COVID-19 in der Schwangerschaft
Übersicht
COVID-19 ist eine Infektion der Atemwege, die durch das Coronavirus SARS-CoV-2 ausgelöst wird. SARS-CoV-2 ist der Name des Erregers, COVID-19 die Bezeichnung der Erkrankung. Schwangere stecken sich genauso an wie andere Menschen – über die Luft, wenn eine infizierte Person in der Nähe hustet, spricht oder atmet. Die meisten Schwangeren haben einen milden Verlauf, ähnlich einer starken Erkältung oder einer Grippe. Eine Schwangerschaft kann aber das Risiko für einen schwereren Verlauf erhöhen. Deshalb ist eine gute Begleitung durch Hebamme und Frauenarztpraxis wichtig.
Wichtige Fakten
- Die große Mehrheit der Schwangeren erkrankt mild und erholt sich vollständig.
- Im letzten Schwangerschaftsdrittel und bei bestimmten Vorerkrankungen ist das Risiko für einen schwereren Verlauf höher.
- Die deutschen Fachgesellschaften empfehlen Schwangeren eine COVID-19-Impfung – sprechen Sie darüber mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme.
- Bei Beschwerden wie Atemnot, anhaltendem Fieber oder nachlassenden Kindsbewegungen zählt schnelles Handeln.
COVID-19 kommt häufig vor. Viele Schwangere haben sich in den letzten Jahren angesteckt, meist ohne schwere Beschwerden. Weil die Erkrankung so verbreitet ist, ist es normal, sich Gedanken zu machen – Sie sind damit nicht allein.
Jede schwangere Person kann sich anstecken, in jedem Schwangerschaftsdrittel. Besonders aufmerksam sollten Sie sein, wenn Sie sich im letzten Drittel der Schwangerschaft befinden, über 35 Jahre alt sind, Zwillinge oder mehr erwarten, rauchen oder Vorerkrankungen haben – zum Beispiel Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck, Asthma oder eine Herzerkrankung.
Symptome
- Starke Atemnot in Ruhe oder das Gefühl, nicht durchatmen zu können
- Anhaltender Schmerz oder Druck in der Brust
- Blaue oder bläuliche Lippen, Gesicht oder Finger
- Verwirrtheit, starke Benommenheit oder Ohnmacht
- Nachlassende oder fehlende Kindsbewegungen – rufen Sie sofort den Notruf 112 oder direkt Ihre Entbindungsstation an
- Plötzliche starke vaginale Blutung
- Fruchtwasserabgang weit vor dem errechneten Termin
- Krampfanfall oder Bewusstlosigkeit
- ⚠Fieber, das über mehrere Tage nicht sinkt oder wieder steigt
- ⚠Zunehmender Husten oder deutlich schlechter werdendes Allgemeinbefinden
- ⚠Erbrechen oder Durchfall, sodass Sie keine Flüssigkeit bei sich behalten
- ⚠Zeichen von Flüssigkeitsmangel: wenig Urin, trockener Mund, Schwindel beim Aufstehen
- ⚠Regelmäßige Wehen oder Unterleibsschmerzen vor dem errechneten Termin
- ⚠Brennen beim Wasserlassen oder andere neue Beschwerden
Häufige Symptome
- Fieber oder leicht erhöhte Temperatur
- Husten, oft trocken
- Halsschmerzen und Schnupfen
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Kopfschmerzen und Gliederschmerzen
- Geruchs- oder Geschmacksverlust
- Kurzatmigkeit bei Belastung
- Übelkeit, Bauchschmerzen oder Durchfall
- Bei manchen Menschen verläuft die Infektion ganz ohne Beschwerden
Ursachen
Hauptursachen
- Ansteckung mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 über Tröpfchen und feine Aerosole, die beim Atmen, Sprechen, Husten oder Niesen in die Luft gelangen
- Näherer Kontakt zu einer infizierten Person in geschlossenen Räumen ohne guten Luftaustausch
- Übertragung über die Hände auf Mund, Nase oder Augen
- Auch Menschen ohne Beschwerden können andere anstecken
Risikofaktoren
- Schwangerschaft selbst, besonders im letzten Drittel
- Übergewicht
- Diabetes, auch Schwangerschaftsdiabetes
- Bluthochdruck oder frühere Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie)
- Asthma oder andere chronische Lungenerkrankungen
- Herz-, Nieren- oder Lebererkrankungen
- Geschwächtes Immunsystem
- Rauchen
- Alter über 35 Jahre
- Mehrlingsschwangerschaft
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Atemnot, die stärker wird oder in Ruhe auftritt
- Fieber, das nicht besser wird, oder Fieber, das nach einigen Tagen zurückkommt
- Sie können kaum trinken oder behalten nichts bei sich
- Ihr Allgemeinbefinden verschlechtert sich deutlich
- Sie spüren Ihr Baby weniger als sonst – dann sofort die Entbindungsstation oder den Notruf 112 kontaktieren
- Wehen, Blutungen oder Fruchtwasserabgang vor dem Termin
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sie haben einen positiven Test und möchten wissen, wie es weitergeht
- Sie haben leichte Beschwerden und sind unsicher, ob Ihre Vorsorgetermine verschoben werden sollten
- Sie fragen sich, ob und wann eine Impfung in Ihrer Schwangerschaft sinnvoll ist
- Sie fühlen sich durch die Erkrankung seelisch belastet
- Sie brauchen eine Krankschreibung oder Unterstützung beim Arbeitgeber
Diagnose
Ein Test weist nach, ob Sie sich mit SARS-CoV-2 angesteckt haben. Dafür wird ein Abstrich aus Nase und Rachen genommen oder Speichel untersucht. In der Schwangerschaft achtet das Team zusätzlich darauf, wie es Ihnen und Ihrem Baby geht.
Mögliche Untersuchungen
- PCR-Test – der genaueste Nachweis, das Ergebnis dauert meist etwas länger
- Schnelltest (Antigentest) – Ergebnis in wenigen Minuten, aber etwas weniger zuverlässig
- Messung der Sauerstoffsättigung mit einem kleinen Gerät am Finger
- Blutuntersuchungen, wenn der Verlauf schwerer ist
- Ultraschall, um das Wachstum und Wohlbefinden des Babys zu prüfen
- CTG (Wehenschreiber), um die Herzfrequenz des Babys zu beobachten
- Blutdruck- und Urinkontrollen im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Bei einem milden Verlauf können Sie zu Hause bleiben und werden telefonisch oder in der Praxis begleitet. Sie messen Fieber und achten auf Ihre Atmung. Bei einem schwereren Verlauf kann eine stationäre Beobachtung im Krankenhaus nötig sein, manchmal auf einer Wochenbett- oder Überwachungsstation. Dort kümmert sich ein Team aus Geburtshilfe und Innerer Medizin gemeinsam um Sie.
Behandlung
Bei den meisten Schwangeren reicht eine unterstützende Behandlung: Ruhe, ausreichend trinken, Fieber senken und den Verlauf beobachten. Wichtig ist, dass Ihr Behandlungsteam Ihre Schwangerschaftswoche und Ihr persönliches Risiko im Blick hat. Nichts davon müssen Sie allein entscheiden.
Selbsthilfe zu Hause
- Viel trinken – Wasser, Tee oder leichte Brühe, in kleinen Schlucken über den Tag verteilt
- Ausruhen und schlafen, so viel Ihr Körper verlangt
- Fieber und Beschwerden regelmäßig messen und notieren
- Fieber- oder Schmerzmittel nur nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke einnehmen
- Kindsbewegungen weiter aufmerksam wahrnehmen
- Kontakt zu anderen Menschen reduzieren, damit niemand angesteckt wird
- Regelmäßig lüften und sich in Innenräumen mit Abstand aufhalten
- Termine bei Frauenarztpraxis und Hebamme telefonisch abklären, statt einfach nicht zu kommen
Medizinische Behandlungen
Bei einem schwereren Verlauf entscheidet das Behandlungsteam, welche Unterstützung nötig ist. Dazu können eine zusätzliche Sauerstoffgabe, Flüssigkeit über eine Vene, eine engmaschige Überwachung von Mutter und Kind sowie – je nach Schwangerschaftswoche und Schweregrad – eine medikamentöse Behandlung gegen das Virus oder gegen entzündliche Reaktionen gehören. Welche Mittel in Ihrer Situation passen, wird immer individuell besprochen, weil sich Nutzen und Risiko in der Schwangerschaft anders darstellen als sonst. Auch eine vorübergehende Blutverdünnung kann Thema sein, da Schwangerschaft und Infektion das Thromboserisiko erhöhen. Fragen Sie bei jedem Medikament nach, ob es in der Schwangerschaft und Stillzeit geeignet ist.
Wann kommt eine Operation infrage?
COVID-19 selbst wird nicht operiert. In sehr seltenen, schweren Fällen kann das Team mit Ihnen besprechen, ob eine frühere Entbindung sinnvoll ist – manchmal per Kaiserschnitt –, damit die Lunge entlastet wird und das Baby gut versorgt werden kann. Diese Entscheidung treffen Geburtshilfe, Intensivmedizin und Hebammen gemeinsam mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Planen Sie die Zeit der Erkrankung ruhig und mit möglichst wenig Druck. Halten Sie Bett oder Sofa als Rückzugsort bereit, stellen Sie Wasser und Snacks in Reichweite und bitten Sie Ihr Umfeld um praktische Hilfe – Einkäufe, Kochen, Kinderbetreuung. Notieren Sie zweimal täglich Temperatur und Beschwerden, damit Sie bei Rückfragen etwas in der Hand haben. Halten Sie telefonischen Kontakt zu Ihrer Hebamme und Frauenarztpraxis.
Tipps für den Alltag
- Ausreichend Schlaf und Pausen einplanen
- Nicht rauchen und möglichst auch keinen Passivrauch – das schützt Ihre Lunge und Ihr Baby
- Regelmäßig lüften, auch wenn es kalt ist
- Kontakte in den ersten Tagen bewusst reduzieren
- Körperliche Anstrengung vermeiden, solange Fieber besteht
- Nach der Erkrankung langsam wieder in den Alltag zurückkehren
- Impfstatus und Vorsorgetermine mit der Praxis besprechen
Ernährung und Bewegung
Essen Sie ausgewogen und regelmäßig, auch wenn der Appetit klein ist – zum Beispiel mit Suppen, Obst, Joghurt, Vollkornbrot und Eiweißquellen. Trinken Sie mehr als sonst, gut über den Tag verteilt. Solange Sie Fieber haben, ist Schonung angesagt. Wenn Sie sich besser fühlen, sind kurze Spaziergänge an der frischen Luft meist wohltuend. Beginnen Sie langsam und hören Sie auf, wenn Ihnen schwindelig oder schwach wird. Starkes Training verschieben Sie lieber, bis Sie sich vollständig erholt haben.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Sich Sorgen zu machen ist verständlich – gerade, wenn man für zwei denkt. Manche Schwangere fühlen sich schuldig, andere einsam in der Isolation oder ängstlich vor der Geburt. Solche Gefühle sind normal und gehen meist vorbei. Sprechen Sie darüber, statt sie herunterzuschlucken. Wenn Ängste Sie über Tage stark belasten, Sie nicht mehr schlafen können oder sich alles dunkel anfühlt, holen Sie sich bitte Unterstützung bei Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt, Ihrer Hebamme oder bei einer Beratungsstelle wie der Telefonseelsorge. In einer akuten seelischen Krise gilt der Notruf 112.
Vorbeugung
Ganz verhindern lässt sich eine Ansteckung nicht, aber Sie können das Risiko deutlich senken. In geschlossenen Räumen mit vielen Menschen hilft eine gut sitzende Maske, ebenso regelmäßiges Lüften und Abstand zu Personen mit Erkältungssymptomen. Waschen Sie sich häufig die Hände. Lassen Sie sich testen, wenn Sie Beschwerden haben oder engen Kontakt zu einer infizierten Person hatten – so schützen Sie andere.
Impfungen
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt Schwangeren eine COVID-19-Impfung. Welcher Impfstoff und welcher Zeitpunkt in Ihrer Situation passend sind, besprechen Sie am besten mit Ihrer Frauenarztpraxis oder Ihrer Hebamme. Die Impfung senkt das Risiko für einen schweren Verlauf und schützt in den ersten Monaten nach der Geburt auch Ihr Baby. Fachliche Grundlagen dazu finden sich in den deutschsprachigen Leitlinien, unter anderem im Rahmen der AWMF.
Früherkennungsprogramme
Ein Routine-Test auf COVID-19 ohne Beschwerden ist in der Schwangerschaftsvorsorge nicht üblich. Getestet wird bei Symptomen, nach engem Kontakt zu einer infizierten Person oder wenn es eine Klinik vor einer Aufnahme oder Geburt vorsieht. Ihre regulären Vorsorgetermine bleiben wichtig und sollten möglichst eingehalten werden.
Komplikationen
Unbehandelt
- Eine Lungenentzündung kann sich entwickeln und die Atmung erschweren
- In seltenen Fällen wird eine Behandlung auf der Intensivstation nötig
- Das Risiko für eine Frühgeburt kann erhöht sein
- Bluthochdruck in der Schwangerschaft und eine Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie) treten etwas häufiger auf
- Das Risiko für Blutgerinnsel ist durch Schwangerschaft und Infektion zusammen erhöht
- Eine frühere Entbindung oder ein Kaiserschnitt kann in schweren Verläufen notwendig werden
Langzeitprognose
Die allermeisten Schwangeren mit COVID-19 erholen sich vollständig, und ihr Baby entwickelt sich normal weiter. Wichtig ist, dass jemand mitschaut: mit Vorsorgeterminen, aufmerksamem Beobachten und schnellem Handeln, wenn etwas nicht stimmt. Genau das macht einen großen Teil der Sicherheit aus. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie lieber einmal mehr nach – das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern gute Fürsorge für sich und Ihr Kind.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsempfehlungen unterscheiden sich nach Land und Region. Diese Seite ist allgemeine Aufklärung und entspricht möglicherweise nicht den Leitlinien, Arzneimitteln oder der Praxis an Ihrem Wohnort. Besprechen Sie Ihre Anliegen mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder einer anderen medizinischen Fachperson und folgen Sie lokalen Empfehlungen, soweit es sie gibt.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Keine Leitlinie nennt dieses Thema
Hier wird keine Gesundheitsleitlinie und kein klinisches Kapitel zitiert, das genau dieses Thema nennt. Diese Seite dient nur der allgemeinen Bildung und Information. Sie ist keine Diagnose, kein Behandlungsplan und kein persönlicher medizinischer Rat. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und folgen Sie deren Rat. Bei starken, plötzlichen oder beunruhigenden Beschwerden holen Sie zeitnah medizinische Hilfe, und rufen Sie im Notfall die örtliche Notrufnummer an. Ruqelo LLC ist nicht verantwortlich für medizinische oder rechtliche Folgen von Entscheidungen, die auf diesen Informationen beruhen.
Zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.
Guidance may differ by country or region. Confirm local recommendations with a qualified healthcare provider.