraxis zum Beispiel befeuchtende oder entzündungshemmende Augentropfen verordnen, außerdem eine Brille oder eine speziell angepasste Kontaktlinse. Welche Behandlung zu Ihnen passt, wird individuell entschieden. Bitte verwenden Sie keine Augentropfen auf eigene Faust, auch nicht solche, die noch zu Hause liegen. Nach einer Transplantation werden für einige Wochen bis Monate Augentropfen verordnet, die eine Abstoßungsreaktion verhindern sollen; die genaue Anwendung bespricht das Behandlungsteam mit Ihnen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird erwogen, wenn das Sehen trotz Brille und Tropfen im Alltag deutlich eingeschränkt bleibt, wenn die Hornhaut dauerhaft Schmerzen bereitet oder wenn Schwellung und Narben nicht abheilen. Je nach Befund wird entweder die ganze Hornhaut ersetzt oder nur die kranke Schicht – das nennt man lamelläre Transplantation. Viele Eingriffe sind ambulant möglich, oft unter örtlicher Betäubung. Die Spenderhornhaut wird mit sehr feinen Fäden eingenäht. Danach braucht das Auge Monate, um sich zu erholen.
Leben mit der Erkrankung
In den ersten Wochen nach einer Transplantation ist das Sehen oft noch schlecht und das Auge lichtempfindlich – das gehört zur Heilung. Das Sehen bessert sich meist schrittweise über Monate. Wichtig sind die Kontrolltermine, die Augentropfen nach Anordnung und viel Geduld. Viele Fäden bleiben mehrere Monate liegen und werden später in der Praxis entfernt. Wann Sie wieder Auto fahren, arbeiten oder Sport treiben können, besprechen Sie am besten Schritt für Schritt mit Ihrer Augenarztpraxis.
Tipps für den Alltag
- Das Auge vor Staub, Wind und Verletzungen schützen
- Schwimmen, Sauna und schwere körperliche Belastung erst nach Freigabe
- Kontaktlinsen erst wieder tragen, wenn die Praxis es erlaubt
- Beim Niesen und Husten den Kopf zur Seite drehen und das Auge nicht reiben
- Ausreichend Schlaf und Pausen für die Augen einplanen
Ernährung und Bewegung
Eine spezielle Diät ist nicht nötig. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Obst unterstützt die Heilung allgemein. Bewegung tut Kreislauf und Wohlbefinden gut; mit Sport warten Sie nach der Operation bitte, bis Ihr Behandlungsteam es erlaubt – meist nach einigen Wochen. Schwimmen und Kontaktsport sind oft länger tabu.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Hornhauterkrankung und erst recht eine Transplantation können belasten: die Angst, dass das neue Gewebe abgestoßen wird, die vielen Termine und die Ungeduld, bis das Sehen besser wird. Auch schlechteres Sehen zehrt im Alltag an den Kräften. Sprechen Sie darüber – mit Angehörigen, in der Praxis oder in einer Selbsthilfegruppe. Wenn Ängste, Niedergeschlagenheit oder Hoffnungslosigkeit länger anhalten oder Sie Gedanken haben, sich etwas anzutun, holen Sie sich bitte sofort Hilfe. In Deutschland erreichen Sie die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 oder 0800 222 2222; in akuten Notfällen gilt der Notruf 112.
Vorbeugung
Nicht jede Hornhauterkrankung lässt sich verhindern – einige sind erblich. Trotzdem können Sie viel tun: Schutzbrille bei gefährlichen Arbeiten, sorgfältige Kontaktlinsenhygiene, frühzeitige Behandlung von Augeninfektionen und regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt. So werden Probleme oft erkannt, bevor die Hornhaut dauerhaft geschädigt ist. Eine Hornhautspende selbst lässt sich nicht beeinflussen – wer spenden möchte, kann zu Lebzeiten einen Organspendeausweis ausfüllen und mit den Angehörigen darüber sprechen.
Impfungen
Eine Impfung gegen Hornhauterkrankungen gibt es nicht. Die allgemein empfohlenen Impfungen schützen jedoch vor Infektionen, die auch die Augen treffen können – lassen Sie sich dazu beraten.
Früherkennungsprogramme
Regelmäßige Augenarztkontrollen sind sinnvoll, besonders wenn in Ihrer Familie Keratokonus oder eine andere Hornhauterkrankung vorkommt, wenn Sie Kontaktlinsen tragen oder wenn bei Ihnen eine Star-Operation geplant ist.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Hornhaut kann weiter vernarben oder trüb werden – das Sehen nimmt dauerhaft ab
- Bei Keratokonus kann sich die Hornhaut immer stärker verformen und sehr dünn werden
- Eine dauerhafte Schwellung kann Bläschen bilden, die aufplatzen und starke Schmerzen verursachen
- Chronische Entzündungen und wiederkehrende Infektionen
- In seltenen Fällen kann die Hornhaut einreißen oder das Auge ernsthaft geschädigt werden
Langzeitprognose
Die Aussichten sind meist gut. Bei einer ersten Transplantation bleibt die Spenderhornhaut in den allermeisten Fällen klar, und das Sehen bessert sich deutlich – eine Brille kann trotzdem nötig bleiben. Eine Abstoßungsreaktion ist behandelbar, besonders wenn sie früh erkannt wird; deshalb sind die Kontrolltermine so wichtig. Viele Menschen sehen mit einer Spenderhornhaut jahrzehntelang gut. Manchmal ist nach vielen Jahren eine erneute Transplantation nötig.
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Zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2026
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