Depression bei Erwachsenen
Übersicht
Eine Depression ist mehr als nur Traurigkeit oder ein schlechter Tag. Sie ist eine ernsthafte, aber gut behandelbare Erkrankung. Bei einer Depression verändert sich das Erleben über längere Zeit: Die Stimmung ist gedrückt, die Freude verschwindet, der Antrieb fehlt. Das betrifft auch den Körper, das Denken und den Schlaf. Wichtig zu wissen: Eine Depression ist keine Schwäche und keine Schuld. Sie kann jeden treffen und sie lässt sich behandeln.
Wichtige Fakten
- Eine Depression ist eine anerkannte Erkrankung, keine Charakterschwäche und kein persönliches Versagen.
- Typisch ist, dass Beschwerden wie gedrückte Stimmung, Interessenverlust und Antriebslosigkeit über mindestens zwei Wochen fast täglich bestehen.
- Die Behandlung wirkt meist gut. Je früher Betroffene Hilfe suchen, desto besser und schneller ist der Weg zurück in den Alltag.
- Niemand muss alleine durch eine Depression gehen. Gespräche mit einem Hausarzt oder einer Hausärztin sind ein guter, niedrigschwelliger erster Schritt.
Depression gehört zu den häufigsten psychischen Erkrankungen überhaupt. Sehr viele Menschen machen im Laufe ihres Lebens eine depressive Episode durch. Es kann also gut sein, dass jemand in Ihrem Umfeld Ähnliches erlebt hat, auch wenn man es oft nicht sieht.
Depression kann in jedem Alter auftreten, bei Frauen und Männern, in jedem Beruf und in jeder Lebenssituation. Frauen suchen häufiger Hilfe und bekommen daher öfter die Diagnose. Bei Männern zeigt sich eine Depression manchmal anders, etwa durch Reizbarkeit, Rückzug, übermäßigen Alkoholkonsum oder körperliche Beschwerden. Auch Menschen mit chronischen körperlichen Erkrankungen, nach belastenden Lebensereignissen oder in schwierigen Lebensphasen haben ein höheres Risiko.
Symptome
- Wenn Sie oder eine andere Person Gedanken haben, sich das Leben zu nehmen, oder wenn Sie befürchten, sich etwas anzutun: Rufen Sie sofort den Notruf 112 an.
- Wenn jemand bereits begonnen hat, sich zu verletzen, oder eine konkrete Absicht äußert, sich etwas anzutun.
- Wenn eine Person nicht mehr in der Lage ist, für sich zu sorgen, zum Beispiel nicht mehr isst, trinkt oder ihr Zuhause verlässt und dadurch in Gefahr ist.
- Bei starker Verwirrtheit, Wahnvorstellungen oder wenn eine depressive Episode mit einem Zustand einhergeht, in dem die Person nicht mehr zurechnungsfähig erscheint.
- ⚠Wenn sich die Beschwerden deutlich verschlimmern und Sie das Gefühl haben, es geht nicht mehr weiter.
- ⚠Wenn Gedanken an den eigenen Tod auftauchen, ohne dass eine akute Absicht besteht: Bitte suchen Sie noch am selben Tag Hilfe, zum Beispiel in der Notaufnahme oder über den ärztlichen Bereitschaftsdienst.
- ⚠Wenn Sie oder eine Angehörige oder ein Angehöriger nicht mehr schlafen können oder nicht mehr essen und trinken.
- ⚠Wenn jemand beginnt, sich von allen zu lösen, und sich nicht mehr meldet.
Häufige Symptome
- Gedrückte, oft den ganzen Tag anhaltende Stimmung
- Freud- und Interessenverlust, auch an Dingen, die früher wichtig waren
- Antriebslosigkeit, starke Müdigkeit, Aufgaben fühlen sich unüberwindbar an
- Schlafprobleme, zum Beispiel nicht einschlafen können oder sehr früh aufwachen
- Veränderter Appetit, deutliche Zu- oder Abnahme des Gewichts
- Konzentrations- und Denkschwierigkeiten, Vergesslichkeit, Entscheidungsprobleme
- Schuldgefühle, sich wertlos oder hoffnungslos fühlen
- Reizbarkeit, innere Unruhe oder ein Gefühl der Leere
- Körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Rückenschmerzen oder Magen-Darm-Probleme, für die sich keine klare Ursache findet
- Rückzug von Freunden, Familie und Hobbys
Ursachen
Hauptursachen
- Meistens kommen mehrere Faktoren zusammen. Eine einzelne Ursache lässt sich selten festmachen.
- Biologische Faktoren: Das Zusammenspiel von Botenstoffen im Gehirn und die Regulation von Stresshormonen kann verändert sein.
- Veranlagung: Eine Depression kann in Familien gehäuft auftreten. Das heißt aber nicht, dass sie zwingend auftritt.
- Belastende Lebensereignisse: Verluste, Trennungen, schwere Krankheiten, Arbeitslosigkeit oder Überforderung können eine Depression auslösen.
- Chronischer Stress und Schlafmangel über längere Zeit.
- Körperliche Erkrankungen und Medikamente können die Stimmung beeinflussen. Das sollte ärztlich abgeklärt werden.
Risikofaktoren
- Frühere depressive Episoden
- Depression oder andere psychische Erkrankungen in der Familie
- Chronische körperliche Erkrankungen, zum Beispiel Herzkrankheiten oder Schmerzerkrankungen
- Schlafmangel, dauerhafter Stress oder eine hohe Dauerbelastung
- Einsamkeit und ein kleiner sozialer Rückhalt
- Bestimmte Lebensphasen wie Wochenbett, Wechseljahre oder der Übergang in den Ruhestand
- Übermäßiger Alkohol- oder Drogenkonsum
- Bestimmte Medikamente können die Stimmung beeinflussen. Fragen Sie dazu Ihre Ärztin oder Ihren Arzt oder Ihre Apotheke.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Gedanken auftauchen, nicht mehr leben zu wollen, oder wenn Sie sich selbst verletzen: Notruf 112 wählen oder die nächste Notaufnahme aufsuchen.
- Wenn Sie das Gefühl haben, den Tag nicht mehr zu schaffen, und niemanden haben, der auf Sie aufpassen kann.
- Wenn jemand in Ihrem Umfeld sich von sich aus nicht mehr helfen lassen kann und in Gefahr gerät.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie sich seit mehr als zwei Wochen fast täglich niedergeschlagen, hoffnungslos oder antriebslos fühlen.
- Wenn Sie die Freude an Dingen verlieren, die Ihnen früher wichtig waren.
- Wenn Ihre Arbeit, Ihr Studium oder Ihre Beziehungen darunter leiden.
- Wenn Sie schlecht schlafen, sich ständig sorgen oder sich innerlich unruhig fühlen.
- Wenn körperliche Beschwerden wie Schmerzen oder Erschöpfung trotz Abklärung nicht besser werden.
- Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Beschwerden eine Depression sein könnten: Ein Gespräch beim Hausarzt oder bei der Hausärztin schafft Klarheit.
Diagnose
Die Diagnose stellt eine Ärztin oder ein Arzt, meist in einem ausführlichen Gespräch. Gefragt wird nach der Stimmung der letzten Wochen, nach Schlaf, Appetit, Antrieb, Konzentration und nach Gedanken an den eigenen Tod. Es gibt keinen Bluttest, der eine Depression beweist. Ziel ist es, das Gesamtbild zu verstehen und andere Ursachen auszuschließen, etwa eine Schilddrüsenerkrankung, einen Mangel an bestimmten Nährstoffen oder Nebenwirkungen von Medikamenten. Häufig wird die Diagnose in Anlehnung an die S3-Leitlinie der AWMF zur unipolaren Depression gestellt; diese Leitlinie beschreibt, wie in Deutschland vorgegangen wird.
Mögliche Untersuchungen
- Ausführliches Gespräch über Stimmung, Alltag, Schlaf und Belastungen
- Standardisierte Fragebögen zur Einschätzung der Schwere der Beschwerden
- Körperliche Untersuchung
- Blutuntersuchung, zum Beispiel zur Kontrolle der Schilddrüse und anderer möglicher körperlicher Ursachen
- Überprüfung der eingenommenen Medikamente und möglicher Wechselwirkungen
- Bei Bedarf eine Überweisung an eine psychiatrische oder psychotherapeutische Praxis
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Das erste Gespräch dauert oft etwas länger und kann sich zunächst ungewohnt anfühlen. Sie dürfen selbst entscheiden, wie viel Sie erzählen. Nach dem Gespräch wird gemeinsam besprochen, welche Behandlung sinnvoll ist. Sie haben das Recht, Fragen zu stellen und eine zweite Meinung einzuholen.
Behandlung
Eine Depression lässt sich gut behandeln. Die zwei wichtigsten Säulen sind Psychotherapie und medikamentöse Behandlung. Bei leichten Beschwerden kann manchmal zuerst eine Psychotherapie und eine Veränderung im Alltag ausreichen. Bei mittelschweren und schweren Depressionen ist die Kombination aus beidem oft am wirksamsten. Welche Behandlung zu Ihnen passt, wird gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und einem Psychotherapeuten oder einer Psychotherapeutin entschieden.
Selbsthilfe zu Hause
- Tagesstruktur aufbauen: feste Zeiten für Aufstehen, Essen und Schlafen können Halt geben.
- Kleine, machbare Ziele setzen statt großer Vorsätze. Ein Spaziergang von zehn Minuten ist ein Erfolg.
- Soziale Kontakte pflegen, auch wenn es schwerfällt. Ein kurzer Anruf zählt schon.
- Auf Alkohol und andere Drogen möglichst verzichten. Sie verschlechtern die Stimmung und den Schlaf.
- Auf ausreichend Schlaf achten und abends Bildschirme weglassen, wenn es möglich ist.
- Sich selbst freundlich behandeln. Selbstvorwürfe sind Teil der Erkrankung, nicht die Wahrheit über Sie.
- Informationen suchen, die seriös sind, zum Beispiel über Ihre Praxis oder eine unabhängige Gesundheitsinformation.
Medizinische Behandlungen
Zu den Behandlungen gehören Psychotherapie, zum Beispiel Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologisch fundierte Therapie, und eine medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva. Diese Medikamente verändern Botenstoffe im Gehirn. Sie brauchen meist einige Wochen, bis sie wirken, und sollten nicht eigenmächtig abgesetzt werden. Bei schweren Verläufen kann eine Behandlung in einer Klinik oder eine tagesklinische Behandlung helfen. Auch Verfahren wie Lichttherapie bei saisonaler Depression oder Bewegungstherapie kommen infrage. Was für Sie sinnvoll ist, wird ärztlich entschieden. Fragen Sie bei Bedenken ruhig nach, auch in der Apotheke.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation spielt bei der Behandlung einer Depression keine Rolle.
Leben mit der Erkrankung
Im Alltag kann eine Depression alles schwerer machen. Planen Sie Pausen ein und nehmen Sie sich nicht zu viel vor. Es hilft, Aufgaben in kleine Schritte zu zerlegen. Halten Sie Termine mit Menschen, die Ihnen guttun, auch wenn Sie keine Lust haben. Sagen Sie Vertrauten ehrlich, wie es Ihnen geht. Und beachten Sie: Schwankungen gehören dazu. Ein schlechter Tag bedeutet nicht, dass die Behandlung nicht wirkt.
Tipps für den Alltag
- Bewegung, möglichst regelmäßig und in einem Umfang, der sich gut anfühlt
- Feste Schlafenszeiten und ein möglichst dunkles, ruhiges Schlafzimmer
- Realistische Tagesplanung mit kleinen Zielen
- Kontakt zu Menschen, die Ihnen guttun, auch wenn es anstrengend ist
- Weniger Alkohol und möglichst keine Drogen
- Zeit im Tageslicht, besonders an dunklen Tagen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten unterstützt die Gesundheit und das Energielevel. Es gibt kein Lebensmittel, das eine Depression heilt. Regelmäßige Bewegung wirkt nachweislich stimmungsaufhellend. Schon schnelles Gehen oder Spazierengehen kann helfen. Wählen Sie etwas, das Ihnen Freude macht, damit Sie dabeibleiben können.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Depression verändert das Denken. Betroffene sehen oft vor allem das Negative und zweifeln an sich selbst. Das gehört zur Erkrankung und ist kein Beweis, dass Sie versagt haben. Wichtig: Wenn Gedanken an den eigenen Tod auftauchen, wenden Sie sich bitte sofort an Hilfe. In Deutschland ist der Notruf 112 rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonseelsorge ist anonym und kostenlos erreichbar unter 0800 111 0 111 oder 116 123. Sie müssen in einer Krise nicht alleine bleiben.
Vorbeugung
Ganz verhindern lässt sich eine Depression nicht immer, aber man kann das Risiko senken und Rückfällen vorbeugen. Wichtig sind ein stabiler Schlafrhythmus, Bewegung, soziale Kontakte und der bewusste Umgang mit Stress. Wer schon einmal eine Depression hatte, sollte frühe Warnzeichen kennen und frühzeitig Hilfe suchen. Eine laufende Behandlung nicht eigenmächtig abbrechen zu lassen, ist ein wichtiger Schutz vor Rückfällen.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland gibt es kein allgemeines Screening-Programm für Depression. Bei bestimmten körperlichen Erkrankungen oder in besonderen Lebensphasen kann eine ärztliche Nachfrage zur Stimmung aber sinnvoll sein. Bei einem Verdacht können Sie das Gespräch auch selbst beginnen. Sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt an, wenn Sie sich seit längerem niedergeschlagen fühlen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Beschwerden können sich über Monate oder Jahre hinziehen oder wiederkehren.
- Beziehungen, Familie und Freundschaften können leiden.
- Arbeit, Ausbildung oder Studium können schwerfallen, bis hin zu längeren Fehlzeiten.
- Das Risiko für körperliche Erkrankungen steigt, und bestehende Erkrankungen verlaufen oft schwerer.
- Alkohol- oder anderer Substanzkonsum kann zunehmen, um die Beschwerden zu dämpfen.
- Im schlimmsten Fall entstehen Gedanken an den eigenen Tod. Deshalb ist es wichtig, früh Hilfe zu holen.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind gut. Die meisten Menschen mit einer Depression werden mit passender Behandlung wieder gesund oder finden zu einem guten Leben zurück. Eine Depression verläuft oft in Episoden: Sie kann wiederkommen, aber es gibt bewährte Wege, damit umzugehen. Der Weg kann Zeit brauchen, und Rückschritte gehören manchmal dazu. Wichtig ist, dass Sie dranbleiben und sich Unterstützung holen. Sie müssen diesen Weg nicht alleine gehen.
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Quellen und Leitlinien
Keine Leitlinie nennt dieses Thema
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Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2026
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