Krim-Kongo-Hämorrhagisches Fieber (CCHF)
Übersicht
Das Krim-Kongo-Hämorrhagische Fieber – kurz CCHF, von englisch Crimean-Congo haemorrhagic fever – ist eine seltene Infektionskrankheit, die durch ein Virus ausgelöst wird. Das Virus wird vor allem durch Zecken übertragen, genauer durch die Zeckenart Hyalomma. Es kommt in Teilen Afrikas, Asiens, des Nahen Ostens und Südosteuropas vor. In Deutschland ist die Krankheit extrem selten und tritt praktisch nur bei Menschen auf, die sich vorher in einem dieser Gebiete angesteckt haben. Das Wort „hämorrhagisch“ bedeutet, dass es bei einem schweren Verlauf zu Blutungen kommen kann. Wichtig zu wissen: Ein Zeckenstich in Deutschland führt nicht zu CCHF, denn unsere heimischen Zecken übertragen dieses Virus normalerweise nicht.
Wichtige Fakten
- Ausgelöst wird die Krankheit durch ein Virus, das vor allem durch Zecken (Hyalomma-Zecken) übertragen wird.
- Eine Ansteckung ist auch über Blut oder Körperflüssigkeiten infizierter Tiere oder Menschen möglich.
- In Deutschland ist CCHF sehr selten; die meisten Fälle werden aus Endemiegebieten eingeschleppt.
- Die Krankheit ist in Deutschland meldepflichtig – Ärztinnen und Ärzte müssen einen Verdacht weitergeben.
Nein. Weltweit werden pro Jahr nur wenige hundert bis wenige tausend Fälle gemeldet, vor allem aus Ländern, in denen die Hyalomma-Zecke verbreitet ist. In Deutschland sind Erkrankungen eine Rarität und fast immer Reise-Importe. Für Menschen, die in Deutschland leben und nicht in ein Endemiegebiet gereist sind, ist das Risiko sehr gering.
Betroffen sind vor allem Menschen in Endemiegebieten: Landwirtinnen und Landwirte, Viehzüchter, Schlachthofbeschäftigte, Tierärztinnen und Tierärzte, Försterinnen und Förster sowie Menschen, die viel Zeit im Freien verbringen. Auch medizinisches Personal kann sich anstecken, wenn es infizierte Patientinnen oder Patienten ohne Schutzkleidung versorgt. Reisende erkranken nur selten – meist nach Aufenthalten auf dem Land, in der Natur oder in engem Kontakt mit Nutztieren.
Symptome
- Starke Blutung, die nicht aufhört, oder Blut im Erbrochenen bzw. im Stuhl
- Verwirrtheit, Bewusstseinstrübung oder Ohnmacht
- Atemnot
- Zeichen eines Schocks: kalter Schweiß, sehr blasse Haut, sehr schneller Puls, kaum messbarer Blutdruck
- Hohes Fieber mit rascher Verschlechterung nach einem Aufenthalt in einem Endemiegebiet in den letzten 14 Tagen
- ⚠Fieber über 38,5 °C nach einem Zeckenstich oder nach einer Reise in ein Endemiegebiet
- ⚠Plötzlich einsetzende starke Kopf- und Muskelschmerzen zusammen mit Übelkeit
- ⚠Blaue Flecken ohne erkennbaren Grund oder ungewöhnliches Nasen- und Zahnfleischbluten
- ⚠Kontakt mit Blut oder Körperflüssigkeiten von Tieren oder Menschen in einem Endemiegebiet
Häufige Symptome
- Plötzlich einsetzendes hohes Fieber
- Starke Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen
- Schwindel und Nackenschmerzen
- Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall
- Halsschmerzen und Lichtempfindlichkeit
- Nach einigen Tagen manchmal Blutungszeichen: kleine Hauteinblutungen (Petechien), Nasenbluten, Zahnfleischbluten
- Vergrößerte Leber, eventuell Gelbfärbung von Augen und Haut
Symptome bei Kindern
- Oft ähnliche Beschwerden wie bei Erwachsenen, häufig mit Fieber und Erbrechen
- Kinder können quengelig und schläfrig wirken und schlecht trinken oder essen
- Bauchschmerzen und Durchfall stehen manchmal im Vordergrund
- Schwere Verläufe sind möglich – bei Fieber nach einem Aufenthalt in einem Endemiegebiet bitte früh ärztlich abklären lassen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen haben ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf
- Stärkere Blutungsneigung und Beteiligung mehrerer Organe sind möglich
- Die Erholung kann länger dauern und mehr Unterstützung erfordern
Ursachen
Hauptursachen
- Stich einer infizierten Hyalomma-Zecke
- Direkter Kontakt mit Blut oder Gewebe infizierter Tiere, zum Beispiel beim Schlachten oder bei der Geburtshilfe bei Nutztieren
- Kontakt mit Blut oder anderen Körperflüssigkeiten erkrankter Menschen, etwa bei der Pflege ohne Schutzkleidung oder durch Nadelstichverletzungen
- Sehr selten über kontaminiertes Material oder Laborarbeiten mit dem Virus
Risikofaktoren
- Aufenthalt in Endemiegebieten, zum Beispiel Balkan, Türkei, Iran, Afghanistan, Pakistan, Zentralasien, Naher Osten und Teile Afrikas
- Beruflicher Umgang mit Vieh, Schlachtung oder Tierhaltung in diesen Regionen
- Viel Zeit im Freien, vor allem in buschigem oder steppenartigem Gelände
- Versorgung erkrankter Menschen ohne geeignete Schutzausrüstung
- Arbeit im Labor mit hochansteckenden Erregern
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Fieber oder grippeähnliche Beschwerden innerhalb von 14 Tagen nach einer Reise in ein Endemiegebiet
- Zeckenstich in einem Endemiegebiet und danach auftretende Krankheitszeichen
- Plötzliche Blutungen oder blaue Flecken ohne erkennbaren Grund
- Zunehmende Schwäche, Verwirrtheit oder Atemnot – hier bitte sofort den Notruf 112 wählen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sie planen eine Reise in ein Endemiegebiet und möchten sich zu Zeckenschutz beraten lassen
- Sie arbeiten mit Tieren oder im Gesundheitswesen und haben Fragen zum Schutz vor Infektionen
- Sie hatten Kontakt zu einer erkrankten Person und sind unsicher, ob Sie sich schützen müssen
Diagnose
Der Verdacht entsteht meist aus dem Zusammenspiel von Beschwerden, einem Zeckenstich oder Tierkontakt und einer Reise in ein Endemiegebiet. Bestätigt wird die Krankheit durch Blutuntersuchungen in spezialisierten Laboren. Zusätzlich werden Blutbild und Leberwerte kontrolliert, um zu sehen, wie sehr der Körper betroffen ist. In Deutschland werden Verdachtsfälle an die Gesundheitsbehörden gemeldet.
Mögliche Untersuchungen
- PCR-Test: Nachweis des Virus-Erbguts im Blut
- Antikörpertests: Sie zeigen, ob der Körper bereits Abwehrstoffe gegen das Virus gebildet hat
- Blutbild: Oft sind die Blutplättchen und manche weißen Blutkörperchen vermindert
- Leber- und Nierenwerte sowie Gerinnungstests
- In seltenen Fällen eine Virusanzucht im Speziallabor
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Bei einem begründeten Verdacht werden Sie im Krankenhaus isoliert untergebracht, damit sich niemand anstecken kann. Es werden mehrfach Blutproben genommen, und Sie werden eng überwacht. Das kann am Anfang beunruhigend sein – das Team ist aber darauf eingerichtet und wird Ihnen jeden Schritt erklären. Fragen Sie ruhig nach, wenn Ihnen etwas unklar ist.
Behandlung
Eine ursächliche Behandlung, die das Virus selbst gezielt bekämpft, gibt es derzeit nicht allgemein zugelassen. Im Mittelpunkt steht eine gute unterstützende Versorgung, meist im Krankenhaus und bei schwerem Verlauf auf einer Intensivstation. Ziel ist es, den Körper bei der Abwehr zu unterstützen und Komplikationen früh zu erkennen. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Aussichten.
Selbsthilfe zu Hause
- Nach der Entlassung zunächst langsam machen und die Belastung Schritt für Schritt steigern
- Ausreichend trinken und auf eine ausgewogene Ernährung achten
- Regelmäßige Nachsorgetermine wahrnehmen und Blutwerte kontrollieren lassen
- Auf Warnzeichen wie erneutes Fieber, Blutungen oder starke Schwäche achten und dann sofort ärztlichen Rat suchen
- Gründliche Handhygiene und die empfohlenen Hygieneregeln im Alltag einhalten
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung richtet sich nach dem Zustand der Patientin oder des Patienten. Dazu gehören eine sorgfältige Flüssigkeits- und Elektrolytbalance, Sauerstoffgabe bei Bedarf, Maßnahmen zur Blutstillung und, wenn nötig, die Gabe von Blutbestandteilen. Bei schwerem Verlauf werden Organfunktionen auf der Intensivstation überwacht und unterstützt. Bestimmte antivirale Wirkstoffe werden in Studien und in einigen Ländern eingesetzt; ob sie zuverlässig helfen, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Fragen Sie Ihr Behandlungsteam, welche Optionen in Ihrer Situation sinnvoll sind.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei CCHF in der Regel nicht Teil der Behandlung. Sie kann höchstens dann nötig werden, wenn eine Blutung anders nicht zu stoppen ist.
Leben mit der Erkrankung
Die Erholung braucht Zeit – oft mehrere Wochen, manchmal Monate. Viele Menschen fühlen sich nach einer schweren Infektion noch lange müde und kraftlos. Planen Sie Pausen ein und vergleichen Sie sich nicht mit anderen. Halten Sie Kontakt zu Ihrem Behandlungsteam und lassen Sie sich bei der Rückkehr in den Alltag, in den Beruf oder in die Familie unterstützen.
Tipps für den Alltag
- Feste Schlafenszeiten und ausreichend Ruhe einplanen
- Aktivitäten langsam steigern, statt sofort wieder voll einzusteigen
- Auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum verzichten, da dies den Körper zusätzlich belastet
- Bei Reisen in Endemiegebiete konsequent auf Zeckenschutz achten
- Hygieneregeln im Umgang mit Tieren und in der Pflege von Kranken einhalten
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und ausreichend Flüssigkeit unterstützt die Erholung. Bewegung ist gut, sollte aber behutsam beginnen: kurze Spaziergänge sind ein guter Anfang, längere oder anstrengende Einheiten erst, wenn Sie sich bereit fühlen. Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, was für Sie passt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine schwere Infektion, die Isolation im Krankenhaus und die Angst vor Ansteckung können belasten. Manche Menschen schlafen schlecht, fühlen sich ängstlich oder niedergeschlagen, auch noch Wochen nach der Krankheit. Das ist verständlich und kein Zeichen von Schwäche. Wichtig: Wenn Sie Gedanken haben, die Ihnen große Angst machen, oder sich nicht mehr weiterwissen, holen Sie sich sofort Unterstützung – zum Beispiel über die Telefonseelsorge oder eine psychosoziale Beratungsstelle. Sie sind damit nicht allein.
Vorbeugung
Ja, das Risiko lässt sich deutlich senken. In Endemiegebieten schützt Sie helle, langärmelige Kleidung, festes Schuhwerk und ein Insektenschutzmittel auf unbedeckter Haut. Kontrollieren Sie sich nach Aufenthalten im Freien gründlich auf Zecken und entfernen Sie Zecken zügig mit einer feinen Pinzette. Wer mit Vieh zu tun hat, sollte beim Schlachten und bei der Geburtshilfe Handschuhe und Schutzkleidung tragen. Im Gesundheitswesen gelten strenge Hygienemaßnahmen, damit sich niemand bei erkrankten Menschen ansteckt.
Impfungen
Für Menschen gibt es in Deutschland keine allgemein verfügbare Impfung gegen CCHF. Ein Schutz besteht daher vor allem über den Schutz vor Zeckenstichen und über konsequente Hygiene beim Umgang mit Tieren.
Früherkennungsprogramme
Eine routinemäßige Vorsorgeuntersuchung gibt es nicht. Sinnvoll ist, bei Fieber nach einer Reise in ein Endemiegebiet die behandelnde Praxis ausdrücklich auf die Reise und mögliche Tier- oder Zeckenkontakte hinzuweisen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Starke Blutungen, die zu Blutarmut und Kreislaufproblemen führen können
- Schock durch Flüssigkeitsverlust und Blutverlust
- Störungen von Leber, Nieren und anderen Organen
- Zusätzliche Infektionen während der Behandlung
- Lange anhaltende Müdigkeit und Kraftlosigkeit nach der Krankheit
Langzeitprognose
Die meisten Menschen, die an CCHF erkranken, überstehen die Krankheit – besonders dann, wenn sie früh erkannt und gut versorgt werden. In Berichten schwankt die Sterblichkeit je nach Region und Versorgungslage stark. Wichtig ist: Je früher ein Verdacht geäußert und behandelt wird, desto besser sind die Aussichten. Für Menschen in Deutschland, die sich hier angesteckt haben, ist die Krankheit extrem selten – und es gibt gute Schutzmaßnahmen.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsempfehlungen unterscheiden sich nach Land und Region. Diese Seite ist allgemeine Aufklärung und entspricht möglicherweise nicht den Leitlinien, Arzneimitteln oder der Praxis an Ihrem Wohnort. Besprechen Sie Ihre Anliegen mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder einer anderen medizinischen Fachperson und folgen Sie lokalen Empfehlungen, soweit es sie gibt.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Keine Leitlinie nennt dieses Thema
Hier wird keine Gesundheitsleitlinie und kein klinisches Kapitel zitiert, das genau dieses Thema nennt. Diese Seite dient nur der allgemeinen Bildung und Information. Sie ist keine Diagnose, kein Behandlungsplan und kein persönlicher medizinischer Rat. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und folgen Sie deren Rat. Bei starken, plötzlichen oder beunruhigenden Beschwerden holen Sie zeitnah medizinische Hilfe, und rufen Sie im Notfall die örtliche Notrufnummer an. Ruqelo LLC ist nicht verantwortlich für medizinische oder rechtliche Folgen von Entscheidungen, die auf diesen Informationen beruhen.
Zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.
Guidance may differ by country or region. Confirm local recommendations with a qualified healthcare provider.