CRE-Infektion: Wenn Bakterien gegen viele Antibiotika unempfindlich sind
Übersicht
CRE steht für „Carbapenem-resistente Enterobakterien“. Das sind Darmbakterien – zum Beispiel E. coli oder Klebsiella –, die gegen eine bestimmte Gruppe von Antibiotika unempfindlich (resistent) geworden sind. Antibiotika sind Medikamente, die Bakterien abtöten. Die Gruppe, gegen die diese Bakterien unempfindlich sind, heißt Carbapeneme; sie gelten als eine der stärksten Antibiotikagruppen und werden meist nur eingesetzt, wenn andere Mittel nicht mehr wirken. Wichtig zu wissen: Viele Menschen tragen solche Bakterien im Darm, ohne krank zu sein. Man spricht dann von einer „Besiedelung“ und nicht von einer Infektion. Erst wenn die Bakterien in andere Körperbereiche gelangen – etwa in die Harnwege, ins Blut, in die Lunge oder in eine Wunde – und dort Beschwerden auslösen, spricht man von einer CRE-Infektion.
Wichtige Fakten
- CRE sind Bakterien, keine Viren – sie lassen sich mit Antibiotika behandeln, allerdings nur mit wenigen Mitteln, die noch wirken.
- Viele Betroffene sind nur Träger der Bakterien und werden nie krank. Eine Besiedelung im Darm ist an sich kein Grund zur Sorge.
- CRE-Infektionen treten überwiegend in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen auf, vor allem bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem, Kathetern oder Beatmung.
- Die Übertragung läuft meist über die Hände, über verunreinigte Oberflächen oder medizinische Geräte – gute Händehygiene ist deshalb der wichtigste Schutz.
In Deutschland sind CRE-Infektionen vergleichsweise selten, werden aber seit einigen Jahren häufiger beobachtet und von Gesundheitsbehörden aufmerksam beobachtet. Zum Vergleich: Andere resistente Bakterien wie MRSA kommen deutlich öfter vor. Für gesunde Menschen im Alltag ist das Risiko, sich anzustecken, sehr gering.
Symptome
- Hohes Fieber zusammen mit Verwirrtheit, Benommenheit oder schwerer Weckbarkeit
- Sehr schnelle Atmung oder Atemnot in Ruhe
- Bläuliche Lippen oder blasse, kalte, schweißige Haut
- Sehr schneller Herzschlag mit Schwächegefühl oder Kreislaufproblemen
- Seit vielen Stunden kein Urin mehr
- Blutdruckabfall, Ohnmacht oder ein schockartiges Krankheitsgefühl – dann sofort die 112 anrufen
- ⚠Fieber über etwa 38,5 Grad, besonders bei Menschen mit Vorerkrankungen oder nach einem Krankenhausaufenthalt
- ⚠Brennende Schmerzen beim Wasserlassen oder Blut im Urin
- ⚠Eine Wunde, die zunehmend rot, warm, geschwollen ist oder eitert
- ⚠Anhaltender Durchfall oder Erbrechen mit Flüssigkeitsverlust
- ⚠Neue Verwirrtheit bei einem älteren Menschen – am selben Tag ärztlich abklären lassen
Häufige Symptome
- Bei einer reinen Besiedelung im Darm gibt es keine Beschwerden – man fühlt sich völlig normal.
- Fieber und Schüttelfrost, wenn die Bakterien ins Blut gelangen
- Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang bei einer Harnwegsinfektion
- Husten, Auswurf und Atemnot bei einer Lungenentzündung
- Rötung, Schwellung, Schmerz oder Wundsekret bei einer Wundinfektion
- Bauchschmerzen und Durchfall bei einer Darminfektion
Symptome bei Kindern
- Fieber, das oft das einzige deutliche Zeichen ist
- Unruhe, Quengeln oder auffällige Müdigkeit und Teilnahmslosigkeit
- Wenig Appetit, schlechtes Trinken, seltener nasse Windeln
- Bei Neugeborenen und Säuglingen können Beschwerden sehr unklar sein – im Zweifel immer ärztlich abklären lassen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Oft fehlt Fieber – stattdessen kann plötzliche Verwirrtheit oder ein neues Durcheinander das einzige Zeichen sein
- Zunehmende Schwäche, Stürze oder ein plötzlicher Rückgang der Selbstständigkeit
- Beschwerden beim Wasserlassen werden manchmal nicht bemerkt oder nicht geäußert
- Bei Menschen mit Demenz kann sich der Allgemeinzustand schleichend verschlechtern
Ursachen
Hauptursachen
- Die Bakterien selbst verursachen die Infektion – sie siedeln im Darm und gelangen über Katheter, Schläuche, Wunden oder bei geschwächtem Immunsystem in andere Körperbereiche.
- Übertragung von Mensch zu Mensch, vor allem über die Hände von Personal, Angehörigen oder Mitpatienten
- Verunreinigte Oberflächen, Türklinken, Waschbecken oder medizinische Geräte in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen
- Häufiger oder langer Einsatz von Antibiotika: Dadurch sterben empfindliche Bakterien ab, und resistente können sich leichter ausbreiten
- In seltenen Fällen eine Ansteckung außerhalb von Krankenhäusern, etwa nach einer Behandlung im Ausland
Risikofaktoren
- Längerer Krankenhausaufenthalt, besonders auf einer Intensivstation
- Aufenthalt in einer Pflegeeinrichtung oder Langzeitpflege
- Harnwegskatheter, künstliche Beatmung, Magensonden oder andere Zugänge zum Körper
- Geschwächtes Immunsystem, etwa durch eine Krebserkrankung, eine Organtransplantation oder bestimmte Medikamente
- Vorausgegangene oder laufende Antibiotikabehandlungen
- Offene Wunden oder größere Verbrennungen
- Höheres Alter und mehrere Grunderkrankungen
- Frühere Krankenhausbehandlung in einem Land mit vielen resistenten Bakterien
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Fieber mit Schüttelfrost oder ein plötzlich starkes Krankheitsgefühl
- Verwirrtheit oder starke Schwäche, besonders bei älteren Menschen
- Atemnot, sehr schnelle Atmung oder Brustschmerzen
- Wundinfektion mit zunehmender Rötung, Schwellung oder Eiter
- Kein Wasserlassen über viele Stunden oder Blut im Urin
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sie erfahren, dass bei Ihnen CRE-Bakterien nachgewiesen wurden, fühlen sich aber gesund – sprechen Sie in Ruhe mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, was das für Sie bedeutet
- Wiederkehrende Harnwegsbeschwerden oder Beschwerden, die nicht besser werden
- Fragen zur Hygiene zu Hause, wenn ein Familienmitglied Träger der Bakterien ist
- Allgemeine Unsicherheit oder Sorgen zum Thema resistente Bakterien
Diagnose
Der Nachweis erfolgt über eine Untersuchung von Körperproben im Labor. Aus einer Stuhlprobe, einem Abstrich, Urin, Wundsekret oder Blut werden die Bakterien angezüchtet und dann getestet, gegen welche Antibiotika sie empfindlich sind und gegen welche nicht. Diesen Test nennt man Antibiogramm – also ein „Empfindlichkeitsprofil“ der Bakterien. Wichtig ist die Unterscheidung: Finden sich die Bakterien nur im Darm und besteht kein Krankheitszeichen, spricht man von einer Besiedelung. Erst wenn Beschwerden und Entzündungszeichen dazukommen, wird daraus eine Infektion.
Mögliche Untersuchungen
- Stuhlprobe oder Rektalabstrich – meist zum Screening, also zur routinemäßigen Suche bei Risikopatienten
- Urinprobe bei Beschwerden beim Wasserlassen
- Blutkultur bei Fieber oder Verdacht auf eine Blutvergiftung
- Wundabstrich bei verdächtigen Wunden
- Atemwegsproben, zum Beispiel Auswurf, bei Verdacht auf eine Lungenentzündung
- Antibiogramm: Test, welche Antibiotika noch wirken
- Blutwerte wie Entzündungsparameter und ein großes Blutbild
- Bildgebung wie Röntgen oder Ultraschall, wenn ein bestimmtes Organ betroffen ist
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Bis das Ergebnis vorliegt, dauern meist einige Tage, weil die Bakterien erst wachsen müssen. In dieser Zeit können Sie bereits behandelt werden, wenn Sie Beschwerden haben. Bei einem Krankenhausaufenthalt kann es sein, dass Mitpatienten ebenfalls getestet werden und dass Sie vorübergehend in einem Einzelzimmer untergebracht werden. Das dient dem Schutz anderer und ist kein Zeichen dafür, dass es Ihnen schlechter geht.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich ganz danach, ob nur eine Besiedelung vorliegt oder eine echte Infektion – und welches Organ betroffen ist. Eine Besiedelung im Darm wird in der Regel nicht mit Antibiotika behandelt, weil das die Resistenzlage eher verschlechtern kann. Bei einer Infektion entscheidet das Behandlungsteam anhand des Antibiogramms, welche Mittel noch wirken, und kombiniert teilweise mehrere Wirkstoffe. Wichtig sind außerdem allgemeine Maßnahmen wie Flüssigkeitsausgleich, Schmerzlinderung und die Versorgung von Wunden.
Selbsthilfe zu Hause
- Viel trinken, besonders bei Fieber oder Durchfall – so unterstützen Sie Ihren Kreislauf
- Ausreichend Ruhe gönnen und körperliche Anstrengung vermeiden, bis es Ihnen besser geht
- Gründlich und regelmäßig die Hände mit Seife waschen, vor allem nach dem Toilettengang und vor dem Essen
- Wunden sauber und trocken halten und nach Anweisung verbinden
- Alle Anweisungen des Behandlungsteams zur Hygiene im Krankenhaus oder zu Hause befolgen
- Auf den eigenen Körper hören und neue Beschwerden notieren, um sie beim Arztbesuch zu schildern
Medizinische Behandlungen
Wenn eine echte Infektion vorliegt, wählt das Behandlungsteam anhand des Antibiogramms die noch wirksamen Antibiotika aus – manchmal wird ein einziges Mittel eingesetzt, manchmal eine Kombination. Die Gabe erfolgt je nach Schwere oft über eine Vene im Krankenhaus. Zusätzlich wichtig sind unterstützende Maßnahmen: Flüssigkeit über eine Infusion, Sauerstoff bei Atemnot, Fiebersenkung und Schmerzlinderung sowie die Entfernung oder der Wechsel von Kathetern und Schläuchen, die als Eintrittspforte dienen könnten. Bei einer Besiedelung ohne Beschwerden wird meist bewusst nicht behandelt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur in bestimmten Fällen nötig – zum Beispiel, wenn sich ein Eiterherd gebildet hat, ein infizierter Katheter, ein künstliches Gelenk oder ein anderes Implantat entfernt oder ersetzt werden muss. In solchen Situationen ist der Eingriff oft der entscheidende Schritt, um die Bakterien loszuwerden.
Leben mit der Erkrankung
Viele Menschen mit CRE im Darm leben völlig normal und merken nichts davon. Werden Sie krank, kann die Behandlung aufwendiger sein, weil weniger Antibiotika wirken – das heißt aber nicht, dass es keine Möglichkeiten gibt. Im Alltag zu Hause sind keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen nötig, außer einer guten Händehygiene. Bei einem Krankenhausaufenthalt sagen Sie bitte immer von sich aus, dass bei Ihnen CRE nachgewiesen wurden – so kann das Team passende Hygienemaßnahmen einplanen.
Tipps für den Alltag
- Händehygiene zur Routine machen: mit Seife und Wasser, etwa 20 bis 30 Sekunden
- Auch Angehörige und Besucher sollten sich vor und nach dem Kontakt die Hände waschen
- Immer alle Beteiligten informieren – Hausarzt, Pflegedienst und Krankenhaus –, damit Behandlungen gut abgestimmt sind
- Antibiotika nur einnehmen, wenn sie verordnet sind, und die Einnahme immer vollständig abschließen
- Bei Reisen ins Ausland auf eine gute medizinische Versorgung achten und eine Behandlung im Ausland später beim Arzt erwähnen
- Auf ausreichend Schlaf und einen gesunden Lebensstil achten, um das Immunsystem zu unterstützen
Ernährung und Bewegung
Es gibt keine spezielle Diät, die CRE-Bakterien beseitigt. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und ausreichend Flüssigkeit unterstützt den Körper allgemein. Bewegung an der frischen Luft – angepasst an Ihre Möglichkeiten – hilft beim Erholen und stärkt das Immunsystem. Nach einer überstandenen Infektion gehen Sie es langsam an und steigern sich Schritt für Schritt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Nachricht „resistente Bakterien“ macht vielen Menschen Angst. Sorgen, Schamgefühle oder das Gefühl, andere anzustecken, sind verständlich – eine Besiedelung ist aber kein Grund für Schuld oder Scham. Oft hilft es, konkrete Fragen zu stellen: Was bedeutet das für mich? Muss ich etwas beachten? Was passiert bei einer erneuten Erkrankung? Wenn Ängste oder Grübeln Sie im Alltag belasten, sprechen Sie darüber – mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder mit einer psychologischen Beratungsstelle. In seelischen Krisen können Sie sich jederzeit an eine Krisenberatung oder die Telefonseelsorge wenden.
Vorbeugung
Vollständig verhindern lassen sich resistente Bakterien nicht, aber man kann die Ausbreitung deutlich einschränken. Der wichtigste Baustein ist die Händehygiene – bei medizinischem Personal, bei Besuchern und im Alltag. Ebenso wichtig ist ein bedachter Umgang mit Antibiotika: nur wenn es medizinisch nötig ist, in der richtigen Anwendung und vollständig zu Ende genommen. In Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sorgen Hygienemaßnahmen wie Screening bei Risikopatienten, Einzelzimmer in bestimmten Situationen und gereinigte Geräte für Sicherheit. Diese Empfehlungen sind in Deutschland unter anderem in den Richtlinien des Robert Koch-Instituts und in den Hygienefachleitlinien der AWMF organisiert.
Impfungen
Eine Schutzimpfung speziell gegen CRE gibt es bislang nicht. Es ist aber sinnvoll, die allgemein empfohlenen Impfungen entsprechend den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) auf dem aktuellen Stand zu halten – so beugen Sie anderen Infektionen und damit auch unnötigen Antibiotikabehandlungen vor.
Früherkennungsprogramme
Ein generelles Screening der gesamten Bevölkerung gibt es nicht. In Krankenhäusern werden jedoch Menschen mit bestimmten Risikofaktoren gezielt getestet, etwa bei Aufnahme auf eine Intensivstation oder nach einem Krankenhausaufenthalt im Ausland. Fragen Sie bei einem geplanten Krankenhausaufenthalt nach, ob für Sie ein solcher Test vorgesehen ist.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ausbreitung der Bakterien im Körper bis zu einer Blutvergiftung (Sepsis) – ein Notfall
- Nicht mehr oder nur schwer behandelbare Infektionen, weil viele Antibiotika nicht wirken
- Befall mehrerer Organe, zum Beispiel Niere, Lunge oder Bauchraum
- Ein längerer Krankenhausaufenthalt und eine längere Erholungszeit
- Bei sehr kranken Menschen kann es zu einem lebensbedrohlichen Kreislaufversagen kommen
Langzeitprognose
Die Aussichten sind besser, als der Begriff „resistent“ vermuten lässt. Die meisten Menschen mit CRE sind nur Träger und werden gar nicht krank. Bei einer Infektion gibt es heute Labore, die genau bestimmen, welche Mittel noch wirken, und Behandlungsteams, die darauf spezialisiert sind. Für gesunde Menschen ist das Risiko ohnehin sehr gering, und mit guter Händehygiene und einem verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika kann jede und jeder dazu beitragen, dass resistente Bakterien sich weniger ausbreiten.
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Zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2026
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