Angeborene Hüftdysplasie (Hüftreifungsstörung)
Übersicht
Bei der angeborenen Hüftdysplasie ist die Hüftpfanne im Becken zu flach. Die Hüftpfanne ist die runde Mulde, in der der Oberschenkelkopf sitzt. Dadurch hat der Oberschenkelkopf wenig Halt. Die Hüfte kann dadurch instabil sein oder sich sogar ausrenken. „Angeboren“ heißt, dass die Anlage schon bei der Geburt so ist. Oft wird die Hüfte aber erst in den ersten Wochen und Monaten auffällig, weil sie sich noch entwickelt.
Wichtige Fakten
- Die Hüftdysplasie ist eine Reifungs- und Formstörung der Hüfte, keine Verletzung.
- Sie wird in Deutschland meist im Babyalter durch die Hüftuntersuchung und den Hüftultraschall erkannt.
- Je früher sie erkannt wird, desto einfacher ist die Behandlung meist.
- Viele Kinder werden mit einer Spreizlagerung oder einer Hüftorthese gut behandelt.
- Eine Hüftdysplasie ist nicht die Schuld der Eltern.
Ja, die angeborene Hüftdysplasie gehört zu den häufigsten angeborenen Störungen des Bewegungsapparats. Wie häufig sie genau vorkommt, hängt davon ab, wie streng man zählt und welche Kinder untersucht werden. Durch die Früherkennung in Deutschland wird sie oft früh entdeckt.
Sie betrifft vor allem Säuglinge und Kleinkinder. Mädchen sind häufiger betroffen als Jungen. Auch erstgeborene Kinder, Kinder in Beckenendlage und Kinder mit Hüftdysplasie in der Familie haben ein höheres Risiko. Bei Erwachsenen kann eine nicht erkannte oder nicht ausreichend behandelte Hüftdysplasie später Beschwerden machen.
Symptome
- Wenn Ihr Kind nach einem Unfall starke Schmerzen hat und das Bein nicht mehr bewegen kann, rufen Sie den Notruf 112 an.
- Wenn die Hüfte nach einem Sturz sichtbar verformt ist oder eine offene Wunde besteht, rufen Sie den Notruf 112 an.
- Bei Bewusstlosigkeit, starker Blutung oder einem anderen akuten Notfall gilt ebenfalls: 112 anrufen.
- ⚠Hüftschmerzen zusammen mit Fieber, besonders wenn das Kind nicht laufen oder das Bein nicht belasten will.
- ⚠Plötzliche Gehunfähigkeit oder ein neu aufgetretenes starkes Hinken.
- ⚠Starke Schwellung, Rötung oder Überwärmung im Hüft- oder Oberschenkelbereich.
- ⚠Ein Säugling mit Fieber und auffälliger Schonhaltung des Beins.
Häufige Symptome
- Oft gibt es zunächst keine sichtbaren Beschwerden.
- Die Hautfalten an den Innenseiten der Oberschenkel können unterschiedlich sein.
- Ein Bein kann kürzer wirken oder anders gehalten werden.
- Die Hüfte lässt sich manchmal nicht so weit spreizen wie üblich.
- Manchmal hört oder fühlt man ein Klicken oder Schnappen bei der Bewegung.
Symptome bei Kindern
- Ein Kind beginnt später zu laufen oder läuft auffällig.
- Ein hinkendes oder watschelndes Gangbild kann auftreten.
- Das Kind belastet ein Bein weniger oder zieht ein Bein nach.
- Beim Wickeln oder Anziehen fällt eine Bewegungseinschränkung auf.
- Später können Schmerzen im Hüftgelenk dazukommen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei Erwachsenen mit einer spät erkannten Hüftdysplasie können Hüftschmerzen auftreten, besonders bei Belastung.
- Ein frühes Steifheitsgefühl oder Schmerzen nach längerem Sitzen sind möglich.
- Im Röntgenbild kann sich ein frühzeitiger Gelenkverschleiß zeigen.
- Manche Erwachsene hatten als Kind keine auffälligen Beschwerden.
Ursachen
Hauptursachen
- Die Hüftpfanne ist bei der Geburt zu flach angelegt.
- Die Gelenkkapsel und die Bänder um die Hüfte können zu locker sein.
- Dadurch kann der Oberschenkelkopf nicht optimal in der Hüftpfanne sitzen.
- In manchen Fällen ist die Hüfte bei der Geburt bereits teilweise oder ganz ausgerenkt.
- Die genaue Ursache ist meist eine Kombination aus erblicher Veranlagung und Platzverhältnissen im Mutterleib.
Risikofaktoren
- Weibliches Geschlecht.
- Erstgeborenes Kind.
- Beckenendlage im Mutterleib.
- Hüftdysplasie oder Hüftprobleme in der Familie.
- Wenig Fruchtwasser in der Schwangerschaft.
- Zu enges Wickeln mit gestreckten und zusammengedrückten Beinen kann die Hüftreifung ungünstig beeinflussen.
- Übergewicht des Kindes oder eine große Geburtsgröße können eine Rolle spielen.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn ein Kind plötzlich nicht mehr laufen oder das Bein nicht belasten will.
- Wenn Hüftschmerzen mit Fieber auftreten.
- Wenn nach einem Sturz starke Schmerzen, eine Schwellung oder eine Fehlstellung bestehen.
- Wenn ein Säugling sehr unruhig ist und ein Bein auffällig schont.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei allen U-Untersuchungen im Baby- und Kleinkindalter.
- Wenn Eltern eine ungleiche Hautfalte, eine Bewegungseinschränkung oder ein Klicken bemerken.
- Wenn ein Kind später läuft, hinkt oder ein Bein nachzieht.
- Wenn in der Familie eine Hüftdysplasie bekannt ist.
- Wenn im späteren Leben Hüftschmerzen auftreten, besonders bei Belastung.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt untersucht zuerst die Hüften mit den Händen. Dabei wird geschaut, ob die Beine unterschiedlich lang sind, ob die Hüfte stabil ist und wie weit sich die Beine spreizen lassen. Bei Säuglingen ist der Hüftultraschall die wichtigste Untersuchung. Bei älteren Kindern oder Erwachsenen kann ein Röntgenbild oder in besonderen Fällen eine Magnetresonanztomografie (MRT, eine Bildgebung mit Magneten) nötig sein.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung der Hüften und Beine.
- Hüftultraschall bei Säuglingen, meist im Rahmen der Früherkennung.
- Röntgenbild bei älteren Säuglingen, Kindern und Erwachsenen.
- MRT nur bei bestimmten Fragestellungen.
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen während der Behandlung.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist schmerzfrei und dauern nicht lange. Beim Ultraschall wird ein Schallkopf auf die Haut gelegt. Beim Röntgen muss das Kind kurz stillhalten. Wenn eine Behandlung nötig ist, erklärt das Behandlungsteam die nächsten Schritte genau. Fragen Sie jederzeit nach, wenn etwas unklar ist.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach dem Alter des Kindes und danach, wie stark die Hüfte betroffen ist. Ziel ist, dass der Oberschenkelkopf gut in der Hüftpfanne sitzt und die Hüfte sich gesund entwickeln kann. Bei vielen Säuglingen reicht eine Spreizlagerung oder eine Hüftorthese. Bei älteren Kindern können andere Maßnahmen nötig sein. In Deutschland orientieren sich Früherkennung und Behandlung an der AWMF-Leitlinie zur Hüftdysplasie.
Selbsthilfe zu Hause
- Die Anweisungen zur Spreizhose oder Orthese genau einhalten.
- Das Baby nicht eng mit gestreckten Beinen wickeln.
- Bewegung und freie Beine beim Tragen und Wickeln ermöglichen.
- Haut unter der Orthese regelmäßig kontrollieren und trocken halten.
- Kontrolltermine zuverlässig wahrnehmen.
- Bei Fragen zur Handhabung frühzeitig das Behandlungsteam ansprechen.
Medizinische Behandlungen
Je nach Alter und Befund kommen eine Spreizlagerung, eine Hüftorthese, ein Gipsverband oder krankengymnastische Übungen infrage. Bei älteren Kindern kann die Hüfte unter Narkose eingerenkt werden. Welche Behandlung passt, entscheidet das Fachteam. Medikamente heilen eine Hüftdysplasie nicht. Schmerzmittel sollten nur nach Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt angewendet werden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nicht bei jeder Hüftdysplasie nötig. Sie kann erwogen werden, wenn eine Behandlung mit Orthese oder Gips nicht ausreicht, wenn die Hüfte bereits ausgerenkt ist oder wenn die Diagnose erst spät gestellt wird. Manchmal muss die Hüftpfanne oder der Oberschenkelknochen operativ korrigiert werden. Das Fachteam bespricht Nutzen und Risiken individuell.
Leben mit der Erkrankung
Im Alltag bedeutet eine Hüftdysplasie oft, dass das Baby eine Spreizhose oder Orthese trägt und regelmäßig kontrolliert wird. Wickeln, Anziehen und Tragen brauchen manchmal etwas Übung. Viele Familien finden mit dem Behandlungsteam gute Lösungen. Bei älteren Kindern können Bewegungsangebote und Physiotherapie helfen, sicher am Alltag teilzunehmen.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung ist wichtig, angepasst an Alter und Behandlung.
- Ein gesundes Körpergewicht entlastet die Gelenke langfristig.
- Beim Baby auf freie Beinbewegung achten und nicht eng pucken.
- Sportarten mit hoher Gelenkbelastung erst nach Rücksprache wählen, wenn die Hüfte behandelt ist.
- Bei Erwachsenen können Schwimmen oder Radfahren gelenkschonend sein.
Ernährung und Bewegung
Eine besondere Diät ist bei Hüftdysplasie nicht nötig. Für Babys gilt die übliche altersgerechte Ernährung. Für ältere Kinder und Erwachsene sind ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung sinnvoll. Welche Bewegung erlaubt ist, hängt von der Behandlung ab. Fragen Sie das Behandlungsteam, bevor Sie mit einer neuen Sportart beginnen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Hüftdysplasie kann für Eltern belastend sein. Manche machen sich Sorgen oder fühlen sich schuldig, obwohl sie nichts falsch gemacht haben. Auch Kinder können sich wegen einer Orthese oder wegen Arztterminen gestresst fühlen. Es ist okay, Hilfe zu suchen. Sprechen Sie mit dem Kinderarzt, der Physiotherapie oder einer Beratungsstelle, wenn die Belastung groß wird.
Vorbeugung
Eine angeborene Hüftdysplasie lässt sich nicht sicher verhindern, weil die Anlage der Hüfte schon vor der Geburt entsteht. Man kann aber ungünstige Einflüsse vermeiden und früh erkennen. Dazu gehört, Babys nicht eng mit gestreckten Beinen zu wickeln und die Früherkennung wahrzunehmen.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen Hüftdysplasie. Die empfohlenen Impfungen für Kinder sollten trotzdem nach dem üblichen Impfplan erfolgen.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland gehört die Hüftuntersuchung zu den U-Untersuchungen für Babys. Der Hüftultraschall wird meist im Alter von etwa vier bis sechs Wochen angeboten, bei Risikokindern auch früher. Die Früherkennung orientiert sich an der AWMF-Leitlinie. Sprechen Sie mit der Kinderarztpraxis, wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Kind untersucht wurde.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Hüfte kann sich weiter ausrenken oder instabil bleiben.
- Ein Kind kann später hinken oder ein Bein kürzer wirken.
- Es kann zu vorzeitigem Gelenkverschleiß und Hüftschmerzen kommen.
- Im Erwachsenenalter kann eine Operation nötig werden.
- Je später die Behandlung beginnt, desto aufwendiger kann sie sein.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind meist gut, wenn die Hüftdysplasie früh erkannt und behandelt wird. Viele Kinder entwickeln sich normal und haben später keine Beschwerden. Auch bei einer späten Diagnose gibt es Behandlungsmöglichkeiten. Wichtig sind regelmäßige Kontrollen und eine gute Zusammenarbeit mit dem Behandlungsteam.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2026
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